LibreOffice – freie Software mit Geschichte

Von StarWriter über OpenOffice bis zu LibreOffice reicht die Entwicklungsgeschichte des freien Textverarbeitungsprogramms. (Foto: Screenshot)

Von StarWriter über OpenOffice bis zu LibreOffice reicht die Entwicklungsgeschichte des freien Textverarbeitungsprogramms. (Foto: Screenshot)

 

Stellen Sie sich vor, Microsoft Office 2013 kommt in die Läden – und keiner will es haben. Weil es nämlich gute Alternativen gibt, noch dazu kostenlose – allen voran LibreOffice 4.0, das seine Wurzeln in Deutschland hat.

Die bewegte Geschichte von LibreOffice beginnt mit einem Programm namens “StarWriter”, das ab 1985 von der Hamburger Softwarefirma StarDivision vertrieben wurde. Hinter der Firma stand der damals 16-jährige Software-Wunderknabe Marco Börries aus Lüneburg. Dieses frühe StarOffice darf man sich allerdings nicht wie moderne Office-Programme vorstellen: Es lief im Textmodus auf dem Heimcomputer Schneider/Amstrad CPC, der damals eine seriöse und durchaus beliebte Alternative zum beliebten C64 war.

Erst 1993 erschien StarWriter für das inzwischen sehr populäre Windows 3.1. StarDivision setzte früh auf Portabilität und verwendete daher eine eigene C++-Klassenbibliothek namens StarView, deutlich bevor Objektorientierung allgemein hip wurde. Im Ergebnis war StarOffice 1995 die erste Bürosuite überhaupt, die auf Microsoft Windows, IBM OS/2 und Apple Mac nahezu identische Funktionen bot – ein Jahr später auch auf Linux.

Der Aufstieg mit SUN als OpenOffice.org

Trotz umfangreicher Funktionen blieb der Hamburger Office-Alternative der Durchbruch verwehrt: Zwar konnte die Unternehmenskommunikation in den besten Zeiten 25 Prozent Marktanteil melden, doch bei Funktionen und Bedienung folgte man einfach zu sehr dem Vorbild von Microsoft, als dass man es hätte übertreffen können.

Im Spätsommer 1999 verkaufte Börries die Firma an Sun Microsystems, die mit Java und Solaris 7 gerade auf einer Erfolgswelle schwamm. Die hatte Großes vor und wollte aus StarOffice eine Portalsoftware machen, die in jedem Browser laufen sollte. Zugleich versprach Sun, den Quellcode offen zu halten: So entstand OpenOffice.org, das von einer wachsenden Community von Programmierern weiterentwickelt wurde.

Der Abstieg mit Oracle

Ein Happy End hatte diese eigentlich fruchtbare Liaison leider nicht: Anfang 2010 riss sich Datenbank-Titan Oracle das inzwischen schwächelnde Unternehmen Sun Microsystems unter den Nagel, vor allem, um sich die Plattformen Java und Solaris einzuverleiben. Für Oracle war OpenOffice.org nun mehr ein Klotz am Bein und wurde auch so behandelt. Die Entwicklergemeinde registrierte das murrend und suchte nach neuen Wegen, die Bürosoftware für die Welt der freien Software zu retten.

Das Ergebnis war The Document Foundation: Sie machte es sich im Spätsommer 2010 zum Ziel, die Office-Suite seriös weiterzuentwickeln und zugleich dem bisherigen Gezerre ein Ende zu bereiten. Das ging, weil die etwa 12 Milliarden Zeilen Programmcode überwiegend unter einer freien Lizenz standen: Stark vereinfacht gesagt, gehörte Oracle nur das Wort “OpenOffice.org”. Weil der Datenbankriese noch nicht mal diese 14 Buchstaben herausrücken wollte, benannte sich die Abspaltung um in LibreOffice.

Das freie Office

“Libre”, weil die Software wirklich frei ist: Der Code steht jedem offen. Jeder kann sich an die Arbeit machen und eine Version für seinen Sprachraum entwickeln oder sonst etwas draus machen – anders als bei unfreien Systemen wie iPad oder Playstation 3, die jeden Eingriff ins System als Hack ahnden. Die Urheberrechte verbleiben bei den Entwicklern, die Dokumentenformate sind offen und dokumentiert und daher langfristig nutzbar, und kostenlos ist das Programm auch noch. Kurzum: LibreOffice, bestehend aus Textprogramm, Tabellenkalkulation, Präsentation, Grafiksoftware und Datenbankfrontend, ist heute auch ein lebendiger Beleg dafür, wie fruchtbar das System freier Software sein kann.

Demnächst erscheint die Suite in Version 4 in über 100 Sprachen, für Windows, Mac und Linux, Versionen für Android und iOS sind geplant. Als Hersteller, Förderer und Organisator fungiert die The Document Foundation, die seit diesem Jahr eine gemeinnützige rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Berlin ist. Ein ganz klein bisschen “Made in Germany” ist also immer noch drin im LibreOffice, auch wenn die Entwickler der Office-Suite längst aus der ganzen Welt kommen.

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Autor: Andreas Winterer

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Andreas Winterer ist freier Journalist, Blogger und Buchautor aus München. Er interessiert sich für Themen wie Identität, Anonymität und Sicherheit und findet jede Art von Kommunikation ziemlich spannend.
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