Wir haben ein Problem!

Montag, 21.01.2013. Das Problem mit der gebrochenen Hydraulikstange ist weit schwerwiegender, als es zunächst aussah. Zwar ist der Kran selbst jetzt wieder seesicher befestigt, aber die riesigen Ladeluken auf dem Vorderschiff, die mit diesem Kran geöffnet und geschlossen werden, stehen sperrangelweit offen. So kann das Schiff auf keinen Fall hinaus aufs Meer – wenn in der stürmischen Drake-Straße Brecher über Bord gehen, würde der Laderaum sofort voll laufen.

Ausserdem wird der Kran gebraucht, um die Container des vorherigen Fahrtabschnitts zu entladen. Die blockieren zur Zeit den Zugang zu den Forschungsgeräten, die in zwei weiteren Lagen von Containern darunter geladen sind. Die Besatzung muss improvisieren.

Man hat die Rückwand eines Containers aufgeschweißt, und die Wissenschaftler schleppen nun von Hand ihre Gerätschaften quer durchs ganze Schiff in die Laborcontainer auf dem Arbeitsdeck. Heute nachmittag will man mit einer anderen provosorischen Lösung versuchen, die Luken doch noch zu schließen. Mit etwas Glück können wir heute Abend losfahren.

Irgendwie erinnert mich das alles sehr an den Betrieb einer Raumstation.
Die Polarstern und die frühere russische Raumstation Mir sind im gleichen
Jahr in Betrieb gegangen – 1982 – robuste Technik, (fast) unverwüstlich. Aber irgendwann  kommt es eben doch zu Materialermüdung und
Ausfallerscheinungen.

Gut zu wissen, dass eine neue Polarstern bereits in Planung ist, die
2017 in Betrieb genommen werden soll.

Autor: Hildegard Werth

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Die mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin arbeitet seit über 30 Jahren für das ZDF. Hildegard Werth ist die dienstälteste Reporterin des "heute-journals" und im Sender die Expertin für Raumfahrt.
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