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    Die Video-Tipps für April 2011

     Quelle: tape.tv

    Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform. In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie sich durch unseren Video-Player.

    Frankie & the Heartstrings
    “Hunger”
    Album: “Hunger”
    Cooperative Music (Universal)

    Fröhlicher
    Gitarrenpop mit Retro-Feeling kommt von Frankie & the Heartstrings aus dem englischen Sunderland. Ihr Debütalbum “Hunger”
    produzierte der ehemalige “Orange Juice”-Frontmann Edwyn Collins. Die Mischung aus Rock-’n'-Roll-Anklängen und heiteren, simplen Melodien ist manchmal brav, aber gewitzt. Humor beweisen Frankie & Co auch im Video zu “Hunger”.

    The Strokes
    “Under Cover Of Darkness”
    Album: “Angels”
    Rca Int. (Sony Music)
    Eine Dekade nach ihrem Debüt “This Is It”, mit dem die Strokes einen neuen Trend, ja ein neues Lebensgefühl begründeten, ist nun ihr viertes Album “Angels” erschienen. Die fünf New Yorker sprengen darauf zwar nicht die eigenen Grenzen, experimentieren jedoch wild mit Elektro-Beats und 1980er-Synties. Die erste Single, “Under Cover Of Darkness”, zitiert beschwingt die eigenen Anfänge.

    Peter Bjorn & John
    “Second Chance”
    Album: “Gimme Some”
    Cooking Vinyl (Indigo)

    Zwölf Jahre haben Peter Bjorn and John bereits auf dem Buckel, trotzdem erinnern sich die meisten nur an ihren Hit “Young Folks” von 2006. Dies könnte sich mit ihrem sechsten Album “Gimme Some” nun ändern: Es ist gespickt mit leicht eingänigen, gut gemachten Popsongs. Das rückwärts laufende Video zur Single “Second Chance” zeugt vom Vergnügen des Trios am Experimentieren.

    Erland & The Carnival
    “Map Of An Englishman”
    Album: “Nightingale”
    Full Time Hobby (Rough Trade)

    Experimentierfreudig ist auch das Londoner Trio “Erland & The Carnival”, das auf seinem zweiten Album sanfte Diskobeats mit melancholischem Folk und psychedelisch knatternden Synties  paart. Im animierten Video zu “Map Of An Englishman” erklärt die Band, wo menschliche Gefühlsregungen genau herkommen – inspiriert wurden sie dabei vom gleichnamigen Gemälde des Künstlers Grayson Perry.

    Rival Schools
    “Wring It Out”
    Album: “Pedals”
    Warner

    Nach Band-Auflösung und Neustart haben sich
    Rival Schools zu einem zweiten Album durchgerungen – zehn Jahre nach ihrem Debüt. Mit “Pedals” schlagen die vier New Yorker neue, nachdenklichere und melodischere Töne an. Im Video zur Single “Wring It Out” geht es allerdings alles andere als beschaulich zu: Exozismus mit Hilfe von Musik – so treibt die Band vielleicht auch die eigenen alten Geister aus.

    1 Kommentar | Rebecca Hack | 29. März 2011 | 12:28 Uhr | Twittern | Facebook

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    Die Video-Tipps für März 2011

    Quelle: tape.tv

    Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform. In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie sich durch unseren Video-Player.

     


    The Joy Formidable

    “Austere”

    Album: “The Big Roar”

    Rykodisc (Warner)

    The Joy Formidable überzeugen mit gutgelauntem, eingängigen Indie-Rock à la Blood Red Shoes. Prägnante, simple Schlagzeugbeats, verzerrte Gitarrenriffs und die schmale Mädchenstimme von Ritzy Bryan machen das Debüt “The Big Roar” zum Soundtrack für alles Ausgelassene. Das Video zu “Austere” ist ein ästhetisiertes Feuerwerk der Farben.

