CES 2013: Das Ende einer Ära

Vom 8. bis zum 11. Januar schlägt das IT-Herz auf der CES in Las Vegas (Foto: Pressefoto CES, 2012)

Vom 8. bis zum 11. Januar schlägt das IT-Herz auf der CES in Las Vegas – noch (Foto: Pressefoto CES, 2012)

Auch in diesem Jahr trumpft die CES mit unzähligen Gadgets, Fernsehern und einer wahren Produktflut auf. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die große Zeit der einst wichtigsten IT-Messe der USA wohl vorbei ist.

Wie jedes Jahr prunkt die CES auch heuer mit großen Zahlen: 170.000 Quadratmeter, 3.000 Aussteller, 20.000 Produkte. Das klingt nach gesundem Wachstum, doch die inflationären Angaben verdecken ein Problem. Wie alle klassischen Produktmessen verliert auch die CES zunehmend an Bedeutung. An die Stelle einer einmaligen, zentralen Großveranstaltung treten die dezentralen Informationskanäle der sozialen Medien, die das ganze Jahr geöffnet sind.

Das Fehlen der großen Vier

Apple, Amazon, Google, Microsoft: Vier Unternehmen geben in der IT-Branche derzeit Ton und Tempo vor – und keines davon ist auf der CES vertreten. Bei Apple hat das Fernbleiben Tradition. Seit gut 20 Jahren setzt man in Cupertino lieber auf Hausmessen. Auch das Fehlen von Amazon und Google lässt sich von den CES-Veranstaltern wohl noch verschmerzen. Amazon geht mit seinen Kindle-Produkten ohnehin einen eigenen Weg, und Google ist eher als Technologie-Konzern denn als Produktschmiede bekannt. Doch dass ausgerechnet Microsoft fehlt, wiegt schwer. Für den Software-Riesen war die CES jahrelang eine Hausmesse, die traditionell mit einer Keynote aus Redmond eröffnet wurde. Damit ist es in diesem Jahr vorbei.

Social Media übernehmen

Microsoft begründet sein Fernbleiben in diesem Jahr damit, dass man in Zukunft vor allem auf soziale Netzwerke Facebook, Twitter & Co. setzen werde, bei denen Microsoft mit zahlreichen offiziellen Accounts präsent ist. Statt sich in Konzept und Zeitplan externer Organisatoren zu zwängen, nutzt man die Chancen der offenen Vernetzung.

Dieser Entwicklung kann sich auch die CES nicht verschließen, auch hier hat man die immense Bedeutung der sozialen Netzwerke erkannt. Man ist mit einer eigenen Facebook-Seite präsent, zeigt bei Instagram Fotos der CES, ist auf Twitter oder YouTube aktiv und verschmäht auch G+ nicht.

Die Hardware ist tot

Das Kürzel CES stand bislang für “Consumer Electronics Show”, doch in Zukunft soll die Messe schlicht CES heißen. Anscheinend dämmert den Veranstaltern, dass die Hardware schneller veraltet, als sie vorgestellt wird. “Die Zukunft ist nicht mehr Hardware”, begründet Matt Buchanan vom einflussreichen Tech-Blog Buzzfeed seine diesjährige CES-Abstinenz und bringt das grundlegende Problem der CES auf den Punkt. Die entscheidenden Impulse der Branche kommen heute weniger von konkreten Geräten, als vielmehr von Software, Strukturen und Technologien. Ein Smartphone oder Computer ist für viele Anwender mitunter kaum mehr als ein Zugang zu Internet, Datenwolke und Facebook.

Nvidia und Cloud-Gaming

Netz-Revolutionen fehlen indes auf des CES, aber vielleicht erkennt man sie nur noch nicht. Etwa “Cloud-Games”: Bei ihnen wird die Grafik nicht mehr auf dem Gerät des Spielers, sondern in der Cloud berechnet und per Internet zum Spieler übertragen. Einfachste Geräte können so grafisch komplexe Spiele darstellen, Hersteller müssen nicht für jede Exoten-Plattform entwickeln, sondern nutzen einen Kanal wie den Cloud-Game-Anbieter Onlive. Der Haken für die Hardware-Hersteller: spezielle 3D-Chips werden auf den Endgeräten nicht mehr nötig. Zumindest 3D-Spezialist Nvidia sorgt vor und präsentiert zur CES die Server-Architektur Grid, welche die für Cloud-Gaming notwendige Rechenkraft über das Internet bereitstellt: Statt an Spieler will man die Grafikkarten an die Cloud-Betreiber verkaufen.

Vernetzte Kameras

Samsung und Nikon preschten schon 2012 mit vernetzten Digicams vor. Samsung erweitert seine Palette nun um fünf neue Kamera mit dem System Smart Camera 2.0, das sich drahtlos mit einem Smartphone verbindet. Ähnliche Wege geht die Canon PowerShot N, die via WiFi Kontakt zum Smartphone des Nutzers aufnimmt und Fotos sofort über sozialen Netzwerken verbreiten kann. Die Systemkamera Polaroid iM1836 von Polaroid setzt auf Android. Wie Samsungs Galaxy-Cam lässt sie sich direkt mit einer SIM-Karte ausstatten und geht dann direkt per Mobilfunk ins Internet.

TV und Internet

Auf die seit längerer Zeit prognostizierte Verschmelzung von TV und Internet werden wir aber wohl auch dieses Jahr warten müssen, bislang sind bereits die Fernbedienungen noch zu kompliziert und Lösungen wie TV connect von Archos wirken eher wie plumpe Basteleien aus dem Hobbykeller.

Mit neuen Eingabemethoden wie Gesten- und Spracherkennung könnte sich das aber bald ändern. Browser-Exot Opera hat jedenfalls vorgesorgt und seinen bislang noch rudimentären Opera TV Store erweitert. Damit verknüpft Opera stärker als bisher Fernseher und Internet und zeigt zugleich, dass über Browser etablierte App-Stores auch den Fernseher erobern können. Ubuntu on Phones und Firefox OS sind ebenfalls Kandidaten, die nach der Smartphone-Konkurrenz durchaus auch die Fernsehwelt ins Visier nehmen könnten.

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Autor: Andreas Winterer

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Andreas Winterer ist freier Journalist, Blogger und Buchautor aus München. Er interessiert sich für Themen wie Identität, Anonymität und Sicherheit und findet jede Art von Kommunikation ziemlich spannend.
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