Gamification in der Firma: Wer nicht spielt, arbeitet nicht

Die Hotelkette Marriott nutzt Gameification (Foto: Screenshot)
Die Hotelkette Marriott nutzt Gamification (Foto: Screenshot)

Während immer mehr Gamification als großen Trend bejubeln, zeigen Beispiele in den USA, wie Spiele auch zur Überwachung von Mitarbeitern eingesetzt werden können.


“Glückwunsch, Sie sind zum Mitarbeiter des Monats gewählt worden. Nicht nur haben Sie ihre Arbeit pflichtbewusst erledigt, nein, nebenbei sind Sie noch einen Marathon gelaufen, haben sich nachweisbar gesund ernährt und für Ihr Engagement mehr Punkte bekommen als Ihre Kollegen. Bedanken können Sie sich bei der zuständigen Werbeagentur, welche Ihrem Unternehmen das Gamification-Netzwerk angedreht hat.”

Die ausgedachte Szene beschreibt einen Trend: Gamification wird in den nächsten Jahren das große Ding in der Wirtschaft, so sagte es zumindest das private Marktforschungsinstitut Gartner voraus: Bis 2015 würden mehr als die Hälfte der Unternehmen spielerische Techniken für Innovationsprozesse nutzen.

Das Prinzip ist denkbar einfach, Spielmechanismen, wie man sie aus Computerspielen kennt, werden auf andere Bereiche übertragen. Nora Stampfl hat ein Buch über den Trend geschrieben und zeigt, dass wir schon heute beim Einkaufen, bei der Arbeit oder im Bereich Fitness und Gesundheit immer öfter auf Punkte, Levels, Ranglisten oder Belohnungen stoßen.

Zwischen Motivation und Überwachung

In den USA wird, ausgehend von großen Werbeagenturen wie Badgeville oder Keas versucht, Gamification in die Arbeitswelt einzuführen. Die spielerischen Elemente sollen hier bezwecken, dass Mitarbeiter motivierter und effizienter arbeiten. Gleichzeitig soll ihre Gesundheit gefördert werden.

“Viele Arbeitnehmer in den USA dürfen keine Netzwerke wie Twitter oder Facebook während der Arbeitszeit verwenden, deshalb bieten wir eigene soziale Netzwerke an”, sagt Josh Stevens, Geschäftsführer von Keas gegenüber Hyperland. Die Netzwerke werden von der Geschäftsführung der jeweiligen Unternehmen überwacht. Sie würden entscheiden, was gepostet werden dürfe und was nicht. Mitarbeiter sollen durch in das Netzwerk integrierte Spiele in Teams gegeneinander antreten, um zu messen wie groß ihr Fortschritt in Sachen gesunder Ernährung und Arbeitsmotivation ist. “Im Team sind Menschen leichter bereit, ihr Verhalten zu ändern”, sagt Stevens.

Die Grenze zwischen freiwilligem Engagement und Manipulation der Mitarbeiter scheint dabei zu verschwimmen. In einer Studie des US-Forschungszentrums Pew Research warnen einige Experten vor den Wirkungen der Gamification: “Sie kann unsichtbare, hinterhältige Manipulationen von Verhalten bewirken.”

Geld oder iPhone als Belohnung

Zum Trost dafür werden die Mitarbeiter für ihre Leistung in den Gamification-Netzwerken großzügig belohnt. Wer am motiviertesten ist oder am meisten für seine Gesundheit getan hat, der bekommt vom eigenen Unternehmen entweder mehr Geld, ein iPhone oder muss gleich weniger in seine Krankenversicherung einzahlen, erklärt Stevens.

Auch die US-Werbeagentur Badgeville bietet ein solches Netzwerk an und nennt es passenderweise gleich “Verhaltensplattform”. Ihr Netzwerk erlaube nicht nur die Motivation der Mitarbeiter, sondern biete mehr. “Ein Fenster zeigt, was die Personen gerade tun”, heißt es auf der Homepage der Werbeagentur.

Rekrutierung und Ausbildung

Gamification muss aber nicht zur Überwachung oder Kontrolle missbraucht werden. Der Anwendungsbereich ist vielseitig, wie weitere Beispiele aus den USA zeigen. Das Hotelunternehmen Marriott zum Beispiel versucht, mithilfe eines Social Game auf Facebook junge Nachwuchskräfte zu gewinnen und nutzt die Möglichkeiten des Netzwerkes. Während die Hotelkette weltweit expandiert, hofft sie mit “My Marriott Hotel” via Facebook, eine Art Farmville für Hotelmanager, weltweit Personal zu finden. Nicht zufällig lässt sich das Spiel auch auf Arabisch oder Chinesisch spielen. Das Prinzip: Während des Spieles wird der Spieler auf die echte Bewerberseite des Hotelunternehmens verwiesen, gleichzeitig werden auch immer wieder seine Facebook-Freunde eingeladen mitzumachen.

Auch der Einsatz von Gamification in der Ausbildung von Nachwuchskräften ist eine Möglichkeit. So setzt zum Beispiel das US-Verteidigungsministerium in der Ausbildung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auf zahlreiche Social Games.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Giuseppe Paletta

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Giuseppe Paletta: Nach dem Journalistikstudium in Leipzig widmete sich Giuseppe Paletta in seiner redaktionellen Arbeit vor allem Themen aus dem World Wide Web: Von Big Data über Crowdfunding bis zu Rasterfahndungen im Netz. Seine Texte lassen sich bei ZEIT Online, taz, Spiegel Online oder im Hyperland-Blog nachlesen.
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