Pope-Star Benedikt

Der Papst selbst hat die Vigil mit den jungen Menschen in Freiburg als einen Höhepunkt seiner Deutschlandreise bezeichnet – und die Jugendlichen dankten es ihm auf seine Weise: Sie jubelten und ließen sich von der Stimmung begeistern.

Hubert Krech | 25 Kommentare | 24. September 2011 | 23:45 Uhr

25 Kommentare

  1. Massenhysterie, was sonst ? Denn Inhalte gabs wohl kaum zu bejubeln. Und den angeblich 30 Millionen Euro Besuchskosten stehen die erschreckend mageren 2-3 Millionen Euro für die Mißbrauchsopfer der Kath. Kirche gegenüber. An dieses krasse Mißverhältnis haben die jugendlichen unkritischen Jubelperser wohl nicht einen Gedanken verschwendet…..

    Ramses | 25. September 2011 | 01:03
    • Sollen Hunderttausende auf den Papstbesuch verzichten, weil Opfer viel Geld wollen?

      Z. Klimowa | 25. September 2011 | 10:29
      • Ich würde ganz einfach sagen,ja.

        jens labahn | 25. September 2011 | 10:46
        • Es ist mir bis heute unbegreiflich, wie die schrecklichen Erlebnisse, welche Missbrauchsopfer machen mussten mit Geld ausgleichbar sein sollen?? Im Gegenteil kenne ich Missbrauchsopfer, die eine finanzielle Entschädigung konsequent ablehnen, da sie das Gefühl haben, damit werde aus Missbrauch prostitution!

          Wie gesagt, ich finde es befrendlich, erlebtes Unglück mit Geld aufwiegen zu wollen – auch wenn es für unsere materialistische Welt als die “passende” Problemlösung erscheinen mag…

          Barabbad | 25. September 2011 | 19:38
      • soll das katholischer Zynismus sein @Z.Klimowa ? Das Leid und Trauma auch nur eines jener Mißbrauchsopfer wiegt 1000 mal mehr als die Schaulust von hundertausend Schaulustigen, welche diesen verknöcherten Oberpriester und seine devote Altherrenriege sehen wollen.

        Ramses | 25. September 2011 | 14:27
        • @Ramses
          Schade, dass Sie den Pilgerweg der Gläubigen und Interessierten auf Schaulust reduzieren.
          “Hörlust” fände ich schon angebrachter. Die Menschen wissen eben, dass man im Glauben IMMER wachsen kann und haben eine berechtigte Ahnung, dass der Papst als oberster Diener für die Gläubigen ihnen besondere Impulse schenken kann, die mehr sind als nur ein “High-Gefühl durch Masse”.
          Gleichzeitig weiß jeder, dass real gelebter Glaube, in Gemeinschaft und im gemeinsamen Gebet verbunden, tiefer prägt, als das Verharren hinter einem Bildschirm. Insofern ist es mehr als natürlich und erfreulich, dass sich viele und junge Menschen auf den Weg machen. Glaube an Gott bewegt.
          Und hält wach.
          Und bringt Freude!

          Ronja Räubertochter | 25. September 2011 | 18:28
    • Die Botschaft des Kirchenoberhauptes läßt sich etwa so zusammenfassen:”Die Welt ändert sich, die Position der Kirche nicht. Ihr Maßstab ist nicht der Zeitgeist, sondern die ewige Wahrheit Jesus Christus. Wenn ihr Reformen wollt, ändert euch selbst.Die Botschaft vom Kreuz wird im positiven Sinne immer ein Ärgernis bleiben.” – Grund genug um katholisch zu bleiben, oder es zu werden! Besonders beeindruckend fand ich auch die Begegnung des Heiligen Vaters mit dem Kanzler der Einheit Helmut Kohl. Die beiden sind die herausragendsten Vertreter der Nation und die Deutschen sollten stolz darauf sein anstatt überall nur zu meckern.

