US-Wahlkampf: Obama, Romney und die sozialen Medien

Die Debatte löste einen Twittersturm aus - ob es mehr als nur ein Sturm im Wasserglas war, wird sich erst noch zeigen müssen. (Quelle: Twitter)
Ginge es nach Twitter, wäre Obamas zweite Amtszeit gesichert. Doch welche Rolle die sozialen Netzwerke für den Wahlkampf wirklich spielen, wird sich erst bei der Wahl am 6. November zeigen.
Die dritte und letzte Debatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney sollte die Entscheidung bringen. Zum letzten Mal hatten die beiden Kontrahenten Gelegenheit, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, um für ihre Sache zu werben.
Entsprechend gerüstet und angriffslustig stiegen die beiden in den Ring. Doch wenn die Reaktionen auf Twitter ein Indiz für das Interesse der Menschen an der politischen Show-Veranstaltung sind, dann läst sich eine gewisse Ermüdung kaum übersehen.
Das Interesse erlahmt – trotz Pferden und Bajonetten
Während es die erste Debatte auf 10,3 Millionen Tweets brachte, und die zweite immerhin noch 7,2 Millionen Wortmeldungen verzeichnen konnte, zählte Twitter diesmal während der Debatte nur noch 6,5 Millionen Kurzkommentare.
Seinen Höhepunkt erreichte die Debatte auf Twitter um 21.45 Uhr Ortszeit in Boca Raton, Florida. Zu diesem Zeitpunkt sorgte eine sarkastische Replik Obamas für einen veritablen Twittersturm. Auf Romneys Kritik, die US-Marine habe heute weniger Schiffe als 1916, merkte Obama süffisant an, man habe heute auch “weniger Pferde und Bajonette” – und lieferte den Twitterati damit genau das Futter, auf das sie gewartet hatten.
Flugs wurde das Hashtag #horsesandbayonet zum Twitter-Trend, 105.767 Tweets pro Minute zählte Twitter zu diesem Zeitpunkt, und auch noch Stunden nach der Debatte waren “Pferde und Bajonette” in der Twitterwertung weit oben.
Der obligatorische Twitter-Account ließ natürlich nicht auf sich warten und brachte es auf rund 35.000 Follower, bei Tumblr sammelten sich in Rekordzeit satirische Fotomontagen (hier eine weitere Seite bei Tumblr), auf einer sofort eingerichteten Website wurden Wahlkampf-T-Shirts angeboten, und auch die Trittbrettfahrer fehlten nicht, die eine passende Website ausschließlich mit Werbung füllten.
Einen ähnlichen Ansturm löste nur noch die Anmerkung des Moderators Bob Schieffer aus, der einwarf, wir würden doch alle Lehrer lieben – diese etwas weltfremde Aussage sorgte für 102.330 Tweets pro Minute und ein entsprechendes Hashtag #iloveteachers.
Viel Lärm um Nichts?
CNN nutzte das schnelle Netz für einen “Instant Poll“. Danach sahen von 521 Teilnehmern 53 Prozent Obama als klaren Sieger der Debatte, 23 Prozent votierten für Romney und 24 Prozent erkannten auf Gleichstand.
Dergleichen ist zwar eine nette Information und liefert allemal Material für den Small Talk in der Kaffeküche – doch mehr als einen gewissen Unterhaltungswert hat diese Miniumfrage nicht, dafür sorgt nicht nur die geringe Basis, sondern auch die Selbstselektion der Teilnehmer. Auch ein Vergleich mit Facebook legt den Verdacht nahe, dass sich das Twittergewitter am Ende folgenlos in Luft auflösen könnte.
Zwar konnte man auch bei Facebook während der Debatte einen deutlichen Anstieg der Wortmeldungen verzeichnen, doch bleibt man mit insgesamt knapp einer Million Beiträgen zum Thema deutlich hinter Twitter zurück.
Das klingt auf Anhieb nach einem Punktverlust für Facebook – doch das täuscht. Denn berücksichtigt man, dass Facebook mit einer Milliarde aktiver Nutzer das größte soziale Netzwerk der Welt ist, dann liegt der Schluss nahe, dass für die meisten Menschen im Netz Politik im Allgemeinen und die Debatte im Besonderen kein so großes Thema ist, wie es die Twitter-Zahlen zu suggerieren scheinen.
Ob der Twittersturm wirklich mehr bietet als nur vorübergehende Unterhaltung für diejenigen, die sich ohnehin schon entschieden haben, und ob sich Obamas Erfolg in den sozialen Netzwerken am Ende auch tatsächlich in einem deutlichen Wahlsieg niederschlägt, werden wir erst am 6. November wissen – denn dann sprechen die, auf die es in diesem Fall tatsächlich ankommt: die Wähler.
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1 Kommentar | 23. Oktober 2012 | 11:26 Uhr |
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Danke für die ausführliche Auswertung, aber es ist doch wohl klar, das Obamas Zeit abgelaufen ist, die Mächtigen der Mächtigen haben sich doch schon längst für Romney entschieden und besser wird damit auch nichts…