Zwei Päpste, eine Botschaft, ein Auftritt und ein Paukenschlag

Nun liegt sie vor, die erste Enzyklika von zwei Päpsten: “Lumen Fidei – das Licht des Glaubens“. Papst Benedikt XVI. hatte sie als großes Schreiben im “Jahr des Glaubens” begonnen. Papst Franziskus hat sie vollendet. Sie liest sich wie eine grundlegende (fundamentaltheologische) Abhandlung über den Glauben. Die zentrale Botschaft: Glauben ist auch in der Neuzeit vernünftig und nicht sinnlos (2). Dabei ist das „vernünftig“ durchaus im konkreten Wortsinn zu verstehen. Denn in der Enzyklika findet sich eines der Lieblingsthemen Joseph Ratzingers: das Verhältnis von Glaube und Vernunft (32ff). Auch die Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Wahrheit (23ff) ist ganz ratzingerianisch; ebenso der Versuch aufzuzeigen, dass der Glaube nicht von der Wirklichkeit trennt, sondern vielmehr den Glaubenden zu einem intensiveren Leben in der Wirklichkeit führt (18). Glauben heißt demnach nicht, sich vor der Welt zu verschließen und auf ein Jenseits zu warten, sondern die Gesellschaft jetzt konkret mitzugestalten (vgl. 51). „Der Glaube ist keine Privatsache.“ (22)

Großes Medieninteresse bei der Vorstellung der Enzyklika heute im Vatikan. (ap)

Die Enzyklika bleibt bei grundsätzlichen Aussagen und wird nur äußerst selten konkret. Dies geschieht vor allem in den letzten Abschnitten. Da geht es etwa um Konsequenzen des Glaubens, der etwa zum Schutz der Familie, der Achtung der Schöpfung, nachhaltiger Entwicklung oder gerechten Regierungsformen führen soll. (55). Die Päpste wehren sich dagegen, die Wahrheit des Glaubens mit Fanatismus zu verwechseln. (25) Vielmehr handle es sich um eine „Wahrheit der Liebe“. Diese Wahrheit setze sich nicht mit Gewalt durch und unterdrücke auch den Einzelnen nicht. „Der Gläu­bige ist nicht arrogant; im Gegenteil, die Wahr­heit lässt ihn demütig werden, da er weiß, dass nicht wir sie besitzen, sondern vielmehr sie es ist, die uns umfängt und uns besitzt. Weit davon entfernt, uns zu verhärten, bringt uns die Glaubensgewissheit in Bewegung und ermöglicht das Zeugnis und den Dialog mit allen.“ (34)

Anecken wird sicherlich die Vorstellung des Papstes, dass der Glaube nur in der Gemeinschaft der Kirche möglich ist. Die starke Betonung der Bedeutung des Lehramts, das durch die „apostolische Sukzession“ die Kontinuität des Gedächtnisses der Kirche gewährleiste, dürfte ebenfalls Widerspruch hervorrufen. Zumindest muss die Frage erlaubt sein, was mit dem „Glaubenssinn der Gläubigen“ ist, den das II. Vatikanische Konzil noch kennt (vgl. Lumen Gentium 12). Die starke Rückbindung der Theologie an das Lehramt dürfte in Theologenkreisen zu Diskussionen führen. (36) Auch die Frage nach der Einheit des Glaubens, den der Papst in der Enzyklika sehr stark betonen (68ff), wirft angesichts der Uneinigkeit des Christentums und der Aufspaltung in verschiedene Konfessionen Fragen auf. Immerhin dürften Protestanten die Passage gerne lesen, in der es um die Rechtfertigung und die Gnade „nicht aus eigener Kraft“ (Eph 2,8) geht.  (19).

Der Enzyklika fehlt trotz der erwähnten Ermahnung, dass der Glaube für Christen konkrete Konsequenzen haben muss, etwas die Konkretheit und Frische des Franziskus, die in den letzten gut 100 Tagen des Pontifikats erkennbar geworden sind. Wie im Vorwort auch angedeutet, muss die Enzyklika im Zusammenhang mit den anderen großen Lehrschreiben von Papst Benedikt XVI. über die Hoffnung (Spe salvi) und die Liebe (Deus caritas est, Caritas in veritate) gelesen werden. Mit der Glaubensenzyklika wollte Benedikt die Trias „Glaube, Hoffnung, Liebe“ vollenden. Die Glaubensenzyklika ist daher vielleicht eher als theologische Grundlegung zu verstehen; die konkreten Konsequenzen, die sich daraus ergeben, finden sich in den Enzykliken über die Hoffnung und die Liebe. Ähnlich wie bei seinen Jesusbüchern legt Benedikt XVI. damit den Grundlagenteil als letztes vor. Allerdings wurde dieser nicht mehr rechtzeitig vor seinem Amtsverzicht fertig. Dass Franziskus die Glaubensenzyklika in wesentlichen Punkten übernommen hat, zeigt auch etwas von der inhaltlichen Kontinuität der beiden Päpste. Dennoch wirkt sie nach 100 Tagen Franziskus auch etwas fremd – in Sprache und Inhalt. Darin wird auch wieder die Unterschiedlichkeit der beiden Päpste deutlich.

Am Tag der Veröffentlichung der gemeinsamen Enzyklika gab es übrigens auch einen gemeinsamen Auftritt der beiden Päpste. Zur Weihe des Vatikanstaats an den Erzengel Michael und den heiligen Joseph hatte Franziskus seinen Vorgänger eingeladen. Der war dann auch zu der Zeremonie vor dem Governatorat, dem Regierungssitz des Vatikanstaats, erschienen.

Gläubige fordern bei der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. am 8. April 2005 die sofortige Heiligsprechung. (dpa)

Zum Schluss noch die News des Tages: Papst Franziskus hat ein Konsistorium, ein Treffen aller in Rom anwesenden Kardinäle einberufen, das über die Heiligsprechung der beiden seligen Päpste Johannes XXIII. (1881-1963) und Johannes Paul II. (1920-2005) entscheiden soll. Schon seit Tagen war in Rom darüber spekuliert worden, dass die Heiligsprechung der beiden noch in diesem Jahr stattfinden könnte. Anfangs wurde als Datum der 20. Oktober genannt, zuletzt aber auch der 8. Dezember. Papst Franziskus hat heute ein Wunder auf Fürsprache des seligen Johannes Pauls II. anerkannt. Damit steht seiner Heiligsprechung nichts mehr im Wege. Etwas anders verhält es sich beim seligen Johannes XXIII. Für ihn wurde bisher noch kein neues Wunder anerkannt. Die Bemerkung von Vatikansprecher Federico Lombardi am Rande der Enzyklika-PK, der Papst könne von der Notwendigkeit eines Wunders dispensieren, zeigt, dass Franziskus den Konzilspapst wohl ohne ein weiteres Wunder zum Heiligen machen möchte. Es scheint Bergoglio ein persönliches Anliegen zu sein, Johannes XXIII. heilig zu sprechen.