      Pater Thomas Achatz ISPN | 27. September 2011 | 05:26
    • Keinen Gedanken verschwendet hat auch Ramses daran, daß der Papstbesuch dem Steuerzahler gerademal soviel gekostet hat, wie ein Wochenende Fußball-Bundesliga. Natürlich können symbolische 5000.- Euro ein menschliches Schicksal nicht heilen.Immerhin ist die Kirche die einzige Institution, die freiwillig eine institutionelle Haftung übernimmt und dafür erwartungsgemäß keinen Dank erhält. Man muß ja wohl sehen, daß 99,99 % aller Fälle von sexuellem Kindesmißbrauch nicht von katholischen Geistlichen begangen werden, sondern in der Regel von den neuen Lebensgefährten der Mütter, die deren Kinder vergewaltigen. Wenn es in den Jahren nach dem II. Vatikanischen Konzil und der Atmosphäre von 1968 ein erhöhtes Maß von Skandalfällen im kirchlichen Raum gegeben hat (übrigens bei den Protestanten im gleichen Ausmaß), dann lag das nicht daran, daß der Vatikan eine als streng empfundene Morallehre verkündet, sondern vielmehr daran, daß diese nicht eingehalten wurde. So zu tun, als wären Mißbrauchfälle im Wesentlichen eine Sache, die der Institution Kirche anzulasten sei, ist Volksverhetzung. Ganz zu schweigen davon, daß durch die Medienkampagne in den Seelen vieler Opfer alte Wunden wieder aufgerissen wurden, nur um der Kirche schaden zu können. Es spricht allerdings für sich, daß auch nach 2010 die Eltern zu den katholischen Schulen und Internaten Vertrauen haben und die Anmeldungszahlen dort sogar noch gestiegen sind. Das beherzte Vorgehen des heutigen Papstes hat viel dazu beigetragen, daß die Verfehlungen von Priestern in den letzten 20 Jahren exrem stark zurückgegangen sind. Papst Benedikt XVI. macht seine Sache so gut wie möglich. Es gibt allen Grund, zu 100 % hinter ihm zu stehen!

      Pater Thomas Achatz ISPN | 27. September 2011 | 13:36
  2. 5 Tage keine Wirtschaftskriese
    5 Tage keine Klimakathastrophe
    5 Tage treffen sich Christen für Gott und nicht gegen Atom wie bei diesem peinlichen evangelischen Kirchentag

    Danke Benedikt!
    Einfach nur Danke, Danke für wahren Glauben – Wer jetzt nur an Geld und Mißbrauch denken kann, ist ein armer Mensch…

    Augustinus | 25. September 2011 | 03:11
    • Jugendliche die Feuer in eine Arena tragen gab es auch schon auf den Nürnberger Parteitag.Diese Inszenierungen gleichen sich alle.Was der Mensch braucht das Erfindet er sich,so auch die Religion.Aber die Not der Missbrauchsopfer und ihr Recht auf Öffentliche Aufarbeitung in jeglicher Form und Transparenz dadurch zu schmälern in den man denkt ein paar Gebete würden reichen,das zeugt von Menschenverachtung.

      jens labahn | 25. September 2011 | 13:02
      • Haben Sie die beschämten Worte und Gesten einerseits und die klaren Maßnahmen andererseits sowie die liebevollen Worte Benedikts zu den Missbrauchsopfern nicht zur Kenntnis genommen? Oder wollten Sie das nicht sehen?

        Viele Vorfälle waren schrecklich, ja! Es ist schwer zu vergeben und die Wunden, die heilen müssen sind in vielen Fällen sicherlich tief.

        Aber stellen die Opfer sich nicht selbst ein Bein, durch ein solches Abschotten und Abwehren gegenüber jemandem, der den Betroffenen aus ganzem Herzen wieder zu Vertrauen und innerer Heilung helfen möchte?
        Der voreilige Stempel von Scheinheiligkeit und Heuchlerei, der dem Papst sofort von einigen Leuten aufgedrückt wurde – völlig gleich, mit welchen Schritte er ehrlich auf die Betroffenen zugeht – scheint mir bei allem Verständnis unangemessen, und das tut mir zugegebenermaßen weh, für die Betroffenen selbst.

