Bilderstreit um Google

Der Protest gegen Googles neue Bildersuche (links) nimmt sich Googles Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht zum Vorbild (rechts).

Der Protest gegen Googles neue Bildersuche (links) nimmt sich Googles Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht zum Vorbild (rechts).

Der US-Konzern Google hat seine Bildersuche umgestellt. Webseitenbetreiber fürchten niedrigere Einnahmen und fordern einen Stopp.

Michael Schilling ist sauer: “Google ignoriert das Urheberrecht und tritt Kreative mit Füßen”, erklärt der Düsseldorfer Werbe- und Hochzeitsfotograf. Der US-Konzern hat seine Bildersuche umgestellt – zumindest in den USA . Seit vergangener Woche präsentiert die Suchmaschine nicht mehr nur verkleinerte Vorschau-Bilder sondern zeigt die Ergebnisse fast formatfüllend. Was für den Besucher eine nützliche Dienstleistung ist, ist für den Fotografen jedoch eine Anmaßung.

“Seit mehreren Jahren beobachte ich, dass sich Google kontinuierlich fremden Content aneignet”, sagt Schilling gegenüber ZDF Hyperland. Die neue Bildersuche habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Denn wenn der Nutzer das gesuchte Bild in voller Größe schon bei Google finde, habe er kaum noch einen Grund, auf der Webseite des Fotografen vorbeizusehen. Schilling befürchtet, dass seine Arbeiten so aus dem Kontext gerissen werden und er deshalb weniger Aufträge bekommen wird.

Schöner, größer, übersichtlicher

Google selbst ist sich keiner Schuld bewusst. In seiner Produktankündigung schwärmt der Konzern von der wesentlich verbesserten Optik und der Bequemlichkeit für den Nutzer. So können die Nutzer komfortabel durch die verschiedenen gefunden Bilder scrollen. Das Ergebnis sieht mehr nach Bildergalerie denn nach einer Ergebnisliste aus.

Wesentliche Neuerung: “Statt die Nutzer zu einer völlig neuen Webseite zu schicken, um eine Voransicht des Bildes zu sehen, wird diese Voransicht direkt in den Suchergebnissen angezeigt”, erklärt Google-Produktmanager Hongyi Li. Das heißt: Viele Bilder sieht man in voller Größe, ohne dass man die Webseite aufrufen muss, von der das Bild selbst stammt.

Bisher war die Google-Bildersuche wesentlich zurückhaltender gestaltet. Wer über die deutsche Einstiegsseite Google aufruft, sieht noch den alten Zustand: Der Nutzer bekommt in der Ergebnisliste nur Thumbnails – also: verkleinerte Vorschaubilder – angezeigt. Wer einen näheren Blick auf ein Bild werfen will, wird von Google auf die Webseite umgeleitet, die das Bild im vollen Kontext anzeigt. Bei der neuen Suche jedoch bleiben die Nutzer zunächst auf den Google-Ergebnisseiten.

Weniger Klicks für Fotografen

Quasi als Entschädigung hat Google jetzt mehr Links auf den Urheber der Fotos untergebracht: Statt bisher zwei gibt es vier Links auf die Original-Fundstelle. “Unsere Überprüfungen haben gezeigt, dass durch das neue Design bei einer typischen Suche durchschnittlich ein höherer Click-Through-Wert auf der Webseite, auf denen die Bilder gehostet werden, erzielt wird als früher”, erklärt Google-Sprecher Stefan Keuchel auf Anfrage von ZDF Hyperland. Das heißt: Dank der neuen Bildersuche klickten die Nutzer häufiger auf die Links zur Ursprungsseite.

Doch bei den Seitenbetreiber kommt dies nicht unbedingt an. “Die Betreiber internationaler Webseiten beklagen einen spürbaren Rückgang der Besucher”, sagt Schilling. Der Effekt sei enorm: “Die Spanne liegt zwischen 30 und 70 Prozent, wobei die meisten einen Rückgang um 60 Prozent beklagen”, erläutert der Fotograf. So mögen zwar mehr Nutzer bewusst auf den Link zur Ursprungsseite klicken. Früher jedoch war die Umleitung zu der Original-Seite automatisch.

