Netiquette: Trollen verboten
Sie streiten, provozieren und verletzen mit Worten. Trolle gehören zum Internet wie Spam und Serverfehler. Doch die Störenfriede müssen sich in Großbritannien zunehmend vor Gericht verantworten – oder vor der Öffentlichkeit.
Als Anfang Oktober der mutmaßliche Mörder eines fünfjährigen Mädchens verhaftet wurde, hatte die britische Öffentlichkeit nicht nur einen Schurken identifiziert. Denn neben dem 46-Jährigen, der das Kind entführt und getötet haben soll, stand noch ein zweiter Mann vor Gericht: der 19-jährige Matthew Woods. Der hatte zwar nichts mit dem Verschwinden des Kindes zu tun – aber er hatte geschmacklose Witze über den mutmaßlichen Kindsmord auf Facebook verbreitet. Woods wurde im Schnellverfahren abgeurteilt: zwölf Wochen Gefängnis.
Die Grenze der freien Rede
Die Presse war voll mit dem Urteil: Das Bild des Arbeitslosen landete in den Tageszeitungen und in der Internetpresse – gleich neben denen des vermutlich ermordeten Mädchens. Zuvor war er von der Polizei verhaftet worden. Denn die Empörung über den identifizierten “Troll” hatte hohe Wellen geschlagen. Auch seine Entschuldigung vor dem Magistrates’ Court, dass er betrunken gewesen sei und nur Dampf abgelassen hatte, landete landesweit in den Medien. Als die Richter erklärten, dass nur eine Gefängnisstrafe angemessen sei für die verletzenden Kommentare des Jugendlichen, gab es laut Presseberichten sogar Applaus im Gerichtssaal. Die maximale öffentliche Demütigung für den Demütiger.
Möglich macht dies der “Communications Act” von 2003. Nach dem Gesetz ist es verboten auf elektronischem Wege “anstößige, obszöne oder drohende” Nachrichten zu veröffentlichen. Mit Hilfe dieses Paragraphen versuchen die Staatsanwälte in Großbritannien, der überschäumenden Troll-Welle Herr zu werden. Kronanwalt Keir Starmer kündigt in der BBC ein härteres Durchgreifen an: “In meinen Augen ist es Zeit für eine informierte Debatte über die Grenzen freier Rede in Zeiten sozialer Medien.”
Geldstrafe für einen Tweet
In den vergangenen Monaten hatten notorische Trolle immer wieder für Schlagzeilen und Empörung gesorgt. Sie suchten sich oft die Verletzlichsten – zum Beispiel trauernde Familienmitglieder und Jugendliche – aus, um mit ihnen ihren teilweise grausamen Spaß zu treiben. Unrechtsbewusstsein zeigen viele nicht. Doch die Strafverfolger setzten nach: So wurde bereits 2010 der Paul Chambers dafür verurteilt, dass er seinem Ärger auf Twitter Luft gemacht hatte.
Weil der Flughafen in South Yorkshire wegen schlechten Wetters gesperrt war, twitterte der damals 28-Jährige: “Entweder ihr bekommt das in einer Woche hin oder ich jage den Flughafen in die Luft.” Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und verlor seine Arbeitsstelle. Erst das oberste britische Gericht hob die Verurteilung im Sommer 2012 wieder auf. Für die Staatsanwälte war dies jedoch kein Grund, die Anklagewelle zu stoppen – sie wollen im Gegenteil noch konsequenter vorgehen.
Schreckliche Witze sind kein Verbrechen
Inzwischen melden sich jedoch immer mehr Stimmen, die die freie Rede gefährdet sehen. So zitiert der Fernseh-Autor Charlie Skelton einen Kollegen: “Wenn wir wirklich Versuche kriminalisieren, seine Mitbürger mit schrecklichen Witzen aus dem Häuschen zu bringen, müssten alle Comedy-Schreiber ins Gefängnis, bevor sie am Morgen ihren zweiten Schluck Kaffee trinken.” Für seine schlechten Witze habe Woods genug gelitten, als sich ein Lynchmob vor seinem Haus versammelt habe. Ihn dann auch noch mit Gefängnis zu bestrafen, sei unnötig.