        Ronja Räubertochter | 25. September 2011 | 18:41
  3. *[...]
    und Ihre ZDF Berichte sind Kritik ueberladen, sachlich z..T. falsch und einfach fade…
    Statt die tiefe und frohe Botschaft des Papstes zu hoeren, zu verstehen und zu reflektieren, werden reflexartig pauschalisierende und meistens krampfhafte Kommentare gezeigt.
    z.B. hat der Papst nicht die Oekumene abgelehnt, sonder nur die missverstandene menschengemachte faule kompromiss Okuemene…den wahre Oekumene kann ganz einfach erreicht werden, wenn jene die sich in Protest vom wahren Glauben Christi in seiner von Ihm gegruendeten katholischen Kirche abgespalten haben, sich IHM in seiner wahren Kirche wieder vereinen, so wie es Teile der Anglikanischen Kirche heute tun, dann kann man auch wieder gemeinsam Eucharistie feiern (uebrigen ist Ihr Begriff vom Abendmahl ein protestantischer…In der katholischen Kirche gibt es nur die Heilige Messe und die Abendmahlsmesse einmal im Jahr am Gruendonnerstag).
    Wenn sich Menschen frei gegen die moralischen Werte Christ, d.h. der Kirche entscheiden dann kann man nicht der Kirche vorwerfen sie bewege sich nicht, sonder sollte jene die sich von Ihr entfernen beschuldigen (Stichwort Homo-Ehe, Unaufloesliche Ehe: wiederverheiratete Geschiedene).
    Es waehre sehr wichtig fuer das ZDF in Deurschland, unverzerrt und offen dem Papst zuzuhoeren als staendig nur die Leiermuehle der Vorurteile immer wieder in jedem noch so kurzem Bericht zu belabbern. Auch der journalischtische Dienst ist der Wahrheit verpflichtet , die wir Christen nicht als etwas sondern als Person, als Gott selbst verstehen.

    * Der Beitrag wurde wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen editiert.
    heute.de-Redaktion

    Steve Edler | 25. September 2011 | 05:41
    • die alten dogmen der katholischen kirche werden wieder in kraft gesetzt und erneuerung und zeitgemäße auseinandersetzung mit themen wie: sexualität, menschenrechte, erneuerung des glaubens, aufbrechen der starren strukturen in der kath.kirche ausgegrenzt.
      prunk und protz wie es rom zur schau stellt bringen die gläubigen nicht zurück. homosexuelle fühlen sich ausgegrenzt und verfolgt in der kirche wie im dritten reich. die kosten die ein solch ein papstbesuch mitsich bringen stehen in keinerlei verhältniss und man könnte das geld viel besser einsetzen um dem eigenen volk zu helfen. der staat ist pleite sagt frau merkel aber wir geben millionen für solch eine lächerliche veranstaltung aus und schieben milliarden in andere europäische länder die das eigene volk dringend braucht.
      rom missbraucht seine macht und blendet seine anhänger mit prunk und glorie wie seid jahrhunderten.
      reformbedürftig aber nicht reformwillig das ist rom im 21. jahrhundert

      heinz | 25. September 2011 | 07:18
      • Wenn der Papst wirklich Petrus und Jesus Nachfolger sein will, müssen sie erst mal lernen auf Prunk und Protz zu verzichten, denn Petrus und jesus waren arme ruhige Bürger.@heinz

        M.G. | 25. September 2011 | 12:56
        • @ M.G.
          Heute in der Rede im Freiburger Konzerthaus dürfte er teilweise weit mit Ihren Ideen konform gegangen sein, in Kürze hier online:
          http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/travels/2011/index_germania_ge.htm

          Schlanke Kirche ja, ruhig u.U. auch – aber nicht immer gerade leise, sondern auch wesentlich “ein Skandal” – aber einer, der unermessliche Hoffnung dadurch bringt, dass er sich nicht in Banalität auflösen lässt und seine Botschaft die der Liebe ist!

