Frankreich: Kulturministerium sammelt Geld mit Crowdfunding

In Zeiten klammer Kassen wird Crowdfunding auch für Behörden interessant.

In Zeiten klammer Kassen wird Crowdfunding auch für Behörden interessant.

In Deutschland bislang nur intensiv diskutiert, in Frankreich bereits in die Tat umgesetzt: Kulturpolitik mit Hilfe des Web 2.0.

Weil das französische Parlament drastische Kürzungen im Kulturetat angekündigt hat, steigt das Kulturministerium auf alternative Finanzierungsmodelle um: Crowdfunding soll in den nächsten Wochen Geld in die knappe Staatskasse spülen. Das Projekt zeigt erste Erfolge. Bereits wenige Tage nach Beginn sind zwei der vier ausgeschriebenen Crowdfunding-Projekte erfolgreich finanziert.

Ausgedacht hat sich das Ganze das Centre des monuments nationaux, eine Unterbehörde des französischen Kulturministeriums. Ihren Jahresetat von 130 Millionen Euro bringt die Behörde größtenteils selbst auf, etwa durch Einnahmen aus dem Tourismus. Zentrale Aufgabe des Centre des monuments nationaux ist aber die Erhaltung und Restaurierung nationaler Denkmäler, wofür es bislang auch vom Kulturministerium Geld bekam.

Zum Dank werden Foto und Namen veröffentlicht

Genau für diese Aufgabe, die Restaurierung nationaler Denkmäler, sammelt das Centre des monuments nationaux jetzt auf der französischen Crowdfunding-Plattform My Major Company Spenden, um sich gegen die Etatkürzungen zu wappnen. Mit dem Geld der Internetnutzer soll die berühmte Ruhmeshalle Frankreichs, das Pariser Panthéon, restauriert werden.

Pascal Monnet, Direktor des Panthéon, und sein Kollege Matthieu Juin-Levite wenden sich per Youtube-Video direkt an die Crowdfunder: Zum ersten Mal gebe es die Möglichkeit, sich als Bürger direkt an der Restaurierung des Monuments zu beteiligen. “Zum Dank können die Spender während der Bauarbeiten den eigenen Namen mit Foto an die Tür des Monuments anbringen lassen.” Zusätzlich werden sie zur Einweihung eingeladen und können die Spende steuerlich anrechnen lassen.

Neben dem Panthéon laufen noch Crowdfunding-Projekte für le Mont-Saint-Michel, le Domaine national de Saint-Cloud und la cité de Carcassonne.

400 Prozent der Summe finanziert

Schon nach wenigen Tagen wurde die angestrebte Summe von 5.000 Euro für das Panthéon erreicht. Jetzt, 150 Tage vor Ende der Crowdfunding-Initiative, wurden bereits über 20.000 Euro allein für das Panthéon gespendet – über 300 Internetnutzer haben bisher für die Restauration des Panthéons gespendet.

Auch die Summe von 5.000 Euro für le Mont-Saint-Michel war bereits nach wenigen Tagen erzielt und liegt heute mit rund 11.000 Euro weit darüber. Die anderen beiden Projekte haben die Endsumme noch nicht erreicht – hier liegt das Ziel bei 10.000 bzw. 20.000 Euro – , bis zum Projektende fehlen aber auch hier noch rund 150 Tage.

Jeder Crowdfunder hat die Möglichkeit, bis zu 300 Euro zu spenden. Für einen Euro bekommt man eine persönliche Danksagung auf der eigenen Facebook-Seite und dem Twitter-Profil. Für 300 Euro gibt es Danksagungen, Name und Foto auf dem Monument, ein Zertifikat als Schirmherr und die Einladung zur Einweihung.

Eigentlich als Musiklabel gedacht

My Major Company wurde ursprünglich nicht als reine Crowdfunding-Plattform gegründet. Als das Unternehmen 2007 in Paris startete, war es primär als Musiklabel angedacht. Mit Hilfe von Crowdfunding wollten die jungen Pariser Geld für französische Musiker sammeln und sie gleichzeitig als Musiklabel professionell unterstützen.

Über den unerwarteten Erfolg der Projekte des Kulturministeriums freut sich das junge Unternehmen jetzt umso mehr: “Wir wussten am Anfang nicht, wie die Menschen reagieren würden. Wir haben gehofft, einige Franzosen mit dem Aufruf zum Retten des kulturellen Erbes für das Projekt motivieren zu können. Das scheint uns gelungen zu sein.”

Aufgrund des Erfolges möchte sich My Major Company in Zukunft intensiver dem Crowdfunding widmen. Das Unternehmen ist sich sicher, dass das Kulturministerium weitere Projekte durch die Crowdfunding-Plattform finanzieren wird. Zusätzlich hat das einstige Musiklabel einen offenen Brief an alle Bürgermeister Frankreichs gesendet, um diese künftig für die Crowdfunding-Technologie zu gewinnen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Giuseppe Paletta

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Giuseppe Paletta: Nach dem Journalistikstudium in Leipzig widmete sich Giuseppe Paletta in seiner redaktionellen Arbeit vor allem Themen aus dem World Wide Web: Von Big Data über Crowdfunding bis zu Rasterfahndungen im Netz. Seine Texte lassen sich bei ZEIT Online, taz, Spiegel Online oder im Hyperland-Blog nachlesen.
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