(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)
8 Kommentare | 20. Oktober 2012 | 10:10 Uhr |
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Ich finde es absolut richtig, diese so genannten „Trolle“ angemessen zu bestrafen. Man macht ueber Personen, die z. B. um Familienmitglieder oder Freunde trauern, keine Witze! Und schon gar nicht in der Oeffentlichkeit, ob nun im Internet oder in der Offline-Welt. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann ist Schluss mit Meinungsfreiheit!!
Hier werden die tiefsten Gefuehle anderer Menschen verletzt, und eine breite Oeffentlichkeit kann dies auch noch mitverfolgen, z. B. auf Facebook, wenn diese Beitraege mit allen geteilt werden.
Es besteht ein grosser Unterschied, ob es um Comedy à la „heute-show“ oder anderer Satiresendungen geht. Hier werden Personen, die im oeffentlichen Leben stehen, beispielsweise Politiker, die damit rechnen muessen, dass ueber sie Witze gemacht werden, durch den Kakao gezogen. Solange es nicht in den persoenlichen Bereich geht, finde ich das OK.
Klar sind manche Kommentare ein Problem. Wobei man bereits bei den beiden genannten Beispielen deutliche Unterschiede sehen kann. Aber sie sind ein gesellschaftliches Problem, das man auch nur durch einen gesellschaftlichen Kontext in den Griff bekommt. Gerade die Briten sind ja, was schwarzen Humor (und weiteres) betrifft durchaus nicht zimperlich. Da braucht man nur in einschlägige Exemplare der Regenbogenpresse gucken. Was mich zum Kern bringt: Solange Medienhäuser in großem Stil Fakten behaupten, Existenzen zerstören und Menschen an die Öffentlichkeit zerren und ihnen im Normalfall höchstens eine Rüge des Presserats „droht“, sind solche Gummiparagraphen wie der Communications Act eine reine Farce. Entweder die Gesellschaft hält sowas aus, oder man ändert halt das Recht zur freien Meinungsäußerung. Für alle Kommunikatoren.
Hallo @ all,
ich sehe es so: es muss einen vernünftigen Kompromiss zwischen Bewahrung der Rede- und Meinungsfreiheit einerseits, sowie dem ordentlichen Verhalten im Internet und in der Öffentlichkeit andererseits.
Das will ich hier nicht nur an diesem Beispiel, dass hier in diesem Blogeintrag genannt wird, festmachen sondern auch an diesen beiden Vorfällen zwischen Herrn Gottschalk und Florian Silbereisen und dem anderen Vorfall zwischen dem französischen Staatspräsidenten und dem Modezar Karl Lagerfeld.
Was ist nun in diesen beiden Fällen passiert:
in dem ersten Fall zwischen Herrn Thomas Gottschalk und Florian Silbereisen ging es darum, dass Herr Gotschalk den Herrn Florian Silbereisen in einer Rede in der Universität Heidelberg vor ZUhörern als
«größten Irrtum in der Fernsehgeschichte» bezeichnet.
Zwar hat sich Herr Gottschalk inzwischen bei Herrn Silbereisen – wenn auch halbherzig – entschuldigt. Aber: das war genausowenig in Ordnung.
Was ist im zweiten Fall passiert:
Der zweite Fall spielte zwischen Herrn Karl Lagerfeld und dem französischen Staatspräsidenten. Hier hat Herr Lagerfeld in einer Kritik gegen die Politik des französischen Staatspräsidenten das Wort “Dummkopf” gegen selbigen fallen lassen.
Hier hätte Herr Lagerfeld wissen müssen, dass er hier den französischen Präsidenten vor sich hat und dass man sich so etwas vor dem französischen Staatspräsidenten nicht leisten darf und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Hier ist Herr Lagerfeld völlig unnötigerweise persönlich geworden und hat ihn persönlich angegriffen. Auch dass war genausowenig in Ordnung!! Sowas kann man sich zwar denken und Herr Laferfeld darf die französische Politik (also den Politikstil) durchaus kritisieren, sollte dabei aber seine Wortwahl bedenken).
