Nazis im Netz

Die Nazis sind im Internet. Verschwinden sie daraus, wenn man den Zugriff zensiert?

Die Nazis sind im Internet. Verschwinden sie daraus, wenn man den Zugriff zensiert?

Heute entscheiden die Ministerpräsidenten über ein mögliches Verbot der NPD, das von der Innenministerkonferenz empfohlen wird. Der ausgewiesene Experte Burkhard Schröder, Autor zahlreicher Bücher zum Thema Rechtsextremismus und Internet, hat sich aus diesem Anlass für Hyperland mit dem Thema Nazis im Netz beschäftigt.

“Tack, tack, tack, piep: Die Rechtsextremen haben die moderne Technik entdeckt” – Focus meinte schon im Jahr 1993 vor Neonazis im Netz warnen zu müssen: Die Rechten wollten “Kontakte zwischen ‘nationalen Gruppen’ stabilisieren, Informationen aus dem ‘rechten Getto’ verbreiten, die linken und staatlichen Gegner mit ‘hervorragenden Verschlüsselungsprogrammen’ überlisten.”

Das stimmt heute auch noch, nur dass es sich nicht mehr um die vorsintflutlichen Mailboxen des “Thule-Netzes” handelt, sondern um das Internet. Nazis sind also im Internet. Doch wie geht man damit um? Webseiten wie Netz gegen Nazis oder Endstation Rechts zeigen zwar eine löbliche Gesinnung, Informationen über das, was Nazis online treiben, bekommt man dort allerdings kaum – Links zu einschlägigen Webseiten natürlich erst recht nicht.

Zensurversuche scheitern im Netz

Versuchen wir es dennoch. Bei Stormfront.org wird man sich schnell einig: Die älteste Nazi-Seite im Netz wurde 1995 vom Ku-Klux-Klan-Mitglied Don Black gegründet und war damals nur eine Sammlung einschlägiger Bilddateien, unter anderem von Hakenkreuzen sowie primitiver antisemitischer und rassistischer Propaganda. Heute besteht Stormfront.org aus einem internationalen, mehrspachigen Forum. Wer dort hinsurft, weiß, was er bekommt. In Nordrhein-Westfalen werden die einheimischen Provider gezwungen, Stormfront.org zu zensieren: Anfragen werden umgeleitet, indem das “Telefonbuch” für die IP-Adressen – der Domain-Name-Server – manipuliert wird. Statt der Website erscheint eine Fehlermeldung. Diese Art von Zensur lässt sich aber durch wenige Mausklicks austricksen.

Im August 2011 wurde Altermedia, eine der größten ultrarechten und internationalen Portale im Internet, vom US-amerikanischen Provider gesperrt. Der Betreiber Axel Möller in Deutschland verurteilt. Schon nach wenigen Tagen waren jedoch auf einschlägigen Websites die Adressen zu finden, unter denen man eine neue Version erreichen konnte, darunter auch der deutsche Ableger. Zensur, mit welchen Mitteln auch immer, ist bis jetzt immer schnell gescheitert. Sie arbeitet zudem unwillentlich den Neonazis in die Hände, die  sich prompt als Opfer gerieren.

Wer sich mit dem Thema Neonazis in Internet ernsthaft beschäftigen will, der wird bei Wikipedia am besten informiert, etwa über den so genannten “Nationalen Widerstand” – den Surfern wird dort die Medienkompetenz zugetraut, selbst beurteilen zu können, auf was sie sich einlassen.

Lügen müssen nur oft genug wiederholt werden

Nazis können nur dann im Internet neue Sympathisanten werben, wenn Sie sich als solche nicht zu erkennen geben. So agieren die Produzenten einschlägiger Youtube-Videos, die die Geschichte etwa der “Sturmtruppen” vermeintlich objektiv darstellen, deren Gräueltaten aber weglassen oder verharmlosen.

Die Methoden, Rassismus und Antisemitismus online zu verbreiten, unterscheiden sich prinzipiell nicht von denen der Sektenprediger oder Werbeagenturen. Das wusste der Neonazi Milton Klein schon 1998, als er “On Tactics and Strategy for Usenet” online stellte. Seine Binsenweisheiten: Man muss Lügen nur oft genug wiederholen, und man darf nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Medien verstärken, sie ändern kaum

Medien, da sind sich die Wissenschaftler einig, verstärken die Meinungen, die eh schon vorhanden sind, sie ändern sie jedoch kaum. Ob man etwas gegen Nazis im Internet unternehmen müsse, ist also strittig; die Parole “Nazis raus aus dem Netz“  im Zweifelsfalle  nur ein Plädoyer für Zensur und so sinnfrei wie der mahnende Ruf, das Böse solle aus der Welt geschafft werden.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

6 Kommentare

  • Linuxhelfer
    06.12.2012, 13:19 Uhr.

    Hallo liebe Hyperland-Redaktion,

    also hier überzieht ihr jetzt wirklich. Denn man muss zwischen zwei Formen von Zensur unterscheiden: zum Einen die Verhindung dass Neonazis ihre Leute aus dem Internet rekrutieren und bereits Kinder mit ihren kruden Gedanke infizieren auf der einen Seite und die generelle Internet-Zensur auf der anderen Seite.

