Nun, mittlerweile bin ich zurück in Deutschland, pünktlich nach der Aschewolke und zum Frühlingsbeginn. Meine Eindrücke aus den letzten Wochen in den U.S.A. habe ich mehr oder weniger festgehalten und werde sie demnächst hochladen. Das Studium in Münster hat auch bereits begonnen, ich befinde mich mitten im "Neurosemester". Die Fächer Neurophysiologie, Biochemie II und Neuroanatomie stehen u.a. auf meinem Stundenplan, v.a.möchte ich euch aber kurz von meinem jüngsten Projekt "Neurotime in Münster" berichten.
Gemeinsam mit einer Gruppe von Kommilitonen organisiere ich eine Mini-Symposiumsreihe mit insgesamt vier Abenden, zu denen wir je zwei lokale Wissenschaftler einladen. Die Themen sind vielseitig und alles steht unter dem Motto "Zeit für Einblicke in Erkenntnisse von Gehirnforschen".
Solltet Ihr aus Münster kommen, seid Ihr selbstverständlich herzlich eingeladen:
Weitere Informationen findet Ihr auf unserer Fakultätsseite oder direkt auf www.neuro-time.org
Die jährliche Templeton Research Lectures hat diese Woche begonnen, zu Gast ist Martin Nowak der Harvard University. In dieser Woche wird er gemeinsam mit Corina Tarnita mathematische Modelle vorstellen, die sich unter anderem mit der Entstehung von Sprache, dem Ursprung von Evolution sowie der Entstehung von Kooperationsverhalten zwischen Individuen innerhalb einer Spezies und zwischen verschiedenen Spezies auseinandersetzen.

Gemeinsam mit meinem Schulfreund Jerome habe ich heute die Vorlesung besucht. Der charmante Wiener Akzent Dr. Nowaks war eine Überraschung, und hat mich nicht nur deshalb an den legendären Mathematiker und Mitbegründer der Kybernetik  Norbert Wiener erinnert. Dr. Nowak hat sowohl Mathematik als auch Biochemie studiert und sich früh für mathematische Modelle zur Beschreibung dynamischer evolutionärer Prozesse begeistert. Wie verhält es sich mit der Vebreitung von Krebszellen, die einerseits mutieren, andererseits einem Selektionsdruck ausgesetzt sind und somit in ihrer Entstehung sowie Verbreitung zwei entscheidenden Mechanismen der Evolutiontheorie unterliegen?

Dr. Nowaks Forschungsfeld stellt eine Synthese von Konzepten dar, die sich in der Ökonomie und Spieltheorie bewährt haben, wie zum Beispiel das Nash-Equilibrium, und biologischen komplexen Prozessen. Einige Modelle beschreiben zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, mit der sich Mutant "A" (z. B. eine mutierte Lungengewebszelle) in einer Population von Individuen des Typs "B" (gesunde Lungengewebszellen) durchsetzt (= ein Krebsgeschwulst entsteht).

Am Ende des Talks konnten wir noch einige Fragen stellen. Jerome war sehr begeistert, hat er doch mit seinem Abschluss in Mathematik und Physik einen idealen Hintergrund um sich diesem Gebiet der Lebenswissenschaften zu widmen. Zur Zeit überlegt er, in welchem Bereich er sein Studium forsetzen möchte.
Wir sind beide gespannt auf den morgigen Talk:   "Pre-Life", also der Frage wie Evolution überhaupt entstehen konnte. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

...so könnte man die U.S.A. auch bezeichnen. Von meiner bisherigen Erfahrung ausgehend kenne ich kein anderes Land, in welchem die Mittel - und Oberschicht derartig "technisch ergriffen"sind. Die Bilder von amerikansischen Vorstadtkindern die den ganzen Tag vor dem Computer oder Fernseher verbringen sind sicherlich nur ein Aspekt. Die Technologisierung betrifft hier auch andere Bereiche, und sei es die Fortpflanzung selbst. Bis zu 50.000 US $ werden so manch attraktiver College Studentin geboten, sollte sie sich für eine anonyme Eizellenspende an eines der, zumindest im Vergleich zu Europa, zahlreich vorhandenen Labore für künstliche Befruchtung entscheiden. Zu der eher exotischen Art von Werbung zähle ich auch Plakate mit dem Produkt "Vaterschaftstest":


IMG_0773.JPG





Auch eine öffentlichen Ausschreibung an Kokainsüchtige als potentielle Teilnehmer an neuen therapeutischen Studien in New Yorker U-bahnen ist ein legitimer Weg, um Forschungserfolge der Columbia University zu fördern. Dies ist sicherlich ein außergewöhnlich liberaler Umgang mit der Allgegenwärtigkeit von Drogenkonsum, das Für- und Zuwider möchte ich hier nicht diskutieren. 


IMG_0722.JPG




Mein Fazit ist dennoch: Wenngleich Technikdystopien aus dem Schulunterrichter wie Brave New World fiktiv erscheinen, so befinden sich in Ansätzen dort beschriebene Szenarien bereits in ihrer Entstehung.


