Mobile Betriebssysteme: Einmal Duopol – und zurück?

 

Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Handy mit dem neuen Firefox-OS und wird zum Kampfpreis von 90 Euro verkauft (Foto: Alcatel)

Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Handy mit dem neuen Firefox-OS und wird zum Kampfpreis von 90 Euro verkauft (Foto: Alcatel)

 

Symbian tot, Blackberry im Wachkoma, Windows Mobile ist Geschichte – Microsoft kämpft nun mit Windows 8 um den Anschluss – innerhalb von nur drei Jahren ist der Markt an relevanten Betriebssystemen für Handys und Tablets auf nur zwei große Player zusammen geschrumpft: Apple iOS und Android. Doch es regt sich was in den Entwicklungslabors. 

2010 war es eine Meldung, die in der Branche für Überraschung sorgte: Googles frisches Handy-Betriebssystem Android konnte an Apples Platzhirsch iOS vorbei ziehen. Allerdings teilten sich beide Betriebssysteme damals zusammen genommen gerade mal 31,4 Prozent des Marktes. Nokias legendäre Symbian-Software war jedoch zu diesem Zeitpunkt erstmals unter 50 Prozent gefallen und Manager-Statussymbol Blackberry kam noch auf über 18 Prozent. Zusammen mit Windows Mobile (5 Prozent) gab es damit fünf relevante Player in dem hart umkämpften Markt.

Drei Jahre später: Der Kampf ist (vorläufig) entschieden. Knapp 94 Prozent der Handys werden entweder von iOS (12,9 Prozent) oder Android (81 Prozent) angetrieben. Ein Software-Duopol ist entstanden, in dem sich primär zwei Hardware-Hersteller bekriegen: Apple und Samsung, denn mit 63 Prozent Marktanteil stellen die Südkoreaner die treibende Macht hinter dem Erfolg von Android dar.

Der Kampf erinnert an andere große Duopole der Technikgeschichte: Windows gegen Mac, VHS gegen Beta, Nintendo gegen Sega, Xbox gegen Playstation, HD DVD gegen Blu-ray. Doch wenn etwas konstant ist in der Computerwelt, dann ist es die Veränderung. Der Gewinner von heute kann schnell der Verlierer von morgen sein – und die Herausforderer stehen schon in den Startlöchern.

Vier neue Spieler betreten das Feld

Der erste “neue” Konkurrent ist ein alter: Microsoft ist nicht bereit, nach dem jahrelang vergeblichen Kampf um Marktanteile für Windows Mobile klein beizugeben. Das Allround-Betriebssystem Windows 8 mit dem typischen Kachellook soll auch auf Smartphones kräftig Marktanteile einfahren und verbucht erste Erfolge – besonders auch im deutschen Markt. Die Unterstützung von Hardware-Seite hat man in Redmond kurzerhand eingekauft: Die Handysparte von Nokia gehört seit September Microsoft.

Vom Browser zum Betriebssystem: Die Macher eines der beliebtesten Internet-Browser kündigten im Juli 2011 an, mit Firefox OS ein eigenes Handy-OS auf den Markt zu bringen. Vorrangiges Ziel: Ein völlig offenes System zu schaffen, das vor allem auf preiswerten Geräten und in Entwicklungsländern punkten kann. Dementsprechend fällt auch das erste “Firefox-Handy” günstig, aber technisch mager aus.

Einen ähnlichen Weg gehen die Entwickler von CyanogenMod, einer populären Modifikation der jeweils aktuellen Android-Version, die es Usern von älteren Handys ermöglicht, ihre Geräte auf dem neusten Stand zu halten, auch wenn die Hersteller den Support auslaufen lassen. Da war es nur ein logischer nächster Schritt, CyanogenMod gleich “out of the box” auf einem Handy auszuliefern. Das erste Ergebnis dieser Bemühungen ist das respektable Oppo N1 aus chinesischer Produktion.

Ein noch schwer einzuschätzender Player im Nischenmarkt der “kleinen” Handy-Betriebssysteme ist Tizen, hinter dem unter anderem Intel und Samsung stehen. In diesem OS sind mittlerweile die gescheiterten Betriebssysteme Bada und MeeGo aufgegangen, es soll die perfekte Vernetzung von Handys, Multimedia-Anlagen und Foto-Hardware ermöglichen. Ein erstes Tizen-Smartphone wurde mehrfach verschoben, mittlerweile spricht Samsung vom ersten Quartal 2014 für die Präsentation. Auf dem Markt ist Tizen allerdings schon in anderer Form: als Herzstück der in Deutschland nicht erhältlichen Systemkamera NX300M.

Ob eines der neuen Betriebssysteme die Vormachtstellung von Apple und Samsung auf dem Smartphone-Markt brechen kann, bleibt abzuwarten. Unter der Haube sind sie sowieso nicht ganz so verschieden, wie sie sich nach außen gerne geben: Android, CyanogenMod, Firefox OS und Tizen basieren alle auf einem Linux-Kern.

Autor: Torsten Dewi

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Torsten Dewi ist Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller, um seine Rechnungen zu bezahlen. Blogger ist der "Wortvogel" aus Leidenschaft. Er steckt mehr Zeit in Diskussionen als in Gadgets und glaubt an die Macht des "loslassen".
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