Open-Data-Day: Freiheit für die Daten

 

Die App: "Öffi - Fahrplanauskunft" liefert Echtzeitauskünfte aufs Handy. (Foto: Screenshot)

Die App: "Öffi - Fahrplanauskunft" liefert Echtzeitauskünfte aufs Handy. (Foto: Screenshot)

Behördendaten sollen Allgemeingut sein. An vielen Orten der Welt treffen sich an diesem Wochenende Open-Data-Aktivisten, um diese Forderung mit neuen, nützlichen Projekten zu unterstreichen.

Big Data, der große Datenschatz, ist in aller Munde. Und auch deutsche Behörden öffnen so langsam ihre wohl gefüllten Datenlager für die Öffentlichkeit. Doch was macht man mit dem Datenschatz?

“Die beste Idee, was man mit Daten machen kann, hat immer ein anderer”, sagt Marian Steinbach. Weil er daran ganz fest glaubt, hat der Designer 2012 die Plattform “Offenes Köln” gestartet, in der er Daten aus amtlichen Quellen neu aufbereitet. So hat er die Protokolle der Stadtratssitzungen aus dem sperrigen Rats-Informationssystem befreit und sie mit einer Stadtkarte kombiniert. Jeder Interessierte kann so nachschlagen, was die Entscheidungsträger der Stadt zu seiner Nachbarschaft beschlossen haben oder wie die aktuelle Planung um die pannenreiche Nord-Süd-Stadtbahn aussieht.

Öffentliche Daten gehören den Bürgern

Steinbachs Überzeugung ist: Den Stadtverwaltungen gehören gar keine Daten – sie verwalten sie nur für ihre Bürger. Und diese sollen damit machen können, was sie wollen. “Wenn ihr uns die Daten nicht gebt, dann nehmen wir sie uns”, formuliert er seine Idee der offenen Daten. Statt abzuwarten, bis die Behörden ihre Daten in tauglichen Formaten online stellen, “scrapen” Steinbach und Mitstreiter die öffentlichen Angebote. Das heißt: Sie laden Amts-Webseiten herunter und filtern daraus die interessanten Informationen heraus.

Da das eine Heidenarbeit ist, treffen sich an diesem Wochenende weltweit Aktivisten zum Erfahrungsaustausch und zum gemeinsamen Programmieren. Beim Open-Data-Day kommen Programmierer, Designer, Startup-Gründer und Vertreter der Verwaltung zusammen, um neue Ideen auszutauschen und soweit möglich direkt umzusetzen. In stundenlangen Sitzungen begradigen die Teilnehmer Datenbanken, vergleichen Haushaltspläne und programmieren neue Kartenanwendungen.

Im Kölner “Startplatz“, einem Gemeinschaftsbüro für Startups, hat sich zum Beispiel eine Gruppe daran gemacht, eine Echtzeitkarte für den Kölner Nahverkehr zu entwerfen. Wie beim Vorbild der “Öffi Fahrplanauskunft Berlin” sollen die Bürger bald per Handy-App feststellen können, wo sich ihre nächste Bahn gerade befindet und ob sie gegebenenfalls Verspätung hat. Projektname: “Schienenliebe”. Eine andere Gruppe sitzt daran, die von der Piratenpartei veröffentlichten Haushaltsdaten vieler Kommunen in NRW aufzubereiten, um dann vergleichen zu können, welche Stadt wie reich ist und wie viel hoch beispielsweise die jeweiligen Ausgaben für Kultur sind. Eine dritte Initiative will den Zustand der Radwege dokumentieren.

Die Tücke liegt im Detail

Die Tücke liegt in den unzähligen Details: Heißt es “Dillingen an der Donau” oder “Dillingen a. d. Donau”? In der einen Datenbank steht es so, in der anderen so – will man die Daten zusammenführen, muss man diese Inkonsistenzen ausmerzen. Haben die Haushaltspläne das gleiche Datenformat? Woher bezieht man die Daten für Echtzeitfahrpläne – schließlich müssten täglich 60 Millionen Datenpunkte abgefragt werden, wenn die Verkehrsbetriebe keine Rohdaten zur Verfügung stellen.

Die Stadt Köln hat den Wert der Enthusiasten erkannt. In ihrem Bemühen, Köln zur “Internet-Hauptstadt” zu machen, hat sich der Rat der Verwaltung eine Open-Government-Initiative verschrieben. So stellt die Verwaltung mittlerweile 30 Datensätze zur Verfügung: von den Stadtteilgrenzen über den Finanzplan bis hin zu aktuellen Stauinformationen. Das ist jedoch erst der Anfang. “Unser Ziel ist es, einen Datenpool zu schaffen, in den nicht nur städtische, sondern auch externe Informationen fließen”, erklärt Dirk Blauhut, der die Datenfreigaben der Stadtverwaltung koordiniert.

Die neue Offenheit erfordert Überzeugungsarbeit. “Das ist eine ganz neue Verwaltungskultur”, sagt Blauhut. So befürchteten die städtischen Angestellten einen Kontrollverlust, gleichzeitig müssen die amtlichen Daten hohen Kriterien genügen. Blauhut sieht jedoch großes Potenzial: “Wir unterschätzen den Bürger oft.” So sieht die auf Steuerkosten entwickelte App der Stadt Köln schon etwas angejahrt aus. Die Produkte der Daten-Aktivisten sind jedoch für die Stadt kostenlos. Und sie finden neue Wege, Daten für jedermann nutzbar zu machen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

3 Kommentare | 24. Februar 2013 | 10:50 Uhr | Twittern | Facebook

3 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel, es war ein großartiges Event! Die Sieger-App “Wegmarker” ist übrigens bereits als Prototyp online: http://wegmarker.de

    Lieben Gruß
    Dushan vom Wegmarker-Team

    Dushan Wegner | 24. Februar 2013 | 15:38
  2. Ein gutes Projekt, hoffentlich inspiriert dieser Open Data Day viele Menschen sich für die Freiheit ihrer Daten einzusetzen.

    Sandra | 24. Februar 2013 | 23:38
    • @Sandra = “….hoffentlich inspiriert dieser Open Data Day viele Menschen sich für die Freiheit ihrer Daten einzusetzen.”

      Hoffentlich nicht. Kein Mensch will das seine persönlichen Daten für jeder Mann zugänglich sind.
      Sie bestimmt auch nicht.

      Stefan | 25. Februar 2013 | 09:14