     

     

     

     


    Lykke Li

    “I Follow Rivers”

    Album: “Wounded Rhymes”

    Warner Music

    “Wounded Rhymes” heißt das zweite Album der melancholischen Schwedin Lykke Li - produziert von Peter Bjorn and John-Musiker Björn Yttling. Wie in ihrem Debüt “Youth Novels” mischt sie darauf bittersüßen Pop mit Elektro. Doch was zuvor mädchenhaft verspielt klang, wirkt nun erwachsen und kraftvoller - so wie das düstere, beschwörend rhythmische “I Follow Rivers”.

     

      

     


    The Streets

    “Going Through Hell”

    Album: “Computers And Blues”

    Warner Music

    Es ist ein Abschied mit Ansage: “Computers And Blues” wird das letzte Werk von The Streets sein, drei Jahre hat Mike Skinner daran gefeilt. Der MC mit Cockney-Charme war mit seinen fünf Alben wegweisend für den Spagat zwischen HipHop, Pop und Alternative. Im Video zu “Going Through Hell” macht ein verschmitzt wirkender Skinner allerdings nicht den Eindruck, abtreten zu wollen.

     

     

     

     


    Stateless

    “Ariel”

    Album: “Matilda”

    Ninja Tune 

    “Ariel” aus dem Album “Mathilda” von Stateless handelt vom Kampf Gut gegen Böse. Schwirrende Elektrobeats, gypsy-artige Gitarren-Riffs und der ätherische Gesang von Chris James entwickeln einen energetischen Sog. Für das Video haben Grafikdesigner Tanzsequenzen kunstvoll animiert: Die Schlacht zwischen Engel und Teufel – ein visueller Rausch.

     

     




    The Kills

    “Satellite”

    Album: “Blood Pressures”

    Domino Records (Goodtogo)

    Alison Mosshart, alias VV, und Jamie Hince von The Kills kultivieren ein gepflegtes Rock’n'Roll-Image, so auch auf ihrem vierten Album “Blood Pressure”. Mossharts schwermütiger Gesang und düstere Dub-Rythmen dominieren die erste Single “Satellite”. Das Video wirft (alp-)traumartige Schlaglichter auf Roadmovie-Szenen – Regie führte die Musikvideo-Künstlerin Sophie Muller.

     

     


    PJ Harvey

    “The Words That Maketh Murder”

    Album: “Let England Shake”

    Island (Universal)

    Eine Kirche in ihrer Heimat Dorset diente PJ Harvey als Studio für ihr achtes Album “Let England Shake”. Komponiert hat sie es überwiegend auf der Zither-ähnlichen Autoharp. Es kreist thematisch um Krieg und Tod – wie die Single ”The Words That Maketh Murder”: Was zunächst wie ein harmloser Folk-Pop-Song klingt, entpuppt sich als grausige Beschreibung von Kriegsszenen.

     

     

    Kommentieren | Rebecca Hack | 02. März 2011 | 12:30 Uhr | Twittern | Facebook

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    Die Video-Tipps für Februar 2011

    Quelle: tape.tv

    Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform. In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie sich durch unseren Video-Player.

    Joan As Police Woman
    “The Magic”
    Album: “The Deep Field “
    Pias Recordings/Rough Trade 2011

    Mit ihrem dritten Album “The Deep Field” beweist Joan Wasser, alias Joan As Police Woman, dass sie auch ohne die Hilfe ihrer berühmten Freunde ein außergewöhnliches Pop-Album aufnehmen kann. Groovige Linien und eine Schmirgelpapier-Stimme zeichnen die studierte Violinistin aus. Ihre Single “The Magic” ist ein echter Ohrwurm.