 

Eine Heiligsprechung von Johannes Paul II. noch in diesem Jahr, also nur acht Jahre nach seinem Tod im April 2005, wäre ein Rekord in der neueren Kirchengeschichte. Das rasche Verfahren wurde vor allem aus seinem Heimatland Polen gepuscht. Allerdings gab es immer wieder auch kritische Stimmen, die eine gründlichere Aufarbeitung des Pontifikats forderten. Sie sehen etwa offene Fragen zur Rolle Papst Johannes Pauls II. beim Umgang mit Missbrauchsfällen oder auch in Bezug auf Finanzfragen. Wann das Konsistorium stattfindet, ist bisher noch offen.

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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55 Kommentare

  • Silvia
    05.07.2013, 15:17 Uhr.

    Wahrscheinlich trägt die Enzyklila mehr die Handschrift von Benedikt als die von Franziskus.

    • Wrightflyer
      05.07.2013, 15:20 Uhr.

      Scheint so, so wie der Admin das kommentiert!
      Naja, Franziskus tut ja am Montag etwas das stärker ist als jede geschriebene Enzyklika: Er besucht Lampedusa! Und zwar ohne aufgeblasenen Stab!

  • M.G.
    05.07.2013, 15:18 Uhr.

    “Lumen-Fiedei- Licht des Glauben”

    Wenn ich etwas nur glauben kann,weil ich nichts genaues weiß,sieht es bei mir finster aus.Aber wenn ich Wissen und Kenntnisse habe,geht bei mir auch schon mal ein Licht auf.
    Wie kann man bei allerdem von Licht des Glauben reden,wenn einem nur bei Wissen und Kenntnisse schon mal ein Licht aufgehen kann ?

    Was nutz die Heiligsprechung von Papst Johannes 23. und Johannes Paul II.,wenn sie tod sind,von der Auszeichnung nichts mehr mitbekommen und das eigendlich alles zu spät ist ? Eine Auszeichnung vergibt der Staat immer zu Lebzeiten des verdienten,was ich selbst auch besser finde.
    Auf Grundlage eines Wunders eine Papstauszeichnung durch Seelig- und Heiligsprechung finde ich Blödsinn,denn die Päpste waren es nicht,es kann nur dessen Gott gewesen sein und zum anderen sind es Naturphänomäne,denn Wunder gibt es nicht und Menschen können weder zu Lebzeiten,noch nach dem Tod solche vollbringen.
    Somit ist das ganze weder eine Botschaft,noch ein Paukenschlag oder ein Auftritt.

    • Wrightflyer
      05.07.2013, 15:28 Uhr.

      “Wie kann man bei allerdem von Licht des Glauben reden,wenn einem nur bei Wissen und Kenntnisse schon mal ein Licht aufgehen kann ?”
      Worauf beruhen unsere wissenschaftlichen Kenntnisse?
      In den seltensten Fällen haben wir selber sie gesammelt und überprüft, in der Regel wurden sie von Generationen von Wissenschaftlern vor uns zusammengetragen!

      Und eines, muss ich beschämt gestehen, haben Theologen uns Ingenieuren voraus: Theologiestudenten diskutieren im Studium auch mal über theologische Erkenntnisse. An technischen Hochschulen dagegen: Man lernt für die Klausur, man macht die Laborberichte…. und gut ist! Okay, es gibt Lerngruppen, aber dort kommt niemand auf die Idee, vorzuschlagen: “Lass uns die Bernoulli-Gleichung einmal kritisch beleuchten!” oder “Vielleicht können wir den Sinn der Darstellung der Partikelgrößenverteilung hinterfragen!”

      • M.G.
        05.07.2013, 15:49 Uhr.

        Wrightflyer | 5. Juli 2013 | 15:28 |

        Schade dass es keine Partikelgrößenverteilungshinterfragung z.B. gibt es sind schon immer kleine Teilchen gefunden worden,vielleicht gibt`s bei Partikelgrößen auch andere Verteilungen,die man noch nicht kannte.Also ich wäre schon so neugierig und würde mal hinterfragen und wenn es nur für mich ist,muss ja keiner wissen.

        Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten sich aus aufstellen der Fallfrage/Hypothese,Definition,im Jura eigendliche Subsumtion/bei Ihnen warscheinlich unterordnen eines Sachverhaltes unter einer Naturgesetzmäßigkeit,im Jura unter einer Renchtsvorschrift und Ergebnis,auch im Jura.So sollten sich die Wissenschaftl. Erkenntnisse beruhen,egal welche Wissenschaft.

        Wenn wir alle immer wieder das selbe erkennen,erkennt ja keiner mehr etwas neues und die Welt wird langweilig und kann zum Suizid führen.Es muss doch immer eine Erkenntnis auf die schon dagewesene aufbauen und etwas neues sein.Das macht die Weiterentwicklung doch erst mal aus.

      • Ramses
        05.07.2013, 16:33 Uhr.

        - so ein Bloedsinn, die naturwissenschaftlichen Universitaeten und ihre Studenten sowie die Wissenschaftler sind in staendiger Diskussion und hinterfragen konstant bestehende und neue Erkenntnisse. Das ist ihre Basis ueberhaupt: kritische Betrachtung, kritisches Vergleichen, Nachbohren und nochmals Zweifel anmelden, um in der Sache weiterzukommen. Genau das was der Vatikan verbot und sogar (als er noch die Macht dazu hatte) mit dem Tode bedrohte…
        - Absolutes Gegenteil ist die Theologie: dogmenbefrachtet wenn es die eigene Religion angeht und voruteilsbelastet wenn es an die Sezierung anderer Religionen, Glaubensgemeinschften und Konfessionen geht…
        - Erkenntnisse und Theologie schliessen sich uebrigens aus: entweder ich habe ueberpruefbare Beweise also sichere Erkenntnisse, oder aber ich bin von etwas ueberzeugt ohne eine Beweisfuehrung antreten zu koennen, ergo ist dann das Wort “Glaube” angebracht. Emanuel Kant als glaeubiger Christ hat diesbezueglich so unglaublich simpel und unwiderlegbar ausgefuehrt (sinngemaess): es gibt keinen Gottesbeweis aber es eben auch keinen Gegenbeweis…

        • Wrightflyer
          05.07.2013, 21:34 Uhr.

          “so ein Bloedsinn, die naturwissenschaftlichen Universitaeten und ihre Studenten sowie die Wissenschaftler sind in staendiger Diskussion und hinterfragen konstant bestehende und neue Erkenntnisse.”
          Ach Ramses, waren das noch Zeiten, die alten Hochschulzeiten, was?
          Ich war in diesem Jahrtausend auf zwei technischen Hochschulen, ich WEIß, was läuft. Auf der zweiten waren die meisten Profs durchaus diskussionsbereit, aber hätte ich meinen Studienkollegen den Vorschlag gemacht, mal tiefer über die Bernoulli-Geichung zu meditieren oder über meine persönliche Nervensäge namens Wechselstrom, wäre ich eher ausgelacht worden.

