Papst-Rücktritt: Ehrfurcht und Kritik aus dem Ausland

Papst Benedikt 2006 bei seiner Ankunft in Spanien (Foto: Iberia Airlines, Quelle: Flickr CC BY 2.0)

Papst Benedikt 2006 bei seiner Ankunft in Spanien (Foto: Iberia Airlines, Quelle: Flickr CC BY 2.0)

Plötzlich und unerwartet hat Papst Benedikt XVI gestern seinen Rücktritt angekündigt. Im Ausland gab es neben vielen lobenden Kommentaren auch scharfe Kritik an der Amtsführung Benedikts. Die Debatte um seine Nachfolge ist in vollem Gange.

 

Von den italienischen Politikern, die sich mitten im Wahlkampf für die anstehenden Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar befinden, gab es vorwiegend Lob für die Entscheidung des noch amtierenden Papstes. Dass man sich in Italien im Wahlkampf besser vorsichtig und bedacht über den Papst äußert, zeigte die erste Reaktion des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Mario Monti: “Ich sehe mich nicht in der Lage eine so wichtige und tief greifende Nachricht zu kommentieren”, sagte er, kurz nach dem ihn die Botschaft erreicht hatte. Er sei allerdings erschüttert ob der Nachricht.

Etwas später kommentierte Silvio Berlusconi mit Ehrfurcht den Entschluss von Papst Benedikt: “Ich bewundere seinen großen Akt der Verantwortung, der einem edlen und erhabenen Zweck entspringt.” Der Papst wolle mit seinem Rücktritt der katholischen Kirche eine stabile und starke Regierung erlauben, merkte Berlusconi spitzzüngig mit Blick auf die amtierende politische Staatsregierung an.

Auch der italienische Komiker und Politiker Beppe Grillo nutzte die Gelegenheit für ein politisches Statement. Vielleicht habe auch die katholische Kirche erkannt, dass es Zeit sei für eine Wende, sagte Grillo. Er tritt mit seiner Partei “Movimento 5 Stelle” an, um auf politischer Ebene die alten Parteien abzulösen. “Ich hoffe die neue Wahl des Papstes wird genutzt, um endlich einen dunkelhäutigen Papst ins Amt zu heben”, fügte Grillo hinzu.

Kritik am Rücktritt des Papstes

Auch aus Portugal gab es Vorschläge für einen neuen Papst. Antonio Marto, Bischof des portugiesischen Bistums Leiria-Fatima, forderte für die Neuwahl einen nicht-europäischen Papst: “Vielleicht brauchen wir einen Papst, der über die Grenzen Europas hinausschauen kann. Und damit der gesamten Kirche eine Lebendigkeit vermitteln kann, wie sie in anderen Kontinenten noch vorzufinden ist.”

Ein Kommentar aus Polen von Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau sorgte kurzzeitig für Diskussionen. Dziwisz verwies darauf, dass Karol Wojtyla, Papst vor Ratzinger, trotz schwerer Erkrankung zu jener Zeit nicht von seinem Amt als Papst zurückgetreten sei. “Er vertrat die Ansicht, man steige nicht vom Kreuz herab”, wurde Dziwisz zitiert. Später am Abend erklärte der Krakauer Erzbischof, er habe nicht die beiden Päpste vergleichen wollen.

Ein Bitte aus den USA

Die New York Times bezeichnet Benedikts Wirken als eine turbulente Amtszeit für einen stillen Gelehrten: “Wenn nur das geschriebene Wort die Kirche auf Kurs halten könnte, würde Benedikt als durch und durch erfolgreicher Papst in die Geschichte eingehen. Aber wenn es darum geht, die Herausforderungen des realen Lebens zu bewältigen, sieht es so aus als sei er von einer Krise in die nächste geschlittert.” Aus den USA gab es denn auch eine Bitte an den noch amtierenden Papst, zu erfüllen noch vor seinem definitiven Rücktritt. David Clohessy, Vorsitzender des Verbandes Survivors’ Network of Those Abused by Priests, fordert vom Papst aufgrund der zahlreichen Skandale ein Machtwort in Sachen Pädophilie auszusprechen. Er solle sich für eine lückenlose Aufklärung einsetzen. “Er hat mehr Informationen als jeder andere in der katholischen Kirche über die Missbräuche des Klerus und deren Verschleiern. Dennoch hat er wenig getan, um die Kinder zu beschützen”, sagte Clohessy.

Arcigay, eine Organisation, die sich für die Bürgerrechte von homo- und bisexuellen Menschen einsetzt, zeigte sich vom angekündigten Rücktritt Papst Benedikts erfreut: “Er wird uns nicht fehlen”, erklärte der Vorsitzende Flavio Romani. “Papst Benedikt XVI ist ein Gegner der Bürgerrechte und der Gleichheit, er war während seiner Amtszeit ein Sprachrohr für Homophobie und Diskriminierung.”

Brasilien: Wer wird Nachfolger?

Im stark katholisch geprägten Brasilien machen sich die Medien ebenfalls Gedanken um den Nachfolger Benedikts. Fünf wahlberechtigte Kardinäle kommen aus Brasilien, dass einer von ihnen der neue Papst wird, hält man jedoch für so gut wie ausgeschlossen. Papst Benedikt habe die Kirche konservativ geprägt und er werde einen großen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers haben. “Derzeit sieht es so aus, als ob der neue Papst aus dem historischen Zentrum der Kirche, aus Europa kommt”, zitiert die Zeitung O Globo die Theologin Maria Clara Lucchetti Bingemer.

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Autor: Giuseppe Paletta

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Giuseppe Paletta: Nach dem Journalistikstudium in Leipzig widmete sich Giuseppe Paletta in seiner redaktionellen Arbeit vor allem Themen aus dem World Wide Web: Von Big Data über Crowdfunding bis zu Rasterfahndungen im Netz. Seine Texte lassen sich bei ZEIT Online, taz, Spiegel Online oder im Hyperland-Blog nachlesen.
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