Die Learntec 2013

So sollte modernes Lernen einmal aussehen – die Learntec wirft einen realistischeren Blick auf das Thema (Bild: Wimedia Commons-Nutzer Vizu, gemeinfrei)

So sollte modernes Lernen einmal aussehen – die Learntec wirft einen realistischeren Blick auf das Thema (Bild: Wimedia Commons-Nutzer Vizu, gemeinfrei)

Welchen Beitrag liefert die digitale Entwicklung zum Lernen? Keinen, zumindest keinen positiven. So die steilen Thesen des umstrittenen Bestsellers “Digitale Demenz“, mit dem Manfred Spitzer in der zweiten Hälfte des vergangene Jahres reüssieren konnte. Die Learntec, die heute in Karlsruhe ihre Türen öffnete, lenkt hingegen wie jedes Jahr die Debatte auf die Potenziale des E-Learnings – mit der Kritik geht sie aber offensiv um.

Die Learntec ist Messe und Konferenz in einem. Auf dem Messeteil präsentieren sich 187 Firmen und Organisationen, die im E-Learning-Bereich tätig sind, dazu gibt es verschiedene Vorträge. Die Dauerkarte kostet 54 Euro, die Tageskarte 17 Euro. Als “An-Kongress” findet auf einem gesonderten Bereich die Spielemesse Level Up statt. Auf dem höherpreisigen Kongress, der sich an “qualifizierte Fachbesucher” richtet, diskutieren Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft aktuelle Themen wie virtuelle Klassenräume oder E-Publishing. Die reguläre Dauerkarte kostet hier 665 Euro, die Tageskarte 410 Euro.

E-Learning wächst

E-Learning ist ein stark wachsender Markt, wie eine Branchenstudie herausgefunden hat. Der Gesamtumsatz wuchs von 2010 auf 2011 um 22 Prozent – und damit stärker als je zuvor. Die Branche setzte 2011 geschätzte 509 Millionen Euro um und umfasst etwa 250 Unternehmen mit rund 5.000 Festangestellten und 2.500 freien Mitarbeitern. Die Geschäftsfelder reichen von der Erstellung digitaler Lerninhalte über den Verkauf und die Vermietung von E-Learning-Tools bis hin zum Verkauf der passenden Hardware.

Die vier großen Trends beim E-Learning

Peter A. Henning, Karlsruher Informatik-Professor und Mitglied des Learntec-Kongress-Kommitees, sieht im Gespräch mit Hyperland vier große Trends in der E-Learning-Branche. Beim E-Publishing, dem ersten wichtigen Trend, geht es darum, Bildungsinhalte digital aufzubereiten. Mobiles Lernen reagiert darauf, dass immer mehr Internetnutzer nicht mehr über den PC oder den Laptop online gehen, sondern über ihr Smartphone oder Tablet. Als dritten Trend nennt er “Serious Games”, was sich als Fachbegriff der Branche für Lernspiele etabliert hat. Adaptive Systeme sind für Henning schließlich der vierte Trend, der allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Ziel sei es, intelligente Lernsoftware zu entwickeln, die sich individuell auf den jeweils Lernenden einstellen kann.

Digitale Schulbücher

Holger Tuletz ist bei dem großen deutschen Bildungskonzern Cornelsen Geschäftsentwickler in der Abteilung “New Business”. Er redet am ersten Kongresstag über E-Publishing, sein Thema: “Das digitale Schulbuch“. Gegenüber Hyperland beschreibt er die momentane Situation: “Die Verwendung digitaler oder auch digital beschaffter Medien nimmt zweifelsohne zu – zwar langsam und auf sehr niedrigem Niveau, aber stetig.”

Es gehe momentan nicht darum, dass Schulbuch komplett zu ersetzen, sondern es sinnvoll durch digitale Kompetenzen zu ergänzen. Cornelsen bietet zum Beispiel mit den “LernCoachies” ergänzende multimediale Inhalte für Schüler an, die sich an der Struktur und den Inhalten der jeweiligen Cornelsen-Schulbücher orientieren. Wie andere Verlage bereitet Cornelsen auch digitale Ausgaben der Schulbücher für verschiedene Endgeräte auf. Erst drei Monate alt ist das Portal “Digitale Schulbücher” des Verbands Bildungsmedien, das die Angebote verschiedener Schulbuchverlage bündelt.

Digitale Relevanz statt Demenz

Der Mann, der im letzten Jahr die mediale Diskussion um das “E” vor dem “Learning” angeheizt hat, wirkt nach, obwohl er nicht auf der Konferenz spricht. In der offiziellen Pressemitteilung zur Learntec geht man süffisant auf Manfred Spitzer ein, den Henning den “ungenannten Kollegen” nennt: “Wir haben allerdings in letzter Zeit eine verstärkte öffentliche Diskussion, die unter anderem durch gewisse pointierte Buchveröffentlichungen und Medienauftritte ausgelöst wurde. Wir sahen uns deshalb veranlasst, unseren schon immer bestehenden Themenkreis unter dem ebenso pointierten Stichwort ‘Digitale Relevanz’ zusammenzufassen”.

Die Kernbotschaft der Learntec 2013 sei deswegen: “Computer ja – aber bitte richtig”. Und wie es richtig geht, will die Learntec noch bis zum Donnerstag zeigen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Stefan Mey

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Stefan Mey, 32, kommt aus Halle (Saale) und lebt als freier Journalist in Berlin. Das ist nicht immer einfach, macht aber Spaß. Er interessiert sich besonders für Netz-Ökonomie und für die nicht-kommerziellen Player des Internet.
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