          Und einen Eignungstest zum Theologiestudium habe ich spaßeshalber mal gemacht. Ich habe… NICHT gut abgeschnitten. Die reine Bibelkenntnis hatte ich größtenteils drauf, aber die anderen Fähigkeiten, das Verständnis von längeren komplexeren Texten, das Vergleichen von Texten, das Hinterfragen von Texten, darin bin ich nicht geübt. Ich hatte meine Übungsaufgaben und habe aus dem Werkzeugkasten die benötigten Gleichungen genommen.
          Ich bin mit einem evangelischen Theologen befreundet von dem ich sehr viel gelernt habe. Und war davor mit einer angehenden evangelischen Pfarrerin befreundet (hat sich leider verlaufen, die Freundschaft). Nach allem, was ich so mitbekommen habe, würde ich niemals auf die Idee kommen, Theologen die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen, zum Nachbohren und zu Zweifeln abzusprechen. Was die vatikanische Inquisition draus gemacht hat, ist ne andere Geschichte.
          Wir dagegen haben die Klausuren und Labore abgehakt und fertig! Die Wirtschaft will Ingenieure nicht als kritische Denker.

          “Erkenntnisse und Theologie schliessen sich uebrigens aus: entweder ich habe ueberpruefbare Beweise also sichere Erkenntnisse, oder aber ich bin von etwas ueberzeugt ohne eine Beweisfuehrung antreten zu koennen, ergo ist dann das Wort “Glaube” angebracht.”
          Ich bin immer wieder erstaunt, mit was für einer Selbstsicherheit, fast schon Überheblichkeit, Atheisten von überprüfbaren Beweisen sprechen, als ob sie das gesamte technische und naturwissenschaftliche Wissen eigenhändig überprüft hätten. Tatsache ist: Da das technische und naturwissenschaftliche Wissen auch aufeinander aufbaut, muss man eben auch früheren Generationen von Wissenschaftlern einfach mal glauben. Niemand von uns ist in der Lage, die Thermodynamik, die Mechanik, die Strömungslehre usw. komplett neu zu erfinden. Also glauben wir, daß die Hauptsätze der Thermodynamik, die Newtonschen Gesetze, der Satz von Bernoulli usw. schon richtig sind.

          “und voruteilsbelastet wenn es an die Sezierung anderer Religionen, Glaubensgemeinschften und Konfessionen geht…”
          *Ironie on* Und Sie gehen natürlich NICHT vorurteilsbelastet an christiche Standpunkte ran, nein…. *Ironie off*

          • Wrightflyer
            05.07.2013, 21:45 Uhr.

            (Info: Bernoulli: Die Gleichung, mit der man die halbe Strömungslehre erschlagen kann. Ist ein Chamäleon, gibt es nämlich in 3 verschiedenen Versionen!)

          • Ramses
            06.07.2013, 03:10 Uhr.

            - Religionen und christlich, was ist das ? So was wie die anderen 2 monotheistischen Religionen ? Die sich zwar auf die gleichen Quellen berufen, untereinander aber streiten, dass die Fetzen fliegen und bei denen sich sogar die Konfessionen innerhalb der jeweiligen Religionen z.T. bis aufs Blut bekriegen? Dogmatisch, verbohrt und intolerant ist ihr Kennzeichen.
            - Ueber die Zeit: Kriege, Verfolgung und Massaker an den “Abweichlern” bis in die juengste Zeit (siehe Nordirland) und aktuell noch heute bei den Muslimen, die untereinander regelrechte Kriege wie seinerzeit die Christen (angeblich die Religion der Liebe) um die wahre Glaubensvariante fuehren. Von der Bandbreite der juedischen Spielarten und der Intoleranz der Orthodoxen in Israel ganz zu schweigen.
            - Die Fakten zu diesen “Vorurteilen” sind und werden leider immer noch ueppig von den oa. Religionen frei Haus geliefert…

            • M.G.
              06.07.2013, 07:10 Uhr.

              Ramses | 6. Juli 2013 | 03:10

              Stimmt,aber von wo kommt die konkurenzkampfartie zerstrittenheit der einzelnen Religionen,wenn doch ihr Gott eine gütige und liebende Persönlichkeit sein soll ?
              Nach was richten sich diese gegeneinander kämpfenden Religionen,wenn ihr Gott zur Nächstenliebe aufrufen soll ?
              Woher nehmen sich dies ganzen Religionen,die einen gütigen und lieben Gott als Berufungsgrundlage haben,ihre Agressionenrechte ?

            • Wrightflyer
              06.07.2013, 11:04 Uhr.

              *Ironie on* Nö, Sie dreschen hier natürlich überhaupt keine Vorurteile und Platitüden, nein…. *Ironie off*

              Allein schon, daß Sie Nordirland hier reinmixen ist wenig reflektiert. Es heißt zwar immer in den Nachrichten “katholisch” und “protestantisch” (wobei es eigentlich “anglikanisch” heißen müsste), aber in Wirklichkeit geht es da um “irisch” und “britisch”. Die schlagen sich da keineswegs um theologische Fragen den Schädel ein! Sondern darum, ob die Region bei Großbritannien bleiben oder zu Irland dazugehören soll. Deswegen entzündet sich das auch imer wieder an den Oraniermärschen.

              Was die Muslime angeht, naja, das ist in der Tat so eine Sache.

              Aber im allgemeinen sollte man immer mal hinterfragen, was eigentlich hinter einem Religionskrieg steckt. Meistens ist der religiöse Lack dann ganz schnell ab!
              Z.B. ging es im 30jährigen Krieg zwar AUCH um die Religion. Aber wäre das der einzige Grund gewesen, wäre es wohl kaum mögich gewesen, daß manche Södner mehrfach die Seiten wechselten. Oder Kardinal(!!) Richelieu die protestantischen Fürsten unterstützt. Von den 3 schlimmsten Pestbeulen war einer ein religiöser Fanatiker, nämlich Tilly. Wallensteins Motiv war die reine Gier und Gustav Adolfs der Nationalismus.
              Und warum fallen in Birma die Buddhisten gerade über die Muslime her? Warum nicht genauso über die Christen, wie es bei einem reinen Religionskrieg zu erwarten wäre? Es gibt dort mehr Christen als Muslime und in der Regel ist heutzutage das Christentum die meistverfolgte Religion. Also, was steckt da wirklich dahinter?

              Und in Sachen Vorurteile sind auch in den Naturwissenschaften altgediente Wissenschaftler oft ganz groß. Z.B. ist der Vater meiner besten Freundin gelernter Geologe. Nach dem Studium hat er zunächst bei einem angesehenen Prof gearbeitet. Und dieser angesehene Prof hat sich mit Händen und Füßen gegen die Kontinentalverschiebung gewehrt (“Erfindung der Amerikaner!!!! Die haben doch keine Ahnung von Geologie!!!!”)