Als keineswegs provokative Anmerkung möchte ich mit einem traurigen Beispiel aus der amerikanischen Wissenschaftsgeschichte schließen: Zweifelslos sind die Taten des berüchtigten Theodore Kaczynski, auch bekannt als Unabomber, in keinem Falle gerechtfertigt und definitiv zu verurteilen; sein Handeln und seine Schrift "Manifesto" sind in meinen Augen aber eine bezeichnende Reaktion eines Wissenschaftlers, die in der bisherigen Geschichte einmalig sind. Einen ähnlichen Fall kann ich mir in Deutschland kaum vorstellen. In meinen Augen geht vor allem dann eine Gefahr von Technologisierung aus, wenn sich dieser Prozess so eng mit kapitalistischem Interesse paart, wie dies in den U.S.A. der Fall ist. Es ist sicherlich kein Zufall, dass in keinem anderen Land der Erde die Pharmaindustrie derartig mächtig und im öffentlichen Leben omnipräsent ist. Es bleibt zu hoffen, dass künftige Gesundsheitsreformen zumindest einen öffentlichen Zugang zu diesen Medikamenten ermöglichen. Der Medikamentenkonsum steht in den Staaten nicht im Verhältnis zu dem tatsächlichen Bedarf, da rund 1/4 der Amerikaner keine Krankenversicherung besitzt. Vielleicht sind die U.S.A. also auch ein Land der "ungerechten" Wissenschaft?

"Was vergeht die Zeit schnell...", nun liegt mein letzter Eintrag schon fast eine Woche zurück. Aber was heißt eigentlich Zeit? Was auch immer es sein mag - den heutigen Eintrag zu lesen wird es sicherlich etwas davon bedürfen...

In der abendländischen Geistesgeschichte gab es vielerlei Versuche, Zeit zu definieren. Nennen möchte ich die Vorstellungen des Verhältnisses von Masse und dem Zeit-Raum Kontinuum, dass Albert Einstein mit der Speziellen Relativiätstheorie formuliert hat. Dieses Model ist äußerst beudeutsam für unser gegenwärtiges wissenschaftliches Verständnissses vom Sein der Zeit. Die kurze Zusammenfassung lautet: Neben den drei räumlichen Dimensionen existiert die vierte Dimension der Zeit. Diese vier Dimensionen bilden eine Einheit, ein Zeit-Raum Kontinuum, welches in seiner Form durch die vorhandene Masse beeinflusst wird. Masse krümmt den Raum und verändert somit die Zeitbahnen relativ zu einem Beobachter, der sich an einer anderen weniger durch Masse "gekrümmten" Position im All befindet.

Dieses Model, das eine Relativität von Raum und Zeit bezogen auf das jeweilige System postuliert, lässt sich sicherlich auch als eine philosophisch bedeutsame Perspektive deuten.

Bezogen auf die Zeit und ihr Verhältnis auf das Sein, so sei sicherlich das Werk Martin Heideggers "Sein und Zeit" erwähnt, in welchem er die Lehre des Seins (die Ontonlogie) immer per se in einem zeitlichen Zusammenhang sieht.

Heideggers Verhältnis von "Sein und Zeit" bleibt in seinen Schriften jedoch sehr abstrakt. Einer der Hauptkritikpunkte an seiner Philosophie ist, dass das Subjekt in seinen Beschreibungen nahezu gänzlich fehlt. Er somit also trotz aller Bemühungen, bei einer Diskussion über das Sein die Relevanz des zeitlichen Bezugs zu berücksichtigen, immer noch sehr von einer Art "Sein an sich" spricht. Wenngleich in einem anderen sehr einflussreichen philosophischen Werk jüngerer abendländischer Geistesphilosophie auch die Rede von einem "Ding an sich" ist; Immanuel Kants meint in seiner "Kritik der Reinen Vernunft" hiermit etwas anderes, nähmlich das "Eigentliche" hinter den Erscheinungen in der Welt, also etwas das nicht direkt wahrnehmbar ist. Das was Menschen wahrnehmen, ist gewissermaßen durch ihre Sinne geformt und somit vergleichbar mit der Metapher eines Schatten die Platon einst verwendete. Die Zeit als auch der Raum spielen für Kant eine bedeutsame Rolle; sie sind die "conditio a priori" des menschlichen Erkenntnisprozesses, das heißt sie sind die Bedingung vor jeglicher Erfahrung bei einem Erkenntnisprozess. Man kann sie mit einer Matrix vergleichen (von lat.= Gebärmutter), also einem strukturgebendem Element im menschlichen Geist, in welchem alle Erfahrung eingebettet und verarbeitet wird. Dieses Modell sollte u.a. maßgeblichen Einfluss auf Lerntheorien und philosophische Konzepte des Konstruktivismus haben.


Nun, von einem Konstruktionscharakter war auch bei einem neurowissenschaftlichen Vortrag am letzten Dienstag die Rede, welcher meine oben resumierten Vorstellungen und Begriffe von Zeit bereichern sollte (eine nähere Ausführung zu den erwähnten Konzepten von Zeit findet Ihr hier.pdf)


