Schiff der offenen Türen

Donnerstag, 24.01.2013. 100 Leute auf engem Raum, und keiner schließt die Tür ab? Ja, das geht! Es gibt nämlich gar keine Zimmerschlüssel …  ;-)

Es gibt zwei Spezies von Bewohnern an Bord (Biologen, verzeiht mir, das
ist nicht wissenschaftlich gemeint!) Das eine sind die Profi-Seeleute, die
das Schiff managen. Das andere sind die Expeditionsteilnehmer, die
vielleicht nur einmal in ihrem Leben mitfahren (oder auch ihr ganzes
Leben lang immer wieder).

Auf der Polarstern wohnt man in Zweierkabinen, die hier “Kammern” heißen,
auf gefühlten zwölf Quadratmetern mit Stockbetten, zwei schmalen Spinden,
zwei kleinen Arbeitstischen, einem Stuhl, einem Sofa und einer kleinen
Nasszelle.

Leider kann man die Bullaugen nicht aufmachen, um etwas frische Luft
hereinzulassen. Denn die Klimaanlagenluft ist schon sehr trocken (Naja,
das ist im Büro auch nicht anders).

Wer mit wem die Kammer teilt, bestimmt der wissenschaftliche Fahrtleiter
gemäß Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und Intuition. Danke Julian,
meine Zimmergenossin Chantal ist einfach liebenswert!

Fast alle lassen ihre Kammertüren offen stehen und ziehen nur den Vorhang zwischen dem winzigen Vorraum und der Schlafkammer zu. Das bedeutet: “Komm’ gerne herein, ich freue mich über Besuch”. Wenn aber eine Tür geschlossen ist, dann bedeutet das, dass die Bewohner wirklich in Ruhe gelassen werden wollen. Dann ist selbst Anklopfen tabu. Wenn was wirklich Wichtiges ist, gibt’s das Telefon.

Für Leute, die zufällig Goldbarren dabei haben, gäbe es auch einen Safe
;-) Aber es käme mir absurd vor, in diesem Schiff, auf dem das
Zusammenleben durch gegenseitiges Vertrauen geprägt ist, etwas
wegzuschliessen.

Autor: Hildegard Werth

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Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin arbeitet seit über 30 Jahren für das ZDF. Hildegard Werth ist die dienstälteste Reporterin des "heute-journals" und im Sender die Expertin für Raumfahrt.
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Ein Kommentar

  • Mario
    26.01.2013, 15:27 Uhr.

    “… gegenseitiges Vertrauen …”:
    Wäre schön, wenn die Welt eine “Polarstern” wäre…

    Viele Grüße aus dem kalten Deutschland (-7°C, brrr…)

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