Da wollen Sie lieber nicht arbeiten …

Arbeitgeberbewertungsportale wie kununu.com erfassen zahlreiche Faktoren, die anderweitig schwer zu ermitteln sind (Screenshot)

Arbeitgeberbewertungsportale wie kununu.com erfassen zahlreiche Faktoren, die anderweitig schwer zu ermitteln sind (Screenshot)

An Jobsuchenden herrscht in der EU kein Mangel, doch unter der Schar der Bewerber den richtigen zu finden ist schwer. Doch umgekehrt ist es für fähige Mitarbeiter genauso schwierig, ein Unternehmen zu finden, in dem sie wirklich arbeiten möchten. Arbeitgeberbewertungsportale helfen, ersetzen aber den wirklichen Kontakt nicht.

Auf Arbeitgeberbewertungsportalen stellen Mitarbeiter ihren ehemaligen Firmen anonym ein Zeugnis aus, bewerten Bewerbungsgespräche und teils auch einzelne Chefs. Mit diesen Daten gewappnet, können andere qualifizierte Jobsuchende im Idealfall leichter eine Firma finden, die im Arbeitsalltag hält, was sie per Stellenanzeige verspricht. Und das ist wichtig: Mit den Kollegen verbringen wir oft mehr Lebenszeit als mit unserer Familie, da möchte man eine Schlangengrube missgünstiger Kollegen ebenso meiden wie cholerische Bosse.

Vorbild: Kununu

Den Maßstab setzt hier seit einigen Jahren Kununu. Das aus Österreich stammende Start-Up verfügt derzeit über fast 190.000 Bewertungen von über 55.000 Firmen allein aus Deutschland und kann hierzulande als erfolgreichstes Angebot seiner Art gelten. Kununu ist populär, so dass Xing sich das Unternehmen nach längerer Kooperation am 1. Januar einverleibt hat.

Auf Kununu.com kann jeder Besucher sofort und ohne Anmeldung prüfen, wie es um ein Unternehmen in Sachen Betriebsklima, Weiterbildung und andere Faktoren bestellt ist. Eine Suchfunktion ermittelt schnell die am besten bewerteten Unternehmen einer Stadt und Branche, was Kununu auch zu einem höchst interessanten Werkzeug für die Blindbewerbung macht.

Die Konkurrenz

Die Konkurrenz will sich mit besonderen Features abheben. Allerdings drängt sich schnell der Eindruck auf, dass in diesem Markt wenig Platz für viele Player ist. So wirkt Jobvoting.de, immerhin ein Jahr vor Kununu gestartet, stellenweise arg altbacken und schreckt mit verwaisten Bereichen wie den Job Logs ab. Auch beim eigentlich ganz ansehnlichen bizzwatch.de stammt das letzte Video von Mitte 2012.

Auf MeinChef.de kann man seine Chefs bewerten. Zwar nicht vollnamentlich, doch ausführlich genug, damit bestehende Mitarbeiter die betroffenen Personen erkennen dürften. Ob das Bewerbern wirklich hilft? Wohl eher nicht. Bodenständiger zeigt sich schon companize.com, das seinen Schwerpunkt darauf legt, das Tabuthema der Gehälter zu erfassen. Wer übrigens Unternehmen mit starkem internationalen oder US-Hintergrund im Auge hat, sollte auch Systeme wie glassdoor.com checken.

Social Media und direkter Kontakt sind besser

“Arbeitgeberbewertungsportale zeigen mehrheitlich subjektives Feedback”, glaubt Marcus K. Reif, Leiter Recruiting und Employer Branding bei Ernst & Young. “Der Ausschnitt ist zwar wichtig, aber nur ein Teil der Wirklichkeit. Statistisch betrachtet sind die hiesigen Arbeitgeberbewertungsportale noch irrelevant”. Der Schnitt liege bei 3,2 Bewertungen je Arbeitgeber (bei großen Unternehmen etwas besser), daher empfiehlt er, sich nicht auf diese Portale allein zu verlassen: “Auch der Auftritt der Arbeitgeber in sozialen Netzwerken wie Facebook ist wichtig, ebenso die Unternehmenskarrierewebseite und Recruiting-Veranstaltungen”.

“Arbeitgeberbewertungsportale eignen sich, um ein Bild abzurunden – vor allem aber um zwischen den Zeilen zu lesen”, sagt Jochen Mai von karrierebibel.de: “Weil immer mehr Unternehmen Karriereseiten auf Facebook oder Blogs betreiben, sehe ich aber zunehmend weniger die Notwendigkeit für solche Portale”. Seiner Ansicht nach machen Tweets von Mitarbeitern, Kommunikation auf Facebook-Seiten und Blogs Unternehmen viel transparenter, als diese oft ahnen: “Diese Kanäle erlauben auch den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern, um dann – nach der ersten Kontaktpflege – per Mail Fragen zu stellen. Manche antworten vielleicht nicht ehrlich, einige aber schon”.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Andreas Winterer

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Andreas Winterer ist freier Journalist, Blogger und Buchautor aus München. Er interessiert sich für Themen wie Identität, Anonymität und Sicherheit und findet jede Art von Kommunikation ziemlich spannend.
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