Die Video-Tipps für November/Dezember 2010



Quelle: tape.tv

Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform. In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie sich durch unseren Video-Player.

Badly Drawn Boy
“Too Many
Miracles”
Album: “It’s What I’m Thinking”
Edel 2010

Nicht
schlecht gezeichnet, sondern gut trickanimiert ist das neue Video “Too
many miracles” des englischen Folk-Pop-Musikers Badly Drawn Boy: Als
knorriges Baumgesicht thront der Künstler auf einem Hügel und singt vor
einer liebevoll gemalten und gebastelten Umgebung, von zu vielen
Wundern, und dass er bereit für die Liebe sei – allerdings wohl kaum mit
dem Holzfäller, der am Schluss naht.

The Late Call
“Fribourg”
Album: “You Already Have A Home”
Tapete/Indigo 2010

Lichtdurchflutet
kommt der von Schlagzeug-Besen, Geigen und Bläsern durchdrungene
Folk-Pop von The Late Call daher. Den Einfluss des heimischen Stockholm
hört man dennoch – in Form einer leicht melancholischen, verträumten
Note. Die schlichte Schönheit braucht dann auch kein aufwändiges Video
mehr: Die Band, ein Fjord, etwas Dämmerlicht – das genügt.

My Chemical Romance
“Na Na Na”
Album: “Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys”
Reprise/Warner 2010

Ganz werden My Chemical Romance wohl nie aus der Emo-Szene heraus- wachsen, auch wenn die Haare von Sänger Gerard Way mittlerweile in lebensbejahendem knallrot erstrahlen. Die Freude an Pathos und Bombast jedenfalls zeigt sich im Video zu “Na Na Na”: Verfolgungsjagden, Laserpistolen und ein Haufen bunter Kostüme verzieren den eingängigen Indierock.

Get Cape. Wear Cape. Fly
“The Uprising”
Album: “Get Cape. Wear Cape. Fly”
Cooking Vinyl/Indigo 2010

Sam Duckworth propagiert den Aufstand: “The Uprising” ist eine kraftvoll-euphorische Indie-Hymne, die im Video eine kritische Note erhält: Wie in einem US-amerikanischen Nachrichtenformat singt Duckworth seinen Text einem Moderator entgegen, während in der Bild-im-Bild-Optik Statistiken über Kriege, lustige Pannenclips und der Songtext als Newsticker laufen.

Darwin Deez
“Constellations”
Album: “Darwin Deez”
Lucky Numbers/Rough Trade 2010

Der Oberlippenbart! Die Schläfenlocken! Das Stirnband! Darwin Deez aus New York pflegt mit Mut zur Hässlichkeit einen mondänen Szene-Chic, während “Constellations” dem Sound der Strokes mit Leichtigkeit Funk und Soul beibringt. Das Video versetzt den schrägen Musiker in eine passend surreale Film- und Glitzerwelt mit 1950er-Jahre-Touch, in der jener sich aber offenbar etwas verloren fühlt.

Asa
“Be My Man”
Album: “Beautiful Imperfection”
Naïve/Indigo 2010

Die französische Asa hat nicht nur die Stimme für ihren warmen 1960er Soul- und Motown-Sound, sondern auch ein superbes Video zur Single “Be My Man” inszeniert: In einem Soulfood- Restaurant lässt sie ihren Mann charmant wissen, wer das Sagen hat. Wem die Szenerie mit Choreografie-Tänzern arg bekannt vorkommt, der sollte auf die beiden Sonnebrillen- Träger am Tresen achten…

Fotos
“Mauer”
Album: “Porzellan”
Snowhite/Universal 2010

Eine Rio-Reiser-Melodie, Schwarz-Weiß-Ästhetik, Handclap-Drums und ein Schützenfest – das sind die groben Eckpunkte für Fotos “Mauer”-Video. Im ersten Moment fühlt sich die fröhlichen Gesangslinie zwar gar nicht so bedrückend an wie der Text es nahelegt. Wenn sich die Bilder jedoch flackernd und mit präziser Monotonie Minute für Minute wiederholen, wird das Stück langsam düster und bedrohlich.

Hundreds
“Solace”
Album: “Hundreds”
Sinnbus / Rough Trade 2010

Schon “Solace” selbst lädt mit seinem elegischen Space-Pop zum Schweben ein. Die Science-Fiction-Umgebung des Videos stützt den Eindruck: Streiflichter, eine von tiefroten Notlichtern erleuchtete Umgebung, blinkende Steuerelemente eines Raumschiffs, Zeitlupenaufnahmen – und Sängerin Eva Milner, deren reflektierendes Raumanzugs-Visier an Stanley Kubricks “2001″ erinnert.

Flying Lotus
“Kill Your Co-Workers”
EP: “Pattern+Grid World”
Warp/Rough Trade 2010

Der elektronische Sound von DJ und Soundtüftler Steven Flying Lotus zwischen Lo-Fi-Videospiel, softem Breakbeat-Fundament und Pop-Anwandlungen ist schon für sich eine Hausnummer. Das Video zu “Kill Your Co-Workers” dürfte auch Design-Studenten verzücken: In einer Optik zwischen technischer Skizze und Legoland verwandeln Roboter eine Straßenparade in ein Pixel-Blutbad.

Kommentieren | 01. Dezember 2010 | 11:45 Uhr | Twittern | Facebook

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