Die Geburt Jesu: die CD zum Ereignis

Der Papst schreibt ein Buch über die Geburt Jesu – und die Päpstliche Schweizergarde veröffentlicht die CD dazu. „Weihnachten mit der Schweizergarde“ lautet der Titel des Werks, das gestern am Fest der Heiligen Cäcilia, der Patronin der Musik, im Vatikan vorgestellt wurde. Das Bläserquintett der Garde hat zusammen mit der Harfenistin Daniela Lorenz 18 Advents- und Weihnachtslieder eingespielt. Aus dem Erlös der CD werden je zur Hälfte die Arbeit der Garde und Sozialprojekte unterstützt.

Bläserquintett mit Harfenistin

Für viele sind die jungen Männer in ihren bunten Uniformen in den Farben der Medici nur ein beliebtes Fotomotiv an den Eingängen zum kleinsten Staat der Welt. Doch was nach außen wie reine Folklore wirkt, ist ein knochenharter Job. Rund 110 Mann ist die Truppe stark. Sie sind zusammen mit der Vatikanischen Gendarmerie für die Sicherheit des Papstes verantwortlich. Neben den normalen Wachdiensten müssen sie auch als Ehrenformation beim Empfang von Staatsgästen antreten. Dazu kommen die Ordnerdienste bei Gottesdiensten und Audienzen des Papstes. Da bleibt wenig Freizeit. Die nutzen die Gardisten zum Sport oder eben zum Musizieren in der Gardekapelle.

Bischof de Nicolò und Vizekommandant Graf

Die Realisierung der CD war nicht ganz einfach, erklärte Vizekommandant Christoph Graf gestern Abend bei der Vorstellung. Nach einem Konzert des Bläserquintetts im vergangenen Dezember hatte Garde-Kommandant Daniel Anrig die Idee, nach über 30 Jahren wieder eine Musik-CD zu produzieren. Doch die übrigen Führungskader waren dagegen; Anrig musste sie erst mühsam überzeugen. Doch im Februar gingen die Aufnahmen los – in einem Studio von Radio Vatikan. Die ersten Töne erklangen just an dem Tag, an dem es in Rom nach Jahren erstmals wieder schneite, erklärt Franz Hürlimann, einer der beiden Saxophonisten. Für den jungen Gardisten ein bewegender Moment. Die Aufnahmen waren harte Arbeit, berichtet er. Teilweise hätten sie einzelne Stücke mehr als 25 Mal eingespielt, bis alle zufrieden waren. Für das Projekt verzichtete Hürlimann sogar über Wochen auf seinen geliebten Sport. Nach gut einem Monat waren die 18 Stücke im Kasten. Für die CD arbeiteten die Gardisten (Saxophon, Waldhorn, Klarinette, Posaune sowie Tambour) mit Daniela Lorenz zusammen, einer Expertin für lateinamerikanische Harfe.

Bald ein Musikstar? Saxophonist Franz Hürlimann

Die Feierstunde im Gardequartier bot an einem lauen Novemberabend für manchen Gast die Gelegenheit, die Stürme der vergangenen Monate für einen Moment zu vergessen. Kurienbischof Paolo de Nicolò hatte beim Gottesdienst im Petersdom vor dem Festakt die „Harmonie“ in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. Die sei nicht nur in der Musik wichtig; sondern auch für jeden Einzelnen sowie im Miteinander. So schien die Hoffnung vieler Gäste an diesem Abend, dass nach den Zerwürfnissen und Verdächtigungen der jüngsten Vergangenheit im Vatikan wieder etwas mehr Harmonie einkehrt.

Informationen zur CD gibt es auf der Internetseite der Päpstlichen Schweizergarde: http://www.swissguard.va/uploads/media/121122_CD_Taufe.pdf.

Autor: Jürgen Erbacher

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Seit 2005 berichte ich für die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“ über die Themen Papst, Vatikan, Theologie und katholische Kirche. Dafür pendle ich regelmäßig zwischen Mainz und Rom - meiner zweiten Heimat. Dort habe ich vor meiner ZDF-Zeit mehrere Jahre gelebt und für Radio Vatikan gearbeitet. Studiert habe ich Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg i.Br. und Rom.
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