Sie will doch nur spielen, was ihr gefällt

Im Spiel Dys4ia hat die transsexuelle Anna Anthropy die Erfahrungen mit Ihrer Hormonersatztherapie verarbeitet. (Bild: Screenshot)

Im Browserspiel Dys4ia hat die transsexuelle Anna Anthropy die Erfahrungen mit Ihrer Hormonersatztherapie verarbeitet. (Bild: Screenshot)

“Die lesbische Spinnenkönigin vom Mars” oder “Dysphorie”, so nennt Anna Anthropy ihre Games. Spielt man sie durch, erfährt man vor allem sehr viel über die Spielemacherin.

Man muss vier Level durchspielen, dann weiß man, wie sich die transsexuelle Anna Anthropy während ihrer Hormonersatztherapie gefühlt hat. Der Spieler drückt die Pfeile nach oben, unten, links, rechts und manövriert durch Ebenen der Demütigung. Es sind meist kleine Details, die sich ständig wiederholen. Ein Bildschirm zum Beispiel, auf dem ein Mund zu sehen ist; darüber Bartstoppel, die man abrasieren soll, während gleichzeitig ein Text eingeblendet wird: “Sich zu rasieren ist erniedrigend.” Von Level zu Level fühlt sich die Protagonisten miserabler, die Hormone zehren an ihrer Energie.

Das Spiel heißt “dys4ia” (Dysphorie), ein Zustand, in dem die Menschen missmutig gestimmt sind. Erst das letzte Level, also einige Zeit nach Beginn der Therapie, beginnt Anna sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Folgerichtig endet das Spiel nicht, es beginnt bei dem Punkt, an dem Anna sich jetzt befindet: “Ich habe das Gefühl, dass ich die ersten Schritte in Richtung einer wunderbaren Sache gemacht habe.”

Die Mainstream-Industrie kriegt es nicht hin

Anna Anthropy ist transsexuelle Game-Designerin und hat das Videospiel-Fanzine The Gamer’s Quarter mitgegründet. Sie kritisiert die Mainstream-Spieleindustrie: Die Spielmacher seien in der Regel jung, weiß, männlich und heterosexuell. Die Mainstream-Spieleindustrie scheitere daran, die Lebenswelt der LGBT-Community (lesbisch, gay, bi, trans) abzubilden, selbst wenn sie ihnen gegenüber wohl gesonnen sei.

Aktuell ist der Fall von  “Star Wars – Knights of the Old Republic.”, entwickelt von BioWare. Jeff Hickman, der Executive Producer, hat im Blog des Spiels geschrieben, dass es in der neuen Version auch gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen geben werde: auf einem eigenen Planeten namens Makeb. In der gesamten Galaxie gibt es also genau einen Ort, an dem Homosexualität stattfindet. Anna Anthropy schreibt dazu: “Wir müssen die Games entwickeln, die wir selber spielen wollen.”

DIY-Games

Anthropy ist Anhängerin des “Scratchware Manifestos“. Deren Anhänger kritisieren, dass die Spiele-Industrie den falschen Glauben übernommen habe, dass Spiele grundsätzlich mehrere Millionen kosten müssen, damit sie erfolgreich werden. Eine Studie von 2010 schätzt, dass die Entwicklung eines durchschnittlichen Spiels zehn Millionen US-Dollar koste. Das Manifest verweist auf Hit-Spiele wie “Rollercoaster Tycoon”, das Chris Sawyer fast komplett alleine entwickelt hat. In der Tradition dieser Erklärung hat Anthropy vor einem Jahr das Buch “Rise of the Videogame Zinesters” veröffentlicht.

Das Buch sei eine Anleitung für all die Menschen, die von den Mainstream-Spielen gleichermaßen enttäuscht seien wie sie, schreibt Anthropy. Sie wolle diese Menschen darauf hinweisen, dass es einfach ist, selbst zum Enwickler zu werden – dank Tools wie “Game Maker” sei es einfach, in der “Do it Yourself”-Tradition zum Spielautor zu werden. Die Ergebnisse seien zwar billig produziert, aber wichtiger sei ohnehin der Inhalt, der transportiert wird.

Die Spiele sollen persönlich seien, so Anthropy. Sie sollen etwas verraten über die Gefühlswelt von Spielemachern. Sie selbst arbeitet dieses Prinzip in ihren Spielen immer weiter aus. “Ich will, dass alle meine Spiele etwas über mich aussagen.” Sie selbst veröffentlicht jede Menge Spiele von sich. Gefragt, welches ihr eigenes Lieblingsspiel ist, sagt sie “dys4ia”. Dort erfahre man am meisten über sie.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Ein Kommentar

  • Domceck Goldberg
    06.02.2013, 20:21 Uhr.

    Das Problem ist nicht die Industrie, sondern die Nachfrage. Ein öffentlicher Aufschrei nach der Veröffentlichung der Nachrichten über gleichgeschlechtliche Partnerschaften, beispielsweise in Spielen wie Mass Effect oder Fable, zeigt deutlich, dass die Industrie bereit ist mit kleinen Schritten in die richtige Richtung zu gehen. Wenn man aber in manchen Ländern verklagt wird oder Drohungen deswegen erhält, sollte ein Umdenken der Konsumenten stattfinden. Diese Art der Kritik ist fehlgeleitet und überzogen.

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