     


    Broken Social Scene
    “Texico Bitches”
    Album: “Forgiveness Rock Record”
    City Slang/Universal 2010

    Homoerotisches Ringen in schwarzem Öl: Das Video zu “Texico Bitches” vom Album “Forgiveness Rock Record” des kanadischen Indie-Kollektivs Broken Social Scene liest sich als handfeste Kritik an den Öl-Multis dieser Welt. Musikalisch kommt der poppige Song gut gelaunt und leichtfüßig daher, gebrochen wird dieser Eindruck allerdings durch an Militärparaden mutende Schlagzeugparts.

      


    Jeans Team
    “Totes Kino”
    Maxi Single: “Totes Kino / Cocktailständer”
    Alkomerz 2010

    Jeans Team – das sind minimalistische Texte, Synthies, treibende Elektrobeats und strenges Staccato. Nachdem das Elektro-Duo im Oktober 2010 sein eigenes Label Alkomerz aus der Taufe gehoben hatte, schritt es bald darauf wieder zur Tat und veröffentlichte “Totes Kino / Cocktailständer”, eine Maxi-Single. Das Video zu “Totes Kino” zeugt von ungezügeltem Wahnsinn.

     
     

    This Is The Arrival
    “New York’s Got A Piece Of My Chest”
    Album: “This Is The Arrival”
    Dienje Music/Rough Trade 2010

    Von der bayrischen Schülerformation zur erfolgreichen Indie-Pop-Band: This Is The Arrival haben eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. Entdeckt und gefördert von dem Münchner Produzenten und Musiker Ron Flieger, haben die vier Jungs ihr erstes Album auch gleich auf dessen Label veröffentlicht. “This Is The Arrival” strotzt vor glänzenden Indie-Pop-Perlen, wie “New York’s Got A Piece Of My Chest”.


     




    Beatsteaks
    “Milk And Honey”
    Album: “Boombox”
    Warner Music 2011

    Viel gesagt werden muss da nicht: Die Beatsteaks sind eine Institution, der Stolz des deutschen Punkrocks. Das sechste Studioalbum der Band, “Boombox”, ist stilistisch breit gefächert. Die Klaviatur reicht von lässigem Tanzen über wildes Schunkeln bis zu Headbangen. “Milk And Honey”, die erste Single, hat Hymnen-Qualität. Sie ist zum Mitsingen gemacht – das zeigt auch das Video.


    Rae Spoon
    “Love Is A Hunter”
    Album: “Love Is A Hunter”
    Import/Pid 2010

    In seinem ersten Leben war der Transgender Rae Spoon eine Frau – davon zeugt nicht nur sein androgynes Äußeres, sondern auch seine sanfte, mädchenhafte Stimme. Mit verträumten, melancholischen Indie-Folk-Songs erinnert der Kanadier an Bands wie Azure Ray oder Rilo Kiley. Im Zentrum des animierten Clips zur Single “Love Is A Hunter” vom gleichnamigen Album steht der verletzliche, weibliche Körper.

    Kommentieren | Rebecca Hack | 31. Januar 2011 | 10:35 Uhr | Twittern | Facebook

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    Die Video-Tipps für Dezember/Januar 2010/2011


    Quelle: tape.tv

    Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform.
    In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit
    filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete
    Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den
    gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons
    “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl
    der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen
    nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie
    sich durch unseren Video-Player.

    Arcade Fire
    “The Suburbs”
    Album: “The Suburbs”
    City Slang/Universal
    2010
    Arcade Fire haben sich mit ihrem Indie-Folkrock in den letzten Jahren von feinen Songskizzen zu großformatiger Stadionunterhaltung entwickelt. Das Video zur Single “The Suburbs” – ein Zusammenschnitt aus einem Kurzfilm von Spike Jonze – vereint beide Qualitäten: Während der Song dezent-sehnsuchtsvoll Kindheitserinnerungen pflegt, bricht im Bild die Gewalt in die Vorstadt-Idylle einiger Teenagern ein.

