Es gibt Elfmeterschiessen!
Der Ausgang der Klimakonferenz ist so offen wie selten. Die Alternativen heissen im Moment: unerwarteter Erfolg oder totales Scheitern. Die Südafrikaner als Präsidentschaft dieses Gipfel haben in der Nacht einen Text vorgelegt, der nicht nur die Zustimmung der meisten afrikanischen Staaten, der meisten Entwicklungsländer und der EU findet, sondern auch von den kritischen NGOs (Nichtregierungsoganisationen) wie Greenpeace, NABU und Germanwatch begrüsst wird.
Würde der südafrikanische Text unverändert angenommen, hiesse das, dass das Kyoto-Protokoll mit verschärften Auflagen verlängert wird und, dass sich die Staatengemeinschaft bis 2015 auf ein neues Protokoll einigen wird, das im günstigsten Fall 2017 zum Ende von Kyoto II in Kraft tritt.
In diesem neuen Protokoll, dass man sich wie ein Gesetz auf Weltebene vorstellen darf, würden sich neben den Industriestaaten inklusive der USA auch die Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Südafrika auf verbindliche, messbare und überprüfbare Treibhausgasreduktionen verpflichten. Das wäre ein großer Zwischen-Erfolg auf dem Weg, das 2-Grad-Ziel einzuhalten.
Zur Zeit arbeiten allerdings die USA fieberhaft daran, den südafrikanische Text zu entschärfen bzw. zu verhindern, dass er so, wie er jetzt formuliert ist, ins Plenum kommt, denn dort wären sie gezwungen, vor der Weltöffentlichkeit sichtbar für alle, den Klimagipfel durch ihr Veto platzen zu lassen. Womöglich wird es aber auch noch eine Formulierung geben, die den USA Verhandlungsspielraum lässt, aber bislang hat die EU signalisiert, keine faulen Kompromisse eingehen zu wollen.
Tja. Bei Todd Stern, dem US-Verhandlungsführer, liegen die Nerven jedenfalls blank. Als ich ihn heute morgen mit dem ARD-Mikrofon in der Hand zu seiner Meinung befragen wollte, drängte mich eine seiner Pressedamen rüde zur Seite und brüllte mir ein „Not now!“ entgegen.
Das ist die Lage wenige Stunden vor dem Ende der Konferenz-Verlängerung. Im Plenum, zu dem alle 194 Staaten heute noch zusammenkommen wollen, wird es also ein klimapolitisches Elfmeterschiessen geben, bei dem entweder die EU mit der Mehrheit der Staaten der UNO oder die USA mit ein paar wenigen Verbündeten als Sieger vom Platz gehen – oder, so sehen es die UN-Regeln vor, das Spiel wird noch ein zweites Mal verlängert.
Das ginge dann so: der Gipfel, die so genannte 17. COP, wird unterbrochen und im Sommer in Bonn fortgesetzt. Da viele Delegierte ihre Rückflüge fest gebucht haben und für 20.000 Menschen so schnell keine Umbuchungen organisiert werden können, rückt diese Option immer näher. Einmal in der Geschichte der UN-Klimagipfel hat es auch das schon gegeben. Es ist echt spannend geworden in Durban. Wer hätte das gedacht.
Kommentieren | 10. Dezember 2011 | 12:59 Uhr |
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