Daran sieht man, dass es sowohl in der Öffentlichkeit und im Internet einfach Grenzen gibt. Es kommt sowohl darauf an, was man sagt und ganz besonders: wie man etwas sagt. Damit meine ich, in welcher Wortwahl man etwas sagt.
Daher meine ich, dass alle drei Vorfälle (also dieser von diesem Internet-Nutzer und diese beiden Fälle die ich als Beispiel benutzt habe) nicht in Ordnung waren und es eigentlich in allen drei Fällen Konsequenzen geben müsste.
Das bedeutet: eine Geldstrafe für diesen Internet-Nutzer halte ich hier wirklich für tat- und schuldangemessen. Herr Gottschalk sollte sich noch einmal persönlich bei Herrn Florian Silbereisen entschuldigen unter vier Augen (da muss die Öffentlichkeit allerdings nicht dabei sein!!) bei ihm privat. Und auch von Herrn Lagerfeld erwarte ich, dass er sich ebenso bei dem französischen Staatspräsidenten Hollande für dieses peinliche Wort entschuldigt.
Und solche Vorfälle von absoluten Verbalentgleisungen findet man nicht nur in solchen Netzwerken wie Twitter und Facebook, sondern man findet sich auch in diversen Internet-Foren und Chatrooms. Hier sehe ich es eigentlich als die Aufgabe der Moderatoren und der Chatteilnehmer selbst, hier für mehr Ordnung zu sorgen und ruhig öfters mal die eine oder andere Verwarnung auszusprechen für derartige Vorfälle.
Denn: so geht man einfach nicht miteinander um. Man darf sich natürlich über alles austauschen. Auch über das Thema Politik und welcher Politikstil derzeit der richtige ist. Denn es gibt durchaus berechtigten Grund, manche politischen Maßnahmen unserer Politiker scharf anzukreiden und zu kritisieren. Denn unsere Politiker machen derzeit sehr viele Fehler mit schweren und schwersten Konsequenzen für die Bürger. Und hier muss das Volk als Korrektiv eingreifen.
Aber eben auch wir Internet-User sollten wirklich ab und zu unsere Wortwahl gegenüber anderen Internet-Teilnehmern überdenken und bei aller Diskussion nicht persönlich werden und andere nicht angreifen. Dafür gibt es eben die geltende Nettiquette.
Nur leider gibt es auch Forenmoderatoren und Forenadmins, die es mit dieser Nettiquette nicht allzu genau nehmen und hier vieles schleifen lassen. Hier sollten bitte auch ab und an mal die Moderatoren und Administratoren in Foren mal nachdenken, ob hier in solchen Situationen nicht ab und zu mal ein schärferes Eingreifen geboten wäre und hier zu lasch vorgegangen wird.
Von daher gebe ich hier dem Blogverfasser und den bisherigen Postern recht, dass in diversen Internet-Konversationen wieder öfters auf den richtigen Umgangston miteinander geachtet werden sollte.
Liebe Grüße
Linuxhelfer
Denn wenn man sich diesen Absatz:
——————————-Zitat aus Blogartikel———————————-
Weil der Flughafen in South Yorkshire wegen schlechten Wetters gesperrt war, twitterte der damals 28-Jährige: “Entweder ihr bekommt das in einer Woche hin oder ich jage den Flughafen in die Luft.” Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und verlor seine Arbeitsstelle. Erst das oberste britische Gericht hob die Verurteilung im Sommer 2012 wieder auf. Für die Staatsanwälte war dies jedoch kein Grund, die Anklagewelle zu stoppen – sie wollen im Gegenteil noch konsequenter vorgehen.
———————————-Zitatende———————————————–
hier anguckt, dann muss man diese Aussage von diesem 28jährigen Internet-Nutzer sogar schon als echte Terrordrohung einstufen. Und dass geht entschieden zu weit. Hier dürfen die Gerichte nicht so nachlässig sein.
OK, dieser Airport hat sich – eventuell – einen Fehler geleistet. Aber dass können wir hier nicht beurteilen, da wir User die Sachlage nicht kennen. Aber für das Wetter haften Airports nun mal nicht. Da haben die Gerichte mal recht. Von daher war diese Geldstrafe richtig und ich wundere mich, warum das oberste Gericht diese Geldstrafe wieder aufgehoben hat. Hier muss ich ganz ehrlich mal den Kopf schütteln und die Frage stellen: warum sind die Gericht hier so lasch??
