Kommunikation: Ode an die E-Mail

Gescholten viel, doch unverzichtbar: Mail. (Foto: Flickr-User Ian Broyles; CC BY-NC-SA 2.0)

Gescholten viel, doch unverzichtbar: Mail. (Foto: Flickr-User Ian Broyles; CC BY-NC-SA 2.0)

Die E-Mail ist überkommen, macht gar doof – sagen die Kritiker. Doch sie ist das verbindende Element des Internets. Ein Plädoyer für ein totgesagtes Medium.

Das Image der E-Mail ist wahrhaftig nicht gut. Die Digital-Nativen haben sich von dem Medium längst verabschiedet, da es ihnen so überkommen erscheint wie unsereinem die Briefpost. Instant Messenger, Twitter und Facebook sind schneller, sozialer und haben mehr Funktionen. Und überhaupt ist E-Mail viel zu mühsam, hier muss man zuerst eine Betreffzeile formulieren – woanders kann man gleich drauf los schwafeln. Nicht mal verschlüsselt sind die meisten Nachrichten, die milliardenfach durch unsere Datenleitungen schießen – nein: schleichen. Denn bis eine E-Mail angekommen ist, kann es durchaus schon mal eine Minute dauern. Oder fünf. Un-zu-mut-bar! E-Mail ist bestenfalls eine Brückentechnologie, die allenfalls einen Vorgeschmack bietet auf das, was kommt. Ein Relikt. Nur noch 148 Mails checken – und dann ist sie tot. Endlich.

Totgesagte leben länger

Doch die immer wieder aufkommenden Gerüchte über das Ableben der E-Mail sind hoffnungslos übertrieben. Man muss sich nur vor Augen halten: Jeder der rund eine Milliarde Facebook-Nutzer musste sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren. Anders bekommt man keinen Account. Zwar schiebt Facebook jedem Mitglied auch eine Quasi-E-Mail-Adresse unter, aber die ist nur müder Ersatz, der Schatten einer E-Mail. Sie separiert zwischen Freunden und Nicht-Freunden. Also –  nicht wirklichen Freunden, sondern Facebook-Freunden. Echte Freunde, die nicht schon im Facebook-Adressbuch stehen, werden eher nicht gelesen.

E-Mail macht uns gleich

Wenn es die E-Mail nicht gäbe, müsste man sie glatt noch einmal erfinden. Denn wie kaum ein anderes Medium verkörpert sie die offenen, egalitären Prinzipien des Internets. Als E-Mail-Nutzer sind wir alle gleich: Man braucht keinen Ausweis, man muss nichts bezahlen – und trotzdem kann jeder eine E-Mail-Adresse anlegen und mit jeder anderen E-Mail-Adresse kommunizieren.Ob mit der des Apple-Chefs, der Kanzlerin oder des Kleinbetrügers aus Nigeria. E-Mail verbindet ohne Ansehen der Person.

E-Mails halten die Kommunikation ehrlich – zumindest potenziell. Egal ob Twitter, Facebook oder Google+  – hier können Nachrichten spurlos verschwinden. Gerade ist eine Twitter-Botschaft noch da, schon ist sie wieder weg. Absichern kann sich da nur, wer sich die Nachrichten zuschicken lässt. Natürlich per E-Mail.

E-Mail ist dauerhaft, sparsam und effektiv

Einmal abgeholt, ruht die E-Mail auf der eigenen Festplatte. Oder online, auf einem Server, dem wir unser Vertrauen schenken. Hier können die Internetkonzerne nicht mal eben herumlöschen und blockieren. Ist eine E-Mail einmal versandt, ist sie in der Welt. Wir können sie abspeichern, weitergeben, kopieren, noch einmal lesen. So sieht man wenigstens noch nach ein paar Jahren, was Sache war.

E-Mail ist sparsam und effektiv. Selbst im Zug, bei schlechtem Empfang – E-Mail geht fast immer und überall. Wo Skype unmöglich ist und selbst Twitter quälend langsam seine 140-Zeichen-Nachrichtenfetzen updatet, ist die Mail mit 1000 Worten schon am Ziel.

Man mag sich gar nicht ausmalen, wie E-Mail aussähe, würde sie erst heute erfunden. Google-Nutzer könnten ihren Kontakten in Facebook keine Post schicken. Apple würde alle verklagen, die ebenfalls elektronische Nachrichten übermitteln wollen. Der Innenminister würde eine Kopie jeder Nachricht verlangen. Post und Telekom würde einen Weg finden, der E-Mail eine Briefmarke aufzukleben.

Nur gut, dass es E-Mail schon sehr lange gibt – und dass es sie auch noch sehr lange geben wird.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

2 Kommentare | 27. Oktober 2012 | 09:45 Uhr | Twittern | Facebook

2 Kommentare

  1. Wer meint E-Mail sei doof, redet Unsinn. Twitter? Was soll ich damit? Facebook-Mails? Bin froh nicht bei dem Daten-Ausspäh-Verein zu sein.

    werner | 27. Oktober 2012 | 14:11
  2. Ist mir selbst noch nicht aufgefallen, das die E-Mail angeblicht “tot” sein soll. Sehr seltsam, was für Behauptungen im Netz verbreitet werden.

    Paul Fehsbook | 27. Oktober 2012 | 14:38