Dean Buonomano von der UCLA) war zu Besuch und ließ uns näheres über "The neural basis of timing and the processing of time-varying stimuli" wissen. Wie steht also nun um das "Sein von Zeit"? Definitiv bedarf eine exakterere Beantworung dieser Frage noch vielen weiteren Studien, eventuell gelant man nie zu einer Antwort die unsererem intuitiven Empfinden von Zeit auch entspricht. Der Vortrag vermittelte zumindest ein interessantes Konzept davon, wie Zeit in unserem Hirn prozessiert wird.Oder ist doch ein Erzeugnis unseres Gehirns? Dr. Bunomano konnte in verschiedenen Experimenten darlegen, dass zeitliche Wahrnehmnung scheinbar nur in den höher entwickelten Begereichen des Gehirns stattfindet, d. h. in den evolutionär gesehen noch sehr jungen Großhirnrinde, dem Cortex. Zeitempfindung scheint eine ihnen innewohnende Eigenschaft zu sein und ihrer neuronalen Organisation zu entspringen. Zeitliche Empfindung ist daher modalitätsunabhänigig: Seien es intentionale Prozesse wie "nachdenken und planen" (v.a. Präfrontaler Cortex), visuelle oder akkustische Wahrnehmung. Anders formuliert ist dies eine kühne These: Erleben Organismen ohne Großhirnrinde bzw. eine funktionell ähnliche Struktur keine zeitliche Empfindung?


Für nähere Details empfehle ich diesen Zeitungsartikel der Los Angeles Times und das Durchstöbern von Dr. Buonomanos Publikationsliste. Es wäre sicherlich höchst interessant, bei ihm über den Sommer mal ein Praktikum zu machen...


Alles dreht sich ums Hirn. Dies mag vielleicht nach einem Anthropischen Prinzip oder Biologischem Reduktionismus klingen; will man das Hirn und seine Funktion jedoch ganz ausblenden, stößt man in der eigenen Philosophie schnell an Grenzen, wo man nicht hin will: den Hirntod. Über solch interdisziplinäre Fragen und möglichen epistemischen Interpretationen von Studien möchte ich mich gerne mit interessierten Lesern auf meiner noch jungfräulichen Website austauschen: www.neuro-time.org


Zurück zum Titel: Heute erzähle ich meine Kurzgeschichte als Laborratte bei einer TMS Studie am Johns Hopkins Hospital. Bei der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) macht man sich das magnetische Feld zunutze, das stromdurchlossene Drahtspulen erzeugen. Mit diesem lassen sich Aktionspotentiale in Nervenzellen auslösen. Je nachdem wo man eine Testperson "stimuliert", hat man unterschiedliche Reaktionen zu erwarten: Im motorischen Bereich eventuell einen Faustgriff oder ein Augenzwinkern. Im visuellen Kortex lassen sich Scheinbilder erzeugen, das gleiche gilt für die Geräusche bei einer Stimulation im Schläfenbereich. Im Präfrontalen Cortex lassen sich sogar religiöse Erlebnisse erzeugen, ihm gilt auch besondere Aufmerksamkeit bei der Frage, was auf neuronaler Ebene Charakter und Persönlichkeit bilden.


In meinem Fall ging es eher um Ping Pong spielen und das Testen meiner motorischen Fähigkeiten unter erschwerten Bedinungen. Mit einer Art Joysick musste ich einen Lichtpunkt zu Zielen navigieren die sich schräg vor oder hinter meiner Ausgangposition befanden. Dabei musste ich möglichst zügig, gleichmäßig schnell und v.a. präzise meine Bewegungen ausführen. Für jeden Treffer bekam ich 0-4 Punkte, je nach Präzision und Geschick. Bei einigen Ausführungen war ich in meiner Bewegung jedoch durch das TMS beeinträchtigt. Damit ich auch stillhalten würde und das Gerät meine Motorik präzise inhibieren könnte, war der auf dem Bild zu sehende Versuchsaufbau nötig.


Versuchskonstruktion.JPG


Nach gut einer Stunde "computerspielen" war ich mit 30 Dollar Entlohnung und einer neuen Einsicht entlassen: Ich war in Wirklichkeit der Pinky gewesen /

why the Pinky.doc


Ein kleiner Traum wurde gestren war: Ich habe nun die Francis Crick-Zahl 2. Zudem habe ich  die Erdős -Zahl 4. Nunja. Wovon spreche ich hier eigentlich?


Christof Koch war hier zu Gast, einer der anerkanntesten Bewußtseinforscher. Er und Francis Crick haben gemeinsam an bewußtseinstheoretischen Fragen geforscht, daher hat Koch die Crick-Zahl 1 und die Erdős -Zahl 3. Was mich betrifft, stimmt die Rechnung nicht ganz, da ich mit Dr. Koch (noch) nicht zusammen gearbeitet habe. Dennoch, ich konnte ihn nach seiner Ansicht bezüglich des Unterschiedes zwischen Bewußtsein und Aufmerksam ausfragen, einer Unterscheidung die wir uns im alltäglichen Sprachgebrauch gar nicht so bewußt sind; oder sind wir disbezüglich "einfach nur" unaufmerksam?


Wer Einblicke in seine Argumentation und die aktuelle Forschung des KLAB gewinnen möchte, sollte sich demnächst die auf der Mind & Brain Institute Webseite verfügbare Aufzeichnung anschauen. Worüber sich Philosophen und Psychologen über rund 200 Jahre den Kopf zerbrochen haben, lässt sich mit heutiger Technik und einigen gewiften Verhaltensexperimenten ganz anders diskutieren.


Christof Koch ist zwar in den U.S.A. gebohren und lehrt seit über 20 Jahren an der CALTECH, studiert hat er jedoch Physik und Philosophie in Deutschland an der Uni Tübingen und promoviert am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik ebenda. Einfach faszinierend, woran und wie man dort forscht ...


