E-Learning: Von wegen digitale Demenz

Beim E-Learning hängen Schulbeginn und -ende nur vom Schüler ab (Bild: Flickr-User fileccia, CC BY-NC 2.0)

Beim E-Learning hängen Schulbeginn und -ende nur vom Schüler ab (Bild: Flickr-User fileccia, CC BY-NC 2.0)

Lernt man per Web oder App, bekommt man das Wissen multimedial serviert – und zwar dann, wenn man Zeit hat und dort, wo man will. Die schiere Menge an vielfältigen Lernangeboten widerlegt dabei mit Leichtigkeit die Kulturpessimisten und zeigt, dass man im Internet nicht dümmer, sondern klüger werden kann.

E-Learning beginnt bei einfachsten Inhalten: Auf tipp10.com kann man zum Beispiel endlich mal sein 10-Finger-System auf Vordermann bringen. Chronik-der-mauer.de zeichnet die Geschichte des Mauerbaus im Web und als App nach. Bastler, Tüftler und Do-it-Yourself-Fans verfassen auf expli.de eigene Anleitungen als Bildfolgen mit Text oder als erklärende Videos.

Denn Zuschauen macht schlau: Das weiß man nicht erst seit dem Telekolleg. Via iTunes oder miroguide.com lassen sich zahlreiche Video-Podcasts aufstöbern, die zu fast jedem Thema etwas Wissenswertes zu sagen haben. Die Khan Academy versammelt zahlreiche Video-Kurse zu noch spezielleren Themen. Sogar auf YouTube reicht das Angebot von Mathe-Nachilfe bis Kochen und macht auch vor dem akademischen Bereich nicht halt – beispielhaft vertreten durch die Vorlesungen von Prof. Dr. Jörn Loviscach.

Multimediale Sprachkurse

Sprache geht immer: Das vorbildliche Babbel.com aus Berlin verbindet bebilderte Selbstlernkurse mit interaktiven Elementen wie ausfüllbaren Lückentexten und Spracherkennung.  Das ähnliche Busuu.com platziert sich mit Community-Funktionen gar als soziales Netzwerk zum Spracherwerb.

Wer sich für eine Programmiersprache interessiert, dem seien codecademy und Programr empfohlen, wo auch Einsteiger JavaScript, Python, Ruby und anderes lernen. Nettuts+ und TheCodePlayer sind für die Fortgeschrittenen interessant und zeigen, wie sich ganz konkrete Probleme lösen oder Projekte schrittweise entwickeln lassen. Die private Online-Akademie Udacity konzentriert sich auf Informatik-Themen – und das auf hohem Niveau.

Höhere Weihen

In den USA proben auch namhafte Universitäten den E-Learning-Ernstfall. Coursera gibt Zugang zu verschiedenen Kursen von CalTech bis Princeton, auf edX testen MIT und Harvard ihre Version einer offenen Lernplattform. Die dort heute erwerbbaren Scheine finden zwar noch keine akademische Anerkennung, interessant sind die Kurse aber allemal.

Auch in Deutschland gibt es solche Modelle: Mit openhpi.de hat das Potsdamer Hasso Plattner Institut eine interessante Plattform für IT-Studiengänge gestartet, und die Goethe-Universität Frankfurt lädt mit ihren eLectures auch das Web in den Hörsaal.

Lernen und lehren lassen

Viele wollen nicht nur lernen, sondern vorhandendes Wissen auch weitergeben. Die US-amerikanische Udemy macht daraus eine Plattform und beteiligt die Autoren kostenpflichtiger Kurse an den Einnahmen.

Die von der Fraunhofer Academy und Ziemann.IT entwickelte App iAcademy könnte dieses Prinzip bald auf Tablets portieren. Die derzeit vier Kurse beeindrucken zwar herzlich wenig, doch mit dem angekündigten iAcademy Editor kann bald jeder selbst Lerninhalte erstellen, ähnlich wie es das Autorensystem LernBar für das Web erlaubt.

Wohin die Reise geht, zeigt am Besten vielleicht die Peer 2 Peer University: Jeder soll hier über jedes Thema alles lernen können – und zwar von allen anderen. Thematisch enger gefasst geht das deutsche Projekt ununi.tv in eine ähnliche Richtung und verwendet dabei auch relativ neue Möglichkeiten wie Google Hangouts für virtuelle Vorlesungen.