Denn so eine Aussage im Internet würde einen User/eine Userin hier in Deutschland sogar schon ins Gefängnis bringen wegen Terrorismus. Und für solche Terrordrohungen darf es auch im Internet kein Verständnis geben.
Und auch solche geschmacklosen Witze dürfen im Internet nicht geduldet werden. Von niemandem.
Gruß
Linuxhelfer
Wie in einer Diktatur. Dann würden die Knäste mit der Zeit überquellen. Diese Gesetze sind ein schlechter Witz.
Wenn ihr nun fragen solltet, was die Foren-Moderatoren und Administratoren tun können gegen solches Cybermobbing, da habe ich schon eine ganze Menge Vorschläge, die bereits in bestehenden Foren-Kontrollzentren für Moderatoren und Administratoren vorhanden sind.
Was kann also getan werden:
1. Worteditierung
Im Kontrollzentrum gibt es meistens eine Möglichkeit, dass unerwünschte und unangemessene Wortwahl editiert werden kann. Bitte an die Forenmoderatoren und Foren-Admins: bitte nutzt diese Möglichkeiten endlich.
2. Beiträge filtern
Dann gibt es in den Kontrollzentren die Möglichkeit, Beiträge nach unangemessener Wortwahl zu durchsuchen und Filter einzurichten. Solche Beiträge sollten – wenn eine Worteditierung nicht möglich ist – rausgefiltert und nicht freigeschaltet werden.
3. Abmahnung von Usern mit Androhung von Sperrungen
Dann gibt es über das Kontrollzentrum auch die Möglichkeit, User bei Wiederholungstaten abzumahnen und ihnen eine Sperre anzudrohen, sollte sowas nochmal passieren. Bei diesen Abmahungen gibt es auch verschiedene Abstufungen.
4. Sperrungen durchsetzen
Wenn dann diese Abmahnungen nichts fruchten, sollten solche User auch mal über eine begrenzte Zeit aus den Foren ausgesperrt werden, damit sie begreifen, wie schädlich ihr Verhalten ist. Wenn sich dann immer noch nichts bessert, können solche User auch dauerhaft gesperrt und auf einen Index im Kontrollzentrum gesetzt werden, sodass diese dauerhaft gesperrt sind. Von daher wäre es gut, wenn die Forenmoderatoren und Administratoren auch mit der Polizei und den Staatsanwälten zusammenarbeiten und solche Fälle auch wirklich melden.
Nur so und über Gerichtsurteile kommen wir solchem Cybermobbing endlich bei.
Von daher: wacht endlich auf ihr User und Userinnen, meldet solche Mobber und Trolle und sorgt dafür, dass die gesperrt werden. Cybermobbing darf keine Zukunft haben und auch Cyberwar mittels solcher Viren wie Flame, Stuxnet, Mini-Flame, Staatstrojanern und solchen Teilen muss ebenfalls ein für alle Male unterbunden werden!!
Völlig unausgegorene Gedanken sind diese Troll-Verbote. Die ganze Selbstgerechtigkeit, die in diesem Moralismus mitschwingt (“Ich weiss, ja ordentlich ist und was nicht”) ist hanebüchen bis erschreckend.
Mobber mit Trollen in eine Kiste zu werfen. Völlige Unkenntnis bereits bestehender Gesetze zu Beleidigung, übler Nachrede etcpp.
Es gibt ja noch nicht mal eine richtige Definition fürs Trollen. Für viele wird ja schon getrollt, wenn man nur mal eine explizit andere Meinung hat bzw. die lächerlich konstruierten Meinungen anderer mal genüsslich auseinander nimmt.
Mit Gesetzen wird man auf jeden Fall rauen Umgangston nicht verhindern können, zumindest nicht in einer freiheitlichen Demokratie.
Der Artikel beschreibt reinstes Mobbing, das hat mit dem, was allgemein unter “Trollen” vermutet wird, nichts zu tun.