Wikileaks braucht Geld – und neue Freunde

Einst waren Asange und Anonymous dicke Freunde - doch damit scheint es vorbei zu sein. (Foto: Flickr-User Urban Scraper, CC BY-NC 2.0)

Einst waren Asange und Anonymous dicke Freunde - doch damit scheint es vorbei zu sein. (Foto: Flickr-User Urban Scraper, CC BY-NC 2.0)

Wikileaks und das Hackerkollektiv Anonymous waren einmal so etwas wie die besten Freunde im Online-Kampf gegen große Firmen und die große Politik. Nachdem Wikileaks jetzt einen Teil seiner Dokumente hinter eine Bezahlschranke verfrachtet hat, hat diese Freundschaft Risse bekommen.

Die Überraschung unter den Anonymous-Anhängern war groß, als die auf den Wikileaks-Seiten veröffentlichten Dokumente am 10. Oktober plötzlich von einem Video überlagert wurden. Aufgemacht wie ein Spot im US-Wahlkampf, steht dort in blau auf weißem Hintergrund “Vote Wikileaks”.

Das Video ist gegen Obama gerichtet, unterlegt mit Julian Assanges Stimme und zeigt den Wikileaks-Gründer zum Schluss mit dem offenen Aufruf “Vote with your wallet, vote Wikileaks” (“Wählt mit eurer Geldbörse, wählt Wikileaks”).

Die Schranke senkt sich

Das allein hätte wahrscheinlich für wenig Empörung gesorgt – wenn sich das Fenster schließen ließe. Doch genau das geht nicht, und so bleiben dem Nutzer drei Möglichkeiten: Entweder er spendet tatsächlich für die Organisation, oder er teilt das Video auf Facebook oder verbreitet den Aufruf bei Twitter.

Zeitgleich mit der Einführung der Paywall hat Wikileaks begonnen, erneut E-Mails der privaten Sicherheitsfirma Stratfor zu veröffentlichen, die im Zusammenhang mit dem US-Wahlkampf stehen. Insgesamt sollen es mehr als 200.00 E-Mails sein – auch sie verschwinden teilweise hinter der Bezahlschranke. Wann und bei welchen Dokumenten das Video auftaucht, ist schwer ersichtlich, die Bezahlschranke scheint sich per Zufall zu senken. Wikileaks verteidigt sich damit, dass es sich doch gar nicht um eine echte Bezahlschranke handele: Wer in seinem Browser Javascript deaktiviert, hat ungehindert Zugang (das muss man allerdings erst einmal wissen).

Wikileaks sitzt auf dem Trockenen

Wikileaks braucht offenbar dringend Geld. Julian Assange sitzt seit August in der ecuadorianischen Botschaft in London fest, um einer möglichen Auslieferung an die USA zu entgehen, große Unternehmen wie Mastercard, Paypal und Visa boykottieren die Organisation schon lange und verhindern so einen Cashflow der Spenden. In einem Statement auf der Wikileaks-Webseite heißt es dazu: “Wegen der momentanen Beteiligung an zwölf internationalen Gerichtsverfahren steht Wikileaks vor noch nie dagewesenen Kosten.”

Kein Geld für Leaks

Bislang arbeiteten Wikileaks und Anonymous Seite an Seite. In einem von Anonymous veröffentlichten Video vom Juli heißt es: “Es ist die Pflicht der 99 Prozent, Wikileaks zu beschützen”. Nachdem zahlreiche Unternehmen den Zahlungsfluss zu Wikileaks gesperrt hatten, war es Anonymous, die mit Attacken auf diese Unternehmen reagierten.

Was aber den Auslöser für die heftigen Reaktionen auf die Bezahlschranke gegeben haben mag, ist die Tatsache, dass ein Teil der von Wikileaks veröffentlichten Dokumente durch Anonymous-Hacker an die Öffentlichkeit gelangte. Anonymous selbst hat also Daten bereitgestellt, für die Wikileaks jetzt den Zugang gesperrt hat.

Dementsprechend klingen die Reaktionen bei Twitter. “Das wird euch all die Verbündeten kosten, die ihr noch hattet”, sagt @YourAnonNews. Die Subgruppe @AnonymousIRC schreibt: “Wir machen kein Geld mit Leaks. Und wir verachten jeden, der es tut.”

Mit Tyler gegen Assanges One-Man-Show

Auf Pastebin veröffentlichte ein Mitglied von Anonymous eine längere Erklärung zur Sache, da “Tweets zu kurz sind, um deutlich zu machen, warum wir über die Entwicklungen bei Wikileaks sauer sind”. Es wird deutlich, dass Anonymous schon lange nicht mehr damit zufrieden ist, wie sehr sich bei Wikileaks alles um die Person Assange dreht, die Rede ist von einer “One-Man-Assange-Show”.

Am Montag gab Anonymous Details ihres Planes bekannt, ein eigenes neues „Wikileaks“ an den Start zu bringen. “Tyler” soll die Plattform heißen und ist offensichtlich da, um sich nicht länger mit dem in Ungnade gefallenen Wikileaks auseinandersetzen zu müssen. Wie genau die Plattform aussehen soll und wann sie starten wird, wird aber noch nicht verraten.

 

Kommentieren | 24. Oktober 2012 | 10:00 Uhr | Twittern | Facebook