Ich befand mich wieder im Bus auf dem Weg nach New York. Gemeinsam mit Max aus Münster und Julia aus Berlin würde ich für den deutschen Zweig UAEM Germany an der Konferenz im Cornell Weill Medical Center teilnehmen. Während Max auf der Fahrt noch an seiner Power Point Präsentation tippte, las ich mich in einige Details welche dieses Wochenende in Manhattan geklärt werden sollten.
Welche Neuigkeiten gab es aus Deutschland zu berichten? Nun, UAEM Germany selbst war bereits eine Neuigkeit: Für diesen einheitlichen Namen sämtlicher deutscher Zweige hatten wir uns erst auf unserer letzten Versammlung im Dezember 2009 in Berlin entschieden, sowie dafür, UAEM Germany als E.V. registrieren zu lassen und somit offiziell als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden (an einem Domainauftritt wird zur Zeit noch fleißig gefeilt).

Max & Julia.JPG


Die Konferenz sollte über das Wochende von Freitag bis Sonntag stattfinden. Ich entschied mich nur am Samstag teilzunehmen. An diesem Tag sollte es u.a. um die eigentliche internationale Koordination gehen. Den Rest des Wochenendes würde ich mit meinen beiden Cousins Kevin und Chris verbringen, die beide in Queens wohnen. Die gemischten Erwartungen, die ich an dieses Wochenende stellte, sollten sich in gemischte Gefühle verwandeln, mit denen ich nach Hopkins zurückkehrte ...


Der erste Vortrag bestand aus einer Übersicht des vergangen Jahres. Einiges wurde erreicht, und mehr steht noch zur Debatte: So hatten sich einige der größten Forschungsinstitutionen/-universitäten der U.S.A (u.a. Harvard, Yale, Penn und das NIH) zusammengesetzt und das Statement of Principles and Strategie (SPS) unterzeichnet. In diesem erklären sich die Unterzeichner in verschiedenen Punkten dazu bereit, den "Technologietransfer" in Entwicklungsländer zu unterstützen. Viele dieser Punkte sind noch sehr allgemein formuliert und es gibt keine direkte Referenz zu Ländern die direkt betroffen sind. Eine genauere Auseinandersetzung mit dem SPS findet Ihr im

UAEMnewsletterWI10final.pdf .
Ein aufsehenerregendes Ereignis in Deutschland neben der offiziellen Gründung von UAEM Germany war die "Speakers Tour" die zuvor im Sommer 2009 stattgefunden hatte. Bei dieser "Tour" stellten Mitglieder von UAEM ihre Arbeit und die Problematik der Patentpolitik an verschiendenen deutschen Unis vor (u.a. Berlin, Münster, Köln und Freiburg). Besonders für Deutschland gilt: "Many researchers are unaware of the facts behind patenting their discoveries and technology" (siehe Newsletter).
Dies zu ändern ist eine der direkten Aufgaben, an denen zu arbeiten gilt. In Münster sind wir dabei eine Liste mit in Frage kommenden Forschern und Instituten zu erstellen, die wir nach und nach kontaktieren werden.

Zwei Sorten direkt messbaren Erfolgs nahm ich auf der Konferenz wahr: Alle Mitglieder waren  angesichts der einzelnen größeren und vielen kleinen Fortschritte in den verschiedenen Zweigen unheimlich motiviert. Wer war überhaupt alles da? Es grüßen UAEM Mitglieder aus den U.S.A., Kanada, UK, Europa, Südafrika, und Rwanda.


greetings UAEM.JPG


"Empowerment" heißt das Stichwort, eine Spezialität von "soft skill" der Amerikaner, die ihr Heimspiel an diesem Wochenende in Manhattan feiern sollte.

Zu den "handfesten" Erfolgen zählen mehrere Enscheidungen bzgl. der zukünftigen Organisation innerhalb UAEMs und der internationalen Kooperation der einzelnen Zweige. Somit hat UAEM Germany nun den Posten eines internationalen Repräsentaten zu vergeben, der die deutschen Zweige im Komitee vertreten wird.

Abgesehen von diesen  Fortschritten waren einige Neuigkeiten auch sehr bedrückend. Neuigkeit ist vielleicht das falsche Wort, denn es ist ein altes Problem, ein Perspektivenwechsel trifft es vielleicht besser um zu beschreiben, was Gatete aus Rwanda über die Situation in seinem Land beschrieb: "People suffer from severe diseases because we don't have enough Vitamin E". Angesichts einer solchen Notlage und der scheinbar so einfachen Lösung kann man sich hilflos fühlen. Ich habe mich gefragt, ob ich eigentlich ansatzweise eine Ahnung von dem habe, womit ich mich bei UAEM beschäftige. Was für ein Elend es in Wirklichkeit ist, mit dem wir uns hier sehr abstrakt beschäftigen und argumentieren müssen, um etwas zu verändern.


Ein anschließender Besuch bei meiner Familie tat daher besonders gut.  Interessanterweise arbeitet mein Cousin Chris in einem ähnlichen Bereich. Er ist seit letztem Jahr Clinical Professor im "Department of Environmental Studies" an der New York University und beschäftigt sich vor allem mit der Bedeutung von Bildung für eine Demokratie mit dem Schwerpunkt Umweltbewußtsein. Er ist auch vertraut mit der Thematik "Essential Medicine".  In der Tat gibt es in seinem Department dafür eine interfakultäre  Arbeitsgruppe, in der sich unter anderem Thomas Nagel und Tyler Volk engagieren.

