Smarter als Smart-TV: Der eigene Fernseher als Multimedia-Zentrale

Android-Sticks wie der MK808 bringen eine praktische Tastatur/Trackpad/Maus-Einheit mit.

Es ist der Trend, den die Elektronikriesen verpennt haben – und die Nische, in die nun kleine Hersteller stoßen: Mini-PCs von der Größe eines fettleibigen USB-Stick, die jeden halbwegs aktuellen Fernseher für wenig Geld individuell aufrüsten. Surfen, Musik hören, spielen, chatten – sogar Videotelefonie per Skype ist kein Problem.

Gerade mal 60 Euro kostet der “blinde” Mini-PC auf Android-Basis ohne Tastatur und Bildschirm. Für unter 90 Euro gibt es Kombi-Pakete mit Funktastatur und Trackpad zur Steuerung vom Sessel aus. 1,6 Gigahertz aus dem Dual Core-Prozessor, acht Gigabyte Speicher, Bluetooth und USB – alles an Bord im Format einer Packung Kaugummi.

Die Installation ist kinderleicht. Einzige Voraussetzung: Der Fernseher braucht mindestens einen HDMI-Anschluss, über den der Stick Verbindung aufnehmen kann. Einstöpseln, WLAN-Passwort eingeben – schon ist das TV eine Surfmaschine. Wer jemals ein Handy oder Tablet mit dem Android-Betriebssystem besessen hat, wird sich bei den Menüs auf dem Bildschirm sofort heimisch fühlen.

Mehr als nur Fernsehen

Den Android-Stick am TV als reinen Web-Zugang zu benutzen, wäre allerdings eine Verschwendung der vielen weiteren Möglichkeiten, die mit dem preiswerten Gerät ins Haus kommen. Sowohl Hardware als auch das Betriebssystem basieren auf offenen Standards und kommen mit einer Vielzahl von Erweiterungen zurecht.

So ist es problemlos möglich, an einen der USB-Ports des Sticks eine Festplatte anzuschließen, die Fotos, Filme und Musik auf den Fernseher streamt. 320 externe Gigabyte gibt es so klein und unauffällig, dass sie sich noch hinter dem Fernseher auf der Wandhalterung platzieren lassen. Wer es noch komfortabler möchte, kann auf seinem Stick die beliebte Media-Center Software XMBC installieren und das eigene Android-Handy per App zur Fernbedienung dafür degradieren.

Wer nicht über das WLAN ins Netz gehen will, gönnt seinem Stick einen Ethernet-Adapter für nicht mal 15 Euro. Ein einfacher USB-Hub für acht Euro erlaubt es, noch mehr externe Hardware anzuschließen.

Spiele, TV und mehr

Angy Birds” oder “Lost City” auf dem großem Fernseher spielen? Kein Problem, die Sticks werden von Google Play erkannt, gewünschte App können einfach herunter geladen werden. Gelegenheitsspieler ersparen sich damit den Kauf einer eigenen Konsole. Nicht spielbar sind lediglich die Games, die zur Steuerung den (nicht vorhandenen) Bewegungssensor abfragen oder die nur im Hochformat spielbar sind.

Seine wirklichen Stärken spielt der Stick allerdings erst dann aus, wenn man ihm für gerade mal 15 Euro eine brauchbare Webcam mit Mikrofon gönnt. Die wird auf oder neben dem Fernseher platziert. Schon ist die Videotelefonie nur noch eine Skype-Installation entfernt. Seinen Gesprächspartner sieht man in voller Lebensgröße auf dem Bildschirm, während man entspannt auf dem Sofa sitzt und plaudert. Handy, Headset, und Notebook werden dadurch fast unnötig.

Was man wirklich braucht

Die Vorteile eines Android-Sticks gegenüber einem hochgerüsteten Smart-TV sind vielfältig: man schafft nur die Hardware an, die man wirklich braucht. Was veraltet ist, kann mit wenigen Handgriffen ausgetauscht werden. Bei vielen Sticks ist auch das Update des Betriebssystems nicht schwierig – so bleibt man immer auf dem neusten Stand. Es gibt kaum ein Dateiformat, das dieses Setup nicht klaglos abspielt. Damit ist es relativ geschlossenen Systemen wie Apple TV weit überlegen.

Vor allem aber braucht man keinen neuen Fernseher kaufen, nur um in den Genuss eines teuren Smart-TV zu kommen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Torsten Dewi

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Torsten Dewi ist Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller, um seine Rechnungen zu bezahlen. Blogger ist der "Wortvogel" aus Leidenschaft. Er steckt mehr Zeit in Diskussionen als in Gadgets und glaubt an die Macht des "loslassen".
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Ein Kommentar

  • Omnomnomnom
    02.02.2013, 00:32 Uhr.

    Weitere Moeglichkeit: Seit ein paar Jahren schon gibt es sehr kleine nahezu vollwertige PCs (oft als Barebone oder Aehnliches), die lassen sich oft z.B. an die Rueckseite eines Fernsehers montieren oder brauchen sehr wenig Stellflaeche auf dem Schreibtisch. Mit diesen kann man auch umfangreichere Betriebssysteme fahren, wie z.B. Windows oder Linux. Oft haben diese PCs sehr gute Grafikhardware. Bei den Systemen mit Atom-CPU ist lediglich zu beachten, dass die Performance nicht ganz so gut ist wie bei einem vollwertigen Desktop PC oder Performance Notebook.

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