Kinder, wie die Zeit vergeht

Donnerstag, 24.01.2013. Wir sind schon den dritten Tag auf See und haben gut zu tun. Ein Ereignis jagt das nächste: das Auslaufen des Schiffes, das Entladen der wissenschaftlichen Ausrüstung, der Sicherheitsdrill. Alles sehr spannend, und so lege ich zunächst kaum die Kamera aus der Hand. Nur durch die hier an Bord sehr konsequent gehaltenen Essenszeiten kommt man mal kurz zur Ruhe …

Solange die See noch ruhig ist, kommt man auch mit der Kamera auf der Schulter noch recht gut durch die schmalen Gänge des des Schiffs. Trotzdem dengelt man selbstverständlich regelmäßig irgendwo dagegen. Als Erstes muss die Kaffeetasse von Matrose Nils Clasen dran glauben. Ganz wichtig: sich erst mal bei der Besatzung beliebt machen!

Zwischendurch beziehen wir noch unseren provisorischen, aber sehr geräumigen Schnittraum: Der erste Beitrag will schließlich geschnitten werden. Wir haben Glück. Der Platz ist prominent und günstig gelegen,  hinter der Brücke, direkt zwischen Funker und den Metereologen. Hier installieren wir unser Equipment.

Alles muss bombenfest angegurtet sein – auch unser Schnittplatz!

“Seefest” ist hier das Schlüsselwort. Wenn sich das Schiff bei Seegang zur Seite neigt, reicht die Schwerkraft nicht mehr aus, um unseren Laptop und die Festplatten auf dem Tisch zu halten. Mit Spanngurten und Klebeklettplatten befestigen wir also jedes Netzteil und jede Steckerleiste: “Safety first!” Das Gleiche gilt für unsere Kisten mit der restlichen Ausrüstung. Zehn Kisten müssen sicher verzurrt werden, aber so, dass man immer noch an das Nötigste dran kommt.

Die eigenen Spanngurte gehen schnell zur Neige, aber die Besatzung hilft gerne aus. Schließlich ist alles fest unter Arbeitstischen verkeilt und befestigt. Da bewegt sich nichts mehr! Ich bin zufrieden. So, Neptun, zeig’, was du kannst!

Autor: Ludger Nüschen

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Der Kameramann und Videojournalist ist seit vielen Jahren für das ZDF tätig, zuletzt in der Redaktion Zeitgeschichte und bei ZDFkultur.
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2 Kommentare

  • Arne Jensen
    25.01.2013, 13:50 Uhr.

    “So Neptun, zeig’, was du kannst!”
    Ich würde das lieber nicht herausfordern!Bin Januar 1999 in der Drakes Passage fast gekentert Hatten 54 Grad Schlagseite. Verursacht durch eine nicht so riesige Freakwave.
    Wir Seeleute fürchten zwar nicht die See, aber grosser Respekt ist stets angebracht – sagt ein alter Kapitän. Viel Glück und Spass bei den phantastischen Naturerlebnissen der Antarktis wünsche ich Ihnen allen.

  • Tim P.
    31.01.2013, 10:48 Uhr.

    Lieber Ludger,
    liebe Hildegard Werth,

    ich freu mich sehr, auf Euren Blog gestoßen zu sein, und noch mehr darüber, dass die Reise eigentlich gerade erst begonnen hat. Es wird also noch viel Spannendes zu lesen geben!
    Ich habe den gesamten Blog von Beginn bis hierher quasi am Stück gelesen und muss mich jetzt ganz bewußt bremsen, damit ich mir die neuesten, aktuellen Einträge für die Heimfahrt in den Öffentlichen Verkehrsmitteln aufhebe ;-)

    Sich auf mehr freuend grüßt
    Tim

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