Bei meinem nächsten Besuch in New York werde ich vielleicht mit einigen seiner Kollegen sprechen können. Ich bin sehr gespannt. Durch die Konferenz stehe ich nun auch in Kontakt mit den Mitglidern von UAEM Hopkins. Wir werden sehen, ob sich in meinen letzten Wochen hier vielleicht noch etwas organisieren lässt, eventuell ein Vortrag zusammen mit dem Berman Institute of Bioethics?

Eine interessante Frage die man sich
meiner Ansicht nach als Wissenschaftler stellen sollte, bzw. wenn man sich
auf dem Weg dorthin befindet. Kann es in dem Interesse einer
Bildungsgesellschaft sein, dass entwickelte Medikamente in Länder
mit niedrigem Einkommen zu nicht erschwinglichen Preisen angeboten
werden?

Nach meinem ersten Aufenthalt an der Hopkins im BALL LAB kehrte ich zurück nach Deutschland, um in
Münster das Studium der Humanmedizin zu beginnen. Mein Stipendiumsantrag wurde leider abgelehnt und so kehrte ich zurück an eine deutsche Uni um festzustellen, dass die erwünschte Internationalität auch hier durchaus zu finden ist: An einem
internationalen Abend, von der Fachschaft zum Thema "Jetzt Helfen" organisiert, stellten
einige Referenten Möglichkeiten vor, wie man sich in
Entwicklungsprojekten engagieren kann. So sprach ich über meine Erfahrungen die
ich mit der Organisation Service Civil International u.a. in Frankreich und Nepal gemacht hatte. An dem
Abend sollte ich auch Max kennen lernen, der das Engagement von UAEM
(Universities Allied for Essential Medicine)
vorstellte.


Ursprünglich vor einigen Jahren von Medizinstudenten der Yale University gegründet, zählt UAEM mittlerweile weltweit Zweige, so auch in Münster
(in der Tat sollte der Münsteraner Zweig kurz nach dem Präsentationsabend gegründet werden. Wir treffen uns jeden 2. Montag in der Fachschaft Medizin, schaut
mal vorbei!). O.K., die Einladung war jetzt ein bischen schnell.
Worum geht es überhaupt? Und wer kann mitmachen?

Um Patentpolitik! Jeder, der interessiert ist. Wir suchen Jura, Politik, aber auch Naturwissenschaftsstudenten. Nun zu der Sache im Detail:

Deutschlands Universitäten und Forschungseinrichtungen wie die Max Planck Institute werden
zu einem großen Teil von öffentlichen Geldern finanziert.
Wenn nun Patente angemeldet werden, was leider in Deutschland immer
noch viel zu selten der Fall ist, sollen diese sozialgerechte
Klauseln enthalten. Das "Philadelphia Consesus Statement" ist ein Model, wie eine solche Klausel aussehen kann. Bevor
Pharmakonzerne anfangen, die Grundlagenforschung für eine
Medikamentenentwicklung zu verwerten, muss sichergestellt sein, dass
ein möglicher Nutzen solcher medizinischen Entwicklungen für
alle Menschen gewährleistet ist. Ein nobles und hohes Ziel? In der Tat, aber
erste Erfolge machen Mut und spornen an:

Neben zahlreichen Institutionen haben u.a. bereits neun Nobelpreisträger dieses Model symbolhaft
unterzeichnet. Und dann die großen News im November 2009: BIG
VICTORY: 6 Universities, AUTM and NIH agree to access principles
, darunter Harvard
und Yale.

Es bleibt noch viel zu tun, und gerade in Deutschland ist die Mentalität des Patentierens in den Köpfen
vieler Wissenschaftler noch nicht so verbreitet.

Neben der Patentpolitik adressieren UAEM Mitglieder mit ihren Aktionen aber auch den Bereich der
sogenannenten "Vernachlässigten Krankheiten", z.B.
Tropenkrankheiten. So titelt ein T-Shirt Aufdruck des Chapters der Yale University "Our Universities. Our Labs. Our Responsibility". An
"Vernachlässigten Krankheiten" sterben jährlich Millionen von Menschen (siehe Malaria), allerdings spielt dies für
Pharmakonzerne westlicher Länder nicht so eine große
Rolle: Es gibt einfach keinen interessanten Markt mit potentiellen
Käufern für diese Präparate, folglich wird in die
Forschung nicht viel Geld investiert.


Angesichts dieser umfangreichen Problematik ist es gut zu wissen, dass UAEM als Studenteninitiative
mit seinen Bestrebungen nicht alleine darsteht. So arbeitet UAEM
Germany zum Beispiel mit Ärzte Ohne Grenzen E.V., der kanadische Zweig mit der kanadischen Gruppe von Médecins sans Frontière, wenn es um die essentielle Frage geht:


How "Turning Discovery Into Social Good?"


Eine Frage, mit der auch ich mich am kommenden Wochende auf der UAEM Konferenz in Manhatten auseinandersetzen werde. So, I'll keep you guys updated on this!


