Big Data: Das Tal der Ahnungslosen

 

Die Hauptbühne beim Branchentreffen DLD (Foto: Daniel Fiene)

Die Hauptbühne beim Branchentreffen DLD (Foto: Daniel Fiene)

Immer größere Datenbestände, die sich auch noch untereinander verknüpfen lassen, Mobiltelefone, günstige Sensoren und Messgeräte, die unaufhörlich neue Daten produzieren: All das sorgt für einen Hype rund um Big Data. Von einem Nervensystem für die Welt wird bereits geschwärmt. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Die sinnvolle Nutzung der Daten steht noch ganz am Anfang, die Menschheit befindet sich noch im Tal der Ahnungslosen, was die Konsequenzen von Big Data angeht.

Wer ehrlich ist, gesteht sich ein: Weder die Chancen noch die Risiken sind absehbar. Auf der DLD Conference in München fordern die Sprecher eine kritische Auseinandersetzung und dass die wichtigen Fragen jetzt gestellt werden.

“Big Data ist wie Teenagersex. Jeder redet drüber, nur die wenigsten machen es”, stellt der Datenwissenschaftler Dj Patil fest. Die weltweite Diskussion um Big Data befindet sich in einem nebeligen Tal. Erste Positiv-Beispiele lassen große Hoffnungen wach werden: Wenn Big-Data-Anwendungen wirklich zu einem umfassenden Nervensystem der Welt würden, die beispielsweise zuverlässig vor einem Erdbeben warnen würden, könnte das vielen Menschen das Leben retten.

Rick Smolan, vom Crowdsourcing-Media-Projekt “The Human Face of Big Data“ stellt direkt klar, dass seiner Meinung nach Big Data nicht gleich Big Brother bedeutet. Dj Patil weist aber darauf hin, dass Big Data auch zum Scheitern führen könne und fordert einen menschengerechten Zugang zu den Daten.

Den Daten ein Gesicht geben

“Haben Sie einen persönlichen Spock auf Ihrer Brücke”, fragt Dj Patil in die Runde. Er hält Captain Kirk für den besten Entscheider den es gibt. Denn er habe immer seinen Chef-Wissenschaftler Mr. Spock einbezogen, der seine Empfehlungen nach einem Blick in den Computer getroffen hat. Big Data-Anwendungen kommen laut Patil nicht ohne menschliches Gesicht aus, das zwischen den Daten und Entscheidern vermittelt und vor allem übersetzt

Den Daten ein Gesicht geben, das möchte auch Rick Smolan. Im Rahmen seines Projekts “The Human Face of Big Data“ gibt es eine App, die den Datendoppelgänger der Nutzer sucht. Wer liefert von sich selbst ähnliche Daten? Sind diese Datendoppelgänger auch von ihrer Natur aus ähnlich? Smolan möchte aus diesem Projekt eine Diskussion generieren. Denn: Über Big Data müsse jetzt intensiv geredet werden. Wir produzieren so viele Informationen mit unseren Kreditkarten, Schrittzählern und Browserverläufen, können aber nicht immer auf unsere eigenen Daten direkt drauf zurückgreifen, während sich andere daran eine goldene Nase verdienen können.

Eine Szene im Gesundheitswahn

Smolan verspricht seinen Zuhörern, dass in Zukunft durch Daten konkretere Vorhersagen über die eigene Gesundheit getroffen werden könnten. Big Data als Frühwarnsystem auf der persönlichen Ebene. Damit trifft er den Nerv der Zuhörer in München, die in diesem Jahr zu großen Teilen ihre Fitbit-Schrittzähler, Nike+Fuelband-Armbänder oder andere Gadgets zur Vermessung der eigenen Gesundheit bei sich tragen.

Während die Gadgets dieser Quantified-Self-Bewegung heute durch ihren spielerischen Charakter faszinieren, gibt es gleichzeitig eine große Unwissenheit über den Verbleib der Daten: Stellt die Plattform mir meine Daten zur Verfügung? Wer nutzt die Daten zu welchem Zweck, werden die Daten künftig mit anderen Daten verknüpft?

Bis zum Dienstag (22. Januar 2013) findet in München die DLD Conference (Digital-Life-Design) statt, die seit 2005 von Hubert Burda Media veranstaltet wird. Es werden noch Reinhold Messner und Eugene Kaspersky erwartet. Livestreams und Videos-On-Demand sind auf der Webseite des Veranstalters zu finden: http://dld-conference.com/conferences/17

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