    Dass bedeutet: Zensur ist nicht gleich Zensur!

    Wann ist Zensur richtig:
    Ich sehe Zensur dann als richtig an, wenn es hier zu solchen braunen Umtrieben kommt, wie es hier geschieht. Schaut euch doch mal in den vielen Foren und Kommentarfunktionen um. Auch bei der ARD tummeln sich besonders nachts auffällig viele braune Recken! Denen muss absolut die Stirn geboten werden. Sie sind eine Gefahr für die generelle freiheitliche demokratische Grundordnung! Sie sind eine absolute Gefahr auch für Kinder und Jugendliche!

    Denn ihre Sachen verbreiten sie total subtil. Das fängt mit solchen Vereinen wie dem Thüringer Heimatschutzverein an, in dem auch diese NSU-Gruppe sozialisiert war. Auf den ersten Blick sieht dieser Verein harmolos aus, aber er ist in Wahrheit absolut gefährlich! Denn das ist eben eine dieser braunen Organisationen, vor denen wir unsere Kinder warnen müssen!

    Außerdem: diese braunen Recken sitzen in zwei Landesparlamenten und haben gerade in den neuen Bundesländern massiv Zulauf! Und dass ist eine latente Gefahr für das gesamte Deutschland! Denn was ist, wenn die in noch mehr Landesparlamenten die Kontrolle übernehmen?? Denkt zurück daran, was 1933 passiert ist und wacht auf!!

    Sowas ist eine richtige Zensur. Denn diese rechten Kommentarschreiber und Foristen sind absolut resistent gegen jedwede Form von Belehrung und Bildung. Erst gestern bin ich bei der Mainpost auf so einen Typen gestoßen. Das ging dann schlussendlich soweit, dass ich ihn wegen Volksverhetzung im Sinne von § 130 StGB (Volksverhetzung) bei der Moderation gemeldet habe. Er hatte hier gegen die Muslimen Mitbürger in unserem Land und in Ägypten in einer derart unerträglichen Form gehetzt, dass ich der Meinung war, dass das gestoppt werden musste und die Moderation gab mir auch recht damit! Der Kommentar wurde massiv editiert und teilweise gelöscht.

    Aber leider ist dass nicht nur dort so, dass sich dort rechte Recken tummeln, sondern auch in vielen anderne Foren. Das ist das traurige. Und daher müssen wir das Internet vor diesen Typen schützen.

  • Linuxhelfer
    06.12.2012, 13:30 Uhr.

    Nun komme ich zu dem Punkt, an dem Zensur absolut falsch ist und die ebenfalls gefährlich ist.

    Daher: wann ist Zensur abgrundfalsch?

    Zensur ist in meinen Augen dann abgrund falsch, wenn es sich hier um einen Versuch der Unterbindung von Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit handelt. Hier wird unser Grundgesetz mit Füßen getreten (Artikel 5 GG) Darüber hinaus hat der EuGH bereits geurteilt dass solche Präventiv-Filter (wie unsere Regierung sie einsetzen will und leider auch viele andere Regierungen sie bereits einsetzen) illegal und verboten ist, da so etwas ebenfalls gegen die EU-Grundrechte-Charta und gegen die UN-Charta verstößt.

    Darüber hinaus hat unser höchstes Bundesverfassungsgericht bereit den besonderen Computerschutz für uns user festgeschrieben in einem Urteil aus dem Jahre 2008, in dem es solche Eingriffe (zum Beispiel mittels dieser Bundes- und Staatstrojaner und weiterer enttarnter Schnüffelsoftware) verbietet. Dazu bitte ich die Hyperland-Moderation mal nach dem Begriff “besonderer Computerschutz BVerfG” im Internet zu googeln.

    Vor solchen Angriffen, die ganz klar rechtswidrig sind, ist das Internet zu schützen. Aber leider kapieren die Regierungen (darunter auch unsere eigene Regierung) diese Lektion nicht und haben dabei mitgemacht, solche rechtswidrigen Gesetze wie etwa gerade ACTA + Folgegesetze (ich erinnere hier an SOPA, PIPA, IPRED, CETA), INDECT, Clean-IT Project und an ECHELON (das weltweit größte und gefährlichste Spionage-Netzwerk; betrieben gerade von den USA und Israel!). Gerade erst in den letzten Tagen wurde bekannt, dass die USA weitere CIA-Schnüffler in alle Welt entsenden will, um noch mehr Spionage zu betreiben!

    Auch solche Spionage ist und bleibt rechtswidrig, siehe UN-Charta, EU-Grundrechte-Charta, Völkerrecht, etc.

    Darüber hinaus unterstützen die USA, unsere Bundesregierung solche undemokratisch besetzten Konferenzen wie die aktuell stattfindende ITU-Conference in Dubai! Bei dieser Konferenz soll erneut darüber beraten werden, die die Industrie die Kontrolle über das Internet bekommen kann, wie eine Zensur möglich ist und wie das Internet regionalisiert und überwacht werden kann! Und dass ist genau so eine verbotene Form von Internet-Zensur!!