    Sufjan Stevens
    “Too Much”
    Album: “The Age Of Adz”
    Asthmatic Kitty/Soulfood
    2010
    Sufjan Stevens schreibt einzigartig schöne Singer/Songwriter-Musik – wenn er seine akustischen Kleinode nicht gerade wie auf “The Age Of Adz” elektronischen Experimenten unterwirft. “Too Much” prüft mit seinem Video nicht nur Hör-, sondern auch Sehgewohn- heiten: Mit der grellbunten MTV-Ästhetik und der abgehackten Stop-Motion-Optik ist der Song zur Entspannung eher nur bedingt geeignet – vor allem am Ende.

    Beat!Beat!Beat!
    “We Are Waves”
    Album: “Lightmares”
    Richard Mohlmann/Universal
    2010
    Röhrenjeans und V-Ausschnitt, Schrammelgitarre und lässiger Groove: Beat!BeatBeat!s Debüt “Lightmares” klingt englisch-routiniert, dabei hat das Quartett gerade erst die Schule in seiner nordrhein-westfälischen Heimat Viersen beendet. Ihr Video zu “We Are Waves” ist durchdrungen von jugend- licher Sehnsucht und Aufbruchs-stimmung – ein Nachtbad mit Kleidung scheint da nur passend zu sein.

    Coldplay
    “Christmas Lights”
    Single: “
    Christmas Lights”
    EMI 2010

    Kleine, intime Indie-Songs haben Coldplay bekannt gemacht, weltberühmt wurde die englische Band aber erst mit Pathos-Pop und großen Gesten. Ihre Weihnachts-Single “Christmas Lights” eignet sich dafür perfekt: Zu sanften Klavierakkorden und vor charmanter Varieté-Kulisse geben sich Coldplay zunächst besinnlich, bevor Song und Video in Lampenmeer und Feuerwerk glanzvoll ausufern.

    Anajo
    “Mädchenmusik”
    Single: “Mädchenmusik”
    Tapete/Indigo 2010

    Anajo beherrschen noch die Tugend der Selbstironie: Zum aufgekratzten Powerpop ihrer Single “Mädchenmusik” zeichnen sie die ganze Vorurteilspalette nach, die ihnen im Musikeralltag begegnet: Bionade-trinkende Weicheier, bekannt von Stefan Raab, die beim coolen Stammpublikum keine fünf Minuten überleben – mit Beinahe-Punk und Wackelkamera überzeugt die Band hier vom Gegenteil.

    The Wombats
    “Tokyo [Vampires & Wolves]“
    Single: “Tokyo [Vampires & Wolves]“
    14th Floor Records
    2010
    Nie zuvor waren The Wombats aus Liverpool so tanzbar wie mit “Tokyo [Vampires & Wolves]“. Über süße Synthesizer-Pop-Fundamente und einen treibenden 4/4-Disco-Takt reißt Sänger Matthew Murphy das Leben leidenschaftlich an sich, und auch im Video kostet das Trio sein Dasein in vollen Zügen aus: Statt PR-Arbeit zu verrichten, vergnügt sich die Band lieber im bunten Tokioer Nachtleben.

    1 Kommentar | Dennis Drögemüller | 17. Dezember 2010 | 16:00 Uhr | Twittern | Facebook

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    Die Video-Tipps für November/Dezember 2010



    Quelle: tape.tv

    Musikvideos sind – wenn sie gut gemacht werden – eine eigene Kunstform. In meist nur wenigen Minuten erzählen sie dann Geschichten, spielen mit filmischen Traditionen und Ästhetiken, präsentieren üppig ausgestattete Bilder, oder sprengen als epische Mini-Spielfilme gleich ganz den gängigen Rahmen von Single-Auskopplungen (wie etwa Michael Jacksons “Thriller”-Video). Kulturzeit präsentiert deshalb monatlich eine Auswahl der besten Neuerscheinungen aus Pop, Rock und Independent, bei denen nicht nur die Musik, sondern auch das Video überzeugt haben. Klicken Sie sich durch unseren Video-Player.

