Papst fordert Entweltlichung
Die Kirche muss eine zu enge Verbindung zum Staat vermeiden, um sich der Welt zuwenden zu können, so Papst Benedikt XVI. In seiner Ansprache an engagierte Katholiken aus Kirche und Gesellschaft spricht er sich für eine “Entweltlichung der Kirche” aus. “Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein”, erklärte Benedikt XVI. Das missionarische Zeugnis trete in einer entweltlichen Kirche klarer zutage. In diesem Sinne kann der Papst der Enteignung von Kirchengütern und der Streichung von Privilegien durch die Säkularisierung Positives abgewinnen.
Im Vorfeld des Papstbesuches wurde die Rede im Konzerthaus stets in enge Verbindung mit der Rede im Reichstag am ersten Besuchstag gebracht. Die beiden Ansprachen sollten gleichsam den gesellschaftspolitischen Rahmen, die Klammer des Besuchs bilden. Vor diesem Hintergrund überraschen die Aussagen des Papstes im Konzerthaus. Denn Benedikt XVI. äußert sich nur indirekt über das gesellschaftliche Engagament der Kirche, von einem kurzen konkreten Verweis auf das caritative Wirken der Kirche abgesehen. Und selbst dabei fordert er eine “Entweltlichung”, damit dieser Arbeit “nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen”.
Vielmehr finden sich Anknüpfungspunkte zur Konzerthausrede in der Ansprache des Papstes an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Beim Treffen mit dem ZdK hatte Benedikt XVI. von “überkommenen” Strukturen” und einem “Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist” gesprochen. Die eigentliche Krise der Kirche, so der Papst gegenüber dem ZdK, sei eine Krise des Glaubens. Die Kritik des Papstes an der aktuellen Verfasstheit der Kirche in den beiden Reden wird sicher heftige Diskussionen nach sich ziehen. Das zeigen bereits erste Reaktionen auf das Treffen des Pontifex mit dem ZdK.
Die Konzerthausrede wird die Debatte darüber neu entfachen, wie eng Staat und Kirche zusammenarbeiten sollen. Schon vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche im Jahr 2005 hatte Joseph Ratzinger immer wieder Anfragen an das Staat-Kirche-Verhältnis in Deutschland und den hohen Organisationsgrad gestellt. In diesem Sinne ist er sich treu geblieben, wenn er jetzt das Thema bei seinem Deutschlandbesuch so stark akzentuiert.
Beobachter wird er mit seiner Konzerthausrede sicher überraschen, denn von der Forderung einer Entweltlichung der Kirche ist es nicht weit zur Diskussion über das Kirchensteuersystem und das enge Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland. Der Papst stößt eine Debatte an über ganz fundamentale Elemente des kirchlichen Lebens in Deutschland. Vom 4.-7. Oktober treffen sich die katholischen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sie die Forderungen des Papstes aufnehmen und reagieren.
Jürgen Erbacher | 22 Kommentare | 25. September 2011 | 17:29 Uhr

Zitat: “In diesem Sinne kann der Papst der Enteignung von Kirchengütern und der Streichung von Privilegien durch die Säkularisierung Positives abgewinnen.”
Schlesien ist Land, das bis 1945 Deutsch war und durch den vom Vatikan unterstützten österreichischen Katholiken Hitler im Kriege an Polen verloren wurde. Millionen Menschen starben. Deutsche wurden aus ihrer Heimat vertrieben während die katholische Kirche aus dem Grund der sich abzeichnenden Niederlage von der Deutschen Verlierereite auf die Slawische Gewinnerseite wechselte. Für die katholische Kirche lohnten sich diese Winkelzüge denn nach der Wende erhielt sie alle früheren Ländereien auch die in der Reformation verlorenen zurück und ist Heute wieder Schlesiens größter Grundbesitzer.
Fein gemacht!
Die Katholische Kirche ist organisierte Menschenfeindlichkeit.