              • M.G.
                06.07.2013, 12:02 Uhr.

                Wrightflyer | 6. Juli 2013 | 11:04 |

                Bei den Religionskriegen wird leider immer dessen Gott/Götter außen vor gelassen,denn diese würden gern friedliche Menschen,zumindest laut Bibel.

                Ob nun Anglikanisches Christentum oder evangelisches,beide protestierten einst mal gegen die röm/kath. Kirche,sonst wären sie keine eigene Konfession.Es müssten demnach beide Protestanten sein.

                Amerikaner haben nicht nur mit der Akzeptans der Platentektonik Probleme in Bielogie mit der Evolution auch.

                • Wrightflyer
                  07.07.2013, 10:35 Uhr.

                  @M.G.:
                  *Seufz* Wer die Amis versteht, den schlage ich für den Nobelpreis vor!
                  Ich bin selbst gläubige Christin, kann aber die US-Amerikanische Religiösität, vor allem die der Weißen, kaum noch ernst nehmen. Wie mich z.B. diese Fernsehprediger anwidern…

                  Und dann dieser Fanatismus mit dem gerade die Weißen an ihren Waffen kleben…

                  • M.G.
                    07.07.2013, 12:22 Uhr.

                    Wrightflyer | 7. Juli 2013 | 10:35

                    Von den Americanern kommen die “Zeugen Jehovas”,die “Apostolischen religionen”,die “Mormonen” und viele andere,die wie Sekten wirken.
                    Die Zeugen Jehovas habe ich mir in den Versammlungen im Königreichssaal und in den Bibelstunden angesehen,um sie kennen zu lernen.Nach 5 Jahren habe ich Platzangst und wurde suizidal Depressiv,so dass ich zu meinem Schutz Abstand nahm.Zudem hinterfragte ich auch vieles,denn als “Bibelstuden” müsste man ja wissensdurstig sein dürfen.Hat sich etwas,durfte man nicht,sondern nur das nachsprechen,was sie hören wollten.Das ist aber für mich keine Glaubensüberzeugung,sondern Suggestion mit Gesundheitsgefährdung.So arbeiten leider viele Sekten und Religionsgemeinschaften, sogenannten Christen,wie sie sich nennen.
                    Diese halte ich aber nicht für empfehlenswert,da sie tatsächlich psychisch krank machen können und einem aus der Realität entwenden,wodurch man sich anfängt selbst zum Außenseiter der Gesellschaft macht.Leider werden auch Kinder mitgerissen von den Sekten und deren Kindheit zerstört,an die sie sich später nie wieder erinnern wollen und krank werden dadurch.Das ist das Schlimmste daran,die armen mit hinein gerissenenen Kinder.

              • ramses
                06.07.2013, 23:45 Uhr.

                - Vorurteile ? Das sind grausame Fakten, warum widerlegen Sie die nicht?
                Wenn ich Sie recht verstehe, rechtfertigen Sie die ueble Historie der Religionen mit den Misstaenden der weltlichen Maechte? Na, das sind vielleicht Argumente. Nur gibts da einen kleinen Unterschied: die Religionen spielen sich als moralische oder sogar goettlich inspirierte Instanzen auf, welche die einzige und tatsaechliche Wahrheit gepachtet haben.
                Wie sagte doch der Religionsgruender der Christen: “Aber an ihren Werken sollt Ihr sie erkennen”… Und: “mein Reich ist nicht von dieser Welt”, und: Ihr sollt die Aermsten der Armen sein…
                Habe meine Zweifel, dass diese Worte jemals im Vatikan angekommen sind oder ernst genommen wurden. Muesste doch eigentlich eine Suende sein, oder ?

                • Wrightflyer
                  07.07.2013, 10:25 Uhr.

                  “Wenn ich Sie recht verstehe, rechtfertigen Sie die ueble Historie der Religionen mit den Misstaenden der weltlichen Maechte?”
                  Sie verstehen mich NICHT Recht. Ich wehre mich nur gegen ihre Schwarzweißmalerei.
                  Wenn zwei Bevölkerungsgruppen, die mehrheitlich verschieden religiös sind, miteinander im Krieg liegen, dann denkt natürlich jeder erstmal “Religionskrieg”. die einfachste Erkärung und für Atheisten wie Sie, entschuldigen Sie die Offenheit, bequemste. Aber nützt das der Welt, wenn wir bei der Platitüde bleiben statt zu hinterfragen, was eigentlich dahintersteckt?
                  Sie können in Belfast eine flammende Predigt über den Unsinn religiöser Konflikte halten aber erreichen werden Sie damit…. NICHTS! Weil es garnicht um theologische Fragen geht! Weil sich da nämlich im Prinzip nicht Katholiken und Protestanten hassen, sondern Iren und Briten!
                  Und nun Birma: Rechnen wir mal ein bischen: Buddhistische Mönche hetzen die Bevölkerung gegen Muslime auf. Aber: In Birma leben doch mehr Christen als Muslime? Und aus der Sicht von Buddhisten dürfte es doch zwischen Muslimen und Christen wenig Unterschiede geben? Also: Was genau stimmt da nicht?

          • rolf eicken
            12.07.2013, 19:47 Uhr.

            Wrightflyer, mir gefällt Ihre Argumantation sehr gut. Das Problem bei den Religionen ist nur, dass sie von etwas (Gott) ausgehen und als selbstverstädnlich existent ansehen, das erst noch bewiesen werden muss. Platon hat das als voraussetzungsloses Mutmaßen(doxa) bezeichnet.
            Und da der ontologische Beweis nicht erbracht werden kann(lt.Kant), sprechen die Religionen von etwas Irrationalem. Weder der Atheist noch der Gläubige sind der Wahrheit jeweils um ein Jota näher, da beide irren können.

  • Ramses
    05.07.2013, 16:06 Uhr.

    - na also, geht doch! Wenn schon die Nachfolger des gallilaeischen Fischers nicht heilig sind, wer dann ? Dass die rueckwaertsgewandte polnische Flugente Kandidat war, hatte ja schon die Massenhysterie bei seiner Beerdigung ahnen lassen. Und nun hat man sich dem Druck der (kath.) Strasse dann eben beugen muessen…
    - Mein persoenlicher Vorschlag: gleich alle Paepste mit dem Adelssiegel der kath. Kirche auszeichnen. Ist doch ziemlich einfach, denn die hl. Mutter Kirche (und ihr Fuehrer) kann nicht irren. Nun ja, Problemchen waeren vieleicht die Borgia-Clique und die der Orsinis und die der anderen beruehmt beruechtigten Papst-Dynastien…
    - Was machen wir dann aber mit jenen Paepsten, die (manchmal bis zu dreien) zeitgleich unserer hl. Mutter Kirche vorstanden, aber verschiedenen machtbesessenen Cliquen dienten ? Alle drei zugleich mit dem heiligen Guetesiegel auszeichnen oder besser nur einen ? Vielleicht doch keine so gute Idee…
    - P.S. wenn ich mich recht erinnere, gibts da irgendwo im Alten Testament einen Hinweis, dass einzig Gott das Attribut heilig zukomme. Den Begriff auf den suendigen Menschen anzuwenden, sei Laesterung und mit Steinigung zu ahnden. Oha, dann zieht Euch mal warm an, wenn ihr den Geboten der Schrift Geltung verschaffen wollt…

  • M.G.
    05.07.2013, 16:48 Uhr.

