Faszination Raumfahrt: ESA setzt auf Social Media

Andreas Schepers, ESA: "… noch am Anfang, was die Nutzung von Social Media betrifft" (Foto: Flickr-Anwender 13stock, CC BY-SA 2.0)

Andreas Schepers, ESA: "… noch am Anfang, was die Nutzung von Social Media betrifft" (Foto: Flickr-Anwender 13stock, CC BY-SA 2.0)

Andreas Schepers darf sich Communication Compliance Officer der ESA nennen – klingt ein wenig nach einem Job auf der Brücke der Enterprise. Das trifft seine Jobbeschreibung nicht ganz, aber zumindest ist er mitverantwortlich für die Social Media Strategie der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Für Hyperland hat er anlässlich der ESA-Ratstagung in Neapel ein paar Fragen dazu beantwortet.

Hyperland: Was ist Ihr Aufgabengebiet als Communication Compliande Officer der ESA?

Andreas Schepers: Ich unterstütze den Kommunikationschef der ESA, in den letzten Monaten habe ich mich vermehrt um Social Media und Onlinekommunikation gekümmert.

Ist die NASA mit ihrer Social Media/Internetstrategie ein Vorbild für die ESA?

Natürlich beobachten wir, was die Kollegen von der NASA im Bereich Social Media machen. Wir stehen in regen Austausch miteinander und werden auch im Bereich der Onlinekommunikation für einzelne Missionen enger kooperieren. Von der NASA haben wir gemeinsam mit dem DLR und der französischen Raumfahrtagentur CNES die Idee der Spacetweetups übernommen. Ein Format, das die amerikanischen Kollegen entwickelt und wir inzwischen erfolgreich für Europa angepasst haben. Seit dem ersten europäischen Spacetweetup im September 2010 in Köln haben wir viele weitere durchgeführt, unter anderem in Toulouse und Berlin.

Was erhofft sich die ESA durch die verstärkte Präsenz im Netz?

Als steuerfinanzierte zwischenstaatliche Organisation ist die ESA verpflichtet, über ihre Arbeit zu berichten. Da liegt es nahe, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen, um auch direkt die allgemeine Öffentlichkeit, den Steuerzahler, zu erreichen. Dabei geht es durchaus auch (aber nicht vordergründig) um den Aufbau einer Online-Community. Mit den Spacetweetups zum Beispiel haben wir hunderte potentieller Multiplikatoren, Raumfahrt- und Astronomie-Enthusiasten direkt erreicht. Was den Nachwuchs betrifft: Auch die Kollegen, die sich mit speziellen Bildungsprogrammen für Schüler und Studenten beschäftigen, erkennen das Potential moderner Online-Kommunikation.

Ziehen ESA-Wissenschaftler auch Diskussions- und Gedankenanreize aus der Kommunikation mit ihren “untersten Finanziers” über das Netz?

Ja, die bloggenden oder twitternden Kollegen schätzen den Austausch mit ihren Lesern sehr. Um diesen Austausch zu fördern, haben wir vor ein paar Wochen eine eigene Plattform gestartet. Mit ESA – Down to Earth wollen wir mit der Öffentlichkeit über die Rolle der Raumfahrt im Alltag ins Gespräch kommen. Dort stehen Raketenwissenschaftler und Astronauten Rede und Antwort.

Vieles wirkt sehr spontan, zum Beispiel einige Tweets der Astronauten oder Wissenschaftler. Wie sehr steckt eine durchdachte und kontrollierte Strategie dahinter?

Die Strategie besteht vor allem darin, den direkten Dialog mit der Öffentlichkeit zu suchen. Die Tweets der Astronauten, aber auch die der Wissenschaftler, sind authentisch. Die Kommunikationsabteilung hat keinen Einfluss darauf. Wir versuchen aber, die offiziellen ESA-Accounts auf Twitter koordiniert zu bespielen – über Sprach- und Ländergrenzen hinweg.

Was wir in den Blogs veröffentlichen, ist fachlich mit den beteiligten Wissenschaftlern und Ingenieuren abgestimmt. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: Das Astronauten-Blog wird ausschließlich und eigenverantwortlich von den Astronauten betrieben.

Was ist ein erfolgreiches Social Media Projekt der ESA?

Die ESA steht – wie viele Organisationen – noch am Anfang, was die Nutzung von Social Media betrifft. Wir haben viele Dinge ausprobiert und dabei viel gelernt. Nun müssen wir unsere Social-Media-Kommunikationsstrategie verfeinern und entsprechend Ressourcen dafür zur Verfügung stellen. Richtig erfolgreich sind wir mit dem Raumzeit-Podcast, der von Tim Pritlove moderiert wird. Dieser hat inzwischen deutlich über eine Million Downloads generiert. Auch die Spacetweetups sind ein schöner Erfolg. Erfolgreich sind wir immer dann, wenn es uns gelingt, die Faszination Raumfahrt mit den Menschen zu teilen und sie unsere Missionen zur Raumstation, dem Mars oder dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko miterleben zu lassen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Jochen Dreier

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Jochen Dreier arbeitet vorrangig als "Skypereisender" für das Deutschlandradio. Kunst, Kultur, Games, Netzpolitik und Verbraucherschutz - dass diese Themen im Netz nicht mehr trennbar sind, schreibt er auch hier auf Hyperland.
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3 Kommentare

  • ESA, NASA & Co im Netz
    20.11.2012, 07:42 Uhr.

    [...] Raumfahrt auf der Erde greifbar und verständlich zu machen: das soll auch das neueste Internetprojekt der ESA schaffen, betont Andreas Schepers von der ESA im Interview mit Hyperland. [...]

  • Bettina Wurche
    20.11.2012, 11:35 Uhr.

    Gut gesprochen, Andreas.
    Verglichen mit anderen deutschen Forschungsinstitutionen ist die ESA im Bereich des inhaltlich hochwertigen Social Media-Auftritts glänzend da.
    Raumfahrt zum Anfassen – einfach klasse.

  • Daniel
    27.11.2012, 12:30 Uhr.

    Schönes Interview. Bin auch sehr angetan von der ESA – Social Media Präsenz und bin gespannt was noch so kommt.

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