Die Predigten vom Hl. Vater waren alle ausgezeichnet.
super
“Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein”
Kein Problem, ich denke dann sollten wir das jetzt auch durchziehen: Keine Kirchensteuer mehr für die Kirchen einziehen, keine Entschädigungszahlungen für die Säkularisation (etwa 500 Mio. € pro Jahr), keine Rechte mehr als Körperschaften öffentlichen Rechts, keine Pöstchen mehr in Rundfunkräten und Ethikkommisionen, keine Sonderrechte mehr für kirchliche Arbeitgeber (die in das Privatleben der Mitarbeiter hineinreden können) etc. – Ich bin dafür Ratzi! Machen wir es!
falsche Reaktion
“vom Vatikan unterstützten österreichischen Katholiken Hitler”, “Slawische Gewinnerseite”,
“Ich bin dafür Ratzi!”
Wow. Wo sind wir hier eigentlich? Ich glaube doch, weder bei “Der Stürmer”, noch bei bild.de.
Die Sonderstellung der Katholischen Kirche in Deutschland sollte tatsächlich geprüft werden. Dies ist schon jahrzehnte Überfällig. Aber hier trauen sich unsere Politiker nicht ran. Denn im Ergebnis müsste man Fragen von Verfassungsrang gegeneinander abwägen. Die Religionsfreiheit wird und das ist gut so durch die Verfassung gewährleistet, aber die unveräußerlichen Menschenrechte, die Gleichheit aller Menschen stehen ganz am Anfang der Verfassung und können durch nichts, oder doch, außer Kraft gesetzt werden. Hier ist der Papst die wirklichen Antworten ins 21. Jahrhundert schuldig geblieben.
Hallo Daniel,
wir sind in einere freiheitlichen Demokratie und sprechen über die Worte des Papstes und die Handlungen der KK.
Mir ist halt gerade dieses Beispiel eingefallen um die Widersprüche zu zeigen.
Es gibt aber auch Andere. Ich spreche darüber auch nicht um Revanchistisch zu sein sondern um die Menschenverachtende Spielweise der KK zu zeigen.
Mal spricht der Herr Ratzinger als Staatsoberhaupt, dann wieder als Kirchenführer. Mal geht es Ihm um Völker, dann wieder um grenzüberschreitende Religionszugehörigkeit.
Er betreibt politisches cherrypicking. Es ist unfassbar!
Eine “Entweltlichung” der Kirche kann auch in anderer Weise gedeutet werden. Die Entweltlichung ist eine Vorlage aus der Zeit und dem Wirken Luther´s. Insofern sehe ich da eine kritische Entwicklung am Horizont aufziehen. Die Hinwendung zu den Menschen ist ja keine schlechte Sache, die Frage ist aber, was wird die Kirche dafür aufgeben? Ich sehe es schicht und einfach so;
Nicht an Ihren Worten sollt Ihr Sie messen sondern an Ihren Taten.
Wird die Kirche sich darauf zurückziehen nur noch zu Glauben? Gar noch in einem Evangelikalen Sinne? Oder wird es weiterhin ein Handeln in “dieser Welt” geben? Glaubensfanatiker gibt es schon genug, denen sollte man nicht noch den Hof machen.
Und die Entweltlichung der Kirche ist ja durchaus schon unter Johannes Paul II vorangetrieben worden, man erinnere sich nur an die Aufgabe der Schwangeren Beratung. Nicht mehr mitmachen in der Gesellschaft könnte man das nennen. Konstruktiv ist das nicht.
Und noch etwas macht mich stutzen, die Kirchensteuer aufgeben? Die Beziehung von Kirche und Staat ist an dieser Stelle durchaus wechselseitig! Solange der Staat die Finanzierung der Kirche einfach und unproblematisch hält ist von Seiten der Nutznießenden Kirche eine unterstützende Haltung zu erwarten, eine Art informeller Zwang.
Ist die Kirche Finanziell ungebunden, kann sie sich im Rahmen der Glaubensfreiheit gebärden wie sie will, siehe die Strikte “Trennung” von Kirche und Staat in den USA.
