Oliver – Scheiden tut weh (Folge 3)
Das Kind – Opfer einer Trennung…da haben wir wohl einen Klassiker diesmal dabei. Ich möchte hier zur Threaderöffnung wenig sagen – da spielt mir einfach zu viel mit herein, ich empfinde Hilflosigkeit und Wut auf soviele Eltern, die ihre Kinder dafür benutzen, um sich beim Partner für Verletzungen zu rächen.
19 Kommentare | 08. März 2011 | 10:18 Uhr |
|
Allgemeiner Kommentar:
Liebe 3sat-Redaktion,
warum bekommt diese supertolle Serie einen so späten Sendeplatz, und das auch noch am Montag? Und sehr gerne hätte man auch wieder zwei Folgen hintereinander gesehen, so wie es in der ersten Staffel war. Schade, schade…
Auch hier wollte ich auf einen Kommentar von Rattenbart antworten, was nun leider nicht mehr möglich ist, weil der ebenfalls “entschwunden” ist. Schade!
Es ist schon komisch wie 3Sat mit seien Zuschauern umgeht, aber alles Jammern hilf nichts, und hier wird schon viel gejammert.
Hilfreich fand ich diesen Artikel
http://www.geo.de/GEO/mensch/medizin/3231.html
Bin natürlich auf der Position von Professorin Hyames.
Unser Fall ist natürlich umgekehrt zu den klassischen Fällen im Alltag. Mich beschleicht so das Gefühl, dass der unbewusste Hass in diesem Beispiel auf der Seite des Vaters ist. Auch wenn der Hass jetzt auf der Seite des Mannes ist, hat er die gleiche Funktion. Sich zu trennen und dazu ist ein neuer Partner genau richtig.
Oliver wird mal ein spassigen Beziehungsleben haben (Ironie).
Hm, was ist für ein Kind besser? Eine Scheidung oder die Kindheit mit den sich ständig streitenden Eltern? Genauso könnten wir uns fragen, ob die Cholera oder die Pest besser sei. Ich denke, da sind wir uns alle einig, dass sowohl das eine als auch das andere sehr schlecht ist.
Deswegen würde ich den Vater mit einer neuen Freundin nicht als einen Verräter sehen und die Mutter nicht als eine Heldin, die scheinbar um ihres Sohnes willen sich selbst aufopfern möchte, um ihre Ehe zu retten.
Aber egal, ob die Eltern zusammen bleiben oder nicht, wichtig ist nur, dass sie in dieser schwierigen Zeit mit Oliver eine Beziehung haben, mit ihm offene Gespräche führen. Denn nur dann wird sowohl die “Cholera” als auch “die Pest” irgendwann ausheilt werden ohne bleibende Schäden, die Olivers ganzes Leben vermiesen werden.
Ich bin nur froh, dass Oliver Paul hat und die Eltern, die zwar nicht wirklich verstehen, was los ist, aber wenigstens sich bemühen. Immerhin.
Ohne bleibende Schäden???
Schön wär’s ja – aber erreichbar ist es kaum. Selbst wenn man “Leben” auffasste als permanente Bearbeitung von “Beschädigungen” – offene Gespräche, Trennungen nicht in Feindschaft, selbst wenn in Freundschaft… hinterlassen sie nicht zwangsläufig zerstörte innere Landschaften…wie nach einem Tsunami oder Hurrikan ???
Wie einsam muß sich ein Kind fühlen, das so von seinen Eltern im Stich gelassen wird. Oliver strengt sich so an, es seinen Eltern recht machen zu wollen, was natürlich gar nicht funktionieren kann, dass er erschöpft auf Pauls Couch im Wartezimmer einschläft. Versucht er es seiner Mutter recht zu machen, ist der Vater “beleidigt” und umgekehrt mit der Mutter das gleiche Spiel. Dass diese Eltern so sehr um ihre ungelösten Konflikte kreisen und die “wirklichen” Bedürfnisse ihres Sohnes, nicht die die sie dafür halten, überhaupt nicht wahrnehmen, ist empörend. Dass sie aber einen Therapeuten aufsuchen, läßt ein wenig hoffen, aber die haben noch einen weiten Weg vor sich und ob sie das Durchhaltevermögen haben, ist fraglich. Wie gut, dass Oliver wenigstens in den Gesprächen mit Paul sagen kann, was wirklich mit ihm los ist. Gleichzeitig wird aber auch Paul einiges klar, was seinen eigenen Sohn angeht. Genial gemacht! Ich habe tiefes Bedauern mit Oliver.