Gerade die letztgenannten Projekte zeigen, wie die ernsthafte Wissensvermittlung zu einem Marktplatz wird, auf dem schon bald verschiedene Inhaltsangebote auch global miteinander in Konkurrenz treten könnte. Und die US-Angebote deuten schon an, dass man künftig damit auch Geld verdienen möchte.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: Andreas Winterer

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Andreas Winterer ist freier Journalist, Blogger und Buchautor aus München. Er interessiert sich für Themen wie Identität, Anonymität und Sicherheit und findet jede Art von Kommunikation ziemlich spannend.
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6 Kommentare

  • Markus Väth
    27.11.2012, 15:29 Uhr.

    Natürlich ist es gut, dass es solche Angebote gibt. Nur das schiere Angebot sagt noch überhaupt nichts darüber aus, wie diese Angebote whrgenommen werden und in tatsächliche Lernleistung umgesetzt werden.

    Es ist toll, wenn man lernen kann, “wo und wie man will”, keine Frage. Das Gute an der herkömmlichen Schule ist trotzdem, dass sie einen wenigstens bis zu einem gewissen Grad zwingt, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Denn allein durch Viedoschauen erlernt man erstmal nicht, schon gar keine komplexen Fähigkeiten. Man muss das selbst tun; erst dann werden die Inhalte entsprechend im Gehirn verdrahtet. Leider fehlt dieser Aspekt in Ihrem Artikel komplett.

    Daher: Weder digitale Demenz noch Euphorie ist angesagt. Egal, ob ich vom Tablet lerne oder von der Klassentafel: Selber machen, üben, nachvollziehen ist das Entscheidende.

  • dieg0
    27.11.2012, 21:34 Uhr.

    Hier fehlt eindeutig noch die Erwähnung von Wikiversity!

  • Sylter
    29.11.2012, 11:30 Uhr.

    Leider ist es vielen Menschen nicht mehr möglich überall präsent zu sein, daher nutze ich selber immer wieder gerne solche Angebote. Webinare und Vorträge eignen sich meiner Meinung nach bestens um sich zu informieren.

  • Matthias
    30.11.2012, 13:27 Uhr.

    Ebenfalls im Bereich Sprachen ist Palabea zu nennen. Zu den oben genannten Webseiten babbel und busuu wird hier das Sprache sprechen anstelle Sprache lernen aufgegriffen. Nicht Kurse von Level A bis C werden den Nutzern geboten, sondern vielmehr der direkte Kontakt zu Muttersprachlern weltweit via interaktivem Video Chat.

    Palabea ist ein Marktplatz, auf dem Nutzer weltweit ihre Sprachkenntnisse entdecken, teilen und monetarisieren können via interaktivem Video Chat…

    Einfach mal reinschauen…

  • Tom
    30.11.2012, 14:22 Uhr.

    Eine tolle Auswahl. Ich vermisse noch ein paar Angebote: darunter bettermarks als Tool für Mathematiklehrer an Schulen, Scoyo als Lernspiel für Grundschüler, Lecturio als Lernplattform für Studenten und die Online-Nachhilfe-Seite http://www.sofatutor.com für Schüler.

  • Ruth
    01.12.2012, 02:24 Uhr.

    Ich kann den anderen Kommentatoren nur zustimmen: Die Absicht des Artikels ist lobenswert; die Qualität der Auflistung zweifelhaft.

    Zum Thema “multimediale Sprachkurse” werden ausgerechnet zwei Angebote als “vorbildlich” genannt, die sich auf ein paar Flickr-Photos und Multiple Choice Übungen beschränken. Dabei gibt es deutlich bessere Beispiele für “multimediale”, “interaktive” Sprachkurse wie z.B. linguaTV.com, live mocha und RosettaStone.

    Dem Einsatz von Videos zum Lernen – den der Artikel zu Recht nennt – wird in der Rubrik Sprachkurse gar nicht Rechnung getragen. Als herausragendes Beispiel seien die Mehrfach prämierten Videosprachkurse von Lingorilla.com (http://www.lingorilla.com) genannt, welche unterhaltsame Szenen mit realistischen Dialogen, interaktiven Übungen und Lernspiele umfassen, mit denen man schnell und einfach praxisrelevante Sprachkenntnisse erwerben kann.

    Letztendlich sind auch virtuelle Welten wie das bereits für tot erklärte SecondLife geeignet, um multimedial und interaktiv zu lernen.

    Sorry, aber eine etwas bessere (sprich: umfassendere, detailliertere) Recherche würde dem Blog von heute.de gut tun!

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