Der Vatikan, der Papst und die sozialen Medien

Konsequente Medienstrategie: Auch der Papst hat nun einen eigenen Twitter-Account.

Konsequente Medienstrategie: Auch der Papst hat nun einen eigenen Twitter-Account.

Besondere Ereignisse auf Schnapszahl-Daten zu legen, übt auf viele Menschen eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Das besondere Datum soll Glück bringen, so glauben die einen. Für Aberglauben halten es die anderen. Auch der Vatikan hat sich für ein Schnappszahl-Datum entschieden, um von heute an – dem 12.12.12 – über Twitter die Worte des Papstes zu verbreiten. Wer dahinter allerdings Aberglaube vermutet, liegt falsch. Vielmehr lernt der Vatikan, Social Media immer besser einzusetzen.

Medien in der Kommunikationsstrategie des Vatikan

Der Vatikan nutzt seit jeher Medien, um seine Botschaft unter den Gläubigen in der ganzen Welt zu verbreiten. Vor allem Radio Vatikan spielte dabei in den vergangenen 80 Jahren eine tragende Rolle. 1931 gegründet, ist der Sender bis heute dafür verantwortlich, “die Stimme des Papstes und der Weltkirche” in mehr als 40 Sprachen in die Welt zu tragen.

Dass das Internet mittlerweile jedoch eine mindestens ebenso attraktive Reichweite bietet wie die Kurzwelle im Radiobetrieb, hat der Vatikan längst erkannt. Während ärmere Regionen der Welt über das analoge Signal erreicht werden, ist die digitale Präsenz der katholischen Kirche im Internet stark gewachsen. Alle päpstlichen Medien-Institutionen verfügen über einen eigenen Webauftritt, und neben Radio bietet der Vatikan online auch Video, Zeitung, einen Bilder- und einen Pressedienst, Livestreams, On-Demand-Angebote, RSS-Feeds und die inzwischen wohl obligatorischen Apps für iOS und Android.

Päpstliche Institutionen im Social Web

Die Medienaktivitäten des Vatikans werden dabei zentral vom Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel koordiniert. Die Namensverwandtschaft zu den Sozialen Medien ist Zufall. Der Rat wurde bereits 1948 gegründet und namentlich immer der Entwicklung der Massenmedien angepasst. Seinen heutigen Namen erhielt er bereits 1989. Dennoch passt er heute besser denn je, denn gerade der Bereich Social Media ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Youtube, Flickr, Facebook, Google+, Twitter – auf allen relevanten Plattformen ist der Vatikan längst vertreten.

So war es auch der bereits seit zweieinhalb Jahren bestehende Twitter-Account von Radio Vatikan, über den Papst Benedikt XVI. im Juni seinen ersten Tweet abgeschickt hat. Er teilte mit, dass er gerade news.va gestartet habe, die Seite, auf der zentral die wichtigsten Informationen von allen Webseiten der vatikanischen Medieninstitutionen zusammenlaufen.

Warum braucht der Papst einen Twitter-Account?

Lange bevor der Papst einen eigenen Twitter-Account bekommen hat, ist die Medienarbeit der katholischen Kirche also schon längst im Internet und den sozialen Netzwerken angekommen. Ihn nun aber zusätzlich auch persönlich auftreten zu lassen, zeigt, dass der Vatikan die Funktionsweise der sozialen Netzwerke immer besser versteht und einzusetzen weiß.

Es mag zwar bereits etliche Vatikan-Accounts geben, die meisten Follower bekommen auf Twitter jedoch keine Institutionen sondern Popstars, siehe Lady Gaga oder Barack Obama. Und der Papst ist einer von ihnen. Auf den Weltjugendtagen wird er ohnehin regelmäßig von hunderttausenden Jugendlichen wie eine Pop-Ikone verehrt. Diese Popularität nun auch auf Twitter zu nutzen, ist nur konsequent. Und funktioniert: Innerhalb eines Tages hatte der Papst mehr Follower als alle anderen vatikanischen Accounts zusammen. Ohne einen einzigen Tweet abzusetzen.

Cybertheologie

Die zunehmende Akzeptanz der Sozialen Netzwerke innerhalb der katholischen Kirche zeigt sich auch anhand intellektueller Diskurse zum Thema Religion und Internet. Mit “Cyberteologia” oder “Twitter Theology” veröffentlicht Antonio Sparado, Jesuit und Chefredakteur einer angesehenen katholischen Monatszeitschrift, vielbeachtete Texte. Er plädiert dafür, dass die katholische Kirche die Neuen Medien als hilfreiches Kommunikationsinstrument für den Glauben schätzen und nutzen solle.

Genau das macht der Vatikan zunehmend. Ab heute warten mehr als eine halbe Million Follower auf den ersten Tweet des neuen Papst-Accounts. Den 12.12.12. dafür zu wählen war kein Schnapszahl-Spaß oder Aberglaube, sondern symbolisch. Damals sprach Jesus zu seinen zwölf Aposteln, ab heute twittert der Papst zu seinen Followern.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Friedemann Brenneis

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Friedemann Brenneis ist Hörfunk- und Online-Journalist, Medienpädagoge und Hörspielmacher aus Leipzig. neben Medienbildung sind seine journalistischen Schwerpunkte u.a. Gamification und digitale Währungen.
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2 Kommentare

  • Andi
    12.12.2012, 17:03 Uhr.

    Natürlich kann das gerade für die Kirche sehr hilfreich sein und da sie sowieso in keinem guten Lichte steht, wird sich die Kirche wohl ziemlich bemühen müssen und da ist das Internet immer eine gute Option. Wenn sie bloß in anderen Dinge so fortschrittlich wären.

  • Deine Sprüche
    13.12.2012, 11:47 Uhr.

    Wow, der Papst twittert. Ob er seine Botschaft in 140 Zeichen bekommt?

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