Romney vs. Obama: Der Sieger heißt Twitter

"Ordner voller Frauen": Kurz nach Romney unglücklicher Formulierung gab es bereits einen passenden Twitter-Account. (Screenshot)

"Ordner voller Frauen": Kurz nach Romneys unglücklicher Formulierung gab es bereits einen passenden Twitter-Account. (Screenshot)

Nach der zweiten Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten fühlen sich sowohl Barack Obama wie auch Mitt Romney als Gewinner. Doch der wahre Gewinner ist erneut Twitter – auch dank einer jungen Wählerin namens Lorraine und einer unglücklichen Aussage.

Während der Debatte muss das Publikum in der Halle Ruhe bewahren, dafür konnten sich die Zuschauer auf Twitter und Facebook um so heftiger beteiligen. In den 90 Minuten der Debatte verzeichnete Facebook 3,8 Millionen Nennungen der Kandidaten, Twitter meldet 7,2 Millionen Tweets (bei der ersten Debatte wurden laut Twitter über 10 Millionen Tweets abgefeuert).

110.000 Tweets pro Minute

Fast 110.000 Tweets pro Minute sind ungefähr nach einer Stunde der zweiten Debatte gesendet worden – dank einer jungen Wählerin namens Lorraine. Sie fragte die Kandidaten zu ihren Haltungen in der Einwanderungspolitik. Ein heißes Wahlkampfthema, doch die Tweet-Welle dürfte vom Namen der Wählerin ausgelöst worden sein. Romney hatte, ausgerechnet bei der Lateinamerikanerin, Mühe ihren Namen auszusprechen, worauf er sofort weltweit zum Trend bei Twitter wurde.

Die Aufregung erlebte einen weiteren Höhepunkt, gleich nachdem Präsident Obama seinen Gegner als “die letzte Person, die hart gegen China auftreten wird” bezeichnete. Der Präsident kritisierte Romney auch dafür, sich als Finanzinvestor an Unternehmen beteiligt zu haben, die Jobs nach China verlagert hätten. Laut Twitter wurden hier 108.000 Tweets pro Minute gesendet.

Ordner voller Frauen

Ein weiteres Trend-Thema auf Twitter war die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Was hier in Erinnerung bleiben dürfte, war eine zumindest unglückliche Formulierung von Mitt Romney. Als er sich an seine Arbeit als Gouverneur von Massachussetts erinnerte, und wie er Frauen für sein Team suchte, brachen Zuschauer in Kichern aus: “Binders full of women”, hätten sich gemeldet, also “Ordner voller Frauen”.

Keine halbe Stunde später hatte die Aussage eine eigene Website, einen eigenen Twitter-Account mit Tausenden Followern, und eine eigene Facebook-Seite, die nach kürzester Zeit mehrere Zehntausend “Likes” verzeichnete. Mittlerweile sind es über 205.000, Tendenz rasant steigend.

Top-Thema Wirtschaft

Einen Versprecher und damit ein Trend-Thema lieferte Moderatorin Candy Crowley kurz nach Beginn. “Lieber Mr. Romley”, sagte sie zu Romney, und korrigierte das falsche “l” sofort. Doch aufzuhalten war die erste Aufregung auf Twitter nicht. “Mitt hätte sagen sollen: ‘Nun, Candley’”, fand einer der Nutzer. Auch dass Präsident Obama während einer Diskussion über illegale Einwanderer das Slangwort “Gangbangers” für gewalttätige Personen wählte, sorgte in sozialen Medien für einiges Gekicher.

Twitter zufolge war das Top-Thema über die ganze Debatte hinweg jedoch die Wirtschaft, das Thema Nummer eins im Wahlkampf. Fast ein Drittel der Tweets seien dazu gesendet worden, lässt das Twitter-Analyse-Team auf dem Firmenblog wissen.

Es wurde rau

Die beiden Kandidaten haben sich nichts geschenkt und traten äußerst aggressiv auf. Ein Zuschauer ahnte das bereits kurz nach Beginn: “Das wird richtig rau. Wirklich rau.” Und das wurde es – auch auf Twitter. Die beiden Wahlkampf-Teams kommentierten die Debatte wieder in Echtzeit und versuchten, die Debatte für sich zu gewinnen, Fehler des Gegners herauszustreichen und Fakten live zu überprüfen.

Das ist eine echte Neuerung in diesem Wahlkampf, war doch Twitter vor vier Jahren noch ganz am Anfang. Nur Sekunden nach Ende der Sendung ließen sich die beiden Kandidaten von Familienmitgliedern auf die Schulter klopfen, und präsentierten sich beide als Sieger der Debatte.

Verschiedene Umfragen zeigten Barack Obama mit einem leichten Vorsprung, doch einen so klaren Sieger wie bei der ersten Debatte brachte der Abend nicht hervor. Damals wurde Obama auch im eigenen Lager als Verlierer angesehen. Eine Chance für einen klareren Debattensieger gibt es nächsten Montag bei der letzten TV-Debatte. Wer es ins Weiße Haus schafft bestimmen die US-Wählerinnen und -Wähler bei der Präsidentschaftswahl am siebten November.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Kommentieren | 17. Oktober 2012 | 08:50 Uhr | Twittern | Facebook