    Badly Drawn Boy
    “Too Many
    Miracles”
    Album: “It’s What I’m Thinking”
    Edel 2010

    Nicht
    schlecht gezeichnet, sondern gut trickanimiert ist das neue Video “Too
    many miracles” des englischen Folk-Pop-Musikers Badly Drawn Boy: Als
    knorriges Baumgesicht thront der Künstler auf einem Hügel und singt vor
    einer liebevoll gemalten und gebastelten Umgebung, von zu vielen
    Wundern, und dass er bereit für die Liebe sei – allerdings wohl kaum mit
    dem Holzfäller, der am Schluss naht.

    The Late Call
    “Fribourg”
    Album: “You Already Have A Home”
    Tapete/Indigo 2010

    Lichtdurchflutet
    kommt der von Schlagzeug-Besen, Geigen und Bläsern durchdrungene
    Folk-Pop von The Late Call daher. Den Einfluss des heimischen Stockholm
    hört man dennoch – in Form einer leicht melancholischen, verträumten
    Note. Die schlichte Schönheit braucht dann auch kein aufwändiges Video
    mehr: Die Band, ein Fjord, etwas Dämmerlicht – das genügt.

    My Chemical Romance
    “Na Na Na”
    Album: “Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys”
    Reprise/Warner 2010

    Ganz werden My Chemical Romance wohl nie aus der Emo-Szene heraus- wachsen, auch wenn die Haare von Sänger Gerard Way mittlerweile in lebensbejahendem knallrot erstrahlen. Die Freude an Pathos und Bombast jedenfalls zeigt sich im Video zu “Na Na Na”: Verfolgungsjagden, Laserpistolen und ein Haufen bunter Kostüme verzieren den eingängigen Indierock.

    Get Cape. Wear Cape. Fly
    “The Uprising”
    Album: “Get Cape. Wear Cape. Fly”
    Cooking Vinyl/Indigo 2010

    Sam Duckworth propagiert den Aufstand: “The Uprising” ist eine kraftvoll-euphorische Indie-Hymne, die im Video eine kritische Note erhält: Wie in einem US-amerikanischen Nachrichtenformat singt Duckworth seinen Text einem Moderator entgegen, während in der Bild-im-Bild-Optik Statistiken über Kriege, lustige Pannenclips und der Songtext als Newsticker laufen.

    Darwin Deez
    “Constellations”
    Album: “Darwin Deez”
    Lucky Numbers/Rough Trade 2010

    Der Oberlippenbart! Die Schläfenlocken! Das Stirnband! Darwin Deez aus New York pflegt mit Mut zur Hässlichkeit einen mondänen Szene-Chic, während “Constellations” dem Sound der Strokes mit Leichtigkeit Funk und Soul beibringt. Das Video versetzt den schrägen Musiker in eine passend surreale Film- und Glitzerwelt mit 1950er-Jahre-Touch, in der jener sich aber offenbar etwas verloren fühlt.

    Asa
    “Be My Man”
    Album: “Beautiful Imperfection”
    Naïve/Indigo 2010

    Die französische Asa hat nicht nur die Stimme für ihren warmen 1960er Soul- und Motown-Sound, sondern auch ein superbes Video zur Single “Be My Man” inszeniert: In einem Soulfood- Restaurant lässt sie ihren Mann charmant wissen, wer das Sagen hat. Wem die Szenerie mit Choreografie-Tänzern arg bekannt vorkommt, der sollte auf die beiden Sonnebrillen- Träger am Tresen achten…

    Fotos
    “Mauer”
    Album: “Porzellan”
    Snowhite/Universal 2010

    Eine Rio-Reiser-Melodie, Schwarz-Weiß-Ästhetik, Handclap-Drums und ein Schützenfest – das sind die groben Eckpunkte für Fotos “Mauer”-Video. Im ersten Moment fühlt sich die fröhlichen Gesangslinie zwar gar nicht so bedrückend an wie der Text es nahelegt. Wenn sich die Bilder jedoch flackernd und mit präziser Monotonie Minute für Minute wiederholen, wird das Stück langsam düster und bedrohlich.