    Ramses | 5. Juli 2013 | 16:06

    Wieso warm anziehen bei Steinigung,wegen Gotteslästerung durch Heiligsprechung 2 sündiger menschen,hier Päpste ?
    Handelt es sich dann um die Verwendung von tiefgefohrenen Steinen,da in Israel früher kein Frost gab.

    Aber Sie haben schon Recht,denn die Heiligsprechung bedarf immer noch ein vorangegangenes Wunder,was die 2 Päpste nicht bewirkt haben können im Tod,dondern ihr höchster Chef,Gott es wenn,nur gewesen sein könnte und ihm ebenfalls nur alleinig die Heiligsprechung zustünde.

  • silberdistel
    05.07.2013, 23:18 Uhr.

    Apropos Heiligsprechung: Friedrich Spee von Langenfeld (1591 – 1635), jesuitischer Priester, Seelsorger, Kirchenlieddichter und vor allem Herausgeber der Schrift “Cautio Criminalis” (´Vorsicht beim Urteilen´ oder rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse), wartet bis heute wenigstens auf die Einleitung eines Verfahrens zur Heiligsprechung, seitens seiner kath. Kirche.
    Spee trug mutig in seiner, zunächst aus Selbstschutz anonym puplizierten Schrift, erste Einwendungen gegen Folter und Hexenwahn vor und läutete so das Ende der Hexenprozesse ein. Wievielen Tausenden Er damit qualvolle Folter und Tod durch die Schergen der heiligen Inquisition erspart hat, kann nur gemutmaßt werden. Vielleicht auch schämen sich Katholiken bis heute ja zu sehr wegen dieser Epoche, das sie diesem couragierten Menschen eine Ihm gebührende Ehrung verweigern?

    • M.G.
      06.07.2013, 07:15 Uhr.

      silberdistel | 5. Juli 2013 | 23:18

      Das soll doch angeblich kaum Hexenprozesse gegeben haben.
      Wenn die kath. Kirche diesen Menschen Spee Heilig sprechen würden,müssten sie ja zugeben,Riesenfehler gegen die 10 Gebote “Du sollst nicht töten.” und “Du sollst deinen Nächsten lieben,wie dich selbst.”begangen zu haben.So ehrlich ist man im Vatikan nun doch noch nicht,auch wenn es in den 10 Geboten heißt,”Du sollst kein falsches Zeugnis abgeben wider deines Nächsten.”

      • Wrightflyer
        06.07.2013, 10:07 Uhr.

        @M.G.
        Hexenprozesse gab es schon, nur waren sie keine Spezialität von dem Zeitalter, dem sie so gern in die Schuhe geschoben werden, nämlich dem Mittelalter! *gg*
        Im Mittelalter hat die Inquisition das eher gebremst. Eskaliert ist der Hexenwahn in der frühen Neuzeit, also nach der Pest und etwa parallel zum Dreißigjährigen Krieg.

        Die Kirche hat das damals nicht hochgeheizt, aber was man ihr vorwerfen kann, ist daß sie damals versagt hat.
        Päpste, Kardinäle und Bischöfe haben ihre Renaissancebauten poliert, aber sich weder gegen den Krieg noch gegen den Hexenwahn gestemmt.

        • M.G.
          06.07.2013, 12:08 Uhr.

          Wrightflyer | 6. Juli 2013 | 10:07

          Also in Brandenburg an der Havel (Ostdeutschland) war die letzte Hexenverbrennung im 18. Jhd.(also 17 hundert und noch was).Dies dürfte noch so das Mittelalter gewesen sein.

          Aber Päpste,Bischöfe und Kardinäle haben wirklich mehr an Besitz und Eigentum gedacht,als an die ( juristisch)Theleologie,nämlich Sinn und Zweck der Religion der friedliches und nächstenliebevollen Umgang miteinander gedacht im Mittelalter und genau da haben sie ihren christl. Glauben veruntreut.

        • silberdistel
          06.07.2013, 12:30 Uhr.

          @Wrightflyer. Für uns heute unvollstellbar grausame Folterpraktiken gab es tatsächlich schon lange vor dem Zeitalter der kath. Inquisition. Doch mit ihr erreichte der Hexenwahn einen unbestreitbaren Höhepunkt. So etwa im Erzbistum Bamberg durch Fürstbischof Johann Georg II. (1586 -1633), den sogenannten “Hexenbrenner”.
          Eine Kardinalsfrage ist vielleicht: Warum nur mußten Christen, deren Heiland durch grausame Folter umgekommen ist, ebensolche Folter für sich übernehmen, sie sogar noch abstrus “verfeinern”? Denn zumindest deren Entscheidungsträger durften und konnten damals die Bergpredig Ihres Heilandes lesen. Und die zu jener Zeit oft angeführte Idee, das die Seele durch den Akt der Verbrennung vor Gott gereinigt würde, ist eher eine Ausrede die vom Teufel selbst stammen könnte, so man das NT tatsächlich kennt.

          • M.G.
            06.07.2013, 12:49 Uhr.

            silberdistel | 6. Juli 2013 | 12:30 |

            Mir ist ein Spruch bekannt:
            Wer die Wahrheit such,sucht Gott,doch wer sie sagt,braucht ein schnellen Ferrari.

            Die Kirchenobersten suchten nicht die Wahrheit,sondern ihre Vorteile.Jesus sagte sogar die Wahrheit,nach der Bibel,und hätte einen schnellen Ferrari gebraucht.
            Papst Benedikt ist langsam mal hinter einer Wahrheit gekommen und daher ja wohl die Vorhölle,also soll wohl das Fegefeuer sein,abgeschafft.In Wahrheit,wird es kein Feuer zur Seelenreinigung geben,sondern nur ewiger Tod,so wie es ewiges Leben als paradies/Himmel geben soll.

            • M.G.
              06.07.2013, 12:53 Uhr.

              Mal eine andere Frage:
              Hat die Bloguhr keine Sommerzeit ?
              Ich habe, laut meiner PC-Uhr in der Taskleiste und meiner Armbanduhr um 13.49 Uhr gepostet,unter meinen Beitrag steht aber ich hätte um 12.49 Uhr gepostet. Wie kommt das ?
              Hier ist mal das ZDF gefragt.

              • Jürgen Erbacher (ZDF) Jürgen Erbacher
                08.07.2013, 16:57 Uhr.

