Das Internet der Dinge ist auf dem Vormarsch

Das Internet der Dinge fügt dem Netz eine vollkommen neue Dimension hinzu: Maschinen kommunizieren untereinander, ohne Zutun eines Menschen. Auf der CES in Las Vegas wurde gerade das Internet of Things Consortium (IoTC) gegründet, das aus vielen großen amerikanischen Firmen besteht, die die Entwicklung vorantreiben wollen.

Wir schreiben das Jahr 2040. 50 Milliarden Geräte weltweit kommunizieren miteinander. Jedes dieser einzelnen Sender und Empfänger “spricht” ohne menschliche Hilfe miteinander. Wenn ein Gerät in einer Firma defekt ist, dann meldet es dies an einen Computer, der automatisch einen Ersatz bei einer vollautomatisierten Fabrik auf der anderen Seite der Welt ordert. Der Transport und Einbau wird ebenfalls automatisch organisiert. Der Mensch kontrolliert nur gelegentlich die Abläufe und kauft die für den Konsum bestimmten Endprodukte. Eine unglaubliche Zukunftsvision? Nein.

IPv6 als Grundstein

Der wichtigste evolutionäre Schritt um die Vision des Internets der Dinge zu realisieren, fand Mitte des letzten Jahres statt. Damals stellten die größten Internetkonzerne auf das Internet-Protokoll Version 6 um. Damit stieg die Anzahl der verfügbaren IP-Adressen immens an: Von den vorher 4,3 Milliarden beinahe komplett verteilten, auf jetzt unvorstellbare 340 Sextillionen frei verfügbare. Vorher konnten Web-Adressen nur an Computer, Smartphones und andere Endgeräte vergeben werden, jetzt kann auch jeder Container, jede Palette und sogar jedes Kleidungsstück eine eigene IP bekommen.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium fördert diese Entwicklung und 13 Projekte ins Leben gerufen, die unter dem Begriff Autonomik zusammengefasst werden. Das Engagement lässt sich damit begründen, dass Deutschland und Europa sich erhoffen, mit innovativer Software ein Big Player im Internet of Things zu werden, wie auch die seit vier Jahren stattfindende europäische Konferenz rund um dieses Thema zeigt.

Lösung für viele Probleme erwartet

Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages glaubt (PDF), dass diese Entwicklung viele der drängendsten Problem der heutigen Industriegesellschaft lösen könnte. Durch die Vernetzung von Dingen könnte die immer komplexer werdende weltweite Logistik noch effektiver gesteuert werden, genauso der Energieverbrauch, der Verkehr aber auch Systeme, die das Leben einer alternden Gesellschaft vereinfachen. Vorstellbar wären zum Beispiel Textilien, die “spüren” wenn ein Mensch stürzt und sofort automatisch Hilfe rufen.

Voraussetzung für solche Techniken ist nicht nur die Verteilung von Web-Adressen, sondern ebenso die Entwicklung von Sensoren, Empfängern und Sendern, die klein, kostengünstig und leistungsfähig sind. Dazu gehören beispielsweise die Radio-Frequency Identififation Chips (RFID), sowie die sich stetig verbreitende Near Field Communication (NFC), die heute schon in fast jedes neue Smartphone oder Tablet eingebaut wird. Und genau diese Geräte sollen die wichtigste Schnittstelle zwischen Internet der Dinge und Mensch sein. Da heute schon fast jeder einen mobilen Computer mit Zugang zum Netz bei sich trägt, brauchen die kleinen Chips selbst gar keinen Internetanschluss. Sie werden einfach über unsere Mobilgeräte kommunizieren.

Natürlich wird es auch andere Schnittstellen geben, an großen Warenumschlagplätzen, in Kaufhäusern und auf Autobahnen, aber alle uns persönlich assistierenden und umgebenden Geräte werden beinahe unbemerkt mit und über uns sprechen können.

Neue Fragen für den Datenschutz

An dieser Stelle dürfte jedem etwas unwohl werden, der sich schon heute Gedanken über Datenschutz macht: Finde ich es praktisch, wenn ich ein Schuhgeschäft mit einer gerade gegenüber gekauften Hose betrete und die Verkäuferin sofort die Meldung bekommt, welche Schuhe farblich dazu passen und welche Artikel andere Konsumenten zu dieser Hose gekauft haben oder finde ich diese Vorstellung abschreckend?

Trotz aller Gefahren oder Kritik, trotz noch nötiger Forschung und Entwicklung, das Internet der Dinge wird kommen und zwar sehr bald und fast unsichtbar.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Jochen Dreier

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Jochen Dreier arbeitet vorrangig als "Skypereisender" für das Deutschlandradio. Kunst, Kultur, Games, Netzpolitik und Verbraucherschutz - dass diese Themen im Netz nicht mehr trennbar sind, schreibt er auch hier auf Hyperland.
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7 Kommentare

  • Stefan
    16.01.2013, 18:41 Uhr.

    “aber alle uns persönlich assistierenden und umgebenden Geräte werden beinahe unbemerkt mit und über uns sprechen können.”

    Allein der Gedanke daran verursacht bei mir eine unangenehme Gänsehaut. Mir fallen da auch schlagartig Filme wie Matrix und Terminator ein.
    Im Grunde genommen sollten jetzt schon die Standards definiert und entwickelt werden, wie man sich dagegen schützen kann.

