Smartphones: Gegen Apple, Google & Co

Mit offenen Standards soll Firefox OS den Smartphone-Markt neu aufrollen. (Bild: Mozilla)

Mit offenen Standards soll Firefox OS den Smartphone-Markt neu aufrollen. (Bild: Mozilla)

Die Mozilla Foundation will den Markt für Mobiltelefone neu aufrollen. Das neue Betriebssystem Firefox OS soll den Kampf gegen die Apple, Google & Microsoft aufnehmen.

Die Mozilla Foundation ist aussichtslose Kämpfe gewohnt. Einst trat die US-Stiftung an, das Browser-Monopol des Giganten Microsoft aufzubrechen – und war erfolgreich. Firefox zwang Microsofts Internet Explorer in die Knie und öffnete den Markt wieder für Innovationen. Nun versucht es die Stiftung, den ebenfalls von Giganten beherrschten Smartphone-Markt aus den Fesseln der Konzerne zu befreien. Zwei Hersteller hat die Mozilla Foundation bereits gefunden, die Anfang kommenden Jahres erste Smartphones mit dem neuen Betriebssystem Firefox OS auf den Markt bringen wollen.

Billige Smartphones für Südamerika

Dabei plant Mozilla den Angriff von unten – nicht im High-End-Bereich, in dem sich Apple, Samsung und Co mit immer größeren Bildschirmen, schnelleren Prozessoren und mehr Speicher zu überbieten versuchen. Die Herausforderer zielen auf den Billig-Markt. So soll das erste Firefox-Smartphone in Brasilien erscheinen.

Wie viel das Smartphone kosten wird, ist noch nicht klar – aber die Entwickler experimentieren mit Geräten, die bereits schon für 80 US-Dollar zu haben sind. “Die Programme laufen darauf nicht nur schneller als wenn Android auf dem Gerät installiert wäre, sondern auch schneller als in einem Android-Gerät, das das Vier- bis Fünffache kostet”, erklärt Entwicker Rob Hawkes. Grund: Das Firefox-System sei wesentlich schlanker als die etablierten Systeme.

Zurück zu den Standards

Statt Programme speziell für ein Firefox-Handy programmieren zu lassen, setzt Mozilla auf Web-Technologien. Der Standard HTML5 erlaubt es, viele Programme direkt im Browser auszuführen – wie beispielsweise Angry Birds, das zwar für Googles Chrome optimiert ist, aber auch in anderen HTML5-fähigen Browsern läuft. Der Vorteil: Statt Apps nur für ein Betriebssystem zu entwickeln, könnten Entwickler das selbe Programm auf dem Desktop-Computer, Tablets und Handies laufen lassen.

Schon Steve Jobs hatte für das erste iPhone Programme auf HTML5-Basis propagiert (“Webapps”). Doch so richtig überzeugen können sie auf dem iPhone bis heute nicht, sie werden eher träge ausgeführt und haben direkten Zugriff auf die Hardware und wichtige Funktionen des Telefons. Wer etwa Kamera oder Adressbuch nutzen will, muss doch wieder speziell für iPhone und iPad entwickeln. Bei Android sieht es ähnlich aus.

Mit Firefox OS soll das anders werden: Das System ist ganz auf HTML5-Applikationen ausgerichtet. Selbst die Telefon-Funktion wurde in der Webtechnologie geschrieben. So könnten Entwickler erstmals einen Grund bekommen, ihre Apps in der übergreifenden Sprache zu schreiben.

Vorsichtig optimistisch

Ob dies aber gelingt, bleibt abzuwarten. So hat die Mozilla Foundation auf dem Mobilmarkt bisher wenig Erfahrung gesammelt. Zwar existiert inzwischen eine Firefox-Version für Android, spielt dort aber bisher keine große Rolle. Auch den Kampf um freie Videoformate hat die Stiftung weitgehend verloren – statt auf offene, lizenzfreie Formate setzen die meisten Videoanbieter noch auf proprietäre Technologien.