Der 21. Geburtstag: Das wird in den U.S.A. ganz groß gefeiert, schließlich darf man nun erst (auch als Europäer) Alkohol in Kneipen trinken, ein Auto mieten und sich sonst alle möglichen Freiheiten nehmen, welche einem die volle Geschäftsfähigkeit in einem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ermöglicht.
Im letzten Jahr hatte ich das Glück, diesen Geburtstag hier mit meinen Freunden zu feiern. Als Highlight habe ich mir mit meinem Freund Brandon das Konzert von B.B. King und Buddy Guy am Broadway in Manhattan gegeben: Es war sicherlich mit die kommerziellste Veranstaltung die man bluesmäßig besuchen kann, aber was tut man nicht alles als Bluesfan;  zumahl war dies exakt das 60 jährige Jubiläum der ersten Platten von einem der "Kings" des Blues.
Mein Aufenthalt damals hatte allerdings nicht direkt mit Blues zu tun, wenngleich diese Musik und ihre Geschichte einen Teil meiner Faszination für dieses Land ausmacht. Dennoch ging es schon indirekt um Musik, und zwar um "tierische". So war es nicht B.B. Kings "Hummingbird" der mich nach Baltimore lockte, sondern die Titel wissenschaftlicher Publikation wie dieser:

Doublecortin as a marker of adult neuroplasticity in the canary song control nucleus HVC


Doublecortin(DCX) ist ein Protein, welches am Aufbau des Mikrotubulusapparats beteiligt ist. Letzterer ist essentiell für den Transport von Stoffen innerhalb der Zelle sowie für die Zellteilung selbst. Die Publikation machte mich neugierig, beteiligt daran war unter anderem Dr. Gregory Ball von der Hopkins. Doch wie bin ich überhaupt auf ihn gestoßen?
Schuld war ein Praktikum im Labor des Bochumer Biopsychologen Dr. Onur Güntürkün. Die Uni Bochum und speziell das GÜNTÜRKÜN LAB waren der Austragungsort für das nano camp 2007 ; "ex-nano-camper sind ja immer gern gesehen", und so war es nicht besonders schwierig, hier ein zweiwöchiges Praktikum im Sommer 2008 zu machen. Eine Teilnahme am nano camp zeugt schließlich von großem Interesse an der Wissenschaft und auch von einem gewissen Maß an Eigeninitiative.
Diese hatte ich anschließend ergriffen als ich nach der Zeit in Bochum Dr. Ball in Baltimore kontaktiert hatte. Ich schrieb ihm von meinen Bewerbungsplänen an amerikanischen Universitäten für das Fach "Neuroscience" und meinem Interesse an evolutionärer Kognitionswissenschaft. Er begrüßte mein Praktikum bei Dr. Güntürkün und nach einigen Monaten E-Mail Verkehr zwischen hier und Baltimore sollte ich in seinem Labor stehen und in einer aktuellen Studie assistieren. Naja, ganz so einfach wie es sich jetzt hier schreiben lässt, war es sicherlich nicht. Dennoch, auch in der Wissenschaft (auch genannt "scientific community" ) schadet es nicht, wenn man mit dem ein oder anderen Menschen schon einmal gearbeitet hat oder ihn kennt, sei es auch nur durch ein Praktikum. Und gelten die U.S.A. nicht als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Hier jedenfalls die Auflösung der connection zwischen Bochum und Baltimore:
Beide Wissenschaftler sind Mitglieder des "Avian Nomenclature Exchange Forum"s. Die mittlerweile knapp 100 beteiligten Forscher beschäftigen sich mit den außerordentlichen kognitiven Fähigkeiten von Vögeln und setzen sich für eine funktionsgerechte Benennung der beteiligten Gehirnstrukturen innhalb der "scientific community" ein. Am Bekanntesten dürften die Sprachfertigkeiten von Papageien und Kakadus sein. "Kluge Vögel" lautete eine Dokureihe auf 3sat, die sich mit den enormen Lernfähigkeiten von Vögeln und besonders auch mit der Forschung von Dr. Güntürkün auseinandersetzte. So konnte er in einem Experiment mit Elstern zeigen, dass diese Tiere sich selbst im Spiegel zu erkennen vermögen. Diese Fähigkeit konnte man bis dahin nur bei Primaten beobachten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vögel momentan neben Oktopussen bei Bewußtseinsforschern sehr hoch gehandelt werden [Ich empfehle eine google scholar Suche nach der Publikation: Edelman, D.B. and Seth, A.K. (2009). Animal consciousness: A synthetic approach. Trends Neurosci., 32(9):476-484].
Unter anderem erhoffen sich Neurowissenschafler näheres über die Mechanismen der Spracherlernung herauszufinden.

Dies bringt mich zurück zu Dr. Ball und seinen Singvögeln: In seinem Labor untersuchen Wissenschaftler nämlich v.a. die Neuroplastizität von Singvögeln,  vor allem von Kanarienvögeln. Neuroplastizität bedeutet "Formbarkeit des Gehirns" und meint die Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen in ihrer Kommunikation durch neue Erfahrungen. Lernen basiert folglich auf eine sich durch Erfahrung fortwährend verändernde Verschaltung von Nervenzellen miteinander. Diese Verschaltungen bezeichnet man als Synapsen. Synaptische Plastizität heißt also, dass sich die Verbindung zwischen Nervenzellen in Abhängigkeit von der zwischen ihnen stattfindenen Kommukation ("Feuerrate") verändert. Man geht davon aus, dass diese Fähigkeit im Erwachsenenalter abnimmt, das heißt, ein Organismus nicht mehr so schnell und effizient lernen kann. Jeder Lehrer würde diese Beobachtung unterstreichen. Das Interessante bei Kanarienvögeln ist nun, dass sie sogenannte "open end" Lerner zu sein scheinen: Sie komponieren zu jeder Paarungssaison ihren Gesang neu, um ihren Erfolg bei den Weibchen zu erhöhen. Dabei sind zahlreiche Hormone beteiligt. In unserer Studie untersuchten wir u.a. den Einfluss des Sexualhormons Testosteron, dessen Ausschüttung wird durch Umwelteinflüsse ("enironmental cues") gesteuert. Zu diesen zählt v.a. die Stundenanzahl von Tageslicht (Photoperiode), denn diese gibt dem Organismus direkten Aufschluss über die aktuelle Jahreszeit. In tropischen Regionen, wo es nur minimale Unterschiede in der Photoperiode gibt, kontrolliert scheinbar die Menge an Regenfall diesen Mechanismus.