Fotograf startet Petition

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hat Schilling eine Petition aufgesetzt – und bedient sich dabei bei den Werbeanstrengungen des Konzerns. Der bucht nämlich derzeit zahlreiche Werbeflächen mit seiner “Verteidige Dein Netz“-Kampagne gegen das Leistungsrecht. Schilling hat sich das Design und Logo der Kampagne ausgeliehen – bei ihm heißt die Kampagne nun  “Verteidige Dein Bild“. Bisher hat er rund 350 Unterstützer gefunden.

Ob die Bildersuche jedoch in der gleichen Form wie in den USA in Deutschland eingeführt werden soll, ist bisher noch unklar. “Wir sind daran interessiert, die Features so vielen Nutzern wie möglich zugänglich zu machen”, erklärt Keuchel.  “Um unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten gerecht zu werden, werden dabei auch Anpassungen vorgenommen.”

Sollte Google sich nicht verhandlungsbereit zeigen, will Schilling zur Not die Gerichte bemühen. Zwar hat der Bundesgerichtshof bereits 2010 die Google-Bildersuche für legal erklärt – damals verwies das Gericht jedoch darauf, dass bei Google nur kleine Thumbnails zu finden waren. Bei der  neuen Bildersuche könnte das Urteil anders aussehen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Torsten Kleinz

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Torsten Kleinz ist freier Journalist und Blogger aus Köln. Seine Kernfrage: Was macht das Netz mit uns und was machen wir mit dem Netz?
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8 Kommentare

  • Linuxhelfer
    02.02.2013, 13:34 Uhr.

    Also zu dieser Sache von diesem Fotografen sage ich mal: in der Bildersuche von Google ist schon ziemlich viel urheberrechtlich geschütztes Material drin, stimmt.

    Und genau deswegen können inzwischen sogar Forenbetreiber dafür übelst mit Abmahnungen überzogen werden, die teuer werden können, solange man noch nicht diese Sorglos-Box hat.

    Und solange sollten alle User auf freie Bilder, Karrikaturen und Fotos umsteigen. Und an die User: ihr meint, dass geht nicht?? Doch sage ich dann. Genau dass geht nämlich durchaus. Guckt euch mal diese Seiten an:

    http://www.lorm.de/2008/01/02/102-quellen-fuer-kostenlose-fotos/

    http://www.freedigitalphotos.net/

    Von daher: sowas geht schon! Man muss nur wissen wie und wo man sowas findet, damit man sich eben nicht strafbar macht. Daher: wer braucht die Google-Bildersuche?? Außerdem: am Besten lasst ihr davon besser ganz die Finger weg!!

    • Stefan
      03.02.2013, 15:04 Uhr.

      Linuxhelfer = “Und solange sollten alle User auf freie Bilder, Karrikaturen und Fotos umsteigen. Und an die User: ihr meint, dass geht nicht?? Doch sage ich dann. Genau dass geht nämlich durchaus. Guckt euch mal diese Seiten an:”

      Ihre Links sind genauso bescheiden, wie Ihre Beiträge.
      Bei etlichen “Angeboten” in einem Ihrer Links, steht ausdrüchlich dabei, das ein Quellverweis angebracht werden muss und genau der wird dann in der Bildersuche eben nicht angezeigt.
      Zudem hat das recht wenig mit dem Artikel zu tun.

      Linuxhelfer = “Daher: wer braucht die Google-Bildersuche?”

      Diese Frage stellt sich überhaupt nicht. Die Bildersuche wird von den Usern verwendet, von denen über 90% keine eigene Webseite besitzen.

  • Heike Rost
    02.02.2013, 14:23 Uhr.

    Der Bundesgerichtshof urteilte mitnichten, dass “nur Thumbnails zu finden waren”, das ist schlicht falsch dargestellt. In der Urteilsbegründung des BGH wird das klar: die Klägerin habe ihre Website einerseits für Suchmaschinen gezielt optimiert, andererseits aber die Indizierung von Bildern nicht via robots.txt explizit untersagt. “Keine Einwilligung in Einräumung von Rechten, aber Einwilligung in Rechtsverletzung.” schreibt telemedicus dazu.
    http://www.telemedicus.info/article/1763-Die-Thumbnail-Entscheidung-des-BGH-im-Detail.html

  • Linuxhelfer
    02.02.2013, 17:17 Uhr.

    hi Heike,

    ich habe mir die Entscheidung, die Sie verlinkt haben, durchgelesen und es ist in der Tat so, dass die Klägerin hier es wohl entweder vergessen hat, Suchmaschinen die Nutzungsrechte zu untersagen oder aber sie hat es absichtlich unterlassen.