Ist es euch auch aufgefallen? Als die Drei in dieser Folge gemeinsam auf der Couch saßen, waren Olivers Vater, sowie Oliver tief in die Sofakissen eingesunken, während Olivers Mutter fast schon über Couch zu schweben schien.
Hier nachzusehen:
http://www.bilder-hochladen.net/files/i1oe-1.jpg
Hallo Chuck, das sieht tatsächlich so aus. Interessant! Aber was schließen sie daraus?
Ich weiß es nicht genau. Ist das Zufall oder haben sich die Macher der Serie etwas dabei gedacht?
Von der Haltung der Mutter her, die ja “etwas über der Realität zu schweben scheint” und nicht wahr haben will, was offensichtlich ist, würde es ja passen.
Das ist eine gute Erklärung, Chuck. Ich weiß nicht, wie bewusst oder unbewusst von den Machern der Serie so arrangiert wurde, aber es passt.
Ja, die Scheidung bedeutet das Ende der Kindheit, was der Vertreibung aus dem Paradies gleichkommt. Aber was ist die Alternative? Die Eltern, die miteinander nicht klar kommen und anfangen sich zu hassen? In manchen Familien ist die Scheidung so etwa wie: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Wenn alles so drunter und drüben geht, denn die Scheidung wurde beschlossen, sind die Eltern selbst verloren und durcheinander, so dass sie für keinen eine große Hilfe sind, nicht einmal für sich selbst. Man muss ja auch in die Situation der Eltern hineindenken, auch ihre Welt ist zerstört worden. Sicher sie selbst sind dafür mitverantwortlich, aber das macht den Schmerz nicht weniger.
Trotzdem sie haben eine Verantwortung gegenüber ihren Kindern, die ja einerseits die unschuldigen Opfer sind andererseits hilflos der Situation ausgeliefert sind.
Was ich sagen will, ist: Während jeder Scheidung läuft sehr viel schief, die Frage ist nur, wie schief. Und es ist für mich schwierig da jemandem Schuld zuzuschieben.
Meiner Meinung könnte in Olivers Fall noch viel schlimmer sein. Die Eltern versuchen wenigstens. Der Vater bemüht sich um den Sohn, die Mutter erzählt keine Geschichten wie schlimm der Vater ist u.s.w.. Aber trotzdem hat Oliver es schwer, wie jeder in seiner Situation hätte…
Auch hier sehe ich eine Parallele zu Paul. Auch er war ein Scheidungskind, das mit einer zum Leben unfähigen Mutter allein gelassen wurde. Auch sein Vater war plötzlich mit einer neuen Freundin, was die Mutter nicht gut verkraften konnte. Und wir wissen ja, was für Schäden es bei Paul hinterlassen wurden. Aber Olivers Vater ist nicht weg vom Fenster, und Oliver hat Paul.
Meiner Meinung ist die Scheidung erst dann nie wieder gutzumachendes Übel, wenn sehr viel schief läuft. Wenn dennoch die Fehler an beiden Seiten sich in Grenzen halten, wird das Kind es überstehen. Andernfalls werden viele Jahre vergehen bis er bindungsfähig wird. Wenn überhaupt…
Es ist immer wieder empörend, dass die Eltern nicht merken, was mit ihrem Kind los ist. Rührend war die Abschlußszene in der Küche, als Paul Oliver Brote geschmiert hat. Da sind sich die beiden ziemlich nahe gekommen. Wie gut, dass Oliver mit seiner Not wenigsten von Paul “gesehen” wird.
