Nicht alles Mega: Megaupload-Nachfolger von Kim Dotcom startet

Kim Dotcom, eine der schillernsten Figuren im Netz. (Foto: Flickr Nutzer Abode of Chaos; CC BY 2.0)

Kim Dotcom, eine der schillernsten Figuren im Netz. (Foto: Flickr Nutzer Abode of Chaos; CC BY 2.0)

Mega ist online. Auf die Minute genau ein Jahr, nachdem der Vorgänger Megaupload von den US-Behörden vom Netz genommen wurde. Kim Dotcoms neue Filehosting-Seite Mega soll “größer, besser, schneller, stärker, sicherer” und unangreifbarer sein als ihr Vorgänger. In den ersten Stunden ist die Webseite aber vor allem eines: Hoffnungslos überfordert mit dem Ansturm neuer Nutzer.

Der Internet-Unternehmer und Mega-Gründer Kim Dotcom weiß auf der Klaviatur des Internets zu spielen: Seit Wochen flutet er Twitter mit Vorankündigungen zu seinem neuen Filesharing-Angebot. Seine Tweets schmückt er mit Fotos, die ihn in Szene setzen: Dotcom mit einer Drone in den Händen. Dotcom vor einer riesigen Bühne auf der die Show zum Mega-Start ablaufen soll – im Hintergrund ziehen dunkle Wolken auf.

Dotcom freut sich wie ein kleines Kind als es endlich soweit ist und Mega am 19. Januar 2013 um 18:48 Uhr (MEZ) für die Öffentlichkeit freigeschaltet wird. Er lässt seine Twitter-Follower an seiner ausgelassenen Stimmung teilhaben, twittert im Minutentakt: “Breaking News! Wooohoooo”, “Die Seite ist extrem ausgelastet. Momentan gibt es tausende Anmeldungen PRO MINUTE.” Nachdem Mega für etwa zwei Stunden online ist, schreibt Dotcom rund eine Viertelmillion Nutzer hätten sich bereits registriert.

Aber so glatt wie Dotcom den Start von Mega darstellte, war er nicht: Viele Internetnutzer konnten Mega anfangs nicht erreichen. Die Server des Dienstes konnten dem großen Ansturm offenbar nicht standhalten. Einige der User, die sich anmelden konnten und das Angebot testen, klagen über langsame Upload-Zeiten. Der spanische Twitter-User Alejandro Nolla entdeckte außerdem direkt nach dem Start ein XSS-Problem bei Mega. XSS steht für Cross-site scripting und beschreibt eine Sicherheitslücke in Web-Applikationen, die es Eindringlingen ermöglicht, Code in die Web-Applikationen des Anbieters einzuschleusen.

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

Aber für Dotcom sind solche Befürchtungen Petitessen. Nicht Datendiebe, sondern amerikanische Behörden sieht er als Bedrohung. Er scheint aber zuversichtlich, mit seinem neuen Dienst den rechtlichen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen zu können, die seinem alten Angebot Megaupload das Genick brachen: Der größte Vorwurf gegen Megaupload war, dass auf seinen Servern Daten gespeichert und vor allem geteilt wurden, die urheberrechtlich geschützt waren.

Mega will dieses Problem umgehen, indem die Webseite sich bewusst von der Verantwortung des Mitwissers befreit: Alle Daten, die Nutzer in den Cloudspeicher des Dienstes hochladen, werden automatisch im Browser verschlüsselt. Nur der Kontoinhaber selbst erhält einen Code, mit dem es möglich ist, die Daten wieder aufzuschlüsseln und anzusehen. Somit weiß Mega nicht, was auf seinen Servern gespeichert ist, die Nutzer können die Inhalte aber – wie schon bei Megaupload – wieder munter untereinander austauschen. In den Terms of Use vermerkt Mega jedoch, dass Nutzer nur solche Daten hochladen dürfen, die ihnen gehören oder die sie autorisiert sind zu benutzen. Damit behält Mega sich das Recht vor, Inhalte zu löschen, auf die diese Vorgaben nicht zutreffen – Raubkopien von Filmen oder Musik beispielsweise.

#ThinkBigDoBigger: 50 GB umsonst

Drei Tage vor der Pressekonferenz zum Start von Mega verkündete Dotcom bereits die erste große Neuigkeit – via Twitter natürlich: Angemeldete Nutzer erhalten 50 Gigabyte Speicherplatz umsonst. Das ist eine neue Dimension an kostenlosem Speicherplatz – andere gängige Clouddienste wie Dropbox bieten gerade mal zwei Gigabyte gratis Speicherplatz. Nutzer, die noch mehr Daten in die Wolke laden möchten, können sich zusätzlichen Speicher per monatlichem Abonnement hinzu kaufen.

Ob Mega an die kommerziellen Erfolge seines Vorgängers anschließen kann, wird sich erst noch zeigen. Für Dotcom’s Image-Politur hätte der Start der Seite gar nicht besser laufen können. Rund um die Welt feiern ihn Nutzer für die die großzügige Speicher-Gabe. Ein Wohltäter ist er dabei aber mitnichten. Vielmehr inszeniert er seine grenzlegalen Geschäfte als Kampf für die Freiheit des Internets und vergleicht sich mit Julian Assange und Aaron Swartz. Tatsächlich geht es Dotcom aber vor allem um zwei Dinge: Rampenlicht und Reichtum. Er bleibt einer der kontroversesten Internet-Unternehmer unserer Tage – und fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle.

von: Virginia Kirst

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