Superwetter!

Ein Tafeleisberg – zum Greifen nah!

Donnerstag, 07.02.2013. Heute sieht man an Bord nur glückliche, entspannte, lächelnde Gesichter. Alles, was Beine hat, ist an Deck, wenigstens für ein paar Minuten. Selbst “Sysman“ Andreas Winter, der sonst in einem fensterlosen Raum mittschiffs für Laptops, Bordrechner, Netzwerke, Drucker und für die Verbindung mit dem Rest der Welt sorgt, lässt sich einen Blick nach draußen nicht entgehen.

Andreas ist unser bester Verbündeter, wenn es um die Tücken der Übertragungstechnik geht. Unsere Kollegen in Mainz haben uns empfohlen, mit unserer Satellitenübertragungsanlage Abstand zu Metall zu halten. Aber wie soll das gehen, wenn man auf einen Schiff ist, das von oben bis unten aus massivem Stahl besteht? Und rundherum nichts als Hunderte von Meilen schaukelnder, berstender Eisschollen?? Gestern hat unsere BGAN plötzlich gestreikt. Aber Andreas hatte eine Lösung. Er hat uns ein bisschen von seiner Bandbreite abgezwackt, und wir konnten überspielen: für einen Drei- Minuten-Beitrag knapp drei Stunden Übertragungszeit. Aber es hat geklappt!

Schon heute früh, bei Sonnenaufgang, waren die Eisspitzen, die aus der fast geschlossenen Eisfläche um uns herum wie kleine Berggipfel herausstechen, rosa überhaucht. Anscheinend hat es in dieser Gegend vor Kurzem geschneit. Eine frische Schicht Puderzucker macht alles noch strahlender weiß. Am Horizont glänzen mindestens ein Dutzend großer Tafeleisberge im Sonnenlicht. Unser Heimatstern strahlt mit sagenhaften 500 Watt pro Quadratmeter auf uns herab! Dabei hilft die Reflexion der vielen weißen Flächen um uns natürlich kräftig mit.

Pinguine flitzen über die Eisschollen, teils auf dem Bauch rutschend, teils watschelnd und aufgeregt mit den Flügelstummeln schlagend. Die Sicht ist großartig – rund 50 Kilometer in alle Richtungen! Selbst unser Heli, der einen Tag Zwangspause hatte, kann nun wieder fliegen.

Hubschrauber im Anflug

Wir “parken“ gerade, um den Kranzwasserschöpfer in die Tiefe zu schicken. Dazu bleibt das Schiff für ein, zwei Stunden an einer Stelle “stehen“ und hält mit dem Heckstrahlruder während dieser Zeit eine Stelle möglichst eisfrei. Rundherum Polaridylle pur: Einzelne Robben lungern in der Sonne herum, große Vögel spazieren auf der Suche nach Nahrung zu Fuß um unser Schiff …

Der Kranzwasserschöpfer

 

Autor: Hildegard Werth

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Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin arbeitet seit über 30 Jahren für das ZDF. Hildegard Werth ist die dienstälteste Reporterin des "heute-journals" und im Sender die Expertin für Raumfahrt.
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4 Kommentare

  • Dr. Hans-Dieter Piehl
    08.02.2013, 09:53 Uhr.

    Sehr geehrte Frau Werth,
    ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Reportagen; sie sind eine sehr interessante Ergänzung zu den Informationen, die sonst von der Polarstern zur Verfügung stehen. Ich wünsche Ihnen und allen an Bord viel Erfolg und eine glückliche Heimkehr. Ein besonderer Gruß an die beiden Meteorologen!

  • Jutta Albrecht
    08.02.2013, 10:40 Uhr.

    Hallo Frau Werth,
    wir freuen uns immer, die Seite zu öffnen und wieder ist
    ein neuer Beitrag und atemberaubende Fotos, vielen Dank dafür, was für ein Glück.Wir sind sehr stolz, was die
    Wissenschaftler für die Nachwelt tun, und die Polarstern ist Spitze und natürlich die Mannschaft.
    Alles Gute weiterhin an Bord, maximale Erfolge und bis bald in Deutschland im Frühling.Unser Sohn ist auch an Bord,
    ein Physiker.
    Liebe Grüße Jutta Albrecht aus MV

  • lujevi
    08.02.2013, 11:11 Uhr.

    Hallo Frau Werth,
    sind das grandiose Bilder!!!!!!!!!Jetzt wäre ich auch gern bei Ihnen an Bord!
    Das entschädigt sicher für die vielen Probleme mit der Übertragungstechnik.
    Lassen Sie sich nicht unterkriegen und bleiben Sie alle
    weiterhin so neugierig auf die vielen Geschenke, die die Natur für uns bereit hält.

    Gruß aus Berlin von lujevi

  • Heino Paulisch
    08.02.2013, 23:04 Uhr.

    Hallo, Frau Werth,
    Urlaub sieht wohl anders aus – machen Sie ja wohl auch nicht – oder? Am “Ende der Welt” ist die hier selbstverständliche Verfügbarkeit des Internets wohl deutlich eingeschränkt. Kaum zu glauben für einen verwöhnten Festland-User. Deshalb schaue ich mir Ihre Bilder (und die von Herrn Lüschen) besonders intensiv an und genieße sie, wie ein besonderes Stück Schokolade ;-)
    Ihre Berichte und Bilder verschaffen mir den “Blick über den Tellerrand” und lassen mich ahnen, wie wichtig die Arbeit an Bord der Polarstern ist. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Forscher , die Grundlagen für unser aller Wohlergehen erforschen und dafür allerlei Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen.
    Ich freue mich auf Ihren Abschlussbericht und wünsche Ihnen und Herrn Lüschen gute Gesundheit und viel Freude bei Ihrer anstrengenden Arbeit!
    Herzliche Grüße von einem Laien, der sehr interessiert Ihre Arbeit verfolgt.
    H. Paulisch

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