Einkaufen mit Twitter

Der Weg zur Kasse könnte in Zukunft durch einen Tweet ersetzt werden. (Foto: twicepix, CC BY-SA 2.0)

Der Weg zur Kasse könnte in Zukunft durch einen Tweet ersetzt werden. (Foto: twicepix, CC BY-SA 2.0)

Was wäre, wenn wir mit unserem Twitter- oder Facebook-Profil einkaufen könnten? Wenn ein Tweet reichen würde, um ein Produkt zu bezahlen? Gäbe es dann eine gerechtere Welt oder hätte Sascha Lobo den dicksten Twitter-Geldbeutel? Erste Projekte zeigen, in welche Richtung diese Art des Einkaufens geht.

“Der Wert von positiven Nennungen auf den Social-Media-Kanälen ist unvergleichlich”, sagte Sarah Case, Marketingbeauftragte bei Kellog’s anlässlich der Eröffnung eines Tweet-Shops in London. Ende September konnte man dort neu eingeführte Frühstücksflocken mit einem Tweet bezahlen. Die Tweets mussten lediglich die zwei Hashtags #tweetshop und #spons enthalten. Letzterer sollte anzeigen, dass es sich um einen Werbe-Tweet handelt.

Werbung durch die Kunden

Auch wenn der Tweet-Shop nur vier Tage lang geöffnet war, das Konzept ging für Kellog’s auf. Der Name des neuen Produktes verteilte sich in Windeseile über Twitter und Facebook. Mit Tweets wie:  “Mmm sweet chilli cracker crisps from #tweetshop – awesome concept! @Saifington”, wurden die Kunden zum aktiven viralen Marketing animiert, wie es in der Werbesprache heißt.

“In der heutigen Welt ist der Wert von Mundpropaganda manchmal höher, als der Wert des Geldes, welches man durch den Verkauf für das Produkt bekommen würde”, erklären die Macher des Start-ups Pay with a Tweet auf ihrer Internetseite. Sie möchten, dass Verbraucher künftig nicht nur Frühstücksflocken mit einem Tweet bezahlen. Auch Filme, Bücher oder andere Produkte sollen mit einem Tweet eingekauft werden.

Seit dem Launch 2010 haben schon 3.1 Millionen Menschen mit einem Tweet oder einem Post auf Facebook bezahlt, sagte Geschäftsführer Abraham Leif gegenüber ZDF Hyperland. Gekauft wurde zum Beispiel eine Musiksingle, eine sehr kleine Auswahl an Büchern oder ein Strategiepapier von Mitt Romney während des US-Wahlkampfes.

Kombiniertes Bezahlen

Doch so ganz scheint das Konzept nicht aufzugehen. Im Januar startet Pay with a Tweet nämlich einen Neustart. Zwar sollen mehr Netzwerke, wie zum Beispiel Linkedln oder Xing eingebunden werden, gleichzeitig aber soll wieder auf alte Bezahlmodelle zurückgegriffen werden: “Ab Januar können Verkäufer Limits setzen, also entscheiden, wie viel ihrer Ware sie für einen Tweet verkaufen möchten”, erklärt Abraham Leif. Man könne dann beispielsweise die ersten hundert Bücher per Tweet verkaufen und dann die Kampagne abschalten lassen, um den Rest auf herkömmliche Weise zu vertreiben.

Der Trend bewegt sich also in Richtung kombiniertes Bezahlen. Bezahlen allein mit Twitter- oder Facebook-Account, dafür sind die Verbraucher wohl doch nicht zu haben.

Das belgische Unternehmen Paycento versucht, mit seinem Produkt in  diese Richtung vorzustoßen. Es möchte, dass der Internetnutzer zum Bezahlen im Internet künftig nur noch ein Twitter-Profil benötigt: “Paycento erlaubt es Internetnutzern mit ihrer sozialen Identität zu bezahlen”, sagt Geschäftsführer Pieter Dubois im Video. Mit einer üblichen Überweisung zahlt man Geld auf sein Paycento-Konto, um sich dann per Mausklick ein Video, ein Buch oder einen Zeitungsartikel mit seinem Twitter-Profil zu kaufen.

Nur in Grenzen umsetzbar

Reines Einkaufen mit Twitter bleibt also nur eine Marketingstrategie und kann deshalb nicht funktionieren. Zwar ist es bestimmt reizvoll, einen Tee aus einem Twitter-Automaten mit einem Tweet zu bezahlen. Dafür belästigt man dann aber auch die gesamten Follower mit der Produktwerbung. Ein Großeinkauf ist so nicht denkbar. Ansonsten verlassen einen mit der Zeit die Follower und auch der dickste digitale Geldbeutel löst sich in Nichts auf.

Erst wenn der Verbraucher sich tatsächlich mit dem Produkt identifiziert und es auch freiwillig empfehlen würde, wird das Social-Media-Payment vielleicht umsetzbar. So wäre die Beziehung zwischen Werbetreibenden und Verbraucher bei einem E-Book seiner Wahl ausgeglichen: Der Verbraucher bekommt das Produkt, dass er sowieso gekauft hätte für einen Tweet und der Werbetreibende für sein virales Marketing interessierte Follower.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Giuseppe Paletta

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Giuseppe Paletta: Nach dem Journalistikstudium in Leipzig widmete sich Giuseppe Paletta in seiner redaktionellen Arbeit vor allem Themen aus dem World Wide Web: Von Big Data über Crowdfunding bis zu Rasterfahndungen im Netz. Seine Texte lassen sich bei ZEIT Online, taz, Spiegel Online oder im Hyperland-Blog nachlesen.
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Ein Kommentar

  • Stefan
    28.12.2012, 13:26 Uhr.

    Bei der Einführung eines neuen Produkts wie z.B. Getränke oder Nahrungsmittel, sicher eine gute Möglichkeit, schnell und relativ günstig bekannt zu werden.
    Für höherpreisige Artikel ist das aber vermutlich nicht die richtige Plattform.

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