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen Testosteron und erhöhter Lernfähigkeit? Nun, man hat beobachtet, dass erstaunlicherweise auch im Erwachsenengehirn Stammzellen exisiteren, die sich zu Neuronen differenzieren. Der Link zwischen Testosteron und Lernfähigkeit ist das Phänomen der Neurogenese:

Nervenzellen selbst sind soweit spezialisiert/differenziert, dass sie sich nicht mehr teilen können, wenn sie einmal entstanden sind. Neue Nervenzellen sind daher lediglich durch die Differenzierung von Stammzellen zu gewinnen. Diese migrieren innerhalb gewisser Gehirnregionen permanent und die Ausschüttung von Testosteron bewirkt nun u.a., dass sich diese Zellen differenzieren und in bestehende Netzwerke integrieren. Das Phänomen ist auf mehreren Ebenen beobachtbar: Das "Songzentrum" des Kanarienvogels, die "HVc area", wächst im Laufe der Paarungssaison. Ebenso nimmt das Volumen und Gewicht anderer für die Komposition des "birdsongs" wichtigen Gehirnstrukturen zu. Das gleiche Phänomen kann man bei den den Fortpflanzungsorganen beobachten, die für die Hormonausschüttung verantwortlich sind. Evolutionsbiologisch macht diese Größenvariation in mehrerlei Hinsicht Sinn: Zugvögel können auf jedes Gramm zusätzliches Gewicht verzichten, wenn sie sich auf Reisen von mehreren tausend Kilometern machen. Jedoch hat man dieses Phänomen interessanterweise auch bei Vögeln in tropischen Regionen feststellen können. Für diese scheint, wie bereits erwähnt, u.a. der Regenfall ein Anzeichen für die Jahreszeit und entsprechend für die Paarungssaison zu sein.

Die saisonelle Neurogenese war also der Grund meines ersten Aufenhalts in Baltimore. Diese Beschreibungen sollen nur einen kleinen Einblick in die faszinierende Komplexität dieses Themas geben, dessen Erforschung neurobiologische Konzepte mit ökologischen Perspektiven vereint. Zudem lassen diese Zeilen einen nun vielleicht auch besser verstehen, weshalb Vögel "alle Jahre wieder schöner singen".

Ich schreibe heute (16.02) nur kurz, denn es ist mein Geburtstag :-) Den ersten Tag im Labor habe ich mehr oder weniger mit Warten verbracht. Guilmo ist der Post doc mit dem ich arbeiten werde. Wir verstehen uns super! Ich habe ihn bereits letztes Jahr kurz kennen gelernt, als ich hier zum ersten mal für ein Praktikum im BALL LAB gearbeitet habe. Ich freue mich schon auf eine Zusammenarbeit mit Guilmo.

Wegen des Geburtstages, einige Leuten kamen spontan vorbei und brachten Stimmung und gutes Essen mit. Spontaner Besuch aus Münster hatte sich ebenfalls angemeldet. Max, mit dem ich zusammen bei UAEM aktiv bin, bleibt für einige Tage bei uns. Am Wochenende steht die UAEM Konferenz in New York City an und Max wird die bisherige Arbeit des deutschen Zweiges präsentieren. Wir werden künftige Projekte und Vereinsstrukturen diskutieren und Ihr werdet viel über UAEM erfahren! Dazu bald mehr!


IMG_0718.JPG

Zunächst ein wenig zur Geschichte der Universität: Johns Hopkins wurde 1876 zusammen mit dem gleichnamigen Krankenhaus von Johns Hopkins gegründet. Soweit zur Namensgebung. Seine großzügige Hinterlassenschaft von 7 Mio. US $ war bis dahin die größte philantrophische Hinterlassenschaft in der U.S. Geschichte. Es entstand die neben der Harvard und Rockefeller Universität bedeutendste medizinische Forschungsuniversität des Landes.

Im Vergleich zu den bekannten "Ivy League" Universitäten ist Hopkins vergleichweise noch recht jung. Mit umso mehr Stolz hört man hier, dass Hopkins das Angebot auf eine Mitgliedschaft in dieser elitären Vereinigung vor einigen Jahren dankend abgelehnt hat.

