Geldwertes im Netz

Erst zahlen - dann nutzen, gilt auch bei vielen Angeboten im Internet (Foto: Julius Endert)

Erst zahlen - dann nutzen, gilt auch bei vielen Angeboten im Internet (Foto: Julius Endert)

Die Diskussion um die angebliche Kostenloskultur im Internet hält an. Viele Nutzer pflegten eine Gratis-Mentalität und würden damit verhindern, dass sich im Netz nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln könnten, heißt es oft. Dabei gibt es schon längst viele Angebote, die Geld kosten und die trotzdem gut genutzt werden. Hyperland-Autoren erzählen, wofür sie bereit sind, zu zahlen oder wofür sie zahlen würden.

Torsten Kleinz: Netflix
Ich liebe Serien, ich schaue gerne Sitcoms. Eine komplette Staffel in drei Tagen gucken? “Binge watching” nennt sich das – und es ist kein Problem. Ich hab es im Griff. Denn an die meisten Serien komme ich in Deutschland nur mit jahrelanger Verzögerung, in schrecklicher deutscher Synchronisation. Will ich tatsächlich noch ein paar Extras, Regiekommentare oder ein Making-Of, muss ich eine DVD kaufen. Das ist so eine Art Plastikscheibe, die ich in eine Art VHS-Rekorder einschieben muss. Vorsintflutlich! Bitte, Netflix, komm zu uns.

Jochen Dreier: Crowdfunding (versch. Plattformen)
Wenn mich eine gute Idee anspricht, sei sie auch noch klein (manchmal vielleicht auch ein wenig abwegig), aber sympathisch vorgestellt, dann unterstütze ich sie gerne mit etwas Geld. Balloon Mapping ist so ein Beispiel. Eine gute Idee ist es immer wert, unterstützt zu werden. Durch das Internet war es noch nie so einfach, Geld einzusammeln.

Friedemann Brenneis: Humble Indie Bundle
Ich zahle für “Humble Indie Bundle”, eine “Zahle was du willst”-Plattform für Computerspiele, Filme und Musik unabhängiger Produzenten. Der Käufer wählt selbst einen Preis für ein ganzes Produkt-Bündel. Zahlt er mehr als den aktuell gebotenen Durchschnittspreis, bekommt er zusätzliche Inhalte in seinen Warenkorb. Das ist eine gute Sache, da hier transparent nachvollziehbar ist, wo das Geld landet. Der Nutzer kann sogar mitbestimmen, wie das Geld verteilt wird. Außerdem hat man nicht das Gefühl, dass man gezwungen wird, mit seinem Geld unnötig große, weltweite Marketing-Etats mitzubezahlen.

Andreas Winterer: Flickr
Ich zahle für Flickr.com. Weil ich gerne fotografiere, gerne in den Fotos verschiedenster Gruppen stöbere, mit anderen Fotografen Tipps austausche und der Dienst werbefrei ist. Die Limits für die Free-Version sind zwar eigentlich annehmbar, aber ich zahle tatsächlich auch, weil ich will, dass es diesen Dienst weiter gibt (der Kauf durch Yahoo! hatte mich da schon zusammenzucken lassen, bislang aber einigermaßen unbegründet). Zugleich ist er fair bepreist: Derzeit 45 Dollar (ca. 34 Euro) alle zwei Jahre, das kann man sich leisten. Ich würde auch für andere Dienste zahlen, die nicht versuchen, monatlich gleich 5 Euro abzugreifen, sondern die in diesem Preisbereich bleiben.

Stefan Mey: Kinox.to (Vorsicht, auf der Seite droht Viren-Gefahr)
Ich würde für ein Streamingangebot wie Kinox.to zahlen, wenn es sie als gleichwertige kommerzielle und damit legale Variante geben würde. Ich würde zehn Euro zahlen. Ich hätte dort Zugriffe auf Serien und Filme, die ich unabhängig von der Fernsehausstrahlung schauen könnte, zudem würde mir die lästige Werbung erspart werden. Und ich würde weniger Geld in der Videothek ausgeben. Das wäre das Geld locker wert.

David Pachali: Webradio
Ich zahle für Webradio, indem ich Mitglied im Verein “Freunde von ByteFM” bin. Man zahlt dort 50 Euro im Jahr, bekommt dafür einen besseren Stream, Zugang zum Archiv, und es gibt ein paar Verlosungen. Ich zahle allerdings eher aus Dankbarkeit, ein wirklich gutes Programm hören zu können und dafür, nicht mehr die weichgespülte UKW-Einöde ertragen müssen.

Frederik Fischer: App-Store
Schwieriges Thema, da Haltung und Handlung leider selten zusammenkommen. So vermute ich beispielsweise hinter Apple’s Lock-In-Politik das Böse schlechthin am Werk. Leider muss ich aber gestehen, dass Apple es erstmals geschafft hat, mich für digitale Inhalte zahlen zu lassen. Beim Bestätigen der Zahlung komme ich mir jedes Mal kurz wie ein blökendes Schaf vor, welches zum Scheren geschickt wird aber dann freue ich mich über den reibungslosen Genuss der Inhalte. Ausnahme: Filme – wenn ich schon Geld zahle, möchte ich wenigstens verschiedene Sprachversionen und keine deutsche Synchro-Zwangsverpflichtung. Mähähhähh.

Ansonsten muss ich ganz ehrlich zugeben: Weder “flattr” ich (gehört aber zu den guten Vorsätzen 2013), noch spende ich Zeitungen auf freiwilliger Basis mehr als meine Aufmerksamkeit. Was ich aber wiederholt getan habe und weiter zu tun gedenke: Crowdfunding-Projekte unterstützen. Da tun auch dreistellige Beträge nicht weh – wenn ich an das Team und die Sinnhaftigkeit des Projekts glaube. Persönliche Sympathien für Menschen und Ideen werden für mich auf absehbare Zeit die einzigen Beweggründe sein, Geld für digitale Inhalte zu zahlen. Es erscheint mir unzeitgemäß, einen kompletten Verlag zu unterstützen, obwohl ich nur einige Autoren schätze und verfolge.

Lisa Louis: New York Times
Ich zahle für die New York Times online. Ich mag deren Angebot, das sowohl Artikel als auch Videos enthält und über Ereignisse weltweit berichtet. Dafür lohnt es sich zu zahlen – auch, weil das Angebot für den Computer, das iPhone und iPad gilt.

Alle
Wir alle zahlen (freiwillig) Geld für den Internetzugang, immer öfter sowohl für Festnetz als auch mobile Nutzung. Mindestens 30 Euro gibt wohl jeder dafür aus, ohne darüber nachzudenken. Weitere 17,98 Euro kommen für die neue Haushaltsabgabe hinzu, die die Rundfunkgebühr ablösen soll – auch davon fließt ein Teil in die Erstellung von Internetangeboten.

Hinzu kommt: Zahlreiche Menschen geben Geld für Webhoster aus, um eigene inhaltlichen Angebote, beispielsweise in Form von Blogs, zu betreiben, die dann andere Nutzer kostenfrei aufrufen können.

Autor: Julius Endert

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Julius Endert ist freier Journalist und Autor und koordiniert das Hyperlandblog im Auftrag von heute.de. Er ist Inhaber der Journalisten-Agentur Netz-Lloyd GmbH und aktiver Gesellschafter der European Web Video Academy.
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