    Hundreds
    “Solace”
    Album: “Hundreds”
    Sinnbus / Rough Trade 2010

    Schon “Solace” selbst lädt mit seinem elegischen Space-Pop zum Schweben ein. Die Science-Fiction-Umgebung des Videos stützt den Eindruck: Streiflichter, eine von tiefroten Notlichtern erleuchtete Umgebung, blinkende Steuerelemente eines Raumschiffs, Zeitlupenaufnahmen – und Sängerin Eva Milner, deren reflektierendes Raumanzugs-Visier an Stanley Kubricks “2001″ erinnert.

    Flying Lotus
    “Kill Your Co-Workers”
    EP: “Pattern+Grid World”
    Warp/Rough Trade 2010

    Der elektronische Sound von DJ und Soundtüftler Steven Flying Lotus zwischen Lo-Fi-Videospiel, softem Breakbeat-Fundament und Pop-Anwandlungen ist schon für sich eine Hausnummer. Das Video zu “Kill Your Co-Workers” dürfte auch Design-Studenten verzücken: In einer Optik zwischen technischer Skizze und Legoland verwandeln Roboter eine Straßenparade in ein Pixel-Blutbad.

    Kommentieren | Dennis Drögemüller | 01. Dezember 2010 | 11:45 Uhr | Twittern | Facebook

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    1995-2010: 15 Jahre Musikvideos in Kulturzeit



    Quelle: tape.tv

    In 15 Jahren Kulturzeit wurden zahreiche Musikvideos gespielt. Von hoher Videokunst bis zum krachigen Rausschmeißer, von internationalen Superstars bis zu nationalen Entdeckungen – es war viel Bemerkenswertes und Erinnernswertes dabei. 15 Videos einiger der wichtigsten Popkünstler der letzten 15 Jahre haben wir zum Kulturzeit-Jubiläum noch einmal für Sie herausgesucht. Viel Spaß mit unserer Musik-Zeit-Maschine!

    1995: “Scream”

    Michael/Janet Jackson

    “HIStory”, Epic (Sony)


    Für “Scream” arbeitete der King of Pop mit seiner Schwester Janet zusammen. Mit sieben Millionen Dollar gilt der Clip als das teuerste Musikvideo aller Zeiten. Laut Regisseur Mark Romanek auch nur deshalb, weil die Geschwister innerhalb kürzester Zeit einen außergewöhnlichen Clip wünschten. Der Etat ging also nicht für die aufwändige Bearbeitung, sondern für die schnelle Umsetzung drauf. “Scream” wurde bei den MTV-Awards 1995 zum besten Tanz-Video gewählt.


    1996: “Street Spirit”
    Radiohead
     ”The Bends”,
    Parlophone (EMI)

    Ein Container-Park bei Nacht. Mit entrückten Bildern in schwarz-weiß, gespickt mit Slow-Motion-Effekten, trifft Jonathan Glazer die melancholische, bedrückende Stimmung des Radiohead-Songs.
    Beim dem Nacht-Dreh sind die Bandmitglieder so müde, dass der Regisseur die Musiker für deren Einsatz immer wieder aus dem Schlaf reißen muss. Da in dieser Nacht kaum brauchbares Material von Sänger Thom Yorke zustande kam, wurden seine Szenen nachgedreht.


    1997: “Everlong”

    Foo Fighters

    “The Colour And The Shape”,
    Rca Int. (Sony)

    Dave Grohl macht sich mit Riesenhänden als Waffe auf die Jagd nach Gangstern, die im Traum seine Frau bedrohen. Beim “Kinderfilme-
    macher für Erwachsene” Michel Gondry dreht sich auch im Video-Clip zu Everlong alles um sein Lieblingsthema “Träume”. Mit Vergnügen jagt er die Musiker durch Parallelwelten… Der Song ist die Single – Auskopplung aus dem 2. Album der Foo Fighters.


