Unliebsamer Beifang

Mittwoch, 06.02.2013. Erwartungsvoll haben Volker Siegel und Ute Mühlenhardt-Siegel in der Nacht ihr Krillnetz ausgebracht, aber Krill haben sie nur wenig gefangen. Statt dessen jede Menge Quallen, darunter zwei grosse, schwere und erstaunlich feste Exemplare, denen man vielleicht lieber nicht im Meer begegnen möchte, auch wenn sie ungefährlich sind:

Periphylla Periphylla

Hübsch anzusehen dagegen sind die meeresfrisch duftenden kugeligen Quallen, die ganz glatt und fest sind und kein bisschen schleimig oder glibberig:

Calicopsis Borchgrevinki

Nummer drei in der Kollektion ist Tomopteris Carpenteri, ein Borstenwurm, der ein rötlich-bräunliches Vorder- und Hinterteil hat und in der Mitte transparent ist:

Tomopteris Carpenteri

Es sind Arten, die typisch sind für den antarktischen Zirkumpolarstrom. Nur Periphylla ist weiter verbreitet und kommt auch in größeren Tiefen vor. Seltsamerweise zählen die drei zum Plankton, obwohl man sich als Laie darunter etwas viel Kleineres vorstellt. Ihre größten Feinde sind die Flohkrebse. Sie setzen sich außen auf die Quallen, knabbern sie an und fressen sich sogar bis in die Eingeweide durch!

 

Autor: Hildegard Werth

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Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin arbeitet seit über 30 Jahren für das ZDF. Hildegard Werth ist die dienstälteste Reporterin des "heute-journals" und im Sender die Expertin für Raumfahrt.
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4 Kommentare

  • Günter"Yogi"Lauke
    07.02.2013, 10:31 Uhr.

    Toller Beifang! Ja…sowas gibts halt im Weltraum nicht!

    • Günter"Yogi"Lauke
      07.02.2013, 10:33 Uhr.

      Unvergesslich: Mein erster Kontakt mit Feuerquallen in Dänemarks Ostsee!!

    • Kathrin P.
      07.02.2013, 17:20 Uhr.

      das stimmt!
      und da uns das so fremd ist, haben Meeresorganismen schon in einigen Filmen als außerirdische Kreaturen mitgewirkt.
      Besonders schön finde ich das Tiefsee-Krebstierchen Phronima, das (nur angeblich?) den Aliens in dem gleichnamigen Film (zumindest der Königin) Pate gestanden hat – und das nicht nur vom Aussehen her, sondern auch vom Verhalten.

      ich habe dazu einen schönen Link gefunden, der aber leider auf englisch ist (falls ich das hier veröffentlichen darf):
      http://arthropoda.wordpress.com/2009/12/10/did-phronima-inspire-the-design-of-the-alien-queen/

      Es kommt jetzt zwar genau nicht in den Polargebieten vor, passt aber zum Thema finde ich.

  • Arne Jensen
    07.02.2013, 13:06 Uhr.

    Toll, was da so ans Tageslicht kommt, auch wenn es den Wissenschaftlern bereits bekannt ist, so staunt der Laie. Gut 70% der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt und wir wissen doch verhältnismäßig wenig über all die vielen kleinen und großen Wunder da unten. In Abwandlung der Worte Johann Wilhelm Kinaus, besser bekannt als der Autor Gorch Fock, stelle ich fest „sience nescesse est“.

    Als ich die drei oben abgebildeten Arten googelte, gab es bei der „Calicopsis Borchgrevinki“ nur drei (!) Einträge, wobei der eine davon dieser Blog war. Anders ist es mit dem Borstenwurm „Tomopteris Carpenteri“. Der hat es sogar schon mal auf eine Briefmarke geschafft. (British Antarctic Territory)

    In Ihrer Rubrik “Ungeduldige Wissenschaftler“ vom 05.Feb.13 berichten Sie , dass auf den abgeflogenen 1775 km fast 100 Wale beobachtet werden konnten. Ist das eine erfreuliche Anzahl, oder hat das Wal-Team mehr erwartet?
    Jeder neue Tag Ihres Blogs übermittelt Überraschungen und Wissenswertes, was somit auch unseren tristen Landalltag hilft aufzuhellen.

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