Facebook startet “Graph Search”, die Menschen-Suchmaschine

Mit Graph Search läutet Facebook eine neue Ära ein (Foto: Pressefoto Facebook)

Mit Graph Search läutet Facebook eine neue Ära ein (Foto: Pressefoto Facebook)



Tagelang wurde spekuliert, nun hat Facebook endlich sein großes Geheimnis gelüftet (kleine Vorschau: es wird kein Facebook Phone geben). CEO Mark Zuckerberg und Managerin Sheryl Sandberg stellten am Dienstagmorgen (amerikanischer Zeit) im Facebook-Hauptquartier im kalifornischen Palo Alto einer Horde von Technologie-Reportern die neueste Erfindung des sozialen Netzwerks vor: Graph Search, eine Facebook-basierte Suchmaschine.

Für Zuckerberg steht sein Unternehmen nun auf drei Säulen: 1. Der Newsfeed, über den man Neuigkeiten erfährt; 2. Die Timeline, mit der man seine persönliche Geschichte (mit)teilt; und schließlich 3. Graph Search, womit Fragen wie “Was mögen meine Freunde? Wo fahren sie gerne hin? Wer fährt gerne Ski” beantwortet werden können. Schließlich seien Werkzeuge, mit denen man Informationen innerhalb seines eigenen Netzwerks an Freunden suchen kann, die interessantesten Inhalte in sozialen Netzwerken.

Anstatt das gesamte Internet, würden Nutzer nun ihr persönliches Netz durchsuchen. Selbstverständlich betritt Facebook damit ein Feld, welches bereits von Google versucht wurde, mit Hilfe von Google Plus zu besetzen. Statt jedoch eine direkte Kampfansage in Richtung Mountain View zu schicken, erklärte Zuckerberg, dass er “liebend gerne mit Google kooperieren würde”. Bisherige Verhandlungen seien aber gescheitert. Stattdessen kooperiert Facebook nun mit der Microsoft Suchmaschine Bing.

Neue Herausforderungen in Sachen Privatsphäre

Während Googles soziales Netzwerk jedoch eher mit geringer Nutzeraktivität zu kämpfen hat, wird sich Facebook mit einer altbekannten Problematik auseinandersetzen müssen: der Privatsphäre. Da das Image des sozialen Netzwerks in der Vergangenheit schon häufiger unter den schwer durchschaubaren sowie sich ständig ändernden Einstellungen zur Privatsphäre gelitten hat, versicherte Zuckerberg dem Publikum, dass ein großer Teil der Anstrengungen diesem Thema gewidmet ist. In diesem Zusammenhang kam der Gedanke auf, dass die Ergebnisse der sozialen Suche natürlich stark von den Nutzerentscheidungen abhängig sind. Wenn diese wenig freigeben, geht auch so manche Suche leer aus.

Erste Reaktionen im Netz

Dennoch: Facebooks Suche kann bereits jetzt auf einen reichen Datenschatz zurückgreifen, wie der Tech-Analyst Ben Wood auf Twitter argumentiert: “Facebook Graph Search zeigt den Mehrwert der Metadaten, den Nutzer durch ihre Likes, Status-Updates, Beziehungen usw. generiert haben.” Bloomberg-Reporter Paul Kedrosky twitterte, dass Graph Search nicht zwangsläufig Google gefährde, sondern vielmehr Yelp, eine Plattform, auf der lokale Empfehlungen beispielsweise für Restaurants gepostet werden. Dass dies nicht nur er so sah, zeigt die Tatsache, dass die Yelp-Aktie nach der Facebook-Ankündigung um 8 Prozent fiel. Reuters-Korrespondent Anthony de Rosa sieht wiederum einen anderen Dienst im Visier der Kalifornier: Linkedin. Schließlich seien die Freunde von Kollegen ein optimaler Ausgangspunkt für die Mitarbeitersuche in Unternehmen. Ein weiteres Nutzungsszenario beschrieb Vladim Lavrusik, bei Facebook für Journalismus-Projekte zuständig, in seinem Blogpost. Demnach eigne sich das neue Tool hervorragend, um Quellen und Inhalte zu recherchieren, oder aber auch um Journalisten zu finden.

Testphase gestartet

“Graph Search ist ein sehr großes Projekt. Es wird Jahre dauern, alle Daten zu indizieren und den Graphen zusammenzufügen, aber all die Leute, Fotos, Orte und Interessen begeistern uns.” Daher geht Graph Search auch erstmal als Beta-Version an den Start für die sich Nutzer anmelden können.

Autor: Stephen Robert Morse

Übersetzung: Torsten Müller