Nichts mehr von der Seite: Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.
Ich verstehe dies als wichtige Machtpolitische Trennung von Kirche und Staat, aber eben nicht als Aufforderung zur Aufgabe der Mitverantwortung in einer Gesellschaft die keinen Kaiser mehr kennt bzw. in der die Gesellschaft als ganzes die Rolle des Souveräns übernommen hat, auch die Priester sind als Menschen in der Gesellschaft ein Teil davon.
Das Leben ist kein Wunschkonzert, es ist angefüllt mit Leid und Unglück, und mit Beten allein ist niemandem geholfen. Ora et Labora.
Die Aufgabe der Sorge für das Selbst ist Selbsttötung, die Aufgabe der Sorge für das Miteinander ist etwas ähnliches.
Gehe hin und tue Gutes! Und nicht: Gehe hin und bete nur noch.
Entweltlichung – Selbstentleibung? Wohin soll diese Reise gehen? Mir klingt die Beschreibung des Papstes als Vergeistigtem Menschen im Ohr, hoffen wir das er Leib und Seele der Kirche zusammen halten will.
Nicht wegen mir, ich bin sicher verloren.
Aber viele da draußen brauchen mehr als nur Gute Worte.
So, so ! Gehören dazu auch das Eintreiben der Kirchensteuer durch den Staat und die Gehälter der Geistlichen, die ja nach des Nazareners Worten “die Ärmsten unter den Armen” sein sollten ? Die Botschaft also hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube… Und wie wärs denn, wenn der Vatikan als Staat in Frage gestellt würde ? Davon hat der Nazarener Wanderprediger nämlich auch nichts gesagt, im Gegenteil: sein Reich sei nicht von dieser Welt, oder ? Übrigens handelt es sich bei der “Konstantinischen Schenkung” als verlogene Basis des Kirchenstaates um ein von den Päpsten eigenhändig gefälschtes Dokument, was erst vom Humanisten Lorenzo Valla entdeckt wurde und da war die weltliche bzw. militärische Macht des Vatikan bereits so stark, daß sie leider von den anderen Potentaten hingenommen wurde.
Gute Worte reichen oft nicht,weil nicht jeder damit etwas anfangen kann aus Nichtverständnis.Das Handeln als Beispiel ist es was überzeugt und zu mehr Verständnis führt,nur wann wird der reiche Vatikanstaat es verstehen ?@Ramses
Die Kirchen und ihre Würdenträger leben ganz gut mit der Vermischung von kirchlichem und weltlichem Leben. Ihre Privilegien wurden durch das Konkordat mit dem 3.Reich gefestigt und darauf beruft man sich im Zweifel.Als Nichtchrist ärgert es mich, wenn Gehälter und Pensionen an Bischöfe, Kardinäle u.a. auch von meinen Steuern bezahlt werden. Die sollten – im Sinne von Entweltlichung – endlich ihre Finanzmittel selbst von den Gläubigen eintreiben, statt sich bequem staatl. Hilfe zu bedienen. Da wäre schnell die “Spreu der wirklich Gläubigen von den nur Mitläufern” getrennt, wenn man freiwillig seine Kirchenabgabe bezahlen müßte. Mal sehen, ob wir dann noch über 24 Mio. Katholiken in diesem Lande hätten.
Die Trennung von Kirche und Staat in den USA ist kein Vorbild – dort reden die Glaubensgemeinschaften überall mit!
davon wollen die Kirchen (auch die protestantischen) nun überhaupt nichts wissen. Und seltsam, vielen Vertragswerken des 3. Reiches wurden nach dessen Zusammenbruch der Rechtsbestand verweigert; sie wurden schlichtweg für ungültig erklärt mit der Begründung, sie seien von einem Unrechts-Regime ausgegangen. Nur das vorteilhafte Konkordat wurde von der Kath. Kirche nie in Frage gestellt. Und da heißt es immer, der seelige Adolf hätte nichts Bleibendes hinterlassen…
Find ich eine gute Idee. Also Kirchensteuer abschaffen, da ist die Kirche ja total verweltlicht.
