ESA, NASA & Co im Netz

ESA-Astronautin Sam Cristoforetti twittert über ihren Weg zur ISS.

ESA-Astronautin Sam Cristoforetti twittert über ihren Weg zur ISS.

Heute findet in Neapel die ESA-Ratstagung auf Ministerebene statt. Auf der Veranstaltung mit dem etwas sperrigen Namen wird über die zukünftigen Schwerpunkte und Projekte der europäischen Raumfahrtagentur entschieden. Auch im Web wird die Konferenz eine hohe Aufmerksamkeit bekommen, denn die ESA versucht seit einiger Zeit hier besonders präsent zu sein. Hyperland über Raumfahrt im Internet.

Wenn die italienische ESA-Astronautin Sam Cristoforetti twittert, dann lesen ihren Eintrag rund 12.500 Follower. Unter @astrosamantha lässt sie ihre Leser teilhaben am Training im Raumanzug oder an der Werkzeugkunde für Außenarbeiten an der ISS und somit insgesamt an ihrem Weg in eine Sojus-Rakete zur internationalen Raumstation in zwei Jahren. Die Berufsbezeichnung Astronaut ist wohl seit jeher einer der Jobs, die für die meisten Menschen unerreichbar scheint, doch Sam Cristoferetti wirkt durch ihre stetige Twitterpräsenz wenig abgehoben, sondern sympathisch, nahbar und wie ein ganz normaler Mensch im Web.

Vom Weltraum in die Chipstüte

Raumfahrt auf der Erde greifbar und verständlich zu machen: das soll auch das neueste Internetprojekt der ESA schaffen, betont Andreas Schepers von der ESA im Interview mit Hyperland.

Down to Earth, runter auf die Erde, heißt es passender Weise. Hier wird auf unkonventionelle Weise versucht, die Arbeit der Weltraum-Wissenschaftler und vor allem auch den Wert der Raumfahrt für die Menschheit zu erklären. Dass die Erkenntnisse der Landung einer Raumsonde auf dem Saturnmond Titan die Verpackungsindustrie dazu inspiriert hat, Kartoffelchips heil in die Tüte zu packen, ist vielleicht nicht die größte Errungenschaft der Raumfahrt – aber sie macht die Arbeit der Agentur für den Normalbürger zugänglich. Außerdem soll Down to Earth als Diskussionsplattform für den Austausch zwischen Wissenschaftlern und Bürgern wirken.

Mythos NASA

Die amerikanische Raumfahrtagentur NASA nutzt die Möglichkeiten des Netzes schon länger und erfolgreicher, um Bürger und Wissenschaft zusammenzubringen. Allerdings hat die NASA auch einen weitaus mythischeren Charakter, als die relativ junge Agentur aus Europa und deshalb historisch eine größere Fanbase – immerhin waren amerikanische Astronauten die ersten Menschen auf dem Mond.

Und so wurde auch die zweite bisher größte und schwierigste Landung auf einem Planeten in unserem Sonnensystem nicht nur live ins Netz gestreamt, sondern vom NASA-Rover selbst getwittert. Mars Curiosity schrieb am 6. August an seine knapp über eine Millionen Follower: „I’m safely on the surface of the Mars. GALE CRATER I’M IN YOU“. Der Tweet war so erfolgreich, dass er wohl in derselben Schublade abgelegt werden kann, wie die berühmten Worte von Neil Armstrong.

Live vom Mars

Seit dem ersten Tag auf dem roten Planeten hält der Mars-Rover nun seine Leser ständig auf dem Laufenden, schreibt über seinen Status, seine Experimente und stellt Fotos ins Netz. Selten war es so einfach an einem der größten Experimente der Raumfahrt direkt teilzuhaben. Das Vorbild des Mars Curiosity wird Schule machen, auch wenn es nicht das erste twitternde Raumfahrzeug auf dem Mars war. Längst ist gehören Accounts in sozialen Netzwerken für Raumfahrtmissionen zum guten Ton.

Eine der erfolgreichsten Projekte, die die europäische Raumfahrtagentur bislang ins Leben gerufen hat, ist der Raumzeit-Podcast, der von Tim Pritlove moderiert wird. Er hat bisher mehr als einen Million Downloads generiert.

Vom Weltraum via Twitter ins reale Leben

Dass die Arbeit der Raumfahrtagenturen im Netz nicht nur heißen muss, online präsent zu sein, zeigen die sogenannten Spacetweetups. Diese ebenfalls von der NASA übernommene Idee bringt Wissenschaftler, Astronauten und interessierte Bürger in der realen Welt zusammen. Seit 2010 werden diese regelmäßig von der ESA, in Zusammenarbeit mit dem DLR und der französischen Agentur CNES, durchgeführt.

Wenn Astronautin Samantha Cristoforetti also im Jahr 2014 in ihre Rakete zur ISS steigen wird, dann werden viele ihrer Leser gespannt ihre letzten Vorbereitungen, ihren Start und ihre Ankunft verfolgen. Und einige davon werden sie wegen des Internets sogar einmal privat auf einem Spacetweetup getroffen haben – so nah kann Raumfahrt sein.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Jochen Dreier

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Jochen Dreier arbeitet vorrangig als "Skypereisender" für das Deutschlandradio. Kunst, Kultur, Games, Netzpolitik und Verbraucherschutz - dass diese Themen im Netz nicht mehr trennbar sind, schreibt er auch hier auf Hyperland.
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