Was bewirken diese Klimagipfel eigentlich, außer dass sie Steuergelder verschlingen?

Delegierte des Klimagipfels und Umweltschützer sitzen beim Palaver

Inseln der Weltdemokratie: Klimadiplomaten und
Umweltschützer beim Palaver

 

Die Frage stellt sich in Deutschland jeder. Ich habe sie mir auch gestellt, bevor ich nach Durban gereist bin. Wozu eigentlich das Ganze?
194 Staaten verhandeln in Durban, ihre Klimadiplomaten sitzen in riesigen Plenarsälen zusammen, dann wieder in Arbeitsgruppen, Unter-Arbeitsgruppen und Unter-Unter-Arbeitsgruppen. Und was kommt am Ende dabei raus? Ein Erklärung wie in Cancún, dass die Weltgemeinschaft sich darauf geeinigt habe, dass man zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr als 2 Grad mittlere, globale Erwärmung zulassen wolle, ohne festzulegen, wer dafür was zu leisten habe?
Für die internationale Klimadiplomatie war das Ergebnis von Cancún – neben der Verabschiedung des 2-Grad-Ziels auch die Einigung über die Einrichtung des milliardenschweren „Green Climate Funds“ zur Finanzierung von Treibhausgasminderung und Anpassungsmaßnahmen an Klimaschäden – nach dem Rückschlag von Kopenhagen durchaus ein kleiner Schritt nach vorne. Dem Klima nützt es allerdings erstmal nichts, denn die Erkenntnis, dass wir, die wohlhabenden Bewohner der nördlichen Hemisphere, bei einer Erderwärmung von 2 Grad die Schäden, die wir dann sicher haben werden und die wir jetzt teilweise schon sehen, technologisch noch beherrschen können, ist uralt. Die Wissenschaft hat sich daher längst vom Parkett der Klimadiplomatie zurückgezogen, denn die Fakten liegen lange auf dem Tisch und setzen langsam Staub an.

In Durban nun deuten sich weitere kleine Fortschritte an. Eine Entscheidung darüber, wer den Klimafonds verwalten wird – die Weltbank, wie es die USA wünschen oder ein unabhängigeres Gremium, wie es vier etwas linkere Regierungen Lateinamerikas (Venezuela, Nicaragua, Kuba, Bolivien) fordern – steht bevor. Die EU wird zudem eine Formel finden, wie sie das Überleben des Regelwerks des Kyoto-Protokolls sichern kann – und sei es, dass nach dem Ausscheiden von Kanada, Japan und Russland die verbleibenden Staaten ein Mini-Kyoto2-Abkommen schliessen werden, dass dann nur noch 15 Prozent der weltweiten Emissionen beinhalten wird. Viel wird also wieder nicht rauskommen aus Durban, ein Hauch mehr als aus Cancún vielleicht.

Delegierte des Weltklimagipfels und Umweltschützer sitzen zusammen beim Palaver

Wozu also das Ganze? Ich persönlich sehe neben den Mikrofortschritten beim Klima einen weiteren, vielleicht ebenso wichtigen Grund, die Gespräche auch nach einem mageren Durban-Ergebnis nicht abreissen zu lassen, denn auf den jährlichen Klimagipfeln probt die Welt zum ersten und in der Geschichte bisher einzigen Mal die globale Demokratie.
Eigentlich wäre das weite Feld der Weltwirtschaft, der Finanz- und Handelsströme, eigentlich wäre die globale, soziale Frage das passende Thema, um sich weltweit auf Standards und verbindliche, gerechte Abkommen zu einigen, aber die Wirtschaft ist seit Jahrhunderten fast ausschließlich in Privathand und wird es trotz Banken- und Eurokrise und wiederkehrender, globalisierungskritischer Proteste wohl noch länger bleiben.
So ist der Klimawandel, der Reich und Arm, Nord und Süd betrifft, seit nunmehr 20 Jahren zum globalen Thema geworden, mit dem die Welt Strukturen der Demokratie erprobt. In der Klimadebatte stecken viele historisch gewachsene Themen der Menschheitsgeschichte. Der Kolonialismus und die mit daraus erwachsene Industrialisierung Europas mit den zugehörigen riesigen Kohlendioxid-Emissionen, die Ausbeutung der Ressourcen der Entwicklungsländer durch die Industrieländer, die ungleichen Lebens- und Einkommensverhältnisse auf der Welt, der ungleiche Zugang zu Wasser und medizinischer Grundversorgung … alle diese Fragen liegen, wenn auch verklausuliert und formalhaft – auch in Durban wieder auf dem Tisch. Die Vertreter der über 170 Staaten, die von ihnen eher negativ betroffen sind, treten hier den 20 reichsten und mächtigsten Staatenlenkern entgegen und fordern von ihnen, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen und eine gerechtere Zukunft, eine bessere Welt wenigstens zuzulassen.

Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass diese Probleme auf Klimagipfeln allein gelöst werden können, aber diese Gipfel sind ein Forum für diese Themen. Hier treffen Minister und Diplomaten mit Schlips und Kragen auf bunt gewandete, laute Aktivisten aus Umweltorganisationen und Gewerkschaften, Frauengruppen und Bauernvereinigungen. Hier müssen sich die Damen und Herren aus dem Norden harte, öffentliche Anklagen der Damen und Herren aus dem Süden anhören – und sie müssen sich einmal pro Jahr zwei Wochen lang fragen lassen, warum sie Gold reden, aber oft nur Blech handeln. Hier stehen die Industrieländer unter Druck, weil sie etwas versprochen haben, das sie nur ungern erfüllen wollen.
Es ist erfrischend die globale Basisdemokratie der Plenen, Arbeitsgruppen, Unter-Arbeitsgruppen und Unter-Unter-Arbeitsgruppen auf einem Klimagipfel zu erleben. In Durban mit seiner ungzwungenen, afrikanischen Atmosphäre ist es doppelt schön. Damit wir also das 2-Grad-Ziel nicht aus den Augen verlieren und damit wir – Schwarz und Weiß, Arm und Reich – uns global auf Augenhöhe begegenen, deswegen muss es weiterhin solche Gipfeltreffen geben. Dafür zahle ich gerne Steuern.

Lorenz Beckhardt

Lorenz Beckhardt - Redakteur für Wissenschaft und Umwelt beim WDR

2 Kommentare | 06. Dezember 2011 | 14:58 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Es ist ganz ohne Zweifel so: Im Sinne des Schutzes des globalen Klimas ist diese Konferenz vollkommen nutzlos; sie schadet aber auch nicht. Es ist richtig, dass dort Steuergelder sinnlos verschwendet werden, die wir wohl sehr viel sinnvoller einsetzen könnten.
    Das ominöse 2-Grad-Ziel ist eine fiktive politisch festgelegte Größe, die keinerlei wissenschaftliche Basis hat. Die Verfolgung dieses Zieles ist die größte Verdummung der Menschheit aller Zeiten.
    Das globale Klima kann man nicht schützen, indem man CO2 einspart, weil CO2 keinen signifikanten Einfluss darauf hat. Es gibt keinen Treibhauseffekt im Sinne der Rückstrahlung der Wärmestrahlung durch CO2-Moleküle in der Luft. Es gibt bislang nicht einen einzigen wissenschaftlichen Beleg. Wenn sich angeblich die Mehrheit der Wissenschaftler einig darüber ist, dass CO2 sehr wahrscheinlich die Ursache für den Klimawandel ist, ist kein Beweis.
    3sat-nano trägt – leider – vor allem unter der Moderation von Herrn Baur maßgeblich zur weiteren Verdummung der Menschen bei.

    Leo Bothmann | 6. Dezember 2011 | 19:57 | Antworten
  2. Sehr richtig erkannt, Herr Bothmann.
    Ihre Behauptungen bestätigen auch meine Recherchen !!

    Rainer Hoffmann | 11. Dezember 2011 | 15:41 | Antworten

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