          Ronja Räubertochter | 25. September 2011 | 19:18
          • Na ja man muss ja nicht die Hoffnung aufgeben,dass sich der Papst in Richtung Prunkverzicht bessert.@Ronja Räubertochter

            M.G. | 25. September 2011 | 21:43
  4. WELT ONLINE hat den Papst Besuch treffend beschrieben, da ist kaum etwas hinzuzufügen, außer vielleicht:
    wieviel Geld wird in diesem Land Bankern und Banken hinterher geschmissen? Da ist das Geld für den Papstbesuch ein Bruchteil und die viel bessere Investition! Doch lesen Sie selbst, was die WELT schreibt:

    Alle Auftritte des Papstes sind eine einzige Aufforderung, sich der Basis des Glaubens neu bewusst zu werden

    In Etzelsbach erklärt Benedikt den Gläubigen die für seine Reise so bedeutungsvolle Besonderheit der Pietà-Darstellung

    Sturzregen prasselte auf das Berliner Westend. Dann klarte plötzlich der Himmel auf, wie freigeblasen, in geheimnisvoller Umkehrung des Lichtes. Rosa, mauvefarbene Seidenwolken zogen als Schlieren über dem offenen Oval des Olympiastadions durch den blassen Himmel, während unten Erzbischof Rainer Maria Woelki auf der Altarinsel den Papst vor 70 000 Pilgern zur Begrüßung daran erinnerte, dass Berlin, das so oft heidnisch genannt wird, im 20. Jahrhundert Deutschland die meisten Märtyrer geschenkt hatte. “Dieses Zeugnis werden wir weitertragen”, sagte der neue Oberhirte Berlins und schenkte Benedikt XVI. ein “Plötzenseer Diptychon”, einen Fensterrahmen mit den goldenen Namen der Blutzeugen aus dem Horrorhaus der Nazis, wo zwischen 1934 und 1945 genau 2891 Menschen unter das Fallbeil oder an den Galgen kamen – die meisten, weil sie dem Unrecht widerstanden hatten. Der Papst lächelte, faltete seine gespreizten Hände.

    Keine Stunde zuvor hatte er im Reichstag an dieses Recht zum Widerstand erinnert, das manchmal zu einer Pflicht werden muss, und wenn es das eigene Leben kostet, um “gottlosen Gesetzen” entgegenzutreten. Nun leuchtete das Stadion selbst durch das Oval in den dunkelnden Himmel hoch. Flutlicht ergoss sich über die Arena. Kleine Messdiener ließen sich im Knien fotografieren. Die Rede des Papstes im Bundestag hatte auch den Himmel über Deutschlands Medien aufgerissen. Die Leitartikler überboten sich schon in Begeisterung in ihren ersten Kommentaren. Der Papst, der die Reise am Morgen noch leicht angeschlagen begonnen hatte, mit einem angegriffenen linken Auge, hatte vollkommen Tritt gefasst. Seine Stimme zitterte nicht mehr. Die Reise hatte ihr Betriebstempo erreicht.

    Nachdem er – noch im Bundestag – die jüdische Gemeinde in einer separaten Begegnung daran erinnert hatte, dass gerade für Christen “das Heil nun einmal von den Juden kommt”, wie der Evangelist Johannes es gesagt hat, verteidigte er am Freitagmorgen in der Apostolischen Nuntiatur in Kreuzberg vor den Muslimen deren berechtigten Anspruch auf eine eminent öffentliche Dimension des Religiösen, “auch wenn dies zuweilen als Provokation aufgefasst wird” – und erinnerte sie auch an die wesentliche Impulse des deutschen Grundgesetzes, denen heute auch alle Muslime Deutschlands ihre Würde in Freiheit verdanken, aus der inspirierenden Kraft “des christlichen Menschenbildes”.

    Da ist der Dialog unter Christen zuweilen schwieriger, wie sich im Tross der Journalisten zeigte, der im thüringischen Erfurt schon auf den Papst und sein Gefolge wartete. Erfurt: Verwittertes Urgestein der deutschen Geschichte, an der auch noch das letzte Zeitalter der Diktatur am Schluss abgeperlt ist wie der saure Regen an den oxydierten Kupferdächern des Doms St. Marien. Es ist das innere Ziel dieser Reise, wie der Papst schon im Flugzeug gesagt hatte, die “Brüder und Schwestern” der evangelischen Kirche in der Stadt zu treffen, in der Martin Luther – gegen den Willen seines Vaters! – Theologie studierte, zum Priester geweiht wurde und seine erste Messe las. Der Papst hatte in einer korrigierenden Extra-Initiative darauf bestanden, gerade diesen Begegnungen besonders viel Raum einzuräumen in dem extrem eng getakteten Programm.