                Hallo, das Programm verwendet meines Wissens GMT, d.h. es ist eine Stunde hinter der MESZ.

            • silberdistel
              06.07.2013, 13:09 Uhr.

              M.G. | 6. Juli 2013 | 12:49 |
              Ein Geheimnis des (christlichen) Glaubens ist vielleicht, das Christus den Ferrari damals wohl abgelehnt hätte! Nicht weil dieser zu seiner Zeit noch nicht zur Verfügung stand, noch das Er ihn nicht hätte fahren können, noch weil der ohnehin ein potentielles Fortbewegungsmittels eher des Teufels ist (Achtung: Scherz!!). Und wenn doch möglich, dann hätte Er den Ferrari nur benutzt um schneller nach Golgatha zu kommen. Um das zu erfüllen, was erfüllt werden sollte: Den Sieg über den irdischen Tod…

              • M.G.
                06.07.2013, 13:19 Uhr.

                silberdistel | 6. Juli 2013 | 13:09 |

                Sterben musste Jesus aber,weil die obere Regierung von Rom und den Juden die Wahrheit nicht vertrugen.
                Jesus hätte zu seinen Wanderpredigten auch den Ferrari brauchen können,um schneller am Ziel zu sein und noch mehr Menschen erreichen zu können.

                • silberdistel
                  06.07.2013, 13:27 Uhr.

                  M.G. | 6. Juli 2013 | 13:19 |
                  Richtig! Stellt sich nur noch die Frage, welche Farbe der Ferrari denn gehabt haben sollte: Rot, wie die Schüchenfarbe einiger Päpste?

                  • M.G.
                    06.07.2013, 16:48 Uhr.

                    silberdistel | 6. Juli 2013 | 13:27

                    Hat Jesus nach dem Johannesevangelium als Apokalyptischer Reiter weiß getragen und ein weißes Pferd geritten ?
                    Dann steht ihm auch ein weißer Ferrari zu,vielleicht mit goldenen, statt verchromten Teilen zu.

        • ramses
          07.07.2013, 03:06 Uhr.

          Whrigtflyer:
          - informieren Sie sich erst einmal und verdrehen Sie nicht die Tatsachen:
          - Der Hexenwahn wurde paepstlicherseits angeordnet.
          - Die Inquisition, direkt dem Papst zugeordnet, war die folgenschwerste Entscheidung des Laterankonzils von 1215 unter Innozenz III. (kein Mittelalter?). Andersgaeubige wurden aber bereits seit Gregor VII. 1073-85 hart verfolgt. Und die Kirchenvaeter? Augustinus forderte dazu Zwangsmassnahmen, Thomas von Aquino 1226-1274 deren Ausrottung mit Feuer und Schwert. 1252 wurde die Folter als rechtmaessiges Inquisitionsinstrument von Innozenz IV. bestaetigt und schon verfuegte diese ueber eigene Kerker. Dabei uebernahm sie praktischerweise das Kreuzzugsmotto “himmlische Seeligkeit und irdische Beute”. Pragmatisch: falls Priester der Inquisition vom Blut der Hexen und Ketzer verunreinigt wurden, stellte das Absolutionsprivileg von Papst Alexander IV. (seit 1254) deren Reinheit wieder her. Warum war das wohl noetig? Doch nur weil Priester an den Folterungen beteiligt waren.
          Und von wegen die Kirche hat diesen Wahnsinn nicht hochgeheizt: als gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Hexenwahn beim oberen deutschen Klerus auf Ablehnung stiess, beseitigte Innozenz VIII. mit seiner Bulle 1484 deren Zweifel und beauftragte die Verfasser des “Hexenhammers” mit der oeffentlichen Hexenverfolgung. Massgebend war der Satz: “die groesste Ketzerei ist es nicht an Hexenwerk zu glauben”…
          - Auch Luther und Calvin waren von der Hexenzunft ueberzeugt. Die evangelischen Staatskirchen taten also ebenfalls mit Inquisition und Folterjustiz ihre “heilsgeschichtliche” Pflicht…
          P.S. die beiden moenchischen Verfasser des “Hexenhammers” hatten uebrigens im Rahmen der Rosenkranzbewegung verlangt, dass Maedchen ledig bleiben muessten und ihr Ordensbruder J. Nider verwarf um 1430 die Ehe sogar als “moralischen Aussatz”.
          - Schon toll, oder? Man hat dann aber davon Abstand genommen, sonst haette man ja keine kleinen Inquisitor-Nachfolger mehr zeugen koennen…
          - Mit der Abschaffung des Hexenglaubens per Dekret begannen gegen Ende des 17.Jahrhunderts die weltlichen Maechte Europas gegen den Protest der christlichen Kirchen, wobei die katholischen Gebiete erst 100 Jahre spaeter folgten und Italien unter Einfluss des Vatikans (wen wunderts?) erst im 20. Jahrhundert…

    • Marte-Micaela Riepe
      06.07.2013, 08:38 Uhr.

      Danke, silberdistel!

      “Apropos Heiligsprechung: Friedrich Spee von Langenfeld (1591 – 1635), jesuitischer Priester, Seelsorger, Kirchenlieddichter und vor allem Herausgeber der Schrift “Cautio Criminalis” (´Vorsicht beim Urteilen´ oder rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse), wartet bis heute wenigstens auf die Einleitung eines Verfahrens zur Heiligsprechung, seitens seiner kath. Kirche.”

      Ich achte diesen Mann in meinem Inneren, genau wie die Heilige Hildegard, die bis heute nicht heilig gesprochen wurde wegen ihrer positiven Haltung zur Sexualität als Gottesgeschenk.
      Ich weiß nicht, wer von Ihnen den Film mit Sukowa gesehen hat, er war sicher auch nicht ohne Lücken, doch wie dort eine junge Frau im Wochenbett ihre Lust beschreibt, war hinreißend und Hildegard hat das aufgezeichnet. Als positives Beispiel. Wisse die Wege Gottes!

      • Wrightflyer
        06.07.2013, 10:13 Uhr.

        Ich bin sonst ja definitiv kein Fan von Ratzinger, aber da hat er mal etwas gutes getan, muss ich ganz ehrlich sagen: Er hat den Heiligsprechungsprozess praktisch umgangen und Hildegard zur Kirchenlehrerin erhoben.

        In einem Forum, das heute nicht mehr existiert, hatte ich mal ein eigenes Unterforum “mutige und gute Menschen” und hab da auch ein paar Persönlichkeiten vorgestellt, vor denen ich großen Respekt habe. Mein 2. WAR Friedrich Spee von Langenfeld. Zu Hildegard kam ich nicht mehr, weil Forum geschlossen.

        • M.G.
          06.07.2013, 12:10 Uhr.

          Wrightflyer | 6. Juli 2013 | 10:13

          Ist hier die Hildegard von Bingen,die Ordensschwester gemeint,welche sich bestens in der Naturheilung mit Naturheilkräuter auskannte ?