    1998: “Frozen”

    Madonna

    “Ray Of Light”,
    Warner 

    Neuer Sound – neues Image. Mit “Frozen” erfindet sich Madonna neu. Der düstere, mystisch angehauchte Clip katapultiert sie an die Chart-Spitze und löst einen neuen Esoterik-Boom aus. Dabei gefällt Madonna das Endergebnis ihres Video-Drehs überhaupt nicht, bei dem sie Regisseur Chris Cunningham freie Hand gibt. Nur mit viel Geduld lässt sie sich zur Freigabe des Clips überreden.


    1999: “All is full of love”

    Björk

    “Homogenic”,
    Polydor (Universal)


    Cyber-Sex bekommt eine neue Dimension: “kama sutra meets industrial robotics” beschreibt Cunningham die Idee für sein Video.
    Björk in der Rolle von zwei Robotern, die zusammengeschraubt werden, zum Leben erwachen und sich verlieben. Beim Dreh gab es allerdings keine funktionierenden Roboter. Jegliche Bewegung ist Computer animiert.


    2000: “Island in the Sun”

    Weezer

    “Weezer (The Green Album)”,

    Geffen (Universal)

    Wie possierlich – zu entspannten Gitarrenriffs knuddeln die Weezer-Jungs mit kleinen Hündchen, Äffchen und…Braunbären.
    Da den MTV -Machern die erste Version des Videos, das Weezer auf einer mexikanischen Hochzeit zeigt, missfiel, wurde die zweite Version vorgezogen und weit öfter gespielt. Diese drehte kein geringerer als Spike Jonze, dem Regisseur von “Being John Malkovich” und “Adaption”.


    2001: “Clint Eastwood”

    Gorillaz

    “Gorillaz”,
    EMI

    Mit “Clint Eastwood” -  2001 jedermann durch den Opel Zafira- Werbespot im Ohr, startet die virtuelle Band ihre Weltkarriere. Niemand weiß so genau, wer hinter 2D, Noodle, Murdoc Nicalls und Russell Hobbs stecken. Bekannt ist nur, dass Blur-Sänger Damon Albarn und Zeichner Jamie Hewlett als kreative Köpfe im Hintergrund das Zepter führen.


    2002: “Hurt”

    Johnny Cash

    “The Man Comes Around”,
    Mercury (Universal)

    “Hurt” ist kein einfaches Musik-Video. Es ist ein eindrückliches Portrait des altersschwachen Sängers geworden, der auf sein bewegtes Leben zurück blickt. Für  Cash war es das letzte Video, er und seine Frau June starben wenige Monate nach der Fertigstellung. Unvorbereitet und unter Zeitdruck drehte Mark Romanek in Cashs Haus in Nashville und im Cash-Museum. Alte Filmausschnitte machen den Clip besonders berührend.


    2003: “Time Is Running Out”

    Muse

    “Absolution”,
    Universal

    Verzerrte Bass-Lines, ausuferndes Gitarrenspiel und Matthew Bellamys eindringlicher Gesang – Muse auf dem Konferenztisch bringt sogar Militärs zum Tanzen! Die Band, die sich nicht festlegen will, überzeugt auch bei “Time Is Running Out” mit ihrer typischen Mischung aus tieftraurigem und wütend- verzweifeltem Rock.


    2004: “Denkmal”

    Wir sind Helden
    “Die Reklamation”,
    Virgin (EMI)

    Mit cleveren Texten und ihrer unglaublich sympathischen Aura erobern “Wir sind Helden” 2003 die Herzen der Deutschen im Sturm. Im Video zu “Denkmal” kommt man den Musikern dann auch ziemlich nahe: es geht auf Tour mit den Helden. Man schnuppert Backstage -Luft, ist hautnah beim Live-Konzert anwesend und darf Pola sogar bis in die Dusche folgen.