    Davor hätte sich die Klägerin in der Tat mit einem robots.txt schützen können, wie sie es ganz richtig schreiben. Oder aber – was die Klägerin immer noch tun kann – die Klägerin kann nun gegen Google in den USA auf Entfernung der Bilder aus der Suchmaschine klagen.

    Nur das Problem dabei ist: nicht nur Google zeigt dann die Bilder an, sondern etliche andere Suchmaschinen ebenfalls. Denn es gibt ja schließlich nicht nur Google als Suchmaschine, sondern – wie ich schon des Öfteren aufgezeigt habe – noch etliche andere weitere Suchmaschinen.

    Daher kann es nun sein, dass die Klägerin hier einen bereits jetzt verlorenen Kampf gegen Windmühlen kämpft. So leid es mir für die Klägerin in diesem Falle tut. Nur ist es leider hier so, dass sich die Klägerin hier selbst ein Verschulden zuschreiben lassen muss, da sie nicht verhindert hat, dass die Bilder von Suchmaschinen gefunden und genutzt werden.

    Grüße
    Linuxhelfer

  • chaosbastler
    02.02.2013, 17:47 Uhr.

    Wie beim Leistungsschutzrecht lautet auch hier die Antwort wieder: robots.txt.

    Man muss Suchmaschinen nicht einmal komplett aussperren: Man kann auch einfach nur Seiten mit Thumbnails indexierbar machen und die Fotos mit hoher Auflösung mit robots.txt vor Google “verstecken”.

    Das erfordert zwar etwas Aufwand(und man muss dann von seiner Thumbnails-Seite)

  • chaosbastler
    02.02.2013, 17:53 Uhr.

    Ach, zu fix abgesendet, hier nochmal der ganze letzte Satz:

    Das erfordert zwar etwas Aufwand(und man muss dann von seiner Thumbnails-Seite auf die Originale verlinken), es sollte aber grundsätzlich kein Problem darstellen.

  • Heike Rost
    02.02.2013, 19:34 Uhr.

    Mit den robots.txt kann man ziemlich viel verhindern – und auch generell bestimmte Dateiformate und/oder Ordner von der Indizierung durch Suchmaschinen ausschließen bzw. nur Teile der Verzeichnisse für die Crawler freigeben.

    Problematisch ist an der Google Bildersuche auch, dass evt. vorhandene/ins Bild eingebettete Informationen zum rechtlichen Status der Bilder nicht sichtbar sind. Wer für seine Website Bilder Dritter für die ausschließliche Nutzung auf dieser Site erwirbt, begibt sich unfreiwillig auf ziemliches Glatteis: Sich damit herauszureden, dass die doofe Suchmaschine ja die Bilder gezeigt hat, dürfte mit diesem BGH-Urteil wenig Chancen auf Erfolg haben.

    Was die Löschung/Entfernung indizierter Bilder betrifft: Das kann dauern, siehe BGH-Urteil (auch in diesem Fall wurden in den Suchergebnissen längst durch die Klägerin gesperrte/gelöschte Bilder angezeigt). Die Crawler sind langsam – und die Synchronisation der Server dauert Wochen, wenn nicht Monate.
    Mehr dazu habe ich in meinem Blog zusammengefasst, Klick auf meinen Namen führt dorthin.

  • Berger
    08.02.2013, 22:28 Uhr.

    Es ist ein echtes Phänomen. Genau wie Zeitungen könnten Fotografen mittels robots.txt verhindern, dass man ihre Zeitungsartikel bzw. ihre Fotos/Bilder über Google findet. Es besteht aber der Wunsch, dass möglichst viele Menschen die Zeitungsartikel bzw. Fotos sehen/entdecken. Dies geht aber ohne Google nicht. Wenn die Zeitungen/Fotografen robots.txt nicht einsetzen, muss man davon ausgehen, dass sie über Google gefunden werden wollen. Die Berufung auf das Urheberrecht wirkt rechtsmissbräuchlich.

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