    Ist es ein Schicksalstag? Erfurt in Herbstfarben getaucht. Wind in allen Fahnen. Die Kastanien wollen sich verfärben. Fliegende Wolken über den roten Dächern, in denen der Papst aus Deutschland in Luthers Augustinerkloster fast stockend gesteht, wie auch ihn die Frage Luthers umtreibt: “Wie kriege ich einen lebendigen Gott?” und “Was Christum treibet?” Es ist eine ungeheuerliche Identifikation, zu der er Katholiken wie Protestanten einlädt, sich mit der Gottesfrage neu auseinanderzusetzen im Tsunami der Säkularisierung, “in der die Abwesenheit Gottes in unserer Gesellschaft immer drückender” wird, und wo wir uns deshalb auch neu – wie Luther – der Sündenfrage stellen müssen. Ob unsere Fehler “denn eigentlich wirklich so klein sind”, wie wir es tagtäglich gern von uns denken. So hat schon lange kein Mensch mehr für die “brennenden Fragen” Martin Luthers als einer entscheidenden Frage auch für unsere Tage geworben: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott? Vor dem Gott, der “uns sein Gesicht gezeigt” hat.

    Ob er damit an den drängenden Fragen der Ökumene nicht vorbeiredet, fragt er selbst und gibt gleich auch die Antwort dazu: Jetzt müssten wir uns vor allem der Gefahr bewusst werden, nach allem, was Christen an Gemeinsamem bewahrt und in der Ökumene schon wieder entdeckt und erreicht und gewonnen hätten, dass all dies auch wieder verloren gehen könnte, in einer zweiten, gleichsam unbemerkten Kulturrevolution. Zu Beginn des neuen Jahrtausends liefen die Christen – ob Katholiken oder Protestanten – plötzlich gemeinsam Gefahr, ihre unverlierbaren Grundlagen zu verlieren. Vor der protestantischen und politischen Elite Deutschlands greift Benedikt XVI. im Augustinerkloster deshalb noch einmal den Faden auf, den er schon vor dem Bundestag entwickelt hatte, mit einem dringenden Alarmruf, dass die Abkehr vom Naturrecht als großer europäischer Rechtstradition Folgen noch ganz ungeahnten Ausmaßes heraufbeschwören wird “für die Maßstäbe des Menschseins”, wenn dieser Entwicklung nicht gegengesteuert wird.

    Dies ist kein Routinetreffen und auch kein klerikaler Festakt. Der kleine, weiße Mann aus Rom spricht leise, doch fest und keinem nach dem Mund – auf eine Weise, wie sie sich wahrhaftig nur Brüder untereinander erlauben können, die wissen, dass sie nicht voneinander loskommen. Mit diesem Tag hat das ökumenische Gespräch einen neuen Ernst bekommen und auch eine Korrektur aller falschen Erwartungen. “Der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbst gemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben.” Alle Reden des Papstes in diesen Tagen sind ein einziges Werben, sich dieser Grundlage wieder neu bewusst zu werden, gemeinsam, in dramatischer Zeit, in wahrer, die Not wendender Ökumene.

    Der Begriff, der all seine Reden in Deutschland seit seiner Landung in Berlin-Tegel jedoch vor allem durchzieht, ist kein Klagen. Es ist das “Herz”, das den roten Faden seines Sprechens vor jedem Gegenüber zu einer Perlenkette macht. Es ist das “hörende Herz”, das Salomon sich wünschte, als er sich alles wünschen konnte von Gott, das er sich in dieser “historischen Stunde” von den Deutschen im Gebet erwünscht und ersehnt. Es ist das “lebendige Herz aus Fleisch und Blut”, das er mit dem Propheten Ezechiel im Olympiastadion erbittet, “das tote, steinerne Herz aus unserer Brust” zu nehmen und zu ersetzen. Es sind alle Fragen, die Luther “ins Herz getroffen haben”, von denen der Papst sich wünscht, dass sie auch alle Christen der Moderne noch einmal ins Herz treffen mögen, um sie heute gemeinsam neu zu beantworten.