    2005: “Speed of Sound”

    Coldplay

    “X&Y”,
    Parlophone (EMI)


    Schwelgen in Licht, Farbe und Sound. Allein ein buntes Lichtspektakel prägt die Atmosphäre in Coldplays minimalistischem Video. Keine Story, keine Schauspieler oder Statisten lenken von der Musik ab. Die Band performt vor einer riesigen LED-Wand, die Lichteffekte wechseln dank moderner Technik mit musikalischen Impulsen oder auf Chris Martins Gesang.


    2006: “Dani California”

    Red Hot Chili Peppers
    “Stadium Arcadium”,
    Warner 

    Ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte mit den Chili Peppers:
    Von Elvis über Prince zu Nirvana, von den Beatles, zu Bootsy Collins und David Bowie. In ihrem Video macht die Band  im Schnelldurchlauf sämtliche Stilrichtungen der letzten 5 Dekaden durch. Beat, Funk, Glam Rock, Punk oder Grunge – zumindest visuell – ist alles geboten. Nachdem Mark Romanek abgesagt hatte, wurde Tony Kaye, Macher vom “American History X”, als Regisseur ausgewählt.


    2007: “Harm Rochel”

    Turbostaat

    “Vormann Leiss”,
    Same Same But Different (Warner)

    “Leb doch mehr wie deine Mutter. Leb bloß nicht wie ich”. Um die Botschaft an den Mann zu bringen, spielt Dieter, ein Hamburger Lehrer, die Hauptrolle im Video zu “Harm Rochel”. Sänger Jan leiht im dafür auch seine Stimme. Der Rest der norddeutschen Punk-Rocker ist in Nebenrollen zu bewundern.


    2008: “Alles neu”

    Peter Fox
    “Stadtaffe”,
    Downbeat Records (Warner)


    Laut Pierre Baigorry, so heißt Peter Fox mit bürgerlichem Namen, handelt es sich bei einem “Stadtaffen” um einen “neurotischen Großstadtbewohner, der in dem ganzen Affentheater seinen Platz sucht”. Von Stadtaffen im wahrsten Sinne des Wortes, wimmelt es im Video-Clip von “Alles neu” dann auch nur so. Für den ungewöhnlichen Sound sorgen zwei Schlagzeuger plus Orchester.


    2009: “Deine Pläne”

    Die Sterne

    “24/7″,
    Materie Records

    Weniger Gitarre, mehr Synthie – “Die Sterne” melden sich nach längerer Pause mit Elektro-lastigem Sound zurück.
    Mit nur kleinem Budget und wenig Zeit wurde das Video zu “Deine Pläne” an zwei Tagen im Vereinsheim des BVB in Berlin Lichtenberg gedreht. Die benötigten Statisten rekrutierten die Mitwirkenden allesamt aus dem Freundeskreis.


    2010: “Computer in Love”

    Bonaparte

    “My Horse Likes You”,
    Staatsakt


    Handelt es sich bei Bonaparte um eine Trashpunkband? Ein Lo-Fi-Punk-meets-Zirkus-Konzept? Um ein Elektro-Clash-Punk-Kollektiv?
    Ist das Video eine Liebeserklärung an die digitale Lebenskultur oder eine Kampfansage ans mediale Zeitalter? Wird der Menschen zum Computer oder der Computer zum Menschen? Sind die Bausteine eher aus Tetris oder doch bekannt von den Super-Mario-Brothers? Fragen über Fragen…

    Kommentieren | [3sat] Stefan Müller | 29. September 2010 | 16:51 Uhr | Twittern | Facebook

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    In der „Musikmaschine“ präsentiert die 3sat-Kulturzeit-Redaktion regelmäßig neue und ausgewählte Musikvideos – in freundlicher Zusammenarbeit mit dem online Musikfernsehsender „tape.tv“.
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