Die Marktforscher des US-Anbieters Strategy Analytics sind in ihrer Prognose vorsichtig optimistisch. Bereits 2013 soll Firefox OS einen Marktanteil von einem Prozent erreichen könnte. Ob es von dort bergauf oder gleich wieder bergab geht, hängt von den Entwicklern und den Käufern ab. Sollte das freie System tatsächlich Schwung bekommen, muss es sich auf unfreundliche Reaktionen der etablierten Konkurrenten einstellen: Die Patente, die beispielsweise Samsung und Apple gegeneinander in Stellung bringen, könnten auch Firefox OS das Leben schwer machen.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

8 Kommentare | 12. Oktober 2012 | 09:36 Uhr | Twittern | Facebook

8 Kommentare

  1. hi Herr Kleinz,

    dass die meisten Videoanbieter noch auf proprietäre Formate setzen liegt daran, dass die opensource-Grafiktreiber leider noch nicht so funktionieren, wie sie sollten. Beispiel ist der nouveau-Treiber, der absolutes Gift für Grafikkarten ist. Dieser Treiber überhitzt die Grafikkarten und lässt sie durchglühen. Darüber hinaus läuft der Kühler dann ständig übertourig und zieht zu viel Saft. Daher ist hier der proprietäre Treiber die einzige Rettung.

    Und auch bei anderen Grafikkarten wie AMD oder ATI-Radeon sieht es leider nicht besser aus. Ich stehe mit einem Nutzer in Kontakt, der mit dass bestätigen kann. Der Nutzer kommt aus Kanada.

    Das zweite Problem ist, diese html5-Standards funktionieren noch nicht richtig. Viele Videoformate werden noch nicht unterstützt. Das habe ich selbst schon getestet mit diversen Browsern. Von daher müssten diese Standards erst mal soweit entwickelt werden, dass sie auch sauber funktionieren.
    Und auch die Browser müssten erst mal auf diese Standards umprogrammiert werden, was auch bei vielen noch nicht der Fall ist.

    Und die dritte Schwierigkeit ist dann die abschließende Implementierung in die Betriebssysteme. Die ist eben nicht so einfach, wie Sie sich dass hier vorstellen.

    Und dann kommt abschließend noch das Thema Konkurrenz für Mozilla dazu. Denn ab Ubuntu 14 bringt der Ubuntu-Hersteller Canonical ebenfalls ein opensource-Betriebssystem für Smartphones auf den Markt. Dieses System hört auf den Namen Rhobuntu und es gibt sogar schon erste Mockups und nähere Informationen dazu im Internet.

    Es ist zwar zu begrüßen, dass Mozilla sowas machen will und ich fände dass richtig gut. Aber wie gesagt: die oben genannten Probleme müssen erst noch sauber gelöst werden und dann ist da die Konkurrenz auch im opensource-Bereich durch Android und dann auch durch Rhobuntu.

    Informationen dazu auf den folgenden Links:

    https://sites.google.com/site/rhobuntu/

    http://pc-techhelp.blogspot.de/2010/07/ubuntu-alias-rhobuntu-als.html

    http://www.inside-handy.de/news/23221-offen-fuer-alle-plattformen-ubuntu-smartphone-os-soll-2014-kommen

    http://www.omgubuntu.co.uk/2011/11/unity-phone-tablet-mockup-is-great/

    Gruß
    Linuxhelfer

    Linuxhelfer | 12. Oktober 2012 | 14:53
  2. Puuuh, mal wieder sportliches Unterfangen von Mozilla!! Ob es tatsächlich eine realistische Chance für Marktanteile gibt? Ich hab da so meine Bedenken, Apple iOS ist mehr oder weniger außen vor, denn solange es iPhones gibt wird es das iOS geben.

    Aktueller Trendsetter ist für mich aber Google Android, das Betriebssystem räumt grad recht ordentlich Marktanteile ab. Nokia hat kurz vor dem “Ersaufen” alles auf die Karte Windows Phone gesetzt, ob es für das finnische Unternehmen noch reicht, sich letztlich vor der Insolvenz zu retten, ich weiß es nicht. Würde mir leid tun, ich war 15 Jahre treuer und auch begeisterter Nokia-Fan. Nach einem enttäuchenden X6 bin ich aber zum Samsung Galaxy S2 übergegangen.