Bei allem Verständnis für die Eltern, für die die Trennung ja auch ein ziemlich schwieriger Prozess ist (mehr noch für die Mutter, der Vater hat sich ja relativ schnell getröstet), kümmern sie sich einfach zu wenig um das seelische Wohl ihres Kindes. Dass sie so gar nicht merken, in welchen Nöten Oliver steckt, ist schwer nachvollziehbar. Mir tut das Kind sehr leid, vielleicht auch deshalb, weil ich auch mit so furchtbar zerstrittenen Eltern aufgewachsen bin.
“Rührend war die Abschlußszene in der Küche, als Paul Oliver Brote geschmiert hat”
Ich schreibe das erste Mal im Blog – habe mir gerade die Folge von gestern angesehen (ist ein bisschen spät ;o)) und kann mich Anna nur anschließen! Es ist nicht als berührten mich nicht viele Momente in dieser wunderbaren Sendung, aber die Küchenszene mit Oliver und der liebevolle Ausdruck in Pauls Gesicht war schon besonders! Wenn ich Annas Eintrag weiterlese kam mir in den Sinn (auch begründet auf der Erfahrung mit dauerstreitenden Eltern, was zur Folge hatte, dass ich oft das Gefühl habe, ich kann gar nicht “richtig”/konstruktiv streiten und daher oft Konflikten aus dem Weg gehe), dass, um sich um das seelische des Kindes oder eines anderen Menschen wirklich kümmern zu können, man wissen muss wie man sich um sich selbst kümmert. Da die Mutter ihr schlechtes Gewissen kaum verbergen konnte, ist es auch für Oliver schwierig mit ihrem Wegfahren umzugehen und verstärkt meines Erachtens sein Gefühl, er hat Schuld, dass besonders die Mutter nicht glücklich ist.. oops, jetzt bin ich richtig ins Schwafeln geraten.. das macht Spaß. Ich grüße alle Fans meiner Lieblingsserie, meine Mutter … hahaha. Gute Nacht.
@Anna, bin froh, dass es noch andere Menschen gibt, die so intensiv das Gesehene verarbeiten und sich darüber so offen äußern! Fühle mich dadurch Dir unbekannterweise sehr verbunden! Gruß von Sonja
Danke, Sonja, für die Rückmeldung. Ich habe mich darüber gefreut.
Ist es zu weit gegriffen, wenn man feststellt, dass beide Eltern in ihrem Egoismus Oliver nur noch am Rand wahrnehmen und sein Verhalten möglichst positiv für sie selbst deuten?
Hallo Chuck. Ja, ich finde, das ist teils so und nicht zu weit gegriffen.
Man denke mal an der Abschied der Mutter. Der unbefanbgene Zuschauer glaubte ihr wohl zwar in ihrer Zuwendung zu ihrem Sohn, Oliver selbst aber eindeutig nicht, zumindest halbbewusst nicht. Dass er auf Grund seiner Ohnmachtsgefühle vom Weggeben sprach, war für mich ein Hinweis, dass vermutlich hintergründige Signale der Mutter eine ganz andere Sprache sprechen.
@Anna, ich war auch gerührt von der Abschiedsszene. Einsam und alleingelassen fühlte sich Oliver schon vor dem Abschied der Mutter. Nun wurde alles noch um eine Stufe schlimmer und dann kam auch noch der Vater nicht daher. Armes Bürschchen.. er musste sich ja nun gänzlich verlassen fühlen.
Wow, es braucht harte Bandagen, um das ummauerte Herz des Olivervaters zu erreichen.
Es ist gelungen.
Oliver wird ELTERN bekommen durch diese Therapie, was für ein Segen!
Pauls Idee, mit Oliver in der Sitzung zu telefonieren, fand ich genial! Auf diese Weise hat er gezeigt, dass die Bindung die Trennung übersteht, und dass das Telefonieren eine Möglichkeit für Oliver ist, sich in der Not an Paul zu wenden. Nur das Angebot zu machen, hätte nicht diese Wirkung haben können.
Dagmar
I am visiting your site for a past one month. I feel happy by reading these blogs.