        • Marte-Micaela Riepe
          06.07.2013, 12:15 Uhr.

          Stimmt, da war ich auch mit ihm einverstanden. Das hat er gut gemacht.

          Es macht doch gar keinen Sinn, die Verantwortung der Kirchen -auch die Lutheraner hatten ihre Hexenprozesse bis in die Neuzeit hinein – für die Verfolgung, Folterung und Tötung von vermeintlichen Hexen zu leugnen und zu verdrängen.

          Der Hexenhammer, das Werk eines deutschen Dominikaners, war theoretische und praktische Grundlage des Wahnsinns. Das schlussendlich die gequälten Frauen, auch Männer, der weltlichen Gerichtsbarkeit übergeben wurden, spielt doch überhaupt keine Rolle, niemand kann sich damit herausreden, alle waren beteiligt an dieser Massenpsychose.
          Der wunderbare Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld hat diesem grausigen Treiben ein Ende gesetzt, im Auftrag des Vatikans, soweit ich mich erinnere, bin mir allerdings nicht ganz sicher.

          • Wrightflyer
            07.07.2013, 10:47 Uhr.

            @Marte-Micaela Riepe @Ramses:
            Ich leugne ja nicht daß es den Hexenwahn gab. Nur ist der nicht im Mittelalter eskaliert sondern in der frühen Neuzeit. LEIDER wurde im Mittelalter das Foltern in die Justiz eingeführt, was den Hexenwahn später begünstigt hat.
            Es gibt auch Mittelalterklischees, die schlicht falsch sind, und dazu gehört der Hexenwahn.
            Daß die Inquisition so gnadenlos gegen “Ketzer” vorgegangen ist, will ich nicht verteidigen, im Gegenteil: Es war unentschuldbar. Aber das mit den Hexen stimmt nicht so ganz, das ist ein falsches Mittelalterklischee.

            • M.G.
              07.07.2013, 12:47 Uhr.

              Wrightflyer | 7. Juli 2013 | 10:47

              Die letzte Hexenverbrennung im Jahr 17 hundert und noch was,also im 18.Jhd. in Brandenburg an der Havel (Ostdeutschland ehem. DDR-Gebiet) lässt sich im brandenburger Stadtarchiv verfolgen durch Dokumente.Dabei kann man dann nichts mehr falsch interpretieren,da die Inhalte eines Stadtarchivs eigentlich Beweise darstellen.
              Das 18. Jhd. zählt noch zum Mittelalter.

              • Wrightflyer
                07.07.2013, 18:11 Uhr.

                “Das 18. Jhd. zählt noch zum Mittelalter.”
                ?????Seit WANN???

                Das Mittelalter ging etwa Ende des 15. Jahrhunderts zuende. Im 18. Jahrhundert hatten zwar noch die Adligen das Sagen, aber das Rittertum, neben den Klöstern DAS Merkmal des Mittelalters, war längst Geschichte.
                Und das 18. Jahrhundert war immerhin das Jahrhundert in dem Newcomen und Watt die Dapfmaschine erfanden. So weit war der technische Forschritt schon. Die Kartoffel kam nach Europa, das Britische Empire löste das vorhergehende Spanische ab, die USA entstanden… Nene, das 18. Jahrhundert war definitiv Neuzeit, nicht ehr Mittelalter!

                • M.G.
                  07.07.2013, 23:47 Uhr.

                  Wrightflyer | 7. Juli 2013 | 18:11 |

                  sage wir besser nach der letzten brandenburger Hexenverbrennung verlor die Kirche den Machteinfluss. Das war der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit,denn es handelt sich um die Jahren 17 hundert und noch was,nicht 18 hundert und noch was.Der technische Fortschritt war gerade im kommen.Und 17 hundert und noch was verloren grad die letzten Ritter an Bedeutung und gingen grad in die Pleite,heute Insolvens.
                  Zum 18. Jhd. zählen die Jahre 17 hundert und noch was,18 hundert und noch was war ja dann schon 19. Jhd. wo der technische Fortschritt dann richtig in die Blüte kam und Friedrich II. die Kartoffeln in die Mark Brandenburg brachte,also nach Preußen.Er war auch in Nauen Landkreis Havelland.

            • ramses
              08.07.2013, 01:35 Uhr.

              Whrightflyer:
              - warum nehmen Sie nicht die zugaenglichen Vatikan-Dokumente zu Kenntnis?
              Nochmals:
              die Hexenverfolgung begann offiziell 1215 mit Einsetzung der Hl. Inquisition durch Papst Innozenz III. auf dem von ihm einberufenen Laterankonzil. Merke “offiziell”, denn bereits seit Gregor VII. (1073-1085) gabs diesen Wahnsinn durch die barmherzige Mutter Kirche, der eben nur noch nicht zur heiligen Inquisition erhoben deklariert war. Wenn das bei ihnen kein Mittelalter ist, dann ist Ihnen nicht zuhelfen…
              Natuerlich hat diese Besessenheit uebers Mittelalter hinaus bis in die “Neuzeit” angehalten und wurde eifrigst von den christlichen Religionen gepflegt. Die Ausfuehrung der “Strafe” ueberliess man oft und gern den weltlichen Buetteln. Die hochnotpeinlichen Vernehmungen und das Urteil aber fuehrten generell Priester durch, meist Dominikaner, spaeter dann auch evangelische Geistliche.
              - und noch eins: der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld hatte sich zwar gegen diesen Wahnsinn eingesetzt, verstaendlicherweise aber nur unter Deckung der Anonymitaet und “gegen” den Vatikan. Er waere sonst unweigerlich auch auf dem Scheiterhaufen gelandet, denn die Kirchen hielten an der Inquisition fest. Die wurde dann erst durch weltliche Maechte beendet (siehe Ramses 7.Juli 03.06). Dort wo der Vatikan weiterhin starken Einfluss hatte, wie in Italien, erst im 20. Jahrhundert.

              • Marte-Micaela Riepe
                08.07.2013, 12:45 Uhr.

                Ramses, völlig einverstanden.
                Hier bei Wikipedia weiterlesen:

                http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer

                Der Dominikaner hat 1486 den Hexenhammer veröffentlicht, nachdem er mit einer Inquisition in Bamberg gescheitert war. Dieses Traktat sollte seine Position stärken. Mit “deutscher” Gründlichkeit systematisiert er die “weitverbreiteten Ansichten über Hexen und Zauberer.”

                Hier lässt sich nachvollziehen, dass die Inquisition des Mittelalters bereits Hexenverfolgung praktizierte. Im Hexenhammer wurde dies nur systematiesiert.

                • Wrightflyer
                  08.07.2013, 13:11 Uhr.

                  Äh… 1486 war SPÄTmittelalter. Es waren die Jahre in denen das Mittelalter gerade zuende ging.

                  Den Hexenwahn GAB es und ich will ihn auch keineswegs verharmlosen und entschudigen. Nur war er eben kein Merkmal des Mittelalters. Sondern eines der frühen Neuzeit.