    Daher kann und möchte ich die Hyperland-Redaktion hier auffordern, bitte mit uns Usern zusammenzuarbeiten, damit wir diese Gefahr abwehren können! Wie ihr dass machen könnt?? Indem ihr euch mitbeteiligt an bereits mehreren laufenden online-Petitionen gegen diese ITU-Conference in Dubai. Links dazu poste ich im nächsten Beitrag, damit ihr diese Gefahr seht und erkennen könnt!! Wir user bitten alle Medien hier um erneute Hilfe im Kampf um die Internet-Freiheit!

  • Linuxhelfer
    06.12.2012, 13:59 Uhr.

    Dann noch zur Frage, wie man Neonazis im Internet bekämpfen kann (meine Vorschläge)

    1. deren Seiten konsequent downlegen

    2. gekaperte Seiten ebenfalls downlegen

    3. (und hier müssen die User tätig werden): rechtsradikale nund neonazistische Beiträge an die Moderationen und Administrationen melden und dass konsequent!!

    4. solche Beiträge müssen von den Moderationen und Administrationen konsequent gelöscht werden (hier müssen die Moderationen und Administrationen aufwachen und mit den Usern zusammenarbeiten!!)

    Was muss darüber hinaus getan werden:

    Dann müssen wir paralell dazu die Kinder und Jugendlichen über die Gefahren, die von diesen Neonazis ausgehen, konsequent aufklären und warnen und sie stark machen dagegen. Das fängt schon zu Hause bei den eigenen Eltern an, muss in der Schule weitergehen und muss bis zu diesem jetzt endlich anlaufenden Parteienverbot gehen!!

    Fazit:
    Dieses Parteiverbot gegen die NPD ist ein erster Teilschritt zur Bekämpfung dieser braunen Pest, die von den vorgenannten Maßnahmen flankiert werden muss.

  • Linuxhelfer
    06.12.2012, 14:19 Uhr.

    Was kann man offline tun, um solche braunen Neonazis zu bekämpfen:

    1. Kinder und Jugendliche darüber aufklären, welche Gefahren von diesen braunen Neonazis ausgehen und welche Methoden sie für die Verbreitung ihres kruden Gedankengutes nutzen. Das fängt an bei den Eltern zu Hause, muss in den Schulen weitergehen über die Ermunterung zur Teilnahme an solchen Anti-Demos bis hin eben zu diesen Schritten im Internet.

    2. geht mit den Jugendlichen in die Gedenkstätten in Dachau und Buchenwald. Nur so können wir die Kinder und Jugendlichen zusätzlich firm machen gegen diese Pestilenz. Denn denkt daran, was 1933 passiert ist!

    Dass bedeutet: nieder mit dieser braunen Pestilenz in Deutschland und dass überall (egal ob nun online oder offline!!). Diese Neonazis und deren Gedankengut dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, nie und nirgendwo!

  • Linuxhelfer
    06.12.2012, 14:47 Uhr.

    Gerade lese ich, dass unser Bundesinnenminister und unsere Justizministerin bei diesem verbot immer noch herumeiern!! Dazu muss ich sagen: von diesen beiden Personen (Herrn Bundesinnenminister Friedrich und auch Frau Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger) bin ich maßlos enttäuscht und ich frage mich: haben die beiden keinen Mumm bei der Bekämpfung dieser rechten Recken oder was??

    Oder spielt hier die braune Vergangenheit der FDP etwa eine Rolle?? Dazu gab es gestern auf der ARD und auch auf der Mainpost einen guten Beitrag von einem User.

    Daher schäme ich mich ganz ehrlich für unseren Bundesinnenminister und auch für unsere Justizministerin und fordere beide zum sofortigen Rücktritt auf!!

  • Stefan
    07.12.2012, 16:11 Uhr.

    @Linuxhelfer = “Gerade lese ich, dass unser Bundesinnenminister und unsere Justizministerin bei diesem verbot immer noch herumeiern!! Dazu muss ich sagen: von diesen beiden Personen (Herrn Bundesinnenminister Friedrich und auch Frau Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger) bin ich maßlos enttäuscht und ich frage mich: haben die beiden keinen Mumm bei der Bekämpfung dieser rechten Recken oder was??

    Schon mal was davon gehört, dass der Verbotsantrag 2003 gescheitert ist?
    Es ist zurecht in einer Demokratie äußerst schwierig, ein Parteiverbot zu erwirken, auch wenn das in diesem Fall bedauerlich ist.
    Dieses Mal will man auf Nummer Sicher gehen und hoffentlich richtig.
    Linuxhelfer = “Daher schäme ich mich ganz ehrlich für unseren Bundesinnenminister und auch für unsere Justizministerin und fordere beide zum sofortigen Rücktritt auf!!”

    Nur als kleiner Hinweis – 2003 war das Kabinett Schröder am Ruder, vielleicht sollten Sie sich besser für diese Regierung schämen.
    Und da echte Fakten nicht so Ihr Ding sind:

    2002 bis 2005 Kabinett Schröder
    Bundesinnenminister – Otto Schily – SPD
    Justizministerin – Brigitte Zypries – SPD

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