Das Prestige der Universität basiert vor allem auf bahnbrechenden klinischen und labortechnischen Innovationen in dem Jahrhundert und so sind es 18 Nobelpreisträger allein im Bereich Medizin. Das Fach Kinderpsychatrie beispielsweise wurde erstmals 1930 an dem Johns Hopkins Hospital als eigenes Fach von dem aus Östereich immigrierten Psychater Leo Kanner und dem aus der Schweiz stammendem Adolf Meyer begründet. Dr. Kanner begründete u.a. auch die Theorie des Frühinfantilen Autismus

Die frühen Erfolge im Bereich Psychatrie und Philosophie des Geistes (so lernten und lehrten hier u.a. Charles Pierce und John Dewey) haben die heutige akademische Landschaft sehr geprägt. So findet man am Krieger Mind/Brain Institute zahlreiche interessante und bahnbrechende neurowissenschaftliche Grundlagenforschung.

Aber auch für andere Disziplinen wie der Physik bietet Hopkins enorme Forschungsmöglichkeiten. So befindet sich zwei Stockwerke über den Klassenräumen meines Schulfreundes Jerome das Büro des Nobelteisträgers Ricardo Giaconni. Er wurde mit dieser höchsten Auszeichnung für seine Beiträge zur Erforschung der Röntgenastronomie ausgezeichnet. Einige Luftmeter von dem "Department of Physics" entfernt befindet sich die interuniversitäre Association of Universities for research in Astronomy. Von hier aus wird das Weltraumteleskop Hubble gesteuert.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Universität gar nicht so populär in Deutschland zu sein scheint. Bevor Jerome mit seinem Studium hier nach dem Abitur im Sommer 2007 begann, hatte ich auch noch nie zuvor von Hopkins gehört. Allerdings haben viele Amerikaner selbst Schwierigkeiten, sich den Namen richtig einzuprägen. Wie schrieb der amerikanische Schriftsteller und Humorist Mark Twain bereits 1888:

"A few months ago I was told that the Johns Hopkins University had given me a degree. I naturally supposed this constituted me a Member of the Faculty, and so I started in to help as I could there. I told them I believed they were perfectly competent to run a college as far as the higher branches of education are concerned, but what they needed was a little help here and there from a practical commercial man. I said the public is sensitive to little things, and they wouldn't have full confidence in a college that didn't know how to spell the name John."

Trotz allen "Blizzard" Warnungen und einem gestrichenen Flug von Düsseldorf nach Frankfurt wollte ich das Abenteuer auf mich nehmen. Es war der Tag nach dem Rekordschneefall in der Geschichte der USA: In jedem Fall aber auch der, an dem ich meinen Flug nach New York nehmen wollte. Zuvor mit dem Zug in Frankfurt angekommen und der Angst im Nacken, hoffnungslos viel Geld für Übergepäck zahlen zu müssen, "schlitterte" das Flugzeug nach etwas längerer Wartezeit doch noch über die Startbahn und ich knapp durch die Gewichtskontrolle.

Die Stunden des Fluges sollten mir als Vorbereitung der Lektüre für das Praktikum dienen. Stattdessen schwelgte ich in Projektideen, die ich während meines Aufenthalts gerne realisieren würde. Ich würde ca. eine Woche später bei der UAEM (Universities Allied For Essential Medicine) Konferenz in Manhattan teilnehmen. Zahlreiche spannende Kurse könnte ich an der Hopkins belegen, einige der renommiertesten Neurowissenschafler über Ihre Forschungsgebiete befragen, und...

"Let's get on board". Der Flug selbst nach New York ist ein Erlebnis: Allerhand kosmopolitisch wirkende Fluggäste; doch unfassbar ist das Vorüberziehen der Skyline NYCs, wenn der Kapitän zum Landeanflug ansetzt.



Anflug.JPG



Angekommen in der Stadt musste ich mich zu meinen Verwandten nördlich von der Stadt durchschlagen. Ob ich einige Tage später die Busreise nach Baltimore antreten könnte war noch nicht sicher. Der starke Schneefall hatte viele Verbindungsstraßen zum Stadtgebiet abgeschnitten. Baltimore ist auch bekannt als "snow capitol". In der Tat, an der Hopkins waren die Kurse für eine ganze Woche ausgefallen. Sämtliche Versorgung für die Labore war abgeschnitten, bei knapp 1,5 Metern Schnee kein Wunder. Meine Praktikumspläne würden sich in jedem Fall verschieben. Ich spannte erstmal aus ...


snow capitol baltimore.JPG

... dies war der Titel meines Schulzeitungsartikels, welchen ich 2005 über die Erlebnisse aus dem nano camp verfasst hatte.


Fünf Jahre später befinde ich mich als Gaststudent für ein Forschungspraktikum in den U.S.A. Einen guten Anteil an meinem Weg hierhin und meinem heutigen Interesse an der Wissenschaft haben die Erfahrungen und Freundschaften geleistet, die ich aus dem nano Camp mitnehmen konnte. Einen persönlichen Bezug zu einem Interessensgebiet durch den Austausch mit anderen interessierten Menschen zu bereichern hat mich sehr inspiriert und für weitere Projekte motiviert.


Dies ist auch die Idee hinter diesem Blog, also Herzlich Willkommen!
Hier möchte ich Euch die Forschung vorstellen sowie die Erfahrungen, welche ich während meines Aufenthaltes in einem neurowissenschaftlichen Labor der Johns Hopkins University machen werde; und natürlich aller Hand interessante Leute & ihre Projekte, denen ich hier in Baltimore und New York City begegne ... 






1 2 >>
3sat ist für den Inhalt externer Webseiten nicht verantwortlich