                  Es gibt so manche Mittelalterklischees, die einfach nicht stimmen. Die Gelehrten haben damals NICHT geglaubt, daß die Erde eine Scheibe ist. Und wären die Menschen damals ausschließlich vom Aberglauben beherrscht gewesen, wäre die Deutsche Hanse nicht entstanden. Oder die ersten Universitäten. Oder das Bankwesen. Sogar Frauen waren häufig gewerbetreibend, wenn auch nur eingeschränkt, weil sie in die meisten Zünfte nicht aufgenommen wurden.

                  • M.G.
                    08.07.2013, 14:56 Uhr.

                    Wrightflyer | 8. Juli 2013 | 13:11

                    Ich sah selbst mal im Internet nach bei Wikipedia galt das Mittelalter vom 6. – 15. Jhd. und auf einer anderen Webseite Mittelalter von wann bis wann:begann es vom Jahr 308 bis zur luttherischen Reformation 1517 andererseits wird wieder vom Jahr 750- 1450 ausgegangen es kommt auf den Gesichtspunkt an.
                    Fest steht jedenfalls eines irgendwann in der Zeitepochen waren jedenfalls die Hexenverbrennungen.

                    Dies war jedenfalls die letzte Hexenverbrennung in unserem Land Brandenburg und das bei einer Jugendlichen/Kind mit 15 Jahren,was ernsthaft traurig ist,wie folgt:
                    In Fergitz bei Gerswalde in der Uckermark wurde am 17. Februar 1701 die 15-jährige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff als Hexe hingerichtet. Sie ist das letzte der Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg.

                  • Marte-Micaela Riepe
                    08.07.2013, 15:15 Uhr.

                    Wrightflyer,

                    Sie hören einfach nicht zu. Als der Hexenhammer entstand, im Spätmittelalter, sollte er nur zur Bekräftigung der Inquisition dienen, die während des gesamten Mittelalters als Speerspitze der Inquisitoren und großen Teilen der katholischen Kirche gegem Häretiker/innen – im Übrigen war auch Hilgegard in Gefahr, der Häresie beschuldigt zu werden -, und sogenannte Hexen und Zauberer diente.

                    Was das gesamte Mittelalter angeht: es ist natürlich so widersprüchlich wie unsere Neuzeit auch. Doch hier geht es nicht um die Verurteilung des Mittelalters, sondern um die klare Schuldzuweisung an die katholische Kirche, aus der Inquisition heraus die Hexenverfolgungen manifestiert zu haben und über Jahrhunderte tiefe Schuld an Frauen auf sich geladen zu haben.

                    Nur darum geht es. Und es fehlt bis heute jegliche “Entschuldigung” seitens der Kirche für die Grausamkeiten, die in ihrem Namen vor Allem an Frauen begangen wurden.

                    Was die Wende vom ptolomäischen zum kopernikanischen Zeitalter angeht: Natürlich hat die Inquisition Galileo Galilei wegen seines neuen Weltbildes verurteilt, auch wenn dieser vorher durch Papst Urban ermutigt worden war, seine Schriften zu veröffentlichen.

                    Doch am Beispiel Galileiis wird auch deutlich, wie sehr sich die Inquisition verselbstständigt hatte von mancher Auffassung des Vatikan und des Papstes. Wir sehen ja heute auch, wie schwierig es ist, Machtgefüge und unselige Strukturen zu verändern, selbst wenn der klare Wille existiert wie bei Franziskus.

                    • M.G.
                      08.07.2013, 15:30 Uhr.

                      Marte-Micaela Riepe | 8. Juli 2013 | 15:15

                      Mal ganz ehrlich,wenn ich hier von anderen die Beiträge lese,kann ich sie auch nicht hören,nur sehen.Selbiges wird auch bei @Wrightflyer,sein.
                      Im übrigen ist aber an Ihrem Beitrag nichts mehr anzufügen. ;-)

                    • ramses
                      08.07.2013, 15:41 Uhr.

                      Marte-Micaela Riepe:
                      - korrekt…

                    • ramses
                      08.07.2013, 15:50 Uhr.

                      Marte Micaele Riepe 15:15
                      - tja, die Entschuldigung der (un)heiligen Inquisition fehlt bis heute sowohl den Hexen und Hexern als auch den Ketzern oder Andersglaeubigen gegenueber. Wenns nach dem Muster der kath. Kirche ginge, muessten die Protestanten Letztere eigentlich zu Maertyrern und Heiligen erheben, denn diese sind ja nun fuer ihren Glauben bzw. Ueberzeugung “gestorben worden”…

                    • M.G.
                      08.07.2013, 16:00 Uhr.

                      ramses | 8. Juli 2013 | 15:50 |

                      Da fehlt der kath. Kirche noch das Unrechtsbewusstsein,so dass sie mal Reuhe und Buße tun können,denn sie sind nicht wie staatl. Parteien,die nach einer Wahlniederlage überlegen,warum sich die Wähler gegen sie entschieden.
                      Es ist halt schwer tatsächlich die Wahrheit anzuerkennen.Auch wenn es einen Spruch gibt,wie folgt: “Wer die Wahrheit sucht,sucht Gott.”
                      Auch die römische Kath. Kirche sucht die Wahrheit/Gott nur wenn es bequem ist.

                  • ramses
                    08.07.2013, 15:37 Uhr.

                    - sollte Ihnen bekannt sein, dass z.B. die Renaissance in Italien wo sie herkam, gut 100 Jahre frueher einsetzte als in den deutschen Landen, wo noch totales Mittelalter herrschte – sowohl was die allgemeine Geisteshaltung als auch den gaengigen Baustil (Hochgotik) anging.
                    - Insofern werten Historiker heutzutage den Beginn und Dauer der jeweiligen Epochen so wie sie sich in den jeweiligen Regionnen erigneten und darstellten. In manchen eben frueher, in manchen spaeter…

                    • ramses
                      08.07.2013, 15:40 Uhr.

                      P.S. diese Antwort sollte zu Wrightflyer 13:11

                    • M.G.
                      08.07.2013, 15:40 Uhr.

                      ramses | 8. Juli 2013 | 15:37

                      Es scheint gar keine richtige festgelegte Zeit zur Bestimmung des Mittelaters zu geben,nicht mal im Internet.

                    • Wrightflyer
                      08.07.2013, 21:44 Uhr.

                      Den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 kann man beim besten Willen nicht mehr als Mittelalter bezeichnen.

                    • M.G.
                      08.07.2013, 21:53 Uhr.

                      Wrightflyer | 8. Juli 2013 | 21:44 |

                      Das sehen verschiedene Medien und Informationswerke anders,aber wir müssen uns ja nicht mit denen einigen.”Jeder das Seine und uns das Meiste”.

                • ramses
                  08.07.2013, 15:24 Uhr.

                  - korrekt…

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