    • Benedikt
      17.01.2013, 12:28 Uhr.

      Hallo Stefan,

      ehrlich gesagt hoffe ich da ein wenig auf die Robotorgesetze von dem russisch-amerikanischen Autor Asmiov, der 1942 drei grundlegende und aufeinander aufbauende Gesetze festlegte:

      1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen (wissentlich) Schaden zugefügt wird.

      2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

      3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, so lange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

      Dies ist allerdings eine zu romantische Ansicht der Dinge – bedenkt man nur die tollen Robotorentwicklungen der Menschen: Drohnen, Smart Bombs (welch ekliges Wort), etc…

      Tatsächlich trifft Martin einen wichtigen Nerv, mit seiner Aussage “Computer als Intelligenz ohne Moral”. –> Ich denke da nur an den Film “I Robot” wo ein Hilfs-Robotor bei einem Autounfall, bei dem zwei Autos in einem Gewässer zu versinken drohen, errechnet, wer die höhere Lebenschance nach der Rettung hat. Ein junges Mädchen hatte, im Gegensatz zu dem älteren Herren, einen schlechteren Wert. Deshalb rettete die Maschine Ihn, und nicht das Mädchen, das noch ihr ganzes Leben vor sich hatte.

      Wer trägt die Verantwortung?

      • Stefan
        17.01.2013, 18:48 Uhr.

        Hallo Benedikt,

        “ehrlich gesagt hoffe ich da ein wenig auf die Robotorgesetze von dem russisch-amerikanischen Autor Asimov, der 1942 drei grundlegende und aufeinander aufbauende Gesetze festlegte”

        Isaac Asimov war ein Ehrenmann und ab da fängt das Problem an, wie Du schon weiter unten in Deinem Beitrag geschrieben hast.
        Die Maschinen und Programme sind leider nur so “ehrenwert” wie der, der sie entwickelt.

  • Darius
    16.01.2013, 19:34 Uhr.

    Der Kolonialismus geht weiter, die Franzosen maschieren mit Truppen in Mali ein um die schwache Regierung mit 2500 französischen Truppen in Mali vor 2000 Truppen zu schützen. HAHAhA ja es geht um die Islamisten.. Scheiß auf dich Frankreich!

  • Martin
    16.01.2013, 21:55 Uhr.

    Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral.

  • Bertram in Mainz
    16.01.2013, 23:54 Uhr.

    Warum sollen wir eine solche Vernetzung gut finden? Ganz sicher wird man uns die Kontrolle über unsere Daten aus der Hand nehmen. Oder es ist den Menschen zu kompliziert, sich mit der Datenverarbeitung zu befassen. Viele können schon ihren Videorecorder oder ihr Telefon nicht mehr programmieren. Bestimmt werden die nicht ins Internet der Dinge eingreifen.

    Das bedeutet: Das System beobachtet jede, wirklich jede Tätigkeit. Es hat keinen Sinn, Daten zu erfassen, wenn man nichts damit machen will. Wer mit solchen Aufwand Daten sammelt, wie das jetzt schon passiert, der will die Daten auch verwenden! Das System verarbeitet UNSERE Daten nach den Wünschen ANDERER! Nur wenige Menschen werden sich durch komplizierte Deaktivierungen durcharbeiten. Und die werden dadurch erst richtig verdächtig sein.

    Es wird durchschnittliche Menschen geben, die sich in einem solchen System beschützt fühlen, solange sie nicht auffallen. Dann wird es Abweichler geben, die sich entweder zwangsweise anpassen müssen, oder die richtig Ärger bekommen. Das ist wie in jeder anderen Diktatur auch.

    Die Interessen des Systems sind nicht unsere Interessen. Der Staat möchte uns gerne an die Hand nehmen und “beschützen”. Die Wirtschaft möchte uns in ihrem Sinne lenken. Die Werbewirtschaft will uns gezielte Werbung unterjubeln. Versicherungen werden ganz wild darauf sein, unser Verhalten zu beobachten. Und alle werden behaupten, sie wollen uns nur helfen!

    Wenn wir das mitmachen, werden wir zu Kindern, die nie erwachsen werden dürfen. Wir werden für Alles und Jedes vom System “Vorschläge” bekommen, die aber so aufgebaut sind, dass man sich die freie Wahl nur einbildet. Es wird für alles Normbereiche geben. Ist da ein Kind nicht optimal versorgt? Hat da jemand eine beginnende Depression? Kann der alte Mensch noch in seiner Wohnung bleiben? Je mehr man uns “helfen” will, umso mehr müssen wir aufpassen, dass wir nicht von Normen abweichen! Sonst kommt vielleicht gar Besuch vom Amt!

    Übertrieben? Man kann mit solchen Daten unglaublich viel machen, auch wenn es Mist ist! Unregelmäßiger Tagesablauf bis in die Nacht? Lange Internet-Nutzung? Kinder im Haushalt? Problemfamilie!!!

  • Helga Karl
    17.01.2013, 10:25 Uhr.

    Als Beitrag informativ. Das beschriebene Geschäftsfeld groß. Als technisch-geschäftliche Dynamik zu Ende gedacht der blanke Horror ohne massive gesetzliche Regulierung zur Sicherung von Selbstbestimmung und wirksamen Datenschutz.

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