Übertragung mit Hindernissen

Ludger Nüschen nebst BGAN-Übertragungsanlage an Deck

Mittwoch, 23.01.2013. Nach dem Auslaufen aus Punta Arenas und dem Passieren der malerischen Magellanstraße Richtung Westen bei teilweise herrlichem Wetter, wird es jetzt auf dem Weg in die Drakepassage langsam etwas rauer.

Unser erster Beitrag ist fertig und möchte jetzt nach Mainz. Systemadministrator Andreas lächelt mitleidig, als er hört welche Datenmenge wir gerne über die Satellitenverbindung der Polarstern übertragen möchten. DSL-Geschwindigkeit gibt es hier nicht – das müssen wir verwöhnten Medienfuzzis noch lernen.

Trotzdem macht sich Andreas hilfsbereit ans Werk und bittet sogar den Fahrtleiter, seinen Datenverkehr für diese Zeit einzustellen. Erwartete Übertragungszeit: über vier Stunden. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt: Fürs heute journal wird es eng. Trotz des Seegangs versuche ich deshalb parallel mit unserer mobilen Satellitenanlage eine Verbindung aufzubauen.

Und siehe da, es funktioniert. Der Empfang ist sogar ziemlich gut. Also schnell den Laptop an Deck geholt und die Übertragung gestartet. 30 Minuten soll es dauern! Na, das ist doch ein Wort. Hoffentlich regnet es jetzt nicht. Der Wind zerrt schon ordentlich an der Antenne. Schön festhalten das Teil! So direkt am Anfang der Reise schon unsere Verbindung zur Außenwelt zu verlieren, wäre jetzt blöd.

Pitsch patsch – jetzt fängt es natürlich doch an zu regnen! Wohl nur ein Schauer, aber um den Laptop außer Gefecht zu setzen, reicht es allemal. Matthias und Torsten, zwei Physiker, sind auch an Deck unterwegs und helfen mir schnell, eine Abdeckplane über das Gerät zu ziehen und festzuhalten.

Wie gesagt, es ist windig. So, noch acht Minuten, das könnte ja vielleicht doch klappen. Aber nein, auf einmal ist die Verbindung weg. Na toll! Es hilft nichts; die Satellitenanlage und der Laptop neu starten und es erneut probieren. Zum Glück muss nicht alles komplett neu übertragen werden, sondern nur noch der Rest. Und tatsächlich, nach weiteren acht Minuten sagt das System “Transfer complete”!

Autor: Ludger Nüschen

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Der Kameramann und Videojournalist ist seit vielen Jahren für das ZDF tätig, zuletzt in der Redaktion Zeitgeschichte und bei ZDFkultur. Während der Expedition kümmert er sich in erster Linie um Schnitt und Übertragung.
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3 Kommentare

  • Steffi Kuhn
    25.01.2013, 11:12 Uhr.

    Das mit der Satellitenübertragung kommt mir doch recht bekannt vor… Ein gutes Gefühl, wenn dann alles “drüben” ist :) Euch weiterhin eine gute, spannende Reise mit vielen tollen Eindrücken!

  • Mario
    26.01.2013, 15:39 Uhr.

    Na, noch hat Neptun glücklicherweise nicht gezeigt, was alles in ihm steckt!?
    Dann wünsche ich Euch, dass die Reise so gut weitergeht und wünsche ebenfalls tolle Eindrücke!

    Viele Grüße

  • DerKastenAmFensterHinterDenMeteorologen
    30.01.2013, 15:20 Uhr.

    war das nicht schon vorher klar, dass die Datenübertragung da nicht die schnellste ist?

    Vielen Dank für die das Bordleben gut beschreibenden Texte! Macht Spaß mitzulesen, vor allem wenn man das “Schiffchen” selbst schon von Fahrten kennt.

    Kann nur bestätigen dass man schnell Vertrauen in die 30000t Stahl fasst :)

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