    Da ich persönlich aber seit langem Mozilla als Webbrowser nutze und durchaus zufrieden bin, drücke ich Mozilla auch auf dem Smartphone-Markt die Daumen. Konkurrent belebt bekanntlich das Geschäft! ;-)

    Smartphone Portal - Hans | 12. Oktober 2012 | 17:05
  3. hi Hans (Smartphne-Portal),

    Ich nutze hier in meinem Linux ebenfalls den Mozilla-Browser. Aber eben noch mit Flash, weil eben der html5-Standard noch nicht funktioniert. Beim Browser hat Mozilla schon stattliche Marktanteile. Daher frage ich mich: warum sollten es die beiden opensource-Systeme von Mozilla und Canonical nicht schaffen, friedlich Seite an Seite im Markt zu bestehen??

    Denn die Wahrheit ist: Google ist zwar ein riesiger opensource-Unterstützer, aber leider eben auch eine riesige Datenkrake. Daher bin ich ehrlich gestanden von Google nicht begeistert. Und wenn ich mir mal irgendwann ein Smartphone kaufen werde, dann eines auf dem ich mein Lieblingssystem selbst installieren kann. Denn ich mag solche vorinstallierten proprietären Systeme nicht. Ich würde mir eventuell Rhobuntu installieren, da ich derzeit LinuxMint als Betriebssystem nutze, das ebenfalls auf Ubuntu basiert.

    Von daher kann ich eigentlich sehr gut auf diese Windows-Phones verzichte und auch auf diese Appe-I-Phones. Und auch auf meine aktuelle Windows7-Maschine werde ich mir – wenn Windows7 mal am Ende ist, dann wohl ein Linux draufmachen. Denn Windows8 brauche ich ehrlich gestanden nicht. Linux ist einfach besser als Windows.

    Von daher sehe ich es so, dass diese proprietären Systeme – und dass ganz besonders auf den Smartphones – bald sterben werden, weil die User die opensource-Welt für sich entdecken werden.

    Darüber hinaus haben viele User weltweit bereits von diesem Patentkrieg die Nase gestrichen voll. Und ich kann es verstehen. Denn diese ganzen Patente, die Apple hier anklagt, sind allesamt geklaut aus diversen Linux-Distributionen. Da ist nichts davon selbst gemacht. Auch der optische Look und Feel von deren System ist auch ebenfalls nur geklaut aus diversen Linux-Distros. Namen wäre da zum Beispiel das zerstörte (aber bald zurückkehrende) OpenSolaris, Parsix, Ubuntu und seine Derivate selbst und auch aus Android.

    Dann ist auch der Look und Feel von deren Tablets bereits nicht mal von denen gemacht, sondern wurde aus der bekannten TV-Serie “Raumschiff Orion” (auch bekannt unter dem Namen “Raumpatrouille Orion”) entnommen. Und damit hat Apple nicht mal die Rechte an diesem Look. Und die Beweise, die Apple vor Gericht vorgebracht hat, sind allesamt gefakt, weil bildtechnisch nachbearbeitet. Beweise kann ich hier gerne reinposten. Und damit ist dieser ganze Patentkrieg eigentlich sogar auf einer einzigen Lüge aufgebaut. Und dafür sollte Apple eigentlich mal saftig abgestraft werden durch uns User.

    Und daher ist die Frage zu stellen: wer braucht diese Appel IPhones und diese Windwos-Phones eigentlich?? Niemand, um ehrlich zu sein. Die Zukunft wird den opensource-Systemen gehören und closed-source ist am Ende! Das ist die Wahrheit, Hans. Und daher hoffe ich, dass es zu einer friedlichen Co-Existenz dieser Smartphone-Systeme von Canonical und von Mozilla Seite an Seite ohne Kriegereien kommt.

    Liebe Grüße
    Linuxhelfer

    Linuxhelfer | 12. Oktober 2012 | 18:07
    • ” Die Zukunft wird den opensource-Systemen gehören und closed-source ist am Ende!”

      Träum weiter …

      Linux stinkt | 14. Oktober 2012 | 13:24
  4. @linuxhelfer:

    Zitat: “Denn diese ganzen Patente, die Apple hier anklagt, sind allesamt geklaut aus diversen Linux-Distributionen. Da ist nichts davon selbst gemacht.”

    Soso, und weil Apple nix aber auch gar nix selber entwickelt, hat es beim iPhone rund zwei Jahre gedauert, bis es vergleichbare Geräte von der Konkurrenz gibt und – interessanterweise – auch beim iPad.

