London: Nahverkehr mit Vergangenheit – für die Zukunft

Der altmodische Anblick täuscht: in und unter London findet sich ein hoch entwickeltes Nahverkehrssystem mit vielen verschiedenen Komponenten (Foto: Jonekw13, CC BY-SA 2.5)

Der altmodische Anblick täuscht: in und unter London findet sich ein hoch entwickeltes Nahverkehrssystem mit vielen verschiedenen Komponenten (Foto: Jonekw13, CC BY-SA 2.5)

London ist eine der ältesten Großstädte Europas. Der Kampf gegen den Kollaps der Infrastruktur hat hier Geschichte. Vielleicht ist die Stadt gerade deshalb Vorbild und Testlabor für viele Innovationen auf dem Gebiet der urbanen Verkehrsplanung.

Als 1863 die erste U-Bahn der Welt in London den Betrieb aufnahm, ging es noch nicht um Smog und Parkplätze, sondern um Schlamm und Pferdeäpfel. Große Mengen Pendler mussten durch den industrialisierten Großraum transportiert werden, ein effizienter Nahverkehr wurde gebraucht.

1987 kam die Docklands Light Railway dazu, eine Art S-Bahn-System für den boomenden Londoner Osten, welches weitgehend fahrerlos auskommt, auch wenn die Züge selbst noch Service-Personal mitführen. Zum Vergleich: In Deutschland fuhr die erste, nicht mehr vom Cockpit aus gesteuerte U-Bahn erst 2008.

Auch bei neuen Schnellverbindungen zum größten Airport der Umgebung ist die britische Metropole Deutschland voraus. Lange bevor Edmund Stoiber vergeblich von einem Transrapid zwischen Frauenkirche und dem Flughafen stammelte, ließ der Heathrow-Betreiber BAA1998 eine Express-Strecke einweihen, die Reisende ohne Zwischenstop in 15 Minuten ins Zentrum bringt.

Sanfter Druck gegen das Auto

Trotz des gut ausgebauten Schienenverkehrs drohte London zur Jahrtausendwende an Kraftfahrzeugen zu ersticken. Der linke Bürgermeister Ken Livingston führte daher 2003 eine City-Maut von fünf (heute: zehn) Pfund ein, um den Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu fördern. Das Ergebnis: fast 30 Prozent weniger Kraftfahrzeuge auf den Straßen und eine dreistellige Millionensumme an Einnahmen, die in den Ausbau des Nahverkehrs flossen.

Ebenfalls 2003 ging die “Oyster Card” an den Start, ein Zahlungsmittel im Kreditkartenformat mit RFID-Chip, das die Suche nach der richtigen Fahrkarte und dem notwendigen Kleingeld überflüssig macht. Beim Betreten der Bahnsteige wird die Karte kontaktlos gelesen, bei mehreren Fahrten errechnet das System automatisch den dafür günstigsten Fahrpreis. Aufgeladen werden kann die Oyster Card fast überall, automatisch, sogar online oder über das Handy. Wer jemals frustriert an einem deutschen Kartenautomaten gescheitert ist, beneidet die Londoner um diese elegante Lösung.

Eine Stadt setzt (sich) aufs Rad

Viele Londoner befürchteten, mit dem Wechsel im Rathaus 2010 vom linken Ken Livingstone zum konservativen Boris Johnson würde der Innovationsschub nachlassen. Doch weit gefehlt: Johnson kippte zwar den Versuch, die City-Maut deutlich drakonischer zu gestalten, fand aber in der Barclay’s Bank einen Partner zur Erfüllung seines eigenen Verkehrstraums: Leihfahrräder. 6.000 moderne Bikes, die den Namen “Drahtesel” nicht mehr verdienen, können an 400 Stationen im ganzen Stadtgebiet ausgeliehen werden.

Was nützt aber das schönste Fahrrad, wenn man sich damit mühsam durch den Verkehr schlängeln muss? Hier will Johnson künftig mit zwölf “Bike Superhighways” Abhilfe schaffen, die ausreichend breit und mit Vorfahrt eine leichte Durchquerung der Stadt in allen Himmelsrichtungen erlauben.

Fahrkarten hin, Fahrräder her – wer an den Londoner Verkehr denkt, denkt auch an die legendären schwarzen Taxis. Aber selbst die bekommen nun (zumindest teilweise) eine Runderneuerung verpasst. Basierend auf dem Nissan NV200 wird eine neue Generation durch die Straßen rollen, mit deutlich geringerem Energieverbrauch und mehr Komfort für die Passagiere. USB-Ladebuchse für Mp3-Player und Smartphones inklusive.

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Autor: Torsten Dewi

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Torsten Dewi ist Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller, um seine Rechnungen zu bezahlen. Blogger ist der "Wortvogel" aus Leidenschaft. Er steckt mehr Zeit in Diskussionen als in Gadgets und glaubt an die Macht des "loslassen".
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