Facebook: 4,87 Euro für ein bisschen Aufmerksamkeit

Für fünf Euro kann man seinen Beitrag bei Facebook mehr Gewicht verleihen (Screenshot, Selbstversuch des Autors).

Für fünf Euro kann man seinen Beitrag bei Facebook mehr Gewicht verleihen (Screenshot, Selbstversuch des Autors).

Je mehr Freunde man bei Facebook um sich versammelt, um so mehr Statusmeldungen kämpfen in der Neuigkeiten-Timeline um Aufmerksamkeit. Wer seine Argumente mit Bargeld untermauert, findet zumindest theoretisch mehr Gehör – dank “hervorgehobener Beiträge“.

EdgeRank: Wer sieht was bei Facebook?

Über die Reihenfolge, in der Statusmeldungen von Seiten und Personen in der Timeline eines Benutzers bei Facebook auftauchen, wacht der EdgeRank. Der wird für jedes Posting aus verschiedenen Werten berechnet. Je neuer ein Beitrag ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Beitrag angezeigt wird. Multimediale Inhalte oder Facebook-Features, wie Umfragen, bringen eine Statusmeldung ebenfalls weiter nach vorn. Am wichtigsten aber ist die Affinität eines Benutzers zum einzelnen Beitrag, die davon abhängt, wie oft er mit einer Person oder Seite interagiert, oder wie viele Freunde dieselbe Person oder Seite mögen.

Tschüss, Neutralität!

Der EdgeRank dampft somit die „Neuigkeiten“ auf ein Minimum ein. Er lässt alles veraltete weg. Ebenso das nicht sonderlich bunte und auch das, was von Leuten geschrieben wird, mit denen man zwar “befreundet” ist, darüber hinaus aber in Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Dieses Auswahlverfahren ist vielleicht nicht immer treffsicher, aber immerhin neutral. Doch damit ist jetzt Schluss, denn ein gekaufter Beitrag wird auch dann angezeigt, wenn sein EdgeRank ihn eigentlich als unerheblich qualifiziert. Aber ist das wirklich die händeringend gesuchte Geldquelle für Zuckerbergs angeschlagene Schwatzbude? “Das Modell mit bezahlten Inhalten lässt sich in Zukunft nicht einfach unendlich skalieren, genauso wenig die Einnahmen daraus”, glaubt Philipp Roth von allfacebook.de.

Wie man sich wichtig macht und wozu

Immerhin: Ignoriert man mal die Werberichtlinien, könnte die Werbebuchung auf Facebook einfacher nicht sein – beim eigenen Post auf “Hervorheben” klicken und eine aus über einem Dutzend Zahlmethoden wählen. Der Spaß, die wichtige Wortmeldung “Weltfrieden!” testweise zu promoten, kostete den Autor zum Beispiel 4,87 Euro.

Unternehmen können darin ein probates Werbemittel erkennen. Schließlich können hervorgehobene Meldungen auch von einer Firmen- oder Produkseite stammen. “Promoted Posts sind eine sehr effektive Werbeform in Facebook, die die Reichweite, welche durch den EdgeRank von Facebook beschnitten wird, massiv erhöhen kann”, glaubt Facebook-Berater Thomas Hutter: “Wichtig ist, dass über die promoted posts nur wirklich interessante Beiträge verstärkt werden. Bei uninteressanten Inhalten kann es schnell passieren, dass Benutzer vergrault werden.”

Da ist etwas dran. Der uninteressante, fast fünf Euro teure “Weltfrieden!”-Post hatte keineswegs nur Freunde: Einer sah sich gar zu folgender Mitteilung genötigt: “Jeder meiner FB-Freunde, der dieses Feature künftig nutzt (egal aus welchen Gründen, inklusive Weltfrieden), fliegt aus meiner Liste.”

Geringe Ablehnung, enttäuschende Bilanz

Allerdings ist die Ablehnung der neuen Funktion derzeit noch zu gering, um entsprechende Protestseiten zu befeuern. Auch überzeugt die Bilanz nicht: “Dein Beitrag wurde bislang 1,5x öfter gesehen, weil du ihn hervorgehoben hast”, meldete die Statistikfunktion und meint damit: 65 Prozent hätten ihn so oder so gesehen, 35 Prozent  weil er bezahlt wurde.

Für Philipp Roth von allfacebook.de kommt es auf die Dosierung an. “Ich sehe wenig Gefahr, Freunde zu vergraulen, solange die Kommunikation auf einer privaten Ebene bleibt. Schwierig wird es, wenn man auf Facebook verschiedene Gruppen an Freunden hat und auch geschäftliche Kontakte anspricht. Keiner will auf Facebook zu viel Eigenmarketing oder Werbung sehen.” Er rät daher, es mir der Nutzung des Features nicht zu übertreiben. “Bei penetranten Werbern klickt man einfach auf ‘Freunde’ und deaktiviert ‘In den Neuigkeiten anzeigen’ – dann schafft es der Freund auch nicht mit Geld in den Newsfeed.”

(Das ZDF ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich)

1 Kommentar | 21. Oktober 2012 | 10:10 Uhr | Twittern | Facebook

Ein Kommentar

  1. 5 Euro für einen Sticky-Post… naja, wenn`s scheen macht. Solange ich davon nicht genervt werde, können die Mutzer soviel Geld rausschmeißen wie sie wollen. Von mit gibt es null Cent und das wird auch immer so bleiben.

    Paul Fehsbook | 22. Oktober 2012 | 23:19