Sechs neue Kardinäle und Spekulationen um Georg Gänswein

Feierlicher Gottesdienst im Petersdom

Das ist die Überschrift über das letzte Wochenende im Kirchenjahr. Papst Benedikt XVI. hat heute Morgen sechs neue Kardinäle in den „Senat der Kirche“ aufgenommen. Darunter auch den langjährigen Präfekten des Päpstlichen Hauses, James Harvey. Der US-Amerikaner ist seit gestern Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Ein Nachfolger wurde noch nicht ernannt und das schürt die Spekulationen rund um die Person des päpstlichen Privatsekretärs Georg Gänsweins. Wird er neuer Präfekt und muss damit das „Apartamento“, also den engsten Kreis um Papst Benedikt XVI. verlassen? So zumindest war gestern in italienischen Medien zu lesen. Gänswein müsse gehen – letztendlich als Konsequenz aus der Vatileaksaffäre. Schließlich seien die Dokumente zum Teil aus seinem Büro entwendet worden.

Papstsekretär Georg Gänswein

Doch diese Deutung ist wenig wahrscheinlich. Eher dürfte Georg Gänswein aus Personalrochade im engsten Umfeld des Papstes gestärkt hervorgehen – so sie denn kommt. Über eine Bischofsernennung des 56-Jährigen wird seit vielen Wochen in Rom spekuliert. Dabei gibt es verschiedene Szenarien. Der Papst könnte in Kürze einen neuen Präfekten des Päpstlichen Hauses ernennen – oft wird der Name Petar Rajic genannt. Der 53-Jährige ist derzeit Nuntius auf der arabischen Halbinsel und arbeitete früher schon einmal im Apostolischen Palast. Georg Gänswein könnte dann im Bischofsrang zum „beigeordneten Präfekten“ des Päpstlichen Hauses ernannt werden. Genauso war Papst Johannes Paul II. 1998 mit seinem langjährigen Privatsekretär Stanislaw Dziwisz verfahren. Gänswein hätte damit mehr Kompetenzen und würde für eine engere Verzahnung der Arbeit der Präfektur und des Sekretariats des Papstes sorgen. Die Präfektur ist unter anderem für den Terminkalender des Papstes zuständig (außer die Liturgien) und organisiert die Audienzen.

Doch auch für den Fall, dass Georg Gänswein selbst Präfekt des Päpstlichen Hauses wird, muss dies nicht bedeuten, dass er damit aus dem direkten Umfeld des Papstes entfernt würde. Schließlich ließe sich das Verhältnis zwischen Präfektur und Privatsekretariat so gestalten, dass er seinen direkten Zugang zum Papst behält. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Benedikt XVI. seinen engsten Mitarbeiter ziehen lässt. Vielmehr bedeutet sein „Einzug“ in die Präfektur des Päpstlichen Hauses, ganz gleich in welcher Form, eine Erweiterung der Kompetenzen und des Handlungsspielraums Gänsweins.

Mit dem Konsistorium an diesem Wochenende wird das Kardinalskollegium wieder etwas bunter und internationaler. Unter den sechs neuen Purpurträgern ist kein Europäer. Neben James Harvey hat der Papst die Erzbischöfe von Abuja/Nigeria, Bogota/Kolumbien und Manila/Philippinen, John Olorunfemi Onaijekan (68), Ruben Salazar Gomez (70) und Luis Antonio Tagle (55) sowie den maronitischen Patriarchen Bechera Boutros Rai (72) aus dem Libanon und das Oberhaupt der syro-malankarischen Kirche, Isaac Cleemis Thottunkal (53), aus Indien zu Kardinälen ernannt. Thottunkal löst den Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, als jüngstes Mitglied im Kardinalskollegium ab.

"Die Kirche ist katholisch: allumfassend."

In seiner Predigt betonte Papst Benedikt XVI. die Universalität der katholischen Kirche. Dem Beispiel Jesu folgend müsse jeder „ethnische, nationale und religiöse Partikularismus“ überwunden werden. Besonders durch dieses Konsistorium wolle er hervorheben, dass die Kirche eine Kirche aller Völker sei und sich in den unterschiedlichen Kulturen der verschiedenen Kontinente ausdrücke. „Es ist die Kirche von Pfingsten, die in der Polyphonie der Stimmen einen einzigen harmonischen Gesang zum lebendigen Gott aufsteigen lässt.“ Die entscheidende Frage ist allerdings, wie viel Polyphonie die Kirche verträgt? Auf diese Frage ging der Papst heute nicht ein. Bleibt abzuwarten, ob mit den neuen Kardinälen mehr Polyphonie in die römische Kurie kommt; denn die Kardinäle gehören zu den Mitgliedern und Beratern der vatikanischen Behörden.

Die Ansprach des Papstes beim heutigen Konsistorium: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/homilies/2012/documents/hf_ben-xvi_spe_20121124_concistoro_ge.html. Ein paar Statistiken zum Kardinalskollegium gibt es hier in Kürze.

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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Ein Kommentar

  • Hubert Popp
    26.11.2012, 09:57 Uhr.

    Ja nicht den Herrn Gänswein zum Kardinal berufen , denn dann darf wie bei den anderen deutschen Kardinälen der deutsche Steuerzahler wieder dafür bluten !

    Einen freundlichen Gruß 1 Hubert Popp

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