Ich finde auch selbst ist der Mann,wenn die Kirchen Steuern haben wollen,sollen sie diese selbst eintreiben und nicht den Staat für sich arbeiten lassen und auch noch vom Staat Gelder kassieren, sondern bei staatl Eintreibung Gelder zahlen für die stattl Arbeit.@Andres Ehmann
Zur Entweltlichung könnte ja auch gehören, dass Päpste in Zukunft wie einfache Pilger durch die Welt reisen: ohne polizeiliche Eskorte mit schweren Limosinen, Motorradstaffel, Hubschraubern und rotem Teppich.Auch könnten sie auf die gewaltige Prachtgarderobe verzichten wie einst Franz von Assisi oder gar Jesus, dessen einziges Gewand unter dem Kreuz verwürfelt wurde.CM
Soweit in der Entwicklung ist selbst der Papst noch nicht.@Christian Matthes
Unsern Heiliger Vater kann nicht wie ein normaler Pilger reisen, da er jederzeit mit islamischen oder sonstigen Attentaten rechnen muss.
Auf Papst Paul den II wurde auch geschossen von einem Islamisten.
Auf mögliche Attentate hat Petrus und Jesus früher auch keine Rücksicht genommen und Schutzmaßnahmen getroffen.@Katholisch Christ
Wenn es nach dem Papst ginge würde er am liebsten als einfacher Pilger reisen, aber die Sicherheitsbestimmungen des jeweiligen Landes das er besucht und von dem er immer eingeladen wird und sein Umfeld lassen das nicht zu.
Was versteht der Heilige Vater unter Entweltlichung?
Daß wir unser Leben nicht nur von allem Weltlichen, Materiellen bestimmen lassen, sondern daß wir uns auf unser ewiges Leben, so wie es Jesus uns versprochen hat, hin ausrichten.
Daß wir unser ganzes Denken und Handeln auf Gott ausrichten.
So wie es Jesus uns vorgelebt hat, daran sollen wir uns orientieren. Wir werden als Menschen immer wieder scheitern,
aber Gott liebt uns so sehr, daß er uns immer wieder die Chance für einen Neuanfang gibt, wenn wir es ernsthaft wollen.
Übrigens bei aller Lästerei, der Papst kann nicht mal die Kirchengebote ändern. Das und vieles andere was öffentlich diskutiert wird kann er nur gemeinsam mit allen Bischöfen.
Papst sollte wirklich alle Privilegien streichen!
Bei seiner Bundestagsrede betonte der Papst, wie sehr wichtig es sei, gerecht zu sein.
Nun hat er selbst seine Aufforderung befolgt und spricht sich sehr erfreulicherweise gegen die Privilegien seiner eigenen Kirche in Deutschland aus. Denn sie sind alle extrem ungerecht, da sie krass sowohl den Menschenrechten wie der christlichen Nächstenliebe widersprechen, welche jegliche Bevorzugung oder Benachteiligung als sozial schädlich verbieten.
Insbesondere benachteiligen folgende Privilegien massiv:
Gottesbegriff im Grundgesetz (gegen Nicht-Gottesgläubige),
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen (gegen Nicht-Religiöse),
massive finanzielle staatliche Unterstützung (gegen Nicht-Christen),
Kirchensteuern (gegen Nicht-Kirchenmitglieder),
staatliche christliche Feiertage (gegen Nicht-Christen).
Die deutschen Bischöfe wollen sehr ärgerlicherweise diese äußerst gerechten Worte des Papstes ungeschehen machen.
Die Menschen in Deutschland sollten sich dagegen vehement wehren. Schließlich – bei dieser Angelegenheit sollten alle zusammenstehen – “Wir sind Papst!”
Der Papst sollte schlicht weg mal einsehen,auch Nicht-Christen sind Menschen mit Rechte.@Reinhard Moysich