    Und Apple bezahlt seine Entwickler nur zum Spaß, eigentlich ist – Deiner Logik zu Folge – iOS ja von der OpenSource-Gemeinde entwickelt.

    Mal ehrlich, glaubst Du mit solchen Argumenten tust Du der Linux-Gemeinde echt einen Gefallen?

    Ich finde Linux spannend und interessiere mich für alle aktuell wichtigen Betriebssystem für Endkunden, aber solche Argumente sind einfach in dieser Absolutheit nicht glaubwürdig.

    Nix gegen OpenSource – finde ich auch SEHR spannend und bereichernd – aber bisher deutet nix darauf hin, dass HTML5-Apps den nativen überlegen sind, eben weil Google und Apple ihre eigenen APIs den nativen Apps vorbehält. Schau Dir zum Beispiel die ZDF-Medienthek auf dem iPad an, die ist HTML-basiert und eben keine native App und genau das ist ihr größtes Manko, weil sich daraus in der Praxis ne Reihe von Nachteilen ergeben.

    Was ich am Ansatz der Mozilla Foundation gut finde, ist es, Geräte für die Entwicklungsländer, die bezahlbar(er) sind, auf den Markt zu bringen, wobei auch 80 EUR dort für Viele nicht erschwinglich sein dürfte, aber definitiv eher, als die hochpreisigen Geräte hier.

    Das die Mozilla Foundation gegen den Internet Explorer erfolgreich war, lag daran, dass Microsoft lange Zeit fast nix getan hat, um den IE weiter zu entwickelt und daran, dass sich die Entscheidung von Microsoft, gemeinsame Standards weitgehend abzulehnen, fatal ausgewirkt hat, ich kann mich noch gut entsinnen, dass Microsoft mal alles an Standards was nicht von ihnen kam, von der Website verbannen wollte, inklusive PDFs, Flash und Co.

    Ich halte es für SEHR unwahrscheinlich, dass Google und Apple den Fehler wiederholen werden und jahrelang an ihren mobilen Systemen nix machen werden, aufgrund von den finanziellen Möglichkeiten von Google und Apple UND den Ressourcen, die sie aktiv in die Entwicklung der mobilen Systeme stecken, wird es die Mozilla Foundation SEHR schwer haben, es sei denn, Google, Apple und Co. machen gravierende Fehler.

    Und war nicht Google Hauptgeldgeber von der Mozilla Foundation – was, wenn Google diese Förderung einstellt?

    KADO

    PS: iPad und Co. sind gerade deshalb so erfolgreich, weil man sich (so gut wie) NICHT um die Administration des Gerätes kümmern muss, klar, Leute wie wir beide haben Spaß daran, Systeme aufzusetzen und auf allen Geräten alles mögliche und unmögliche zu installieren, aber die breite Masse hat dieses Verlangen nicht – die freuen sich schon, wenn das aktuelle System einigermassen problemlos läuft.

    KADO | 14. Oktober 2012 | 01:30
  5. Na ob das was wird…
    Geld haben sie ja jetzt reichlich.

    Hue | 15. Oktober 2012 | 01:04
  6. Ich bin gespannt ob Mozilla es schafft sich in den Handy OS Markt noch zu schieben. Auch wenn Mozilla gute Mittel und sicherlich einige Akzeptanz hat. Allerdings ist es ja bisher auch Microsoft nicht mal anehrend gelungen Apple oder Google ein bisschen zu zusetzen. Viele Grüße Carsten

    Carsten Weddig | 19. Oktober 2012 | 13:33
  7. Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Ich bin gepsannt wie erfolgreich Firefox OS sein wird. Die Idee auf WebApps zu setzten klingt interessant, wird aber eben auch nicht dazu führen, daß man vom Start weg über eine zu iOS und Android vergleichbare Anzahl an Apps führen.
    Nach wie vor glaube ich, daß dies durchaus auch ein Enstscheidungskriterium bei der Wahl des Smartphones ist.

    Die Idee in einem Schwellenland wie Brasilien zu Starten finde ich durchaus interessant, insbesondere wenn man in der Lage ist lokale Besonderheiten zu berücksichtigen könnte sich Morzilla so einen Marktvorteil erarbeiten.
    Wir werden sehen!

    Smartphone TOP5 Torsten | 20. Oktober 2012 | 08:40