Filesharing: Katz und Maus, neue Runde

Ab in die Wolke: Auch die Filesharer setzen auf dezentrales Cloud-Computing. (Foto: Flickr-User pskwelwater; CC BY 2.0)

Ab in die Wolke: Auch die Filesharer setzen auf dezentrales Cloud-Computing. (Foto: Flickr-User pskwelwater; CC BY 2.0)

Die Macher der Piratebay verlagern Technik in die Cloud, ein neuer Musikdienst von Megaupload-Gründer Kim Schmitz soll noch im Januar starten. Im Katz-und-Maus-Spiel ums Urheberrecht zeichnet sich eine neue Runde ab.

Um große Worte waren sowohl Kim Schmitz als auch die Macher der Filesharing-Plattform Piratebay noch nie verlegen. Letztere etwa kündigten noch im Frühjahr an, einen Teil ihrer Infrastruktur auf Drohnen verlagern zu wollen, die bald über internationalen Gewässern schweben könnten. Zumindest bislang wurde daraus allerdings nichts.

Wolkige Aussichten

So muss man auch die neuen Meldungen zum Thema mit Vorsicht genießen. Der Eintrag, der seit kurzem im offiziellen Piratebay-Blog zu lesen ist, klingt auf den ersten Blick reichlich blumig: “Wir haben jetzt unsere Server abgeschaltet. Langsam und stetig verlassen wir unsere irdische Form und steigen zur nächsten Stufe empor: in die Cloud. Die Cloud – oder Brahman, wie es die Hindus nennen – ist das All-Eine, das alles umgibt. Sie ist überall – immateriell, aber real.”

Will sagen: Das schwedische Filesharing-Portal verlagert seine Technik von physischen Rechnern auf virtuelle Maschinen bei Cloud-Anbietern. Die Infrastruktur soll so von einzelnen Rechtssprechungen unabhängig, für Strafverfolgung unangreifbar werden. Auch die Betreiber der angemieteten Cloud-Kapazitäten würden durch Verschlüsselung nicht einmal ahnen, welcher Dienst bei ihnen betrieben wird, schreibt das szenenahe Blog Torrentfreak. Nur wenige Komponenten, die das Zusammenspiel koordinieren und Spuren verwischen, betreibt die Plattform demnach noch selbst. Die eigentlichen Dateien liegen ohnehin schon immer bei den Nutzern.

“Mega”: Verschlüsselter Speicherdienst

Das jüngste Projekt von Megaupload-Gründer Kim Schmitz dagegen existiert bislang nur als Ankündigung. Auf den Tag genau ein Jahr nach der Durchsuchung seiner Villa werde die neue Plattform “Mega” starten, verkündete er am Freitag auf Twitter. Das ist der 19. Januar im kommenden Jahr, ursprünglich sollte es noch früher sein. Zuletzt gab sich Schmitz als Freund der Urheber und kündigte eine Plattform an, auf der Musiker ihre Werke zu besten Konditionen selbst verkaufen könnten.

Allerdings soll die Plattform auch den Austausch von Dateien ermöglichen – diesmal verschlüsselt, für Dritte und die Betreiber selbst nicht einsehbar, wie Schmitz gegenüber Wired erklärte. Die Daten würden zudem auf Servern in mehreren Ländern gelagert. Wie das Projekt tatsächlich aussehen wird, bleibt abzuwarten, doch die Zielrichtung ist schon jetzt erkennbar: Das neue “Mega” soll die Betreiber selbst gegen Rechtsverletzungen immun machen.

Diensteanbieter im Visier

Bei allen Unterschieden im Detail: Im Katz-und-Maus-Spiel ums Filesharing dürfte eine neue Runde eingeläutet werden. Dahinter steht auch ein Strategiewechsel der Rechteinhaber. Statt beim einzelnen Nutzer setzen Musikindustrie und ihre Verbände schon länger bevorzugt an anderen Stellen an: Zugangsprovider sollen zur Sperrung von Filesharing-Seiten gebracht werden oder Warnhinweise verschicken, wie etwa beim “Six-Strikes-System”, das in den USA gerade eingeführt wird. Auch Hostprovider, bei denen Torrent-Systeme laufen, geraten ins Visier.

Das Vorgehen gegen den Filehoster Megaupload oder das Konglomerat um kino.to wiederum hat vor Augen geführt, dass Beschlagnahme oder Abschalten von Servern und Domains das Aus für die Plattformen bedeuten können – auch wenn an anderer Stelle stets neue entstehen.

So ist vor allem der neue Schritt der Piratebay aus Sicht der Macher nur konsequent. Die Plattform hat sich ohnehin als bemerkenswert robust erwiesen – auch, weil sie neue, dezentrale Techniken stets adaptiert hat. Unverwundbar, wie die Ankündigung es suggeriert, wird sie damit natürlich nicht. Bei Schmitz’ Vorhaben dürfte es ähnlich sein. Aber der technische Vorsprung wächst wieder einmal.

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Autor: David Pachali

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David Pachali ist freier Journalist zu digitaler Öffentlichkeit, Netzpolitik und Urheberrecht und Redakteur bei iRights.info.
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3 Kommentare

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    31.10.2012, 12:59 Uhr.

    Hallo,
    das ist eine interessante Wasserstandsmeldung, die dieses vernachlässigte (ich will nicht sagen totgeschwiegene) Thema wenigstens mal in den öffentlich rechtlichen Medien anspricht.

    Egal wie man zu dem Thema steht, finde ich es bemerkenswert, wie beim Thema Megaupload vorgegangen wurde. Hier fehlt mir auch ein wenig eine kritische öffentliche Berichterstattung außerhalb des Internets. Laut Web-Quellen wie heise oder gamestar wurden die Rechteinhaber hier ausgerechnet dann mit dem FBI aktiv, als Megaupload kurz davorstand, im Einvernehmen mit den Künstlern persönlich (unter Umgehung der Plattenlabels) eine Downloadplattform zu errichten, die auf Werbeeinnahmen basiert und somit die Labels umgeht, den wertschaffenden Künstlern aber Geld erwirtschaftet und für Kunden “kostenlos” ist. Zudem kommt bezüglich praktisch jedem einzelnen Punkt des Vorgehens der Behörden gegen Megaupload heraus, dass dies illegal bzw. ohne rechtliche Grundlagen geschehen ist. – Und kaum eines der großen Medienhäuser berichtet. Ob das daran liegt, dass sie eben auch Rechteverwerter wie die Labels sind und ihre Felle davonschwimmen sehen?

    Man klammert sich an einem alten System fest (statt mit der Zeit zu gehen) wie die Kutschenmacher Englands, die bei der Einführung eines alternativen Systems (Motorwagen oder eben hier Werbebasierte Bezahlung – sofern die Berichte hierzu stimmen), den Fortschritt torpediert haben. (In England gab es die Bestimmung, dass innerorts Fahrzeuge nicht schneller als 2 Meilen pro Stunde sein dürften…)

    Ich hoffe es gibt noch mehr Leute, die hier eine offenere Berichterstattung gut fänden.

    • mehrBerichten
      31.10.2012, 13:00 Uhr.

      *kleine Korrektur: ich meinte die Rechteverwerter wurden mit dem FBI aktiv…

    • Thorsten
      31.10.2012, 23:31 Uhr.

      Bezüglich Ihrer Argumentation drängt sich natürlich folgende Frage auf: Wenn die Künster werbefinanzierte Downloads so suppi finden, warum brauchen die dann Typen wie den Kim Schmitz, und stellen ihre Songs nicht einfach auf die eigene Homepage? Das ist doch irgendwie seltsam, finden Sie nicht?

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