Open Data: Die offene Gesellschaft und ihre Daten

Zukunfsmusik: OpenGovData Deutschland soll der freie Zugang zu Behördendaten aller Art ermöglichen.

Zukunftsmusik: OpenGovData Deutschland soll den freien Zugang zu Behördendaten aller Art ermöglichen.

Auf dem ersten internationalen Open Data Dialogue des Fraunhofer Fokus-Instituts wurde in Berlin an zwei Tagen über das Potential von Open Data diskutiert. Hyperland war vor Ort.

Wenn es um den offenen, freien und maschinenlesbaren Zugang zu all den Daten geht, die Verwaltungen und andere Einrichtungen produzieren, gilt Deutschland immer noch als Entwicklungsland. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft mit offenen Daten durchaus unterschiedliche Zwecke verbinden.

Effizienteres und besseres Regieren, neue Geschäftsmodelle oder Information und Teilhabe für alle Bürger – trotz der zuletzt geführten Diskussionen, ob man von einer Open-Data-Bewegung überhaupt sprechen kann, konnten sich die meisten Teilnehmer in Berlin auf eine Formel einigen: Offene Daten sind nicht Ziel, sondern Mittel, wie es Philipp Müller von der Business School der Uni Salzburg formulierte. Eine neue, “offene Staatskunst”, sei gefragt.

Zeit für einen Kulturwandel

Der Wandel zu offenen Daten könnte das Regierungs- und Verwaltungshandeln wohl tatsächlich in einem Maß umgestalten, wie es zuletzt vielleicht die preußischen Reformen bewirkten. Wer Vorzeigeprojekte sucht, blickt nach wie vor nach England. Bereitschaft gibt es natürlich auch hierzulande: Vorreiter sind einzelne Städte und Kommunen; auf Bundesebene ist insgesamt aber noch kaum ein politischer Wille auszumachen.

Die Hauptaufgabe sei es, einen Kulturwandel voranzutreiben, meint Jan-Ole Beyer vom Bundesinnenministerium. “Vom Grundsatz ‘Alles ist geheim’ hin zum ‘Alles ist offen’ ist es ein weiter Weg”, sagt er. Die Open-Data-Bilanz des Ministeriums hält eher kleine Schritte fest: Den Wettbewerb “Apps für Deutschland“, eine Studie zum Thema, ein Whitepaper.

Offene Verwaltungsdaten

Der nächste Schritt steht jedenfalls schon bevor. Die Fraunhofer-Entwickler präsentierten den Prototypen für eine bundesweite Datenplattform. “OpenGovData Deutschland” soll Daten von Behörden, Ländern und Kommunen in einem Katalog zusammenführen und im März im “Pilotbetrieb” starten. Welche und wie viele Daten dort tatsächlich zugänglich sein werden, ist aber noch offen. Wird etwa das Innenministerium selbst offene Daten liefern?

“Wir versuchen zu befolgen, was wir predigen”, sagt Beyer. Etwas weiter ist Österreich, dort ging schon im Frühjahr ein ähnliches Portal an den Start. Peter Parycek von der Donau-Universität Krems will nun auch “graue” Daten – zum Beispiel von öffentlichen Unternehmen – einbeziehen oder die Plattform um eine Art Intranet für noch-nicht-öffentliche Daten der Verwaltung ergänzen.

Bewegung oder Stillstand?

Schrittmacher der Entwicklung werden Verwaltungen aber wohl kaum sein. Das Tempo haben Aktivisten wie die Fahrplanbefreier von “OpenPlanB” vorgegeben – im Zweifel auch ohne Erlaubnis, Daten nutzen zu dürfen. So bleibt der Eindruck: Beim Open Data trifft Internet-Geschwindigkeit auf Verwaltungszeitrechnung. Und je nach Perspektive kommt Bewegung in die Sache – oder herrscht trotz Geschäftigkeit immer noch Stillstand. Signale kommen aber auch aus Europa: Die Überarbeitung der entsprechenden Richtlinie ist im Gang, schon jetzt habe sie sich als Motor für Geodatendienste erwiesen, konstatierte Peter Hecker vom Verband Geokomm.

Auch die IT-Konzerne sind zur Stelle: Microsoft etwa hofft darauf, dass neue Datenportale die Clouddienste des Unternehmens nutzen. Die Hauptbaustelle für Entwickler und Unternehmen liegt aber darin, neue Dienste auf die Daten zu gründen oder sie mit ihnen zu verbessern. Während sich Informationsvorsprünge auf Märkten früher nur mit hohem Aufwand erreichen ließen, hätten offene Daten die Hürden nivelliert, so Informatikprofessor Nigel Shadboldt.

Unternehmen sollten dabei aber nicht nur Nutznießer, sondern auch Lieferant von Daten sein. Shadboldt sagt: “If you think getting data out of governments is hard, try companies!” Die Arbeit an und mit offenen Daten wird jedenfalls so bald nicht ausgehen.

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Autor: David Pachali

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David Pachali ist freier Journalist zu digitaler Öffentlichkeit, Netzpolitik und Urheberrecht und Redakteur bei iRights.info.
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