    Am ergreifendsten aber beschreibt Benedikt die Lage der getrennten Christen nach dem ökumenischen Treffen in Erfurt nicht mit einem neuen Luther-Wort, sondern in einer Betrachtung der Pietà in Etzelsbach im Eichsfeld, einem uralten katholischen Marienheiligtum, zu dem ihn am Abend die Hubschrauber der Luftwaffe tragen, wo er mit rund 90 000 Pilgern mit den biblischen Stundengebeten der alten Kirche die Vesper feiert. “Bei den meisten Pietà-Darstellungen liegt der tote Jesus mit dem Kopf nach links. Der Betrachter kann so die Seitenwunde des Gekreuzigten sehen”, erklärt er den Gläubigen. “Hier jedoch ist die Seitenwunde verdeckt, weil der Leichnam gerade nach der anderen Seite ausgerichtet ist. Mir scheint, dass sich in dieser Darstellung eine tiefe Bedeutung verbirgt, die sich erst in ruhiger Betrachtung erschließt. In diesem Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt. Sie kommen einander nahe.” Das offene Herz des Sohnes am pochenden Herz der Mutter. In diesen Tagen klopft es immer lauter.

    Meier | 25. September 2011 | 07:39
    • Man kann ja den Papstbesuch mit Romantik betrachten,aber im Wensnedlichen bleibt alles iwe es war und es wird weiter Fans und Gegner geben,also nichts erreicht.@Meier

      M.G. | 25. September 2011 | 15:06
    • Dank an Paul Badde – einmal mehr ein guter und bewegender Artikel!

      Ronja Räubertochter | 25. September 2011 | 19:21
  5. Heißer TIP: Die Ansprachen des Heiligen Vaters können auf kath.net und gloria.tv nachgelesen werden!

    Pater Thomas Achatz ISPN | 26. September 2011 | 15:36
    • Danke für den Tip, @Pater Thomas Achatz ISPN

      M.G. | 26. September 2011 | 15:49
  6. könnte interessant für alle sein: Ich gehe jetzt vom Beispiel Freiburg aus, wo der Papst eine Vigilfeier mit 30 000 Menschen und einen Gottesdienst mit ca.100 000 Leuten gefeiert hat. Thema Finanzierung (vor allem @heinz): Die Stadt zahlt für den Besuch des Papstes einen kleinen Beitrag von ungefähr 300 000 Euro. Die Kirche finanziert den Rest (keine Ahnung wieviel genau, jedenfalls über 10 Millionen), unter Anderem die Säuberung des Flugplatzgeländes von Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg, eine Aufgabe, die die Stadt schon lange hätte in Angriff nehmen müssen. Stattdessen wurde jetzt anlässlich des Papstbesuches das Gelände mit Geldern der Kirche von Bomben befreit, da kann ja wohl mal jeder froh drum sein, egal ob für Papstbesuch oder dagegen.
    Klar, dass auch die Kirche das Geld anders verwenden könnte ist klar, ich möchte nur dem Eindruck entgegentreten, dass den Menschen in Deutschland dadurch Steuergelder “abgezapft” werden und für den Papstbesuch ausgegeben werden.
    Im übrigen glaube ich, dass alle, die bei diesem Ereignis nur ans Geld denken, bedauernswert sind, da sie eines vergessen: Die spirituelle, geistige und persönliche Bedeutung für jeden Einzelnen, der sich entscheidet mit tausenden anderen Christen und dem Papst zu feiern.

    Schokomuffin | 26. September 2011 | 21:48
    • Ja nicht jeder interessiert sich von den Steuerzahlern für die Spiritualität für jeden wärend den Feiern mit dem Papst.@Schokomuffin

      M.G. | 27. September 2011 | 12:13
  7. Erschreckend, aber zutreffend.

    Hans Matzen | 1. Oktober 2011 | 06:19
  8. OK.

